Archive for the ‘(Agrar-)Medien’ Category

Kühe mit Aussicht (auf einen schönen Preis)

März 21, 2015

Kuhbild mit Aussicht kleinZum ersten Regentag seit langem kommt so ein sonniges Kuhbild doch wie gerufen, oder? Geschickt hat es mir Leser Dominik Thali. Er schreibt: “… als ich las, dass Du Kuhbilder sammelst, dachte ich, ich sollte Dir eines schicken, das ich letztes Jahr am Fronleichnamstag auf dem xxx gemacht habe. Der Beweis dafür, dass es Kühe gerne auch mal gemütlich nehmen.” Das ist eine super Idee, lieber Dominik, besten Dank! Er selber sammelt übrigens lieber Fahrradbilder, und betreibt einen sackstarken Blog namens “Velo – das Leben auf zwei Rädern”, wo man noch viel abschauen könnte, beneidenswert hübsch gemacht!

Zurück zu den Kühen und Dominiks Bild. Die drei x stammen natürlich von mir, es gibt nämlich einen Quiz. Wer mir zuerst sagt, auf welchem relativ bekannten Hoger die gemütlichen Kühe die Aussicht geniessen, der erhält einen Preis. Kleiner Tipp: Wenn man bzw. die beiden Braunvieh-Ladies ein bisschen weiter nach vorne rücken würden, sähen sie Wasser…

Das KuhbuchJetzt zum Preis, empfohlen von einer der ausgewiesensten Expertinnen weitherum (merci!). Er heisst ganz schlicht “Das Kuhbuch – Von schönen Kühen, seltenen Rassen und dem Wohl der Tiere” von Annette Hackbarth und ist natürlich ein …. Kuhbuch. Es ist ein abwechslungsreiches, umfangmässig mit 128 Seiten gut bewältigbares und journalistisch gemachtes Werk (kein Zufall, ist doch die Autorin Journalistin), das ohne Anspruch auf Vollständigkeit aber mit punktuellem Tiefgang berichtet von Domestikation, Kuhkomfort, heilige Hornträgerinnen, Alp, Schlägen und Rassen, IKuh, einem Kuhpapst etc. Das alles dekoriert mit 150 schönen Bildern. Positiv aufgefallen ist mir auch, dass eine Simmentalerin den Titel ziert, für mich unter Einbezug aller Faktoren eigentlich die zukunftsträchtigste Kuh. Viel Glück beim Raten!

Wintercowpics (2): Thüringen-Punjab, inkl. Quiz

Februar 27, 2015

L1010663Das sieht zwar nicht wirklich aus wie ein Winterkuhbild, ist aber immerhin ein im Winter gemachtes Bild von einem Teil meiner Herde; mit einem Buch von Agrarjournalistenkollege Fritz Fleege aus Deutschland.

Er war über vier Jahrzehnte Redakteur der deutschen “BauernZeitung” und hat viel erlebt. Den milchwirtschaftlichen Teil seines Erfahrungsschatzes hat er nun unter dem Titel “Menschen, Milchvieh, Melkroboter” zwischen Buchdeckeln herausgegeben. Das hat sich gelohnt. Die “Begegnungen in 38 Ländern auf fünf Kontinenten” auf knapp 300 Seiten führen in alle Weltgegenden, darunter Thüringen und Punjab, immer mit Fokus auf die Milchwirtschaft, die Menschen, die sie betreiben und natürlich die Kühe.

Da erfährt man allerhand, zum Beispiel, dass nicht nur im Appenzell, sondern auch in Indien Kuhfladen getrocknet, gesammelt und gestapelt werden. Oder wie begehrt Guernseykühe von den französischen Kanalinseln schon im 19. Jahrhundert waren. Oder wie eine junge Generation russischer Milchbauern die Bestände aufstockt. Oder wie die Viehzüchter in Argentinien von “Sojeros” verdrängt werden.

Das alles ist sehr journalistisch aufgemacht, es gibt lange Lesestücke und Kurzfutter und viel Bildmaterial. Diesen Eindruck unterstützt auch die Reklame, die den Leser auf einigen Seiten begleitet. Aber hat mich irgendwie nicht gestört, ist ja auch ein Teil der Realität, zu sehen, wie heute Melkkarusselle angepriesen werden.

Das Buch kann man hier bestellen, aber natürlich auch gewinnen. Wie gesagt, es gibt viele Kühe im Buch. Viele, viele Holsteins aber zum Glück auch noch ein paar andere. Diese hier zum Beispiel. Die erste korrekte Antwort holt den Preis, viel Glück!

Wettbewerbskuh

PS. Sollten Sie via die neueste Ausgabe von Zeitpunkt erstmals auf diesen Blog gekommen sein (für alle Nicht-ZeitpunktleserInnen, ich habe dort einen Artikel über die Agrarinitiativen geschrieben), dann sind Sie vielleicht jetzt ein bisschen enttäuscht. Aber ich bin eben nicht nur ein “Polizist für agrarpolitische Correctness”, wie es dort heisst (wer das wohl erfunden hat…), sondern auch ein Kuhbildsammler- und -bücherbesprecher, Weidetorbeobachter, AgrInnovationssucher, AgVocate etc. Aber keine Angst, die Agrarpolitik kommt dann schon auch wieder zum Zug. Unterdessen können Sie ja ein bisschen im Archiv blättern.

