Archive for the ‘AgriKulturelles’ Category

“Alpgeschichten”: Ein Juchz auf die Bergblogger

Juli 6, 2015

Hühner1Sie müssen jetzt nicht grad dem Tierschutz anläuten, liebe Leserinnen und Leser. Hier handelt es sich nicht etwa um eine neue Form der urbanen Qualhühnerhaltung sondern lediglich um eine Transportkiste, immerhin mit Aussicht. Sie hilft, die gefiederten Freundinnen und Eierproduzentinnen des Menschen auf die Alp zu transportieren. Die Menschen sind in diesem Fall Efraim und Martina.

SimmentalerliDie beiden bewirtschaften diesen Sommer (er zum wiederholten, sie zum ersten Mal) die Alp Steistoos der Familie Wampfler zwischen Lenk und Lauenen im Berner Oberland. Warum ich Ihnen das alles erzähle? Efraim (an den sich vielleicht einige erinnern, weil er mal mit diesem genialen Bild einen Preis im Agroblog-Wettbewerb abgezügelt hat) hat mir kürzlich wie folgt geschrieben:

 Hühner4“Ich gehe seit einigen Jahren im Obersimmental zBärg, dieses Jahr machen wir neben dem Käsen auch noch beim Alpgeschichten-Blog mit. Seit ein paar Jahren organisiert die Dachmarke Schweizer Alpkäse diesen Blog. Es ist eine schöne Art, Werbung für Alpkäse zu machen und die acht deutschsprachigen und zwei welschen Alpen zeigen dieses Jahr verschiedene Seiten der Alpwirtschaft auf. Da gibts Politisches (bei Haueter Christian von der Alp Morgeten zum Beispiel) aber auch einfach viele schöne (Kuh-)Bilder und Berichte aus dem Alltag zwischen dem Waadtland und Glarnerland. Ich finde: Wenn sich da Älpler schon die Mühe machen, den Laptop auf den Berg schleppen und mit den steifen Fingern über ihren Alltag berichten, dann solls doch auch von möglichst vielen Leuten gelesen werden. Darum rühre ich jetzt in meinem privaten und weniger privaten Umfeld ein wenig die Werbetrommel dafür. Magst du den Blog vielleicht auch deinen agrophilen Blog-Lesern schmackhaft machen? Irgendwo ein Plätzli für einen Link in einem Nebensätzli? Und falls man den Platz in deinem Blog mit einem Stück Käse oder einer Führung durch Stall und Käserei kaufen kann, da würden wir uns sicher einig…”

Dem gibt’s eigentlich fast nichts mehr beizufügen. Ausser, dass ich Ihnen liebe LeserInnen die Blogs sehr empfehlen und Dir Efraim natürlich herzlich danken möchte. Du kommst meiner letzthin in dieser Spalte waltenden Schreibfaulheit mit Deinem tiptoppen Text sehr entgegen und willst mir erst noch Käse dafür geben. Das freut mich natürlich und ich werde mir diesen gerne abholen. Ich bin ja als Journalist komplett unbestechlich, aber mit Alpkäse, sorry, lieber Presserat…

Ach ja, und da waren ja noch die Hühner, hier zur Beruhigung der allfällig erhitzten Gemüter noch das Bild nach dem Ausladen aus der Transportbox, da kannst selbst Du nichts gackern, Hansuli Huber, oder? Zwei von ihnen haben übrigens via Blogwettbewerb noch neue Namen erhalten: Fridah und Kokkoh. Als Preis gibt’s je ein Spiegelei. Das ist doch eine schöne Alpgeschichte.

Hühner2

 

Weideskilift (2): Der Traktor als Pistenbully

Januar 15, 2015

SkiliftDer heutige Tag wäre ideal geeignet, um den Einstieg in die Agrarpolitik ’15 zu nehmen. Der Bundesrat hat seinen Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative des Bauernverbands präsentiert. Er gleicht praktisch wie ein Ei dem anderen dem Initiativtext, der augenfälligste Unterschied ist, dass der Bundesrat einen Artikel 102a und der Bauernverband einen 104a will. Für den Bauernverband ist das ein beachtlicher Erfolg, obwohl er in seiner Medienmitteilung natürlich nicht einfach uneingeschränkt zufrieden sein kann, das wäre politisch auch unklug.

