Ein Lob der Alpenrose im Asphaltdschungel

Deko in der AlpenroseIch esse unterdessen fast am liebsten daheim. Zürich ist zwar ein Gastrotop. Seit die Wirte ohne Patent am Herd stehen dürfen ist das Angebot gewachsen wie der Hopfen in der Sommersonne, sollte sie dann noch kommen. Aber im Beizendschungel wächst auch viel Unkraut. Zu oft ist die Fassade wichtiger als das was geboten wird von der Küche. Gar viele dieser Lokale sind teure Zierpflanzen, an denen man sich zwar im ersten Moment fast nicht sattsehen kann, aber nachhaltig ist das Gebotene meist nur im Portemonnaie spürbar. 

Doch es gibt auch andere Pflänzchen auf der Beizenweide. Zum Beispiel die Alpenrose an der Fabrikstrasse im Kreis 5. Seit Jahren gedeiht sie bescheiden und heimatverbunden. Sie ist keine Blufferin, bescheiden aber hartnäckig steht sie an ihrer unspektakulären Strassenecke und lässt sich von der wuchernde kulinarischen Fettwiese nicht bedrängen. 

Platz bietet sie nur etwa zwei Dutzend Leuten, aber die scheinen mir immer glücklich zu sein. So wie auch wir gestern. Das Interieur ist toll, Holz bis an die hohe Decke, schönes Dekor (siehe oben und unten), nettes Personal und eine Karte die zwar klein ist, aber es in sich hat. Die Crew setzt seit Jahren auf heimisches Schaffen, auch beim Wein, fast alles ist bis auf den Betrieb und das Label hinunter deklariert und am wichtigsten: frisch und ohne Firlefanz zubereitet.

Wir hatten gestern zum Beispiel einen Brunnenkressesalat mit Weissweindressing, ein Entenei auf Hopfenspargel und einen Malfatto (das ist ein Riesengnocco) mit fast inländischer Barba di Frate zur Vorspeise. Im Hauptgang dann ein Zürisee-Felchenfilet, ein Rindskotelett aus dem Puschlav mit selber gemachter Kräuterbutter und einen auf den Punkt geschmorten Natura-Rindsbraten aus dem Züri-Unterland an einer Rotweinsauce.

Das alles mundete von A bis Z so gut, dass man unsere Teller ohne Abwaschmaschine gleich wieder hätte auf den nächsten freien Tisch stellen können. Zum Desser ein Gläceli vom Eisvogel und ein Käfeli, stark und aromatisch. Merci, es war nicht nur recht, sondern super und der Preis auf einem Niveau, dass alle Beteiligten, vom Gast über den Wirt bis zum Produzenten, gut damit leben können, auch weil man in der Verwertungskette vermutlich nur wenig Zwischenhandel nähren muss. Wir kommen wieder und wünschen der Alpenrose auch fürderhin einen guten Wuchs.
Alpenrose mit Holzkuh  

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2 Antworten to “Ein Lob der Alpenrose im Asphaltdschungel”

  1. Katharina Says:

    Danke für den Tipp. Mir geht’s gleich, aber manchmal lasse ich mich gerne bedienen.

  2. colette Says:

    War auch einer meiner Favoriten über Jahre hinweg. Schön, dass es sie noch gibt und das scheinbar in bewährter Manier!

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