“Wir haben es satt!” vs. “Wir machen euch satt!”

Januar 21, 2015

Berlin3Alle Jahre wieder: Dieser Tage steht in Berlin die Grüne Woche auf dem Programm, heuer schon zum 80. Mal. Fast schon ähnlich traditionell ist die Demonstration “Wir haben es satt”, die am vergangenen Samstag ihrerseits das Fünfjährige feiern konnte.

Berlin5Wie in allen Lebensbereichen der aufgeklärten kapitalistischen Gesellschaften ist auch im Demonstrationsbereich Wachstum wichtig. Deshalb schätzten die Organisatoren, eine bunte Koalition von Bioverbänden, Tierschützern, Umweltschutzorganisationen und Freihandelsgegnern die Teilnehmerzahl grosszügig auf 50’000.

Berlin4Das mag etwas hoch gegriffen sein, aber es war nichtsdestotrotz eindrücklich zu sehen, wie viele Leute “es” satt haben. Das Neutrum steht in erster Linie die Agrarindustrie und daraus primär die Massentierhaltung, die in letzter Zeit in Deutschland arg unter Druck geraten ist. Zur Mobilisierung beigetragen haben neben dem üblichen Grundrauschen von Tierschutzprotesten diverse Skandale (von denen mit Neuland einer auch ein IP-Label betraf), eine etwas gar marktschreierische Artikelserie in der “Zeit” über multiresistente Keime (“Die Rache aus dem Stall”) und das Tierhaltungsverbot gegen den skrupellosen Grossmäster Adrianus Straathof, ja so heisst der leider.

Berlin7Stark empört ist man in Deutschland in weiten Kreisen aber auch über die Verhandlungen zum Abkommen Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP), auch weil es die einheimischen Spezialitäten gefährden könnte, wie der Agrarminister kürzlich einräumen musste. Darin sehen viele Deutsche weit über das linke politische Spektrum hinaus einen weiteren Beweis für agrarimperialitische Ambitionen der USA, zu denen auch der weiterhin hohe Druck in Sachen GVO-Saatgut gezählt wird.

Wir haben es sattDass sich auch die Parteien, allen voran die Grünen diese wachsende Volksbewegung zu nutzen machen wollen, versteht sich von selber. Sie marschierten angeführt vom Co-Fraktionschef Hofreiter und Alt-Landwirtschaftsministerin Künast weit vorne in der Demonstration mit. Die Grünen haben als erste politische Formation erkannt, dass der Unmut über den Zustand der Land- und Ernährungswirtschaft weit über den linken Rand des politischen Spektrums hinausreicht. Und haben Erfolg damit. Ein klares Indiz dafür ist, dass mittlerweile nicht weniger als sechs von total 14 Landwirtschaftsministerinnen und -Ministern in den Bundesländern grün sind. Dazu kommen drei SozialdemokratInnen und eine Vertreterin der Linken.

Berlin9Im Nachgang zur Demonstration hat mir eine deutsche Kollegin verdankenswerterweise Zutritt zu einer gut gesicherten Veranstaltung der Grünen im eindrücklichen Parlamentarierbürogebäude Paul-Löbe-Haus verschafft. Dort wurde das Thema “Fleisch für die Welt?” debattiert. Am Pranger standen in Reden und Workshops nicht nur die Billigexporte von Fleisch nach China und – derzeit aus politischen Gründen unterbunden – nach Russland. “Die Land- und Ernährungswirtschaft ist die einzige im Land, die es sich leisten kann teuer zu importieren (z.B. Bioprodukte) und billig zu exportieren”, sagte der Biolandwirt und Landwirtschaftssprecher der grünen Fraktion, Ostendorff. So etwas, ergänzte er, wäre in jedem anderen Sektor undenkbar.

Wir machen euch satt3In der Tat sind die Verhältnisse recht drastisch. Trotz den kriselnden Exportanstrengungen sind die Preise etwa für Schweinefleisch derzeit tief im Keller, für das Kilo Schlachtgewicht erhält der deutsche Mäster bei konstanten oder steigenden Futterpreisen noch 1.25 Euro, vor Jahresfrist lag dieser noch bei ebenfalls schon knapp kostendeckenden 1.80. Ähnlich prekär ist die Lage bei der Milch, wo derzeit flächendeckend unter 30 Cent pro Liter ausgezahlt werden. Hier droht mit der Aufhebung der EU-Milchquote per 1. April eine weitere starke Zunahme des Preisdrucks. Grossen Anteil an diesen Verhältnissen hat in Deutschland auch der auf Discount fixierte Detailhandel, wo Milch und Fleisch zu Schleuderpreisen über die Theke gehen. Er könne nicht verstehen, wieso sich die Bauern von der Agrarindustrie derart vor sich hinschieben liessen, sagte der ebenfalls anwesenden Biobauer und grüne nordrhein-westfälischen Landestagsabgeordneten mit dem markanten Namen Norwich Rüsse.

Wir machen euch satt1Das ist eine durchaus legitime Frage. Sie richtet sich an die konventionellen Grossmäster und -milchproduzenten, die in den letzten Jahren unter starkem ökonomischem Druck und gemäss dem Motto “wachse oder weiche” massiv investiert und haben. Diese sind aber keineswegs bereit, die Grünen als Kampfgenossen zu akzeptieren. Stattdessen sind sie unter dem Leitspruch “Wir machen euch satt!” schon am Samstagvormittag zu einer eigenen Demo aufmarschiert, um sich gegen die ihrer Meinung nach unsachliche und -qualifizierte Meinungsmache gegen die moderne Tierhaltung zu wehren.

