M-Budget legt Grundstein für Billig-Mentalität

M-BudgetHeute nachmittag bin ich trotz flottem Wetter kurz vor der Glotze verhängt und da meine Tochter am Ruder beziehungsweise der Fernbedienung war, fiel die Senderwahl auf Joiz, einen durchaus unterhaltsamen Jugendsender mit Sitz in Zürich. Die Sendung hiess Brain & Buddy und war, das konnte man nicht übersehen, von M-Budget gesponsert. Die Billigstlinie der Migros ist einst als Reaktion auf den Markteintritt deutscher Discounter entstanden und bearbeitet seit einiger Zeit die jungen Konsumenten. Daher ist man unter anderem an den grossen Musikfestivals präsent.

Die sonntägliche Sendung war am vergangenen Wochenende in St. Gallen aufgezeichnet worden. Unter Aufsicht eines Moderators mussten Jugendliche im Hinblick auf den Gewinn eines Migros-Lebensmittelgutscheins unter anderem so schnell wie möglich eine Tafel Schokolade runterwürgen und sich anschliessend einen Cocktail aus Staldencrème, Mayonnaise und Leberparfait einverleiben. Ich will jetzt nicht lamentieren, dass man mit Essen nicht spielen soll, der Fun sei den TeilnehmerInnen gegönnt.

Das Migros-Engagement per se dünkt mich aber etwas problematisch. Beim Zielpublikum der Budget-Kampagnen handelt es sich um junge Konsumenten, die nach knapp zwei Jahrzehnten am Elterntisch langsam anfangen, ihre Lebensmittel selber einzukaufen. In dieser Phase holt sie die Migros mit dem Claim „Wir sind jung und brauchen das Geld.“ ab. Mit dieser Aufforderung, möglichst wenig Geld für Lebensmittel auszugeben, sendet der Grossverteiler falsche Signale aus. Lebensmittel werden immer billiger und es ist relativ unbestritten, dass die Billigmentalität eine der Hauptursachen für problematische Auswüchse in der Lebensmittelproduktion ist.

Dass junge Leute preisbewusst Nahrungsmittel einkaufen, ist ihnen nachzusehen, aber dass der Detailhandel die Geiz-ist-geil-Mentalität aktiv fördert, wäre nicht nötig. Vielmehr sollte man versuchen, den Neo-HaushälterInnen beizubringen, dass es Wege gibt, gute Lebensmittel zu kaufen, ohne zu verarmen, zum Beispiel mit dem Erwerb von saisongerechter Ware und einem hohen Anteil von Arbeit aus eigener Hand, etwa der Herstellung von Teig und im zweiten Schritt Pizza, macht dann auch mehr Spass, als eine Fertigpizza mit vielen „E“ und Belag aus ungeklärter Herkunft. (Bild Screenshot M-Budget-Website)

 

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6 Antworten to “M-Budget legt Grundstein für Billig-Mentalität”

  1. wiskemann urs Says:

    adi, mässi. nagel voll auf den kopf getroffen! alles so billig, dass junge frauen & -mannen alles nach dem openair liegen lassen können, von den stiefeln bis zum zelt. man hat ja das geld vorher bei m-budget zusammengerappenspaltet!

  2. Jonas Says:

    Hallo Adi, interessanter Artikel, wobei ich in einigen Punkten nicht deiner Meinung bin. Ich denke nicht, dass die Migros die jungen Leute zu Billigstprodukten verführt, sondern diese anspricht, weil sie ohnehin stark aufs Geld schauen – aus verständlichen Gründen. Zudem ist ein Detailhändler nach wie vor auf die Optimierung seines Ertrags aus, nicht auf die Rettung der Erde, auch wenn man es ob der Werbung manchmal meinen könnte. Viel eher verantwortlich für eine Geiz-ist-geil-Mentalität sehe ich unter anderem die Medien mit ewigen Preisvergleichen. Steigt etwa der Konsumpreis für Milch um 5 Rappen, ist das dem Blick sicher eine Schlagzeile wert. Dies obwohl 80 Prozent der Konsumenten keine Ahnung haben, wie viel ein Liter Milch kostet und demzufolge auch den Preisaufschlag ohne Medienhilfe nicht bemerken würden. Empört sind sie dann natürlich trotzdem.
    Das mit der Arbeit aus eigener Hand beim Kochen ist auch so eine Sache. Sicher, ab und an eine Pizza selbst machen ist okay. Aber nach der Arbeit, der Heimfahrt etc. noch die Zutaten hervornehmen, die Pizza zubereiten und danach alles noch abräumen? Kaum, das ist wohl eher eine Utopie als die Lösung im Kampf gegen Biligst-Lebensmittel.

  3. monika Says:

    Diese Billig-Mentalität ist tatsächlich ein Problem. Dem entgegen zu wirken ist schwierig. Am besten ist wohl, wenn man den Grundstein bereits im Elternhaus legt und vorlebt, was man sich von den Jungen in Sachen Konsum und Essen erwartet… Es ist nämlich durchaus machbar und nicht teurer, aus frischen saisongerechten Zutaten eine schnelle und erst noch gesunde Mahlzeit ohne all‘ die Zusatzstoffe der Fertigprodukte zuzubereiten.

  4. Adi II Says:

    Zu diesem Thema gibt es eigentlich nur ein relevanter Satz:
    „Der Mesch ist was er isst!“

  5. Wurst Says:

    @Adi II: Tja, vielleicht nicht ganz unrecht. Der Vollständigkeit halber müsste man aber auch noch sagen, „der Mensch glaubt, was er glauben will“.
    Wenn ich also wöchentlich meine paar Würste esse, müsste ich nach Ihrem Verständnis eine ziemliche Wurst sein. Im Falle einer Bio-Wurst (gibt’s das überhaupt?), dann halt eine Bio-Wurst. Ja, gut, ich bin eine Bio-Wurst!

    Manche Menschen tun das dann nicht ganz freiwillig, was aber der Spezies Homo conditionis universitis bestimmt nicht verständlich geschweige denn logisch erscheint. Es ist am Ende des Tages eben doch eine Frage der Möglichkeiten.

    Im übrigen scheint mir Jonas’s Input sehr realitätsbezogen zu sein – kann mich voll anschliessen, merci.

  6. adriankrebs Says:

    Herzlichen Dank für die angeregte Diskussion! @Jonas Bin nicht der Meinung, dass man den Medien hier eine grössere Verantwortung zuschieben kann, als den Detailhändlern. Die Aufgeregtheit der Journalisten kommt auch davon, dass man ihnen jahrelang eingetrichtert hat – und daran sind die Grossverteiler ganz massgeblich beteiligt – dass Lebensmittel in der Schweiz zu teuer sind. Dass diese nicht die Welt retten wollen, das wissen wir alle, dass sie aber, wenn man ihre Wochenmagazine durchblättert, diesen Eindruck erwecken wollen, ist aber ebenso unbestritten. Dass man sie vor diesem Hintergrund dann an ihren Taten misst, das ist aus meiner Sicht nichts als richtig.

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