SVP vs. SBV – oder welcher kann besser täupelen?

Jöbild1Der „Bauern-Krieg“ um zwei Selbstversorgungsinitiativen hat diese Woche die Öffentlichkeit bestens unterhalten. Leicht hämisch verfolgten Medien und BeobachterInnen, wie sich mit der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und dem Schweizerischen Bauernverband (SBV) zwei der mächtigsten und sonst meist einig bürgerlich agierenden politischen Institutionen vor Publikum abwatschten. Die Partei hatte ihren Text schneller parat und die Bauern stehen nun etwas blöd da, weil sie aufgrund träger Entscheidungsstrukturen zu langsam sind für den publikumswirksamen Schnellschuss.

Schade eigentlich, das Thema Selbstversorgungsgrad wäre nämlich eine fundierte Diskussion wett. Es gibt da allerhand Facetten, zum Beispiel müsste, um nur eines zu nennen, mal geklärt werden, ob Produkte, die grossteils mithilfe ausländischer Faktoren produziert wurden (Stichworte Treibstoff, Dünger, Pestizide, Futter etc.) überhaupt zurecht ein Schweizerkreuz tragen.

Dass man es vorzog, sich öffentlich zu streiten ist erstaunlich, weil mehr als einen Phyrrussieg hat sich die SVP kaum geholt. Umgekehrt ist der SBV auch ziemlich naiv in diese Situation gerasselt, er kennt ja seine Strukturen. Ich staune, dass man da nicht fähig war, sich hinter den Kulissen auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Denn alleine wird die SVP diese Volksinitiative nie ins Trockene bringen, mit einem gemeinsamen Vorgehen wären die Chancen deutlich höher. Dazu wird es vielleicht trotzdem noch kommen, doch dieses fahrlässig verursachte Scherbenhäufchen wird kaum helfen beim gemeinsamen politischen Kraftakt, der nötig wäre für einen Erfolg mit einem derartigen Volksbegehren.

Klar wird dadurch vor allem, dass es weniger um den Selbstversorgungsgrad geht als um eine Trotzreaktion auf den Ausgang des Seilziehens um die AP14-17. Sowohl SVP wie auch SBV wollen der Klientel demonstrieren, dass sie am besten täupelen können (für nicht des Schweizerdeutschen kundige: täupelen sieht man häufig bei Kleinkindern, die im Laden grad nicht die Süssigkeit erhalten, die sie gerne möchten). Keine sonderlich weitsichtige Strategie, wenn man sich eigentlich besser auf die bevorstehende nächste AP-Runde vorbereiten sollte. Mir kann’s recht sein, ich finde einen von der Verfassung vorgeschriebenen minimalen Selbstversorgungsgrad sowieso unsinnig, das ist etwa so, wie wenn man ein Hagelverbot ins Grundgesetz stellen würde.

Jetzt habe ich doch viel mehr über die Streithähne geschrieben, als geplant. Wollte eigentlich nach einer garstigen Fahrt mit Fahrrad durch Regen nur zwei Jö-Bildli mit etwas Sonne zum Trocknen bloggen. Danke wieder einmal herzlich, liebe Monika für die Helgen aus Kindhausen! Man würde gar nicht glauben, dass es auf Gemeindegebiet Volketswil solche Idyllen gibt. (Bilder Monika Schlatter)

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2 Antworten to “SVP vs. SBV – oder welcher kann besser täupelen?”

  1. Helen Hurschler-Würgler Says:

    Ausgezeichnete „Uebersetzung“ des schweizerdeutschen Wortes (Begriffes) „Täupelen“ ins Hochdeutsche!

  2. adriankrebs Says:

    Kenn ich eben gut aus eigener Erfahrung als Kind und Vättu;)

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