Sie gehen nämlich nicht zu Unrecht davon aus, dass sie für eine Mehrheit der Bevölkerung weiterhin nachfragegerecht produzieren, auch wenn Politik und Medien jetzt grobes Geschütz auffahren. In der Tat machen nämlich 50’000 “Schwalben” vor dem Kanzleramt im Kampf gegen die Agrarindustrie noch keinen ökologischen Sommer. Otto und Ottilie Normalverbraucher im nördlichen Nachbarland betrachten billige Nahrungsmittel und vor allem Fleisch nach wie vor als Menschenrecht. Ansonsten wären die Discounter längst eingegangen. Wie dünn das politische Eis für ernährungstechnische Bevormundung ist, mussten die Grünen unlängst am eigenen Leib erfahren. Der nicht sonderlich radikale Vorschlag eines “Veggiedays” in deutschen Kantinen brachte ihnen harsche Kritik und mutmasslich umfangreiche Stimmenverluste ein. Im vergangenen Herbst wurde die Idee des fleischlosen Tages dann ziemlich sang- und klanglos wieder begraben, beziehungsweise schlecht verdaut ausgeschieden. (Unterste zwei Bilder: Tatjana Kren, Video: Thomas Wengenroth/stallbesuch.de)

Das Agrar-Bannwäldchen trotzt dem Wandel

Dezember 5, 2014

Auflageentwicklung AgrarpresseOft wird die Zeitungslandschaft als Bannwald der Demokratie gepriesen. Wenn man bei diesem Bild bleiben will, so bildet die Agrarpresse einen kräftiges Bannwäldchen über dem Schweizer Landwirtschaftsidyll, das sich gerade wieder sehr robust gezeigt hat gegen jegliche Sparversuche der weniger bäuerlich gesinnten Politikerinnen und Politiker.

Dieses Bannwäldchen ist nicht nur nach wie vor artenreich sondern auch ziemlich vital, wenn man die Auflagenentwicklung mit derjenigen im publikumsmedialen Bannwald vergleicht, wo einige markante Bäume ziemlich in Schräglage geraten sind, wie obenstehende Tabelle zeigt, wobei die NZZ das etwas bessere Abschneiden vor allem einer Gratisauflage von gut 15’000 Exemplaren oder 12,4 Prozent zu verdanken hat (Tagi 5,1%).

Aber zurück ins landwirtschaftliche Bannwäldchen, dessen Florieren angesichts des ungebrochenen Strukturwandels in der Landwirtschaft umso bemerkenswerter ist. Hier bleibt die “Tierwelt”, kein klassischer Landwirtschaftstitel zwar, aber auf Bauernhöfen gut vertreten, unangefochtener Leader. Die Auflage hat nicht sehr gelitten, deutlich schmerzhafter dürfte hier der am reduzierten Seitenvolumen ablesbare Inseraterückgang sein, auch auf dem Land wandern die Anzeigen ins Internet ab.

Die beiden grossen Wochentitel haben unterschiedliche Entwicklungen hinter sich. Der “Schweizer Bauer” konnte vor zwei, drei Jahren die “BauernZeitung” überholen, die vermutlich noch etwas leidet unter dem Strukturwandel in der Milchwirtschaft und dem Rückgang der früher üblichen Genossenschaftsabos. Insgesamt sind sie nun etwa gleich auf, eine schöne Ausgangslage für einen sportlichen Konkurrenzkampf.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim “St. Galler Bauer”, der seine Auflage in den letzten acht Jahren um gut 10 Prozent auf 12’133 Exemplare steigern konnte, bei noch rund 3’500 direktzahlungsberechtigten Betrieben. Da hat man es offensichtlich geschafft, dem Strukturwandel ein publizistisches Schnippchen zu schlagen, ähnlich wie die Westschweizer Publikation “Terre et Nature”, die ihre Leserschaft erfolgreich weit über die bäuerlichen Kreise hinaus erweitert hat (und rund 10 Prozent der Exemplare am Kiosk absetzt), was kein leichtes Unterfangen ist.

Zur Erklärung vielleicht noch warum ausgerechnet die Zahlen von 2006: Es sind die ältesten im WEMF-Archiv verfügbaren Auflagebulletins.

Züchtigung der Züchter: Dreimal blättern genügt

August 24, 2014

BauZ1-1Manchmal ist die Zeitung schon nicht zu überbieten, und es wäre wirklich jammerschade, wenn sie dereinst aussterben würde. Ein schönes Beispiel, was die Zeitung in Sachen Leseraufklärung kann, lieferten vor etwa 10 Tagen die geschätzten KollegInnen von der Bauernzeitung, auch wenn es in diesem Fall wohl keine beabsichtigte Performance war.

