Boliviagronomia (2): Fernab vom Elfenbeinturm

Ein Versuchsmitarbeiter erklärtForschern wird ja gerne vorgeworfen, dass sie mit Vorliebe im Elfenbeinturm des warmen Labors agieren, um dort Erkenntnisse zu erarbeiten, welche die Praxis im rauen Umfeld des Alltags umzusetzen hat.

Für den bolivianischen Vergleichsversuch des FiBL gilt das definitiv nicht. Am vergangenen Wochenende trafen sich dort fernab von Elfenbeinturm und grossräumiger Zivilisation rund 250 Produzenten, Berater, Wissenschaftlerinnen und Studenten und zahlreichen Partnerorganisationen zum Stelldichein.

Der Weg in die ZivilisationNatürlich mache ich mich hier und jetzt wieder verdächtig, das Lied meines neuen Arbeitgebers zu singen, aber was ich im bolivianischen Hinterland am Fuss der Anden angetroffen habe, hätte mich auch ohne Lohn aus Frick beeindruckt. Die Versuchsflächen liegen rund eineinhalb Stunden von der nächsten Ortschaft Sapecho mit seinen paar hundert Einwohnern entfernt. Der Mikro-Weiler Sara Ana bietet ausser der Arbeit und üppigem Grün wenig Ablenkungsmöglichkeiten. Und auch am Wochenende, das die Belegschaft meistens in Sapecho verbringt, kann man nur träumen von kulturellem Rahmenprogramm oder Lodges zur Entspannung. La Paz wiederum, wo das Grossstadtleben lockt, ist im Optimalfall in sieben Stunden zu erreichen, wenn es so regnet wie letztes Wochenende kann es aber auch dreizehn Stunden gehen, wie ich erfahren musste.

Forscherin Wiebke Niether im RegenAll die Leute, die ich dort angetroffen habe, Bolivianerinnen, Deutsche und Schweizer, lassen sich von dieser Abgelegenheit wenig anmerken. Mit ziemlich unermüdlichem Elan stürzen sie sich in die Arbeit, am letzten Wochenende war dann vieles für die Katz, weil die vorbereitete Infrastruktur wegen sintflutartiger Regenfälle gar nicht benutzt werden konnte. Dass das Internet, die einzige Kommunikationsmöglichkeit in Sara Ana bei nassem Wetter nicht läuft: Was solls?

Regengeprüfte KongressteilnehmerDieselbe Gelassenheit legten übrigens auch die Besucher und Besucherinnen an den Tag, die für die Teilnahme am dritten nationalen Agroforst-Kongress für bolivianische Verhältnisse stattliche Teilnahmegebühren bezahlt hatten. Kein Wort der Klage über Feldbesichtigungen im strömenden Regen, holprige Fahrten auf Ladebrücken, Verspätungen und andere Inkonvenienzen. Das war nicht nur eindrücklich, sondern auch inspirierend, ich versuchte mir wieder einmal ein Scheibchen von diesem stoischen Umgang mit derartigem Ungemach abzuschneiden, werde mich aber sicher schon bei der nächsten 5-minütigen S-Bahn-Verspätung wieder aufregen…
Auf dem Weg von Sara Ana nach SapechoPS. Sorry an alle Mailfollower, die erste Version ging etwas verfrüht und unkomplett ins Netz, aber darüber werden Sie sich nicht aufregen, oder;-?

Schlagwörter: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: