#CHFEUR: Die letzten beissen die eigenen Hunde

Emmi KäseEs sind ungemütliche Zeiten für die Schweizer Exportwirtschaft, die Euroabwertung (in den Sozialmedien verwendet man dafür als Hashtag kurz #CHFEUR) macht den Weg für die ohnehin hochpreisigen Schweizer Produkte ins Ausland um 20 Prozent steiniger.

Ganz besonders betroffen ist die Käsebranche, rund ein Fünftel der Schweizer Milch wird in verkäster Form ausgeführt, einst als staatlich hochsubventioniertes Überschussventil (Stichwort Käseunion) und heute – mehr schlecht als recht mit den rasant steigenden Käseimporten mithaltend – als einziges essbares Exportprodukt aus Schweizer Zutaten.

Wichtigster Player in diesem Business ist wie im gesamten Milchmarkt mit Abstand die Emmi Gruppe. In dieser Funktion hat sie, das muss vorausgeschickt sein, einiges dazu beigetragen, dass die Milchproduktion im Land immer noch auf ähnlicher Höhe ist, wie zu Hochsubventionszeiten. Das Luzerner Unternehmen ist seit einigen Jahren auch an der Schweizer Börse SWX kotiert und hat sich dort zu einem kleinen Darling entwickelt. Nahrungsmittel sind „heiss“ und die Investoren auf allen Ebenen zunehmend interessiert, Landgrabbing und Nahrungsmittelspekulation lassen grüssen.

Emmi KursMit dem Entscheid der Nationalbank, die Eurostützung einzustellen, hat EMMN, wie das Luzerner Käsepapier an der Börse heisst, einen schmerzhaften Kurssturz in Kauf nehmen müssen. Wie fast alle Schweizer Unternehmen. Aber hier gibt’s handfeste Ursachen: Emmi ist trotz Expansion im Ausland immer noch stark vom Export abhängig und hier vor allem vom Käse. Dass dieser leiden wird ist so klar, wie das Quellwasser auf der Alpweide.

Ebenso klar ist, dass den Geldgebern nun hofiert werden muss. Vergangene Woche, gut 11 Monate vor Jahresabschluss hat Emmi diesen versichert, dass sich der Gewinn auch im laufenden Jahr im letztjährigen Rahmen liegen werde. Dies will man unter anderem mit einem tieferen Milchpreis finanzieren. An die Kasse kommen also im Dienste der Investoren die Milchproduzenten. Das erinnert verdächtig an die neunziger Jahre, als der Shareholder Value plötzlich zum Alltags(schimpf)wortsatz gehörte.

Emmi RückvergütungNun muss man wissen, dass ein Teil der Emmi-Milchlieferanten Miteigentümer an Emmi sind. Der Verband der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) ist mit einem Anteil von gut 54 Prozent Mehrheitsaktionär. Im neuesten Magazin ihres Verbands werden die Lieferanten schon mal schonend vorbereitet auf die Preissenkung ab 1. Februar. Diese beträgt vorläufig 2,6 Rappen pro Kilo für A-Milch. Das macht auf einem heute mittleren bis kleineren Betrieb mit einer Produktion von 150’000 Kilo pro Jahr 3900 Franken Einbusse. Wer nun meint, dass diese durch eine angemessene Beteiligung am von Emmi angestrebten ungeschmälerten Betriebserfolg kompensiert wird, sieht sich getäuscht. Die Gewinnbeteiligung der Produzenten für das letzte Geschäftsjahr ist noch nicht publiziert, aber man kann davon ausgehen, dass sie angesichts der Ausgangslage kaum erhöht wird. Im Vorjahr lag sie bei 1027 Franken pro Betrieb, wobei ein Teil in Emmi-Produkten und Rückbehalten für Produzentenfeste ausbezahlt wurde (siehe Ausriss aus dem Newsletter „Emmi Rückvergütung Erfolg“ 1/14.

Ob den Produzenten noch ums feiern zumute ist, ist sicher nicht die dümmste Frage. Gleichzeitig muss man nüchtern festhalten, dass die Bauern Investoren zweiter Klasse sind, weil sie unter dem Strich schlechter dastehen als diejenigen, die keine Kühe, Maschinen und Gebäude sondern nur Geld im Spiel haben. Damit sind sie auch in diesem Fall wieder einmal die letzten, die die (eigenen) Hunde beissen. Die Zeche zahlt letztlich Väterchen Staat: Bereits macht die Milchbranche aufgrund von #CHFEUR die hohle Hand. Da kommt einem ein anderes Standartbonmot aus der Hochzeit der Anti-Shareholder-Value-Bewegung in den Sinn: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. (Bild: Emmi)

 

 

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3 Antworten to “#CHFEUR: Die letzten beissen die eigenen Hunde”

  1. Ion Says:

    Ich weiss nicht. Nicht zum ersten mal fehlt mir hier zum Thema EUR/CHF (wie es richtigerweise heissen sollte) die nötige Distanz und Objektivität. Was machen diese 2.6 Rappen auf den Preis aus, welchen die Bauern erhalten? Sind es 5, vielleicht 6 %?

    Angesichts der nun um 15% billigeren Kraftfutter-Preise, günstigeren Investitions- und Betriebsmitteln, ein Klaks. Ich bin sicher, per Weihnachten werden die Bauern einmal mehr einen höheren Kassenstand ausweisen. Vielleicht!

  2. Martin Haab (@martin_haab) Says:

    Ion, mit 5% liegst Du richtig, aber glaub ja nicht, dass Kraftfutter billiger wird und das dies eine Auswirkung auf die Produktionskosten hätte. Erstens wird immer noch der grösste Teil Milch mit eigenem Raufutter hergestellt, die CH Bauern sind die Weltmeister in dieser Sparte, und zweitens sind die Milchpreise bereits auf einem Niveau, bei welchem die wenigsten Bauern noch Investitionen tätigen.

  3. Ion Says:

    @Martin Haab: OK, hab’s gecheckt. Die Menge von 250’000 Tonnen klingt zwar nicht nach Pappenstil, ist in Prozent der gesamten erfolderlichen Futtermenge in der CH wohl doch eher bescheiden.

    „250‘000 Tonnen Soja importiert

    2014 importierte die Schweiz insgesamt 250‘000 Tonnen Sojaschrot. Vor allem wegen hoher Preise gab es in den letzten Jahren eine Abnahme. Der Anteil von Soja aus Brasilien ist gemäss dem Soja-Netzwerk Schweiz auf 76 Prozent gesunken. Das Netzwerk erklärt, dass der Anteil an nachhaltig produziertem Soja auf 82 Prozent gestiegen sei. Doch die Vision Landwirtschaft und Greenpeace Schweiz betonen, dass Soja häufig nach wie vor unter problematischen Bedingungen und mit hohem Pestizideinsatz produziert würde.“

    Die Strategie geht für mich in die richtige Richtung. Zudem hasse ich Tofu.
    Gruss
    Ion

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