Auf der Frontseite berichtet die BauZ über den geharnischten Protest von Bauernverband und Rinderzüchtern gegen die Verordnung über den Tierschutz beim Züchten von Tieren. Die neuen Bestimmungen seien “zu bürokratisch, nicht nachvollziehbar, realitätsfremd und nicht nötig”, beschwert sich der Bauernverband. Stein beziehungsweise Körperteil des Anstosses ist das Euter. «Übermässig ausgebildete Euter» führen laut Verordnung zur Behinderung der Fortbewegung und sind deshalb züchterisch zu vermeiden. In der rechten Spalte kommentiert Redaktorin Julia Schwery im Sinne des Bauernverbands. Die Verordnung sei unsinnig, schreibt Schwery, “Bäuerinnen und Bauern haben wohl kaum ein Interesse an Tieren, die nicht langfristig nutzbar sind”.

Soweit so gut. Dreimal umblättern reicht, um auf Seite 7 anzulangen und dort den lebendigen Beweis zu finden, dass die Verordnung keineswegs so unsinnig ist, wie Bauernlobby und Landwirtschaftsjournalistin auf der Frontseite behaupteten (siehe Bild unten). Hier sieht man einen profilierten Braunviehzüchter, der stolz mit einer seiner Spitzenkühe, beziehungsweise ihrem fast bildfüllenden Euter posiert.

Um zu sehen, dass dieses das Gehen der Kuh behindert und im Sinne der Verordnung überdimensioniert ist, braucht man kein Fachmann zu sein. Ganz offensichtlich ist der Züchter stolz auf diesen Zustand, sonst würde er wohl kaum auf diese Art mit dem Tier posieren und man kann davon ausgehen, dass auch bei den übrigen Kühen eine derartige Eutergrösse angestrebt wird.

Grosse Euter werden auch an den Spitzenschauen honoriert, was die Aussteller dazu verleitet, ihre Kühe vor der Präsentation lange nicht zu melken, um den Füllgrad des Euters zu erhöhen. Diese üble Praxis, welche nicht nur beim gehen behindert sondern wohl auch Schmerzen verursacht, kam möglicherweise auch in diesem Fall zur Anwendung, da der Züchter die Jungzüchter beeindrucken wollte.

Trotzdem kann ich die Kritik von Bauernverband und Züchtern ein Stückweit verstehen. Das überdimensionierte Euter wird nur von einer kleinen Elite derart forciert, die auch bei den Berufskollegen nur beschränkt Zustimmung findet. Gerade gestern habe ich mit einem Appenzeller Züchter über die entlarvende Kombination in der Bauernzeitung gesprochen. Er   findet überdimensionierte Euter und die künstliche Vergrösserung daneben, nicht nur aus tierschützerischen Gründen, sondern weil man den Kühen mit dieser Schaupraxis auch Schaden zufüge, der deren Langlebigkeit und Leistungspotenzial negativ beeinflusse.

Allerdings ist es in der Tierzucht so wie in allen anderen Lebensbereichen. Die Gesetze braucht es nur für eine Minderheit, die ohne künstliche Grenzen überborden würden, beziehungsweise bereits überborden und so erst den Gesetzgeber auf den Plan rufen. Das sind eigentlich die Leute, welche Bauernverband und -presse ins Visier nehmen müssten. BauZ2

 

Bio im Glashaus und Medien unter Schrumpfdruck

April 7, 2014

Alles bio oder wasOk, man ist natürlich jetzt ein bisschen sensibilisiert, als mitbeteiligter Lohnempfänger in der Biobranche. Doch das soll kein Hinderungsgrund sein, die Lust am Biobashing zu thematisieren. Publikumsmedien, einige stärker als andere, scheinen zuweilen ein geradezu biologisch bedingtes Verlangen zu verspüren, der ökologischen Landwirtschaft wieder mal die Leviten zu lesen. “Bio-Lüge”, “Bio-Bschiss” und “Bio-Illusion” sind nur ein paar der Wortschöpfungen aus den letzten Jahren.

LotterieJüngste Beispiele sind Artikel im “Spiegel” und im Konsumentenmagazin “Saldo”. Ersterer zog unter dem rezyklierten Titel “Alles Bio – oder was?” gegen einen angeblichen Bioeierskandal zu Felde, der sich dann allerdings samt der Onlineversion des Berichts in Luft auflöste. Die von “Saldo” monierte “Lotterie beim Bio-Einkauf” thematisiert ein altes aber durch ein komplexes Ausnahmeregelungssystem wasserdicht geregeltes Problem des biologischen Anbaus, nämlich den partiellen Mangel an Biosaatgut, der durch konventionelle Ware gedeckt werden muss. Das ist sicher kein Ruhmesblatt für den Biolandbau, aber man arbeitet daran, und die Alternative wäre ja dann einfach, dass stattdessen mehr Waren in konventioneller Produktion angebaut und Bioprodukte dadurch knapper und noch teurer würden, und das wäre dann wohl auch wieder nicht ganz im Sinne der Konsumentenschützer.

