Feuerbrandresistenz: Eine Gala für GVO?

Feuerbrand lidGrüne Gentechnologie hat auch schon schlechter ausgesehen: Letzte Woche hat die ETH Zürich gemeinsam mit dem deutschen Julius-Kühn-Institut eine Erfolgsmeldung verbreitet: Einem Team um den Forscher Cesare Gessler sei es gelungen, Gala, dem Darling der ApfelesserInnen, ein Gen einzupflanzen, das diesen resistent macht gegen den Feuerbrand, eine gefürchtete Bakterienkrankheit im Kernobstbau.

In einer Mitteilung erklärt die ETH, das Team habe mit Cis-Gentechnik gearbeitet und der Gala ein Gen eines Wildapfels eingepflanzt. Die Trans-Gentechnik dagegen arbeitet mit artfremden Genen, ein Beispiel dafür ist BT-Mais, hier wurde der Pflanze das Gen eines Bazillus einverleibt. Das eine Cis-Gen reiche aus, so heisst es in der Mitteilung der ETH, um den Apfelbaum vor dem Feuerbrand zu schützen. Mit derselben Methode war es demselben Team vor einigen Jahren gelungen, Gala eine Schorfresistenz einzubauen.

Gessler_CesareGessler ist einer der Hoffnungsträger der GVO-Promotoren. Nicht nur weil er als jovialer Wollpullover- und Bartträger so gar nicht ins Feindbild der GVO-Kritiker passen will, sondern auch, weil seine Forschung bis in die Biobranche hinein als positives Andwendungsbeispiel für die ansonsten verpönte grüne Gentechnik gilt. Das ist nicht mal falsch: Die Technologie hilft Gessler und seinen Leuten, Zeit zu sparen. Mit Cis-Gentechnik bleibt ihm die mühselige und langwierige Einkreuzung des Wildapfels in die Gala erspart. Da keine artfremden Gene eingekreuzt werden wird man auch kaum von Frankensteinfood sprechen wollen, wie das Gentechnkritiker oft und gerne tun.

Trotzdem ist es ein bisschen verfrüht, jetzt den virtuellen Hut vor Gesslers Werk zu ziehen und sich vor dem Wunder der Gentechnik zu verneigen. Gessler relativiert in der ETH-Mitteilung gleich selbst: Die Stimmung in der Schweiz sei zu gentechkritisch, um an einen Anbau überhaupt zu denken, meint er mit Blick auf das nach wie vor geltende Anbaumoratorium in der Schweiz sinngemäss. Das ist aber nicht das einzige Problem. Auch sein Produkt ist noch weit entfernt von Praxisreife: Die Resistenz funktionierte zwar im Treibhaus, was aber noch lange nicht heisst, dass das auch im Feld der Fall sein wird. Zudem warnt er gleich selber vor einem Resistenzdurchbruch. Mit nur einem einzigen Resistenzgen ist ein solcher in der Tat wahrscheinlich, weitere Resistenzgene sollen deshalb folgen, man darf gespannt sein, ob dies der Agroscope gelingen wird, die Gesslers Werk nach dessen Pensionierung fortsetzen will.

Im weiteren besteht keinerlei Grund, aufgrund von Gesslers Arbeit, die Kritik an der vorherrschenden Anwendung von grüner Gentechnik zu mildern. Konservativ geschätzte 95 Prozent des Marktes werden von einer Handvoll Saatgut- und Pesitzidmultis beherrscht, welche mit herbizid- und insektenresistenten Pflanzen als Hebel die Märkte monopolisieren. Und das ist das deutlich grössere Problem als mögliche Auskreuzungen. Darüber darf man sich auch durch Gesslers Feigen- oder besser Apfelblaumblatt nicht hinwegtäuschen lassen. (Bild LID/Sebastian Stabinger)

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2 Antworten to “Feuerbrandresistenz: Eine Gala für GVO?”

  1. Ursina Says:

    Danke für den tollen Beitrag Adi.
    Was bei der Euphorie um den Gessler-Apfel auch meist verschwiegen wird: Es ist nicht das Gentechmoratorium, das den Anbau des cisgenen Gala in der Schweiz verhindert. Hätten wir die so genannt „liberale“ Situation einer Koexistenz mit GVO, wie sie kürzlich vom Bundesrat vorgeschlagen worden ist, würde das Gesslers Gala nicht helfen. Denn:

    1) Welcher Baumschulist ist daran interessiert, Millionen für die Zulassung einer GVP auszugeben, um danach einer Hand voll Obstbauern die Bäume 2 Franken teurer verkaufen zu können? Solange die Sicherheitshürden für eine cis-gene Pflanze dieselben sind wie für eine trans-gene Pflanze vom Typ Frankensteinfood, werden es sich höchstens die grossen Saatgutmultis leisten können, eine gv-Sorte auf den Schweizer Markt zu bringen.

    2) Würde es dennoch zu einer Zulassung der cisgenen Gala kommen – wo soll sie der Bauer hinpflanzen? Schliesslich müsste er nach den Regeln der Koexistenz gewährleisten, dass die GVO-freie Landwirtschaft nicht von den cis-genen Pollen „kontaminiert“ wird. Und dass der gentechfreie Honig gentechfrei bleibt. Für Obstkulturen hat der Bundesrat in der Koexistenzverordnung schon gar keine Sicherheitsabstände definiert – weil sie sowieso keiner einhalten kann.

    Darum ärgere ich mich immer, wenn die Gentechlobbyisten mit der schönen Galaapfelgeschichte den Bauern weise machen wollen, man schneide sich mit dem Moratorium ins eigene Fleisch. Das Moratorium verhindert höchstens ein Riesenchaos und Kosten auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, aber ganz bestimmt nicht den cisgenen Apfel.

  2. adriankrebs Says:

    Danke Ursina, schöne Abrundung der Geschichte und ideale Begleitmusik zur Lancierung des „Protected Site“ am Reckenholz von heute http://www.schweizerbauer.ch/pflanzen/forschung/zh-freilandversuche-mit-gv-weizen-15239.html

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