Boliviagronomia (1): Das Fleisch und sein Preis

Metzgereischild in La PazSeit ein paar Tagen bin ich in Südamerika. Die ursprünglich geplante Argentinienreise konnte ich dank glücklicher Fügung und einem zufälligen Pausengespräch im Gartenrestaurant des FiBL um ein paar Tage in Bolivien erweitern (es lohnt sich eben, eine gute Kantine zu haben, liebe NZZ-Chefetage…).

Die Bolivianer sind, das wage ich jetzt einmal ohne Statistiken vorliegen zu haben, recht fanatische Fleischesser. Wann immer man einkehrt oder privat isst, gibt es zuerst Suppe und in der muss es Fleisch haben. Zum Hauptgang noch einmal, das ist keine Frage. Und dann meistens nicht zu knapp. Dies gilt auch für biologische Bauern. An einem Kongress zum nachhaltigen Landbau mit Agroforstsystemen kam ich am Vorabend in den Genuss der Vorbereitungen des Menus vom nächsten Tag. Auf dem Tisch lagen unter anderem 25 Poulets, Heerscharen von Würstchen, jede Menge Rindfleisch und mindestens eine ganze Sau.

Das dieser hohe Konsum nicht ohne Nebenwirkungen funktionieren kann, zeigte sich schon im Anflug auf die Landwirtschafts-Hochburg Santa Cruz de la Sierra, wo ich umsteigen musste auf dem Weg nach La Paz. Aus der Luft erkennt man die volle Wirkung der Agrarindustrie: Abholzung, gigantische Sojafelder und riesige Stallkomplexe, wo vor allem Hühner und Schweine gemästet werden. Die Beobachtungen waren nicht zufällig. Wer immer mir begegnete in den darauffolgenden Tagen bestätigte, dass mit dem Wald immer noch umgesprungen wird, als ob man ihn jederzeit problemlos ersetzen könnte und wenn man auf das Thema Tierhaltung zu sprechen kam, verdrehten alle die Augen.

Unterdessen bin ich in Argentinien angekommen. Als erstes ist mir ein Buch mit dem martialischen Titel: „Schlecht ernährt – wie uns die argentinische Agrarindustrie umbringt“ in die Hand gefallen, das schon im Vorwort die exakt identischen Mechanismen schildert. Das mag etwas gar drastisch ausgedrückt sein. Aber die Fehlentwicklungen im südamerikanischen Primärsektor scheinen definitiv nicht nur ein Klischee zu sein.
Mal comidos en Argentina

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Eine Antwort to “Boliviagronomia (1): Das Fleisch und sein Preis”

  1. Grundfragen beim Quinoa-Dreschen in Tiraque | Adi's Agro-Blog Says:

    […] letzten Herbst war ich kurz in Bolivien für den Besuch in einem FiBL-Projekt. Dort habe ich nach langen Jahren meinen Studienkollegen […]

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