Mythos BioAber hier soll es jetzt gar nicht darum gehen, den Journalisten die Biokutteln zu putzen, bin ja selber einer und es interessiert mich mehr, was sie denn im Hafer sticht, ab und zu einen Säbel in den Biokartoffelsack zu stossen (wobei man auch nicht vergessen darf, dass deutlich öfter positiv als negativ über Biolandbau berichtet wird). Ich sehe folgende Hauptgründe:

  1. Der Biolandbau sitzt im teilweise selbst erbauten Glashaus. Die Bioszene hat sich sehr lange sehr explizit abgegrenzt vom konventionellen Landbau und hat dabei nicht zu knapp mit dem Gut-Böse-Weltbild operiert. Obwohl das natürlich aus ökologischer Sicht keineswegs falsch ist, provoziert das. Wenn dann diesen Gerechten, manchmal auch Selbstgerechten ein Bock unterläuft, wird das genüsslich ausgeschlachtet.
  2. Mittlerweile hat der Biolandbau die alternative Pionierzeit hinter sich gelassen und ist im Mainstream angelangt, zumindest gesellschaftlich (im Landwirtschaftsbereich ist er in der Schweiz und erst recht weltweit mit Anteilen von 10 beziehungsweise nur gut einem Prozent an der Fläche immer noch eher marginal entwickelt). Und wer im Mainstream obenauf schwimmt, der weckt gerne auch Misstrauen, Argwohn und Überdruss. 2012 wurde “Bio” in der Schweiz zum Unwort des Jahres gekürt, wegen “inflationärem und oft missbräuchlichem Gebrauch des Begriffs”, wie die mehrheitlich aus Journalisten bestehende Jury erklärte.
  3. Viel beigetragen zum Misstrauen haben die pittoresken Bilder, mit denen die Realitäten des Biolandbaus oft nicht korrekt wiedergegeben werden. Im Bauerngarten pickende Biohühner sind die absolute Ausnahme, der grösste Teil der Bioeier wird in Ställen mit 2000 Hühnern produziert. Bioeier die im Ostereierstil im Obstgarten zusammengesucht werden müssten wären so teuer, dass sie kaum mehr absetzbar wären im Detailhandel. Hier unterliegt der Biolandbau, das muss gerechterweise gesagt sein aber auch gewissen Sachzwängen. Wenn schon die konventionelle Landwirtschaft in der PR mit Bauernhofromantik agiert, die klar zu idyllisch ausfällt, ist man gezwungen quasi proportional zu idealisieren in der Öffentlichkeitsarbeit, um den Mehrpreis noch rechtfertigen zu können.
  4. Zum Schluss noch das naheliegendste, etwas abgedroschene klingende aber nichtsdestotrotz so lange wie es den Menschen noch gibt gültige Argument: Biolandbau ist eine Erfolgsgeschichte, er wächst ungeachtet der Probleme ungebrochen, das weckt – wenn auch vielleicht nur unterbewusst – Neid, zumindest in einer Branche, die derart unter Schrumpfdruck steht wie die Printmedien. Deshalb ist jeder negative Artikel nicht nur Ansporn zum Fehler korrigieren, sondern auch eine kleine Auszeichnung für die Szene.

Der Stachel im Fleisch der Industrielandwirtschaft

Januar 13, 2014

FleischatlasPünktlich zum “Davos der Landwirtschaft”, wie die nächste Woche stattfindende Internationale Grüne Woche in Berlin gern genannt wird, hat’s der BUND wieder getan: Die grösste deutsche Umweltschutzorganisation hat der Landwirtschaft zwei mittlere Bomben in den Bauernhofgarten geworfen.

Innert zwei Tagen hat der Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland eine Studie über den Hormoneinsatz in der Mastferkelproduktion und zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung und “Le Monde Diplomatique” den Fleischatlas 2014 publiziert.

Dazu ein paar secce Bemerkungen (ich habe mir auf Anregung von einer zeitlich knapp dotierten Leserin vorgenommen, weniger episch zu schreiben heuer):

  • Beides sind sehr lesenswerte Publikationen, die wunde Punkte der modernen Landwirtschaft treffen.
  • Der BUND schafft es auch dank offenbar sehr guter Medienkontakte immer wieder, flächendeckend Salz in diese Wunden der Landwirtschaft zu streuen. Wie schon bei den Glyphosat-Babys vor einigen Monaten hagelt es Protest, namentlich gegen die Hormonstudie. Das zeigt, dass sich trotz einiger handwerklich fragwürdiger Punkte in der Studie, die etwa hier kritisiert werden, viele Schafe in der Herde getroffen fühlen. Zurecht, denn
  • die deutsche Fleischproduktion ist zu einem gigantischen Industriesektor herangewachsen, pro Jahr werden etwa gut 58 Millionen Schweine geschlachtet, damit ist unser nördliches Nachbarland der weltweit drittgrösste Produzent nach China und den USA, Spitzenränge nimmt man auch bei der Rindfleischproduktion und den Mastpoulets ein.
  • Fleischatlas TierzahlenDie Industrialisierung des Sektors hat zu einer Konzentration auf allen Ebenen: Immer weniger Produzenten mästen grössere Bestände für grössere Schlachtunternehmen, die ihre Ware zu womöglich immer tieferen Preise an immer grössere Supermarktketten liefern. Deutschland ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Hier verarbeiten im Schweinesektor gemäss dem Fleischatlas drei Betriebe 55 Prozent des Schlachtwerts, in den USA sind es 10 Konzerne, die 88 Prozent der Schweine verarbeiten (die Grafik rechts zeigt Zahlen für den weltweiten Markt).
  • Diese Entwicklung zieht diverse Probleme nach sich. Um nur einige zu nennen: Höherer Krankheitsdruck in Grossbeständen, steigender Hilfsstoffeinsatz auf den Feldern (für die forcierte Eiweissfutterproduktion) und Stall, Emissionen von Grossbetrieben, Tierschutzprobleme, Lohndruck in Grossschlachthäusern, erhöhter Zeitdruck und zahlreichen Fehlmanipulationen am lebenden Tier in Schlachthäusern, Schwinden von gewerblichen Fleischverarbeitern.
  • Ich staune immer wieder, mit welcher Verve sich die Landwirte und ihre Lobbyorganisationen dagegen wehren, die Probleme überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. In den integrierten Kreisläufen der Grosskonzerne, die Genetik, Futter und Infrastruktur liefern und die Tiere vollumfänglich übernehmen sind sie das schwächste Glied und stehen in extremer Abhängigkeit. Von freiem Unternehmertum, wie sie es sich gerne auf die Fahne schreiben, entfernen sich die sogenannte Urproduzenten immer weiter.
  • Der BUND ist für mich so etwas wie die EMMA einst, als sie dem Feminismus auf die Beine half. Nervt zwar immer wieder, aber für die Bewusstseinsbildung der Landwirte in Deutschland und darüber hinaus extrem wichtig. Ich warte auf den Ausbruch des Agrinismus.
  • Und in der Schweiz dürfte man in Sachen Landwirtschaft ruhig auch etwas mehr Lärm hören von Pro Natura, auch wenn die Verhältnisse noch um einiges idyllischer sind, als in Deutschland. Aber bei weitem nicht problemlos. (Illustrationen aus dem Fleischatlas)
    Fleischatlas Tierzahlen D

