Dominante Kühe, Retortenfleisch & Veggieday

p15808801Erneut erreichen mich schöne Bilder aus dem Berggebiet, hier vom Tannensee im Kanton Obwalden hart an der Grenze zum Berner Oberland. Monika Schlatter (merci!) dokumentiert wunderbar die Kräfteverhältnisse: während die Kühe selbstbewusst die Wege in Anspruch nehmen, können die Wanderer devot schauen, wo sie bleiben.

Unterdessen macht das Rindvieh beziehungsweise sein Fleisch im Tal Schlagzeilen. Diese Woche gab es aus dem Bereich des Karnivoren zwei Aufsehen erregende Meldungen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Ein holländischer Wissenschafter brät mit viel Brimborium vor den Augen der Weltöffentlichkeit einen Retortenhamburger aus der Petrischale und die deutschen Grünen fordern im Wahlkampf einen Veggieday, also einen fleischlosen Tag in Kantinen.

Die zwei Sommerlochfüller haben aber durchaus einen Konnex: Ein solcher Veggieday ist eine gute Idee, denn nur wenn wir den Fleischkonsum bewusster und bescheidener gestalten, können wir verhindern, dass wir künftig Fleisch aus dem Labor essen müssen. Und ohne Druck aus der Politik wird das nicht gehen. In Deutschland ist nun die grosse Aufregung ausgebrochen, „Bild“ schwadroniert etwas von drohendem Fleischverbot und allerhand Politiker zeigen sich empört. Das ist alles ein bisschen übertrieben, denn es ist ja niemand gezwungen, in der Kantine zu essen und die ganz Abhängigen können ja ein Würstli in die Mappe nehmen.

Dass man bei der Ausserhausverpflegung ansetzen will, ist sinnig, den im Privathaushalt durchbricht nur selten jemand die über Jahrzehnte gewachsenen Kochgewohnheiten. Der Veggieday ist eine Herausforderung für die Kreativität der Kantinenköche, deren Ziel es sein muss, überzeugten Fleischessern aufzuzeigen, dass vegetarische Küche reichhaltig, nahr- und schmackhaft sein kann. Bei der Einführung des Veggiedays sollte man aber auf Anreize und nicht auf Zwang setzen, denn es gibt kaum etwa uninspirierteres als lustlose fleischlose Küche, man denke an das fade Standard-Gemüseteller aus dem Wasser, das heute viele Beizen den Vegetariern immer noch aufstellen, als Strafe quasi.

Zwei Einschränkungen doch noch: An den Verhältnissen in der Massentierhaltung und dem mangelhaften Tierwohl wird sich durch den Veggieday kaum etwas ändern, allenfalls darf man längerfristig auf eine Bewusstseinsbildung hoffen. Und auf einer Wanderung, um wieder zurück ins Berggebiet zu wechseln, gibt es halt schon nicht viel Feineres als einen Cervelat mit Senf und Brot. Aber am Berg gibt es ja auch keinen Veggieday. (Bilder Monika Schlatter)
Kühe am und im Tannensee

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3 Antworten to “Dominante Kühe, Retortenfleisch & Veggieday”

  1. Ernst Roth Says:

    Hallo Adi,
    Der Tannensee liegt eben gerade nicht im Berner Oberland; schau Dir mal die Karte an.
    Veggieday: den hatten wir (ein ausgeprochen normaler „Fleischhaushalt“, vor 60 Jahren) regelmässig jede Woche mit einem reichhaltigen, schmackhaften Gratin zum Zmittag (abends gab es sowieso kein Fleisch). Man kann also durchaus „uralte Kochgewohnheiten“ im Privathaushalt z.B. wieder aufnehmen, man muss gar nichts Neues einführen.
    Gruss und Dank
    Ängg

  2. adriankrebs Says:

    Merci Ernst, ich habs korrigiert, so lernt man täglich dazu, Blog sei Dank;) Obwalden statt Bärnbiet, aber hart an der Grenze dazu ist er schon.

  3. monika Says:

    Das Einzige, was auf einer Wanderung noch besser schmeckt als ein Cervelat, ist ein Stück Alpkäse…!

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