Unter dem Strich bleibt mein Fazit unverändert: An der aktuellen Agrarpolitik wird sich mit dem neuen Artikel, so denn einer kommt, angesichts der schwammigen Formulierungen hüben wie drüben nichts ändern (müssen), womit sich die Frage in den Raum drängt, wozu die ganze Übung?

Antworten gerne in der Kommentarspalte, unterdessen präsentiere ich anstatt zu spekulieren lieber eine Fortsetzung des letzten Posts. Als Reaktion darauf hat mir Ueli Aeschbacher diese tollen Bilder von seinem Weideskilift geschickt, samt diesem aufschlussreichen Text:

Chruse-Lift in Kappelen in den Wynigenbergen:
Wir sind  14 Bauernfamilien (na gut 13 Bauernfamilien, mich zähle ich dann schon eher zu den Hobbybauern) mit 45 Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren in den Wynigenbergen welche vor ein paar Jahren einen Kleinskilift vom Typ Borer-Star angeschafft haben und ihn seither betreiben. Der Lift hat eine Länge von 200 m, die Seilführung ist freihängend mit Bügeln, ein sogenannter ‚Händschefrässer‘. Einen rund 40 Meter breiten Streifen entlang des Auftiegs präparieren wir mit einem Same-Traktor mit Doppelrädern vorne und hinten, vierfach mit Schneeketten ausgerüstet und am Front-Dreipunktanbau mit einer uralten Holzwalze ausgerüstet. Erstaunlicherweise klebt der Schnee am Holz nicht und wir schaffen es immer, eine tolle Piste herzurichten. Letzte Woche hatten wir bereits 6 sehr schöne Skitage und dies auf 800 müM. Im Sommer grasen auf der Piste OB-Mutterkühe und Lamas. Der Name Chruse-Lift stammt von der Liegenschaft auf dem Bild ersichtlich (Anm. dies ist mein Zuhause).  Die Ortsteil heisst Kappelen in der Gemeinde Wynigen. Der Lift lief bis 2011 in Valchava im Münstertal.

Ganz herzlichen Dank, lieber Ueli, eine schöne Geschichte. Wünsche Euch, dass Ihr die Holzwalze heuer (und in den kommenden Jahren) noch ein paarmal ausfahren könnt! (Bilder: Ueli Aeschbacher)
Skilift2

 

 

 

Schwungvolle Hommage an den Weideskilift

Januar 5, 2015

Top of the LiftEs guets Nöis, liebe Leserinnen und Leser! Es ist noch etwas früh im Jahr für Agrarpolitik, drum zum Auftakt etwas fürs Gemüt: Voralpenskilifte auf landwirtschaftlichem Dauergrünland, von rührigen Engagierten gepflegte Überlebenskünstler im Kampf gegen den Klimawandel.

Übers Neujahr hat’s unsereinem ins Appenzell verschlagen. Das erwies sich als Glücksfall. Es schneite wie fürs Guinessbuch und das bedeutete unerwartet rassige Saisoneröffnung an den Liften in Oberegg, Heiden und Grub. Ich habe alle drei getestet: Es waren Traumverhältnisse. Pulver gut, manchmal mit etwas Grasnarbe oder ein paar Steinen, aber das gehört dazu zum Feld-, Wald- und Wiesenskilift.

AuslegeordnungDazu überall sehr nette Bedienung mit überreichtem Bügel und Verpflegungsmöglichkeiten, eine Wirtschaft ist selten fern im Appenzell und in Heiden gab’s sogar eine Skiliftkappe zu kaufen. Mit der mache ich jetzt Reklame, allerdings nützt es grad nicht so viel, weil die Saison zumindest vorläufig leider schon wieder vorbei ist. Der unnötige Regen vom letzten Wochenende hat der Schneepracht in allen drei Gebieten den Garaus gemacht, hoffen wir, dass die Traumtage um Sylvester nur der Anfang einer Topsaison waren!

Sonne im LiftDer Lift in Heiden: Hart an der Nebelgrenze.

JumpImmer schön: Bauernhof auf der Piste.

Toddlers on SkiVoralpenskiarenas sind ideales Territorium für Familien, zum Beispiel hier in Grub.

StacheldrahtWer braucht da hochalpines Naturspektakel? Stacheldraht ausser Dienst in Oberegg.

