Zwei Drittel der Unterernährten sind Bauern

Die Hungrigen im globalen SüdenEs geht gleich weiter mit Bildern, allerdings von miserabler Qualität, dafür bitte ich um Entschuldigung. Es handelt sich – da der Download des PDF fehlgeschlagen ist – um abfotografierte Grafiken aus dem interessanten „Atlas der Globalisierung 2012“ eine übersetzte Version des französischen Originals aus dem Verlag der linken Wochenzeitung „Monde Diplomatique“. Ich hoffe, das Wichtigste ist trotzdem entzifferbar.
Im Atlas gibt es auch ein Kapitel „Kampf um die richtige Landwirtschaft“. Zum Auftakt finden sich darin ein paar Fakten: Bis zu vier Fünftel der Menschheit leben von dem, was auf ihrem Acker wächst, und zwei Drittel der weltweit Unterernährten sind selber Bauern. Die Ursachen gemäss dem Atlas nur ganz kurz: Namentlich in der dritten Welt sind die finanziell klammen Regierungen unter starkem Spardruck von internationalen Finanzinstitutionen (Weltbank, IMF) und Gläubigern. In dessen Gefolge wird die Unterstützung für lokale Produzenten im Einklang mit Importzöllen gesenkt. Das Resultat: Massive Importe und eine serbelnde einheimische Landwirtschaft, die selber zu wenig produziert und sich die eingeführten Lebensmittel nicht leisten kann.
Das Essen wird teurer, die Hungrigen werden wieder mehrZwar hat die Zahl der Unterernährten prozentual abgenommen, sie ist aber aufgrund des Bevölkerungswachstums absolut gestiegen, nicht zuletzt wegen steigender Preise, die ihrerseits mannigfaltige Ursachen haben, darunter erhöhte Kosten für Produktionsfaktoren, vor allem fossile Brennstoffe und daraus hergestellte Hilfsstoffe wie Stickstoffdünger.
Über- und UnterversorgungWie die beiden grossen Tabellen bestätigen, sind die Versorgungslage und die Produktion extrem ungleich verteilt. Dabei zeigen sich erstaunliche Fakten. In Brasilien beispielsweise, das über 8000 Kalorien pro Tag und Kopf produziert, ist die Zahl der Unterernährten grösser als in Sub-Sahara-Krisenstaat Mali. Die Ungleichheiten betreffen offensichtlich nicht nur die Weltregionen, sondern auch einzelne Länder. Das Heer der landlosen Bauern ist, wie hier kürzlich schon erwähnt, ein grosses Problem, dem Brasilien nicht Herr wird.
Beim eingangs zitierten „Kampf um die richtige Landwirtschaft“ geht es um die Frage, wie man dem Phänomen der hungernden Bauern beikommen könnte. Kann eine Fortsetzung der technologiegläubigen Bewirtschaftung im Stile der „Grünen Revolution“ reüssieren? Die Verfasser des Globalisierungsatlas sind skeptisch und propagieren als Gegenentwurf die „Gartenlandwirtschaft“, welche statt auf möglichst hohe Cashcrop-Eträge pro Hektare auf maximale Kalorienproduktion in geschlossenen Kreisläufen, in erster Linie für die Selbstversorger, abzielt. Auf diese Linie schwenken auch immer mehr Entwicklungsorganisationen ein, sie dürfte aber einen schweren Stand haben im kompetitiven Umfeld, welches vom internationalen Agribusiness geprägt ist, in dem die Bauern des Südens leider zu oft diejenigen sind, welche die Wüstenhunde beissen.

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