Facebookpuzzle gibt Bauernfamilien ein Gesicht

Januar 7, 2014

Familie SprungerDer Schweizerische Bauernverband (SBV) hat hier von mir ja schon viel Fett abgekriegt, drum hat er jetzt auch mal ein bisschen Balsam verdient. Wie Sie, liebe Leserinnen ja vielleicht wissen, stehen wir schon mitten im internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe. Diese produzieren immerhin 70 Prozent der Nahrungsmittel weltweit, gleichzeitig sind 60 Prozent der Armen weltweit Bauern und Bäuerinnen.

Aus Anlass dieses für einmal sehr gerechtfertigten Sonderjahres hat der SBV 27 Mitgliederfamilien gesucht, die auf Facebook aus ihrem Alltag berichten. Hier finden sich alle Betriebe auf einen Blick und hier gibt’s noch etwas mehr Hintergrundinfo.

Familie Jost AlpabzugIch hab mich ein bisschen umgeschaut auf diesen Seiten. Die Einblicke sind interessant, rührend, überraschend, herzig, aufschluss- und abwechslungsreich. Alles reich illustriert und dies teilweise gar mit bewegtem Bild, so gibt’s zum Beispiel bei Familie Jost aus Obergesteln im Goms für Technikfreunde ein Filmli mit Schnneräumung zwischen Hof und Miststock und bei Familie Pfister aus Bözen ein sehenswertes Video auf dem die Jungbäuerin Vieh füttert. Ich muss sagen, mir gefällt das, auch wenn die Zahl der Betriebe mit 27 vielleicht etwas hoch ist, um die Sache flächendeckend zu verfolgen. Wobei, es musste föderalistisch korrekt jeder Kanton berücksichtigt sein (einer offenbar sogar zweimal, wer rausfindet welchen kriegt von mir einen kleinen Preis) und vermutlich wird es bei der Leserschaft regionale Vorlieben geben.

Michaela Gassers VorstellungInteressant zu sehen ist, was die Bauernfamilien berichtenswert finden. Sehr beliebt war gestern ein Porträt mit der mittels Kuchen frisch gekürten Königin. Hier ist jemand am Bäume schneiden, dort klebt eine Tochter des Hauses einen Kleber hinten auf ein Auto, hüben wie drüben werden Männerchor- und Turnvereinstheater beworben, Kinder in Trachten gezeigt und mit aufschlussreichen Charakterbeschreibungen porträtiert. Die meisten Familien scheinen richtig Freude zu haben, immer wieder neue Entdeckungen zu präsentieren und dabei haben sie gecheckt, dass das Alltägliche meistens das Spannendste ist. Emsig wird hie und da auch schon kommentiert und repliziert. Bin gespannt auf die Fortsetzung, da werden sich im Lauf des Jahres interessante Puzzles ergeben. Hoffe, dass die Urbanistas auch reinschauen, weil man hier dies- und jenseits der Klischees mehr erfahren kann über die Vielgestaltigkeit der schrumpfenden landwirtschaftlichen Bevölkerung.

Zum Zug kommen in diesem Bilderbogen übrigens auch je eine Familie aus Bolivien, Honduras und Kirgistan, ein Produkt der Zusammenarbeit des SBV mit Helvetas und Swissaid. Das wirkt für mich nocht etwas Feigenblattmässig aufgesetzt, um doch noch ein bisschen zu motzen, aber auch das kann noch werden. Bin mir allerdings nicht sicher, ob SBV-Vizedirektor auch an die Familienbetriebe in der dritten Welt dachte, als er – das musste natürlich sein – bei der Lancierung der Verbandsaktivitäten zum Sonderjahr noch etwas Werbung machte für die “Initiative für Ernährungssicherheit”. Womit wir wieder beim Fett wären, aber das kann jetzt noch ein bisschen warten. (Alle Bilder von den Facebook-Seiten der Bauernfamilien)
Familie Sprunger Porträt

Ouganda: “Une scène classique qui m’a frappée”

Dezember 3, 2013

Ouganda Transport de Lait 4Meine liebe Agrarjournalistenkollegin Claire Muller von “Terre et nature” hat mir diesen interessanten Artikel zukommen lassen. Unten finden Sie eine etwas gekürzte Übersetzung, herzlichen Dank Claire, spannend!

