Die Fasnacht als Konsumenten-Fiebermesser

Fleischindustrie„Die drei scheenschte Däg“ (für Nicht-Basler: die Fasnacht) sind noch in vollem Gang. Endlich hab ichs mal an den Morgeschtraich geschafft. Die brutal frühe Tagwache – punkt vier am Montagmorgen wird abmaschiert – hat sich gelohnt: Ein nur auf den ersten Blick chaotisches durcheinander paradieren von farbenfrohen Cliquen, die sich allenthalben auf Brücken, Boulevards und in engsten Gässchen kreuzen, ein Feuerwerk von Kreativität und viele fröhliche, wenn auch öfters ziemlich müde Menschen.

Fast jede dieser Cliquen führt eine sogenannte Laterne mit. Das ist ein bisschen untertrieben umschrieben, denn dabei handelt es sich oft um übermannsgrosse Leuchtkästen, deren Wände mit primär politischen und ätzend sarkastischen bis zynischen Messages aller Art dekoriert und beschriftet sind. Heuer dick im Kurs: Der Verbotsstaat, der den Baslern ziemlich auf die Nerven zu gehen scheint, der (amerikanische) Schnüffelstaat und die eigene Politikerkaste in den reichlich vorhandenen Fettnäpfen.

BienensterbenDiese in hunderten von freiwilligen Arbeitsstunden in den Cliquenkellern brikollierten Laternen sind nicht nur optisch spektakulär, sondern auch politisch interessant, man darf sie sicher so als eine politische Fiebermesser betrachten. Deshalb nahm’s mich natürlich wunder, ob auch die Landwirtschaft Fett abkriegt. Und wurde prompt fündig. Am meisten scheint die Fasnächtler das Bienensterben zu beschäftigen, es ist mir etwa drei mal begegnet. Hier das drastischste Bild, welches den Einsatz von Pestiziden thematisiert (Basel ist dafür sicher nicht der ungeeignetste Ort), auf der anderen Seite der Laterne prangte eine gekreuzigte Biene. Zwei weitere Laternen kritisierten den übermässigen Fleischkonsum (siehe Bild ganz oben).

Beeindruckt hat mich auch das kunstvolle Maskenschaffen. Aber bitte, liebe Nicht-BaslerInnen, nennen Sie eine Maske hier nie Maske, es sind in der strengen Fasnachts-Nomenklatur nämlich Larven! Hier waren die Nutztiere gut vertreten. Stellvertretend hier eine Kuh, daneben gab es nicht zu knapp Schaffe, Hühner und wenn ich mich richtig erinnere, mindestens ein Kamel.
Kuhmaske

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