Weidetörli der 3. Art, diesmal von down under

Neuseeland Weidetor 1aEs schneit zwar grad kräftig und an Weide denken langsam selbst die grössten Optimisten nicht mehr. Nun ist die Welt ja gottseidank klimatisch vielgestaltig und es gibt Leute die antizyklisch reisen und sich den Sommeranfang in der südlichen Hemisphäre, die zum Glück auch noch an mich denken. Meine Agrarjournalisten-Kollegin Eveline Dudda weilt derzeit in Neuseeland und hat sich an meine sporadisch auftauchende Weidetoreserie erinnert. Das Resultat ist sehr interessant. Sie schickte mir die Bilder von zwei Toren der besonderen Art: Das eine soll den Wald schützen und das andere die Fauna und Flora. Aber ich gebe das Wort am besten gleich ihr selber:

Neuseeland Weidetor 1c„No 1: Das Desinfektions-Weidetörli aufgenommen im Shakespeare-Regionalpark, auf einer Halbinsel unweit von Auckland, NZ. Diese Art Weidetörli trifft man hier gleich mehrfach an. Die Durchgehenden Richtung Wald werden gebeten, die Schuhe zu reinigen und zu desinfizieren. Der Grund ist eine Krankheit des wohl ältestens Baums der Welt, des Kauri. Diejenigen Exemplare, die die Einwanderer in den letzten paar hundert Jahren nicht abgeholzt haben um Platz für die Rinder und Schafe zu schaffen (und das sind höchstens 3 Prozent des ursprünglichen Urwalds) leiden unter einem Syndrom namens Kauri-Dieback.

Neuseeland Weidetor 1bDer Erreger scheint etwas ähnliches zu sein wie Feuerbrand und man versucht ihn aus meiner Sicht etwas hilflos im Schach zu halten oder die Leute wenigstens darauf aufmerksam zu machen. Die rund Tausende Schafe und mehrere Dutzend Rinder auf dieser Halbinsel müssen ihre Klauen übrigens nicht desinfizieren, weil sie ja nur die Weiden wechseln, aber nicht in den Busch gehen. Der ist hier strikt eingezäunt und bestens geschützt.

Neuseeland Weidetor 2bNo 2: Das Pest-Schutztörli ist etwas weniger für den Nachbau geeignet, denn es ist technisch aufwendiger gestaltet und eher mehr als nur ein Törli. Ich würde mindestens Tor dazu sagen, um nicht zu sagen: Festtungstor und von daher in der Schweiz sicher bewilligungspflichtig. Auch die Variante für die Fussgänger ist nicht ohne Raffinessen. Was wie ein Zugang zu einer militärischen Anlage aussieht, ist in Wirklichkeit ein Schutz der dahinterliegenden Weiden und Wälder vor der Pest.

Neuseeland Weidetor 2dMit Pest sind in NZ alle invasiven Tierarten gemeint, die man mehr oder weniger bewusst eingeschleppt hat und die der natürlichen Vielfalt ziemlich zugesetzt haben: Ratten, Chüngel, Hermeline, Mäuse um nur ein paar davon zu nennen, kannte man früher auf NZ nämlich nicht. Deshalb legen mehrere Vögel z.B. das Nationaltier der Neuseeländer, der Kiwi, noch immer sorglos ihre Eier in Erdhöhlen oder am Boden ab, wo sie von Ratten, Hermelinen, Hunden etc. gefressen werden. Die Neuseeländer, die sich übrigens selbst Kiwis nennen, haben vor einigen Jahren angefangen einzelne Gebiete, i.d. Regel Inseln oder Halbinseln von diesen Einwanderern zu befreien indem sie sie mit Fallen fallen und mit Ködern vergiften und natürlich jeglichen Neuzugang zu verhindern suchen.

Neuseeland Weidetor 2cDer Aufwand ist riesig! Dieses Tor gehört zu einer schätzungsweise 100 bis 200 Hektar grossen Halbinsel welche mit einem 1,7 km langen Hag (dichtmaschig, eingegraben, mit Dach etc.) vom Festland abgeriegelt wurde. Alle paar Meter steht rechts und oft auch noch links vom Hag eine Falle, die natürlich regelmässig kontrolliert und immer wieder neu bestückt wird. Auch innerhalb des Geländes sind tausende von Fallen aufgestellt und Giftköder ausgelegt. Egal wo man sich im Park auch aufhält, wenn man sich einmal um die eigenen Achse dreht wird man immer ein bis zehn farbige Bänder an Bäumen, oder Farbmarkierungen an Pfosten sehen können, die eine Falle oder einen Köderstandort markieren. Wenigstens scheint sich der Erfolg einzustellen, nächstes Jahr soll hier der Kiwi wiederangesiedelt werden. Ich muss hier komischerweise immer wieder an die Koexistenzverordung denken. Dabei hat das ja überhaupt keinen Zusammenhang. Denn das mit den gentechnischen Mutationen hat man ja im Griff. Oder?“

Eveline wäre nicht Eveline wenn sie nicht mit einer knackigen Frage aufhören würde. Ich nehme jetzt mal an, dass sie rhetorisch gemeint war und verzichte auf die Antwort und danke herzlich für Bild und Text! (Bilder Eveline Dudda)
Neuseeland Weidetor 2a

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