“Ce matin-là, Enos arrive parmi les derniers au local de coulage de lait. Il n’habite pourtant qu’à 2 km de la laiterie coopérative. Pendant que le responsable transvase sa livraison dans le tank après l’avoir filtrée, Enos échange quelques mots avec d’autres producteurs, tout en partageant une tasse de thé, devant le mur où sont affichées les mesures d’hygiène de traite élémentaires. Le sujet du jour? Le prix du lait, à la baisse depuis plusieurs semaines. Le ton monte, les visages s’animent. Fenêtres grandes ouvertes et radio à fond un camion arrive soudain. Il vient d’effectuer une tournée dans les fermes éloignées.

Cette scène aurait pu se dérouler chez nous, en Suisse, dans n’importe quel village. Mais je l’ai vécue à 9000km d’ici, en Afrique équatoriale, plus exactement en Ouganda. Malgré la distance et les différences culturelles, cette scène (trop) classique m’a frappée. Quelle similitude avec ce dont je suis témoin quotidiennement chez les producteurs laitiers suisses! Même sentiment d’injustice et d’impuissance, même impression de travailler dur, de se lever tôt de se coucher tard pour un salaire frolant parfois l’indécence, même déprise d’un produit devenu de consommation courante.

Enos Habyarimania me raconte qu’il possède huit vaches, et que pour la région, c’est beaucoup. Il est arrivé à vélo, une cordelette maintenant la boille à lait sur son porte-bagage. Ce matin, il a livré dix-huit litres. Le laitier l’a soigneusement noté dans un épais cahier, après avoir contrôlé l’absence d’eau rajoutée dans la livraison d’Enos. Cette semaine, Enos sera rémunéré à hauteur de 500 shillings ougandais/litre, soit 0,18 francs suisses. Le lait constitue près des deux tiers du revenu d’Enos et de sa famille. Alors la moindre fluctuation baissière est difficile à encaisser.

En parallèle, Enos et son épouse travaillent quotidiennement dans leurs plantations de 1,2 hectares de pois, de maïs, de sorgho et de manioc, qu’ils cultivent pour leur propre consommation et dont ils commercialisent les surplus au marché. A 25 ans, il ne se plaint guère de son quotidien. Il entretient même un bon espoir de voir sa situation s’améliorer. C’est que dans sa région, le sud ouest de l’ouganda, les producteurs s’organisent. La coopérative qu’ils ont créé vient de racheter le tank à lait à l’industriel qui le détenait jusqu’alors. “Nous allons être plus forts dans les négociations”, se réjouit Enos, qui me glisse encore que le rapport de force pourrait bien être en train de changer. Il est 9h, Enos enfourche son vélo et rentre chez lui.

Suite à son voyage en Ouganda organisé par la Fédération internationale des Journalistes Agricoles (IFAJ) et l’ONG néerlandaise Agriterra, Claire Muller publiera dans le courant du premier trimestre 2014 plusieurs articles sur l’agriculture ougandaise et les suisses qui sont partis là-bas.”

Ouganda Transport de Lait 2
Uganda : “Eine klassische Diskussion, die mich frappiert hat”

“An diesem Morgen kommt Enos als einer der letzten zur Milchsammelstelle, dabei wohnt er nur 2km von der Milchgenossenschaft entfernt. Während der Verantwortliche seine Lieferung filtriert und in den Tank leert, wechselt Enos einige Worte mit den anderen Produzenten, dazu trinken sie Tee vor der Mauer, wo die Hygienemassnahmen angeschlagen sind. Das Thema des Tages? Der Milchpreis, der seit einigen Wochen sinkt. Die Lautstärke der Diskussion nimmt zu, während der Sammellastwagen mit offenen Fenstern und Radio auf voller Leistung vorfährt.

Diese Szene könnte sich in jedem beliebigen Schweizer Dorf abspielen. Aber ich habe sie 9000 km von hier entfernt erlebt, in Uganda. Trotz der Distanz und den kulturellen Unterschieden, hat mich diese (zu) klassische Szene frappiert. Welche Parallele zu dem, was ich in meinem Alltag bei den Schweizer Milchproduzenten erlebe! Das gleiche Gefühl von Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit, das gleiche Gefühl, hart zu arbeiten, früh aufzustehen und spät ins Bett zu gehen für einen erbärmlichen Lohn, die gleiche fehlende Wertschätzung für das Produkt.

Enos erzählt mir, dass er acht Kühe besitzt, und das sei viel für die Gegend. Er ist mit dem Fahrrad gekommen, die Milchkanne hat er mit einem Seil auf dem Gepäckträger befestigt. Diesen Morgen bringt er 18 Liter. Der Molkerist hat die Menge sorgfältig in einem Heft notiert, nicht ohne vorher geprüft zu haben, ob kein zusätzliches Wasser beigefügt worden ist. Diese Woche erhält Enos 500 Uganda-Shilling pro Liter, das sind 18 Rappen (also rund 100 Franken pro Monat). Die Milch liefert zwei Drittel von Enos Einkommen. Die kleinste Preissenkung ist deshalb schwierig hinzunehmen.

