Die Angst des Präsidenten vor dem Konflikt

Markus RitterVor wenigen Tagen hat anlässlich der Generalversammlung der Schweizer Agrarjournalisten ein sehr einvernehmliches Gipfeltreffen zwischen de-facto-Agrarminister Bernard Lehmann und Bauernverbandspräsident Markus Ritter stattgefunden.

Die nicht stattfindende Auseinandersetzung zwischen den beiden hat gezeigt, dass man sich weitgehend einig ist über die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik. Zwar hat der Bauernverband ein paar Kröten schlucken müssen, aber insgesamt ist der Besitzstand gewahrt und am Schluss werden alle in mittlerer Unzufriedenheit feststellen, dass sie etwa gleichviel haben wie vorher, wie Ritter in einer an Kabarett-reifen Blitzanalyse der Situation auf dem eigenen Betrieb demonstrierte.

Für die fehlende Auseinandersetzung wird aber möglicherweise bald Realersatz geboten. Mitte Juli läuft die Frist für das Referendum, das ein paar desperate Splittergruppen gegen die Agrarpolitik 2014/17 ergriffen haben. Sollten die nötigen 50 000 Unterschriften zusammenkommen, was nicht unmöglich scheint, wenn man die prallvollen Leserbriefspalten in der bäuerlichen Presse als Gradmesser nehmen will, dann steht eine innerbäuerliche Auseinandersetzung auf dem nationalen Parkett, in TV-Arenen und grossflächigen Zeitungsinterviews bevor.

Diese Vorstellung scheint bei Ritter und so vermute ich mal an der versammelten Spitze des Bauernverbands akutes Unwohlsein auszulösen, um nicht von Angstzuständen zu reden. Der Schlachtplan ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet, ein „maximaldemokratischer Prozess“ mit einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung soll den befürchteten Flurschaden in Grenzen halten.

Ich verstehe den Stress nicht ganz. Klar ist es nicht ganz undelikat, wenn sich die Bauern gegenseitig Saures geben, andererseits gibt das Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit den modern denkenden Kräften an der Verbandsspitze Gelegenheit, zu zeigen, dass man das Vertrauen des Parlaments und letztlich des Volkes verdientermassen geniesst; dass man vernünftig genug ist, zu anerkennen, dass keine andere Branche, mal abgesehen von ausländischen Militärflugzeugherstellern und maroden Banken vom Staat derart gut gehalten ist, wie der Primärsektor. Und gleichzeitig zu beweisen dass staatlich geförderte Ökologie und unternehmerischer Erfolg durch Produktion der richtigen Lebensmittel eben kein Gegensatzpaar sein müssen.

Die aktuelle Entwicklung auf dem Milchmarkt zum Beispiel deutet darauf hin, dass cleveres Mengenmanagement für Betriebe mit Fokus auf Produktion deutlich wichtiger sein wird, als die Fixierung auf die Details der Direktzahlungs-Allokation, während eine andere Schicht von Bauern mit der Ökologisierung Bundesgelder optimieren und so ein Auskommen sichern kann. (Bild David Eppenberger)

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2 Antworten to “Die Angst des Präsidenten vor dem Konflikt”

  1. ueli ineichen Says:

    ich habe mir heute den verordnungsentwurf (dzvo) für die AP 2014-17 angesehen. da gäbe es noch einiges zu bereinigen, mehr jedenfalls, als in dieser spalte platz fände. auf 44 seiten findet die dzvo „statt“. was an sich gut wäre, wenn sie nicht noch 68 seiten anhänge und hinweise auf andere, zt. sehr papierhaltige verordnungen widersprüchlichen inhalts hinterher schleppen müsste. viele leute lesen nichts, was auf einem a-4 blatt nicht platz hat. in knapp 6 monaten beginnt 2014. wetten, dass (üble) überraschungen nicht ausbleiben werden.
    ueli ineichen

    nb: alles gute im neuen job ennet dem jura!

  2. adriankrebs Says:

    Besten Dank @Ueli. Kleine Frage: Du bist also ein Befürworter des Referendums oder nur ein kritischer Befürworter von AP14/17?

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