US-Medikamentenmäster im Chinaschilf

CowpoolSehr interessanter Artikel im Tages-Anzeiger von heute: „Zu viele Hormone: Chinesen wollen keine Steaks aus den USA“, so der Titel. Leider ist der Bericht online nicht zugänglich. Der Inhalt kurz zusammengefasst: Die EU, China und Russland haben den Import von Rindfleisch verboten, das mit wachstumsfördernden Zusätzen produziert worden ist. Der zweitgrösste Fleischkonzern der USA, Tyson Foods, verzichtet deshalb künftig auf Rinder, die in der Ausmast mit dem seit 2007 zugelassenen Präparat Zilmax behandelt worden sind.

Dieses wurde von Merck ursprünglich gegen menschliches Asthma entwickelt, hat aber in der tierischen Ernährung den Nebeneffekt, in wenigen Wochen das Gewicht der Mastrinder um bis zu 15 Kilo zu erhöhen. So lassen sich in den Feeding Lots, wo Tausende von Tieren in grossen Corrals für die Schlacht fertig gefüttert werden, steigende Futterkosten reduzieren. Die Kehrseite sind die Nebenwirkungen von ZIlmax. Es macht gemäss Stichproben 80 bis 90 Prozent der behandelten Tiere so träg und lethargisch, dass sie sich vor dem Gnadenstoss im Schlachthaus kaum mehr auf den Beinen halten können. Zudem soll das Fleisch post Zilmax zäher sein. Leider habe ich das Video der lahmen Rinder, das für viel Aufsehen sorgte, nicht gefunden im Netz, aber seine Wirkung hat es in der Schlachtindustrie getan.

Für den Bann des Produkts bei Tyson und möglicherweise bald in anderen Konzernen brauchte es aber ausländischen Druck. Eine Ironie der Geschichte ist, dass neben der EU ausgerechnet China und Russland, selber nicht gerade Hochburgen von artgerechter Tierhaltung, führenden Rollen einnehmen, wenn es darum geht, die Amerikaner zur Räson zu bringen. Die Schweiz dagegen importiert mit Zilmax, anderen Medikamenten und Antibiotika wachstumsgefördertes Fleisch ohne mit der Wimper zu zucken. Dass das US-Importfleisch in der Kühltheke dann keinen halben Meter neben einheimischem Weidebeef liegt, das als Musterbeispiel für nachhaltige Rindfleischproduktion gilt, entbehrt nicht einer gewissen Inkonsequenz.

Derweil ist in USA selber eine Gegenbewegung entstanden. Wie es dem Wesen der Amerikaner entspricht, nutzen sie in der medikamentenfreien Rindfleischproduktion bereits Marktnischen. Ein Beispiel für diese Reaktion ist der Cowpool, eine breit abgestützte Vermarktungsinitiative eines Farmers, die den direkten Draht zwischen nachhaltigen Produzenten und Konsumenten sucht. Ihr Claim ist so simpel wie einleuchtend: „It’s not what we do, that makes our Beef so good, it’s what we don’t do“.

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