Daneben produzieren Enos und seine Frau auf ihren Äckern mit einer Fläche von 1,2 Hektaren Erbsen, Mais, Hirse, Maniok für den Eigenverbrauch und den lokalen Markt, wenn etwas übrig bleibt. Der 25-jährige beschwert sich nicht über seinen Alltag. Er hegt sogar Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. Im Südosten Ugandas organisieren sich die Bauern. Die von ihnen gegründete Genossenschaft hat soeben den benützten Milchtank kaufen können. „Das wird unsere Verhandlungsposition stärken“, freut sich Enos. Die Kräfteverhältnisse würden sich dadurch verändern, ergänzt er noch, bevor er sich um 9 Uhr mit seinem Fahrrad auf den Heimweg macht.

Nach ihrer Ugandareise, die von der International Federation of Agricultural Journalists (IFAJ) und der holländischen NGO Agriterra organisiert wurde, wird Claire Muller in den nächsten Monaten einige Artikel über die Landwirtschaft in Uganda und verschiedene Schweizer, die dorthin ausgewandert sind, publizieren.”
Ouganda Transport de Lait 1

Trashiges aus’m internetten Agrarvideoschaffen

November 30, 2013


Aus aktuellem Anlass heute mal ein kleiner Blick auf paar Agrarvideos im weiten Netz. Seit heute erscheint die Bauernzeitung online im neuen Kleid. Das ist nicht schlecht gelungen. Nicht, dass man das Internet neu erfunden hätte, aber im Vergleich zum Steinzeitauftritt von zuvor ein klarer Gewinn, sauber aufgeräumt, recht gut aktualisiert und mit allerlei neuen Features, zum Beispiel einem Blog des Chefredaktors, willkommen Kollege!

Das eindeutig aufsehenerregendste neue Format ist aber der Marktkommentar von Redaktor Hans Rüssli. Gefilmt vor einem naturgewaltigen düsteren Ölgemälde und geziert von der für helvetische Agrarexponenten fast obligaten Edelweisskrawatte verliest er ungerührt Marktentwicklungen im Fleischbereich, ohne die Kamera eines Blickes zu würdigen, während ihm eine unsichtbare weibliche Stimme aus dem Off die Stichworte liefert. Das ganze ist videotechnisch und punkto Regie derart steinzeitlich, dass es fast schon wieder gut ist. Ob das emotionsarme Format grad Kultcharakter entwickeln wird, wie man in der Redaktion vermutet, wird sich weisen müssen.


Der Video-Marktkommentar in der “BauZ” ist kein schlechter Ausgangspunkt für einen kleinen Tour d’horizon in Sachen Agarvideoschaffen im Internet. Da war namentlich der “Schweizer Bauer” einst pionierhaft. Als Redaktor K. vor gefühlten zehn Jahren an Pressekonferenzen statt zu fotografieren die Kamera erstmals auf ein kleines Stativ stellte, endlose Statements aufnahm und dann am Schluss noch ein freches Videointerview führte war das eine ziemliche Revolution im Agrarsektor. Leider ist es den Pionieren nicht gelungen, ihre Innovation zu professionalisieren und führend zu bleiben. Das Traktorfilmli oben ist ein gutes Beispiel. Präsentatorin Andrea macht ihre Sache zwar nicht einfach schlecht, aber sie war offensichtlich sich selber überlassen und das Fehlen von Regie macht das ganze hölzern. Dazu kommen komische Bildeffekte, die vermutlich aus einem Freeware-Programm stammen.


Da sind andere deutlich weiter, zum Beispiel die Firma bauernfilme.ch von Markus Gerig, der den beiden grössten Agrarblättern längst das Wasser abgegraben hat, dort wo es überhaupt nötig war. Seine Filme wirken wie aus einer anderen Welt. Man schaue beispielsweise obenstehenden Film, der für ein Lohnunternehmen realisiert wurde. Die Aufnahmen, viele davon mit einer Kameradrohne, einem sogenannten Quadrocopter realisiert haben schon fast glamourösen Charakter. Schöner könnte das auch kein Kanadier inszenieren.


Dasselbe gilt für das österreichische Portal landwirt.com, notabene ebenfalls Sprössling einer traditionsreichen Landwirtschaftszeitung. Die Printherkunft muss also keineswegs dazu führen, dass das Videoschaffen wirkt, als ob es aus dem letzten Jahrhundert (und nicht den letzten Jahren davon) käme. Was man allenfalls kritisieren kann ist, dass wie im eingebetteten Beispiel eine einzige Maschine im Mittelpunkt steht, was den Vergleich mit anderem Gerät ausschliesst. Und wiederum den Nutzen für den Seher dadurch stark reduziert wird.


Da lob ich mir den Youtube-Kanal vom FiBL, und zwar nicht nur weil ich dort jetzt Lohn nehme. Mein Kollege Thomas Alföldi ist ein Selfmade-Talent, das sich aber bei schwierigeren Fällen nicht scheut, Hilfe von Profis, zum Beispiel bauernfilme.ch, anzufordern. Das Resultat sind für Internet-Verhältnisse sehr solid gemachte Filme, die gleichzeitig Vergleichsmöglichkeiten bieten.


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