Mindestlöhne: Nein, weil „Ja aber“ nicht geht

Ernte im GemüsebauDiese Woche hat die Mindestlohninitiative Schlagzeilen gemacht: Der Ständerat empfahl sie klar zur Ablehnung. Das Volksbegehren des Gewerkschaftsbundes verlangt für eine 42-Stunden-Woche mindestens 4000 Franken, was einem Stundenlohn von 22 Franken entspricht. Die Annahme der Initiative beträfe auch die Landwirtschaft stark. In der Branche gilt derzeit ein Mindestlohn von 3170 Franken für eine 55-Stunden Woche. Umgerechnet müssten die landwirtschaftlichen Arbeitgeber neu über 5000 Franken bezahlen, eine Lohnerhöhung um rund zwei Drittel, wie der „Schweizer Bauer“ in seiner Wochenendausgabe vorrechnete.

Die Diskussion der Initiative wirft zunächst einmal ein ziemlich ungünstiges Schlaglicht auf diverse Aspekte der Ökonomie im Hochpreisland Schweiz: Laut den Initianten verdienen 150 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Berufslehre weniger als den von den Gewerkschaften geforderten Lohn (und das nota bene ohne 13. Monatslohn). Das ist umso störender, als dass das Existenzminimum von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe auf gut 3800 Franken veranschlagt wird.

Was die Landwirtschaft angeht, ist die Lage etwas komplexer. Die Löhne hängen gerade in arbeitsintensiven Bereichen wie dem Gemüse- und Fruchtbau stark ab vom Preisniveau. Eine Lohnerhöhung bei den vorwiegend ausländischen Erntehelfern ist deshalb kaum realisierbar, ohne dass dieses steigt. Dass eine solche Erhöhung gegenüber dem Handel durchsetzbar wäre, daran glauben selbst die grössten Optimisten nicht. In der Tendenz werden die Preise ungeachtet der saisonalen und wetterabhängigen Schwankungen auch in Zukunft eher sinken oder im besten Fall stagnieren.

Nicht erstaunlich, dass die Gemüsebauern ihren Befürchtungen schon lautstark Ausdruck geben, zum Beispiel in einem Artikel im „Tages-Anzeiger“, den ich leider mangels Vorhandensein nicht verlinken kann. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Gemüseproduzenten mit dem aktuellen Mindestlohn an die Schmerzgrenze sind, eine moderate Erhöhung wäre sicher möglich. Auch weiss man, dass wie in jeder Branche Lohndrücker vorkommen, denen etwas Druck nicht schaden würde.

Eine Lohnerhöhung um 66 Prozent ist aber schon etwas des Guten zuviel. Zumal die drohenden Konsequenzen kaum im Sinne der häufig langjährigen und deshalb – so hört man und hofft, dass es stimmt – oft auch mehr oder weniger deutlich über dem Mindestlohn bezahlten ausländischen Arbeitskräfte lägen. Wenn ihre Arbeit durch gesetzliche Regelungen massiv verteuert würde, gingen fast sicher Stellen verloren, an denen Tausende von Existenzen in Weissrussland, Moldawien und der Ukraine hängen. Deshalb würde ich derzeit ein Nein in die Urne legen. Auch weil ein „Ja, aber“ nicht geht. (Bild LID)

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Eine Antwort to “Mindestlöhne: Nein, weil „Ja aber“ nicht geht”

  1. Ion Says:

    Weise Voraussicht. Allerdings, wer bestimmt diese Zahlen betr. Mindestlohn und Existenzminimum eigentlich? Ist da das i-Phone, die KK, die Pilates-Stunden, 2 Wochen Malediven, die Miete mitten in der Stadt, das Zeitungsabo etc. etc. alles im Combi-Pack dabei oder wie muss man sich den Katalog hierzu vorstellen?

    Ich staune selbst seit Jahren über die gehandelten Beträge.
    Fragen über Fragen die verbleiben.

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