Perlentauchen (1): Etwas für Fleissige

Dezember 16, 2014

LandwirtschaftGuten Abend, es weihnachtet ja sehr und deshalb will man sich als Blogger auch nicht lumpen lassen. Heute gibt’s hier ein Geschenkli, nämlich dieses Buch von Fotograf Markus Bühler-Rasom namens schlicht und einfach “Landwirtschaft Schweiz“.

Das stattliche Werk vereint auf 288 Seiten knapp 200 Bilder Bühlers. Ich hab’s durchgeblättert und es hat sich gelohnt. Die Spannweite der Schweizer Landwirtschaft ist einfach schon enorm. Man findet Trachtenfrauen, Freaks, UnternehmerInnen, Romantiker, Bastler, Schwinger, Kräuterfrauen- und Männer, eine Hufpflegerin, Waldarbeiter usw. und so fort. Insgesamt ein flottes Panoptikum des Primärsektors.

Sehr geeignet ist dieses Buch auch für Leute, die das Landvolk im Verdacht haben, betuliche Subventionsbezüger zu sein, es wird recht eindrücklich widerlegt, dieses Vorurteil, auch wenn die Bilder nicht bewegt sind.

Deshalb sind jetzt auch in diesem kleinen Wettbewerb die Fleissigen unter Ihnen gefragt. Das Buch kriegt nämlich, wer als ersteR rausfindet, der wievielte Beitrag in diesem Blog dies ist. Etwas sei verraten, es sind ein paar mehr als “Landwirtschaft Schweiz” Seiten hat. Viel Glück!

Kuhwoche (1): Urs im Unterland

April 25, 2014

Kalb Freienstein“kuhbilder von der velo-spargeltour winti-flaach-eglisau mit kind und  kegel. schöne tour mit feiner hof-beiz (für den schlemmer adi)”, schreibt mir mein lieber Freund Urs. Garniert mit tollen Bildern. Oben eine Kuh mit frischem Kalb in Freienstein.

Jungrinder in NeftenbachHier “drei geniesserische jungrinder bei neftenbach”

Kind und Kegelund Kind und Kegel. Sehr empfehlenswert die Gegend übrigens! Und merci vilmal! (Bilder Urs Wiskemann)

Noch mal Romandie, und schon wieder schön

April 1, 2014

CapricornKeine Angst, das wird kein weiterer Reiseblog, aber der Creux du Van ist definitiv noch einen Romandie-Wanderbericht mehr wert. Am “Grand Canyon der Schweiz” gab es für einmal Hornvieh der anderen Art zu begutachten.

Die Steinböcke, die wir mit dem Feldstecher lange gesucht hatten, lagen plötzlich vor uns, ein gutes halbes Dutzend. Das Stadtvolk verstummte und staunte fasziniert. Die Steinböckin döste sehr abschüssig und immer wieder fielen ihr die Augen zu, aber sie fiel zum Glück nicht, obschon es ein paar mal gfürchig danach aussah.

TörliDaneben sahen wir ein fast Stonehenge-mässiges Weidetörchen…

Schafe…und auf dem Rückweg ein paar Schafe.

BoucherieUnd ein interessantes Dorf namens Couvet im Val de Travers, ziemlich gebeutelt vom Verschwinden des grössten Arbeitgebers im Tal, einer Strickmaschinenfabrik, aber die Boucherie gibt es noch, mit Glücksschwein. (Capricorn by Helen James, many thx!)

All european Ladies in a Competition

Dezember 13, 2013

WettbewerbskuhSind Sie im Weihnachtsstress? Ich hoffe es nicht, auszuschliessen ist es aber ebensowenig. Ich hätte da einen kleinen Tipp. Ein nicht mehr ganz neues aber nichtsdestotrotz tolles Buch namens “All Ladies. Kühe in Europa”. Damit können sie nicht nur eineN KuhfreundIn beglücken (davon gibt es mehr als man meinen könnte), sondern auch sich selber in einen – falls nötig – entspannteren Zustand versetzen.

Der 128-seitige Band zeigt und beschreibt 50 Kuhrassen aus 25 europäischen Ländern. Die deutsche Fotografin Ursula Böhmer hat sie zwischen 1998 und 2011 abgelichtet. Das Langzeitprojekt hat sich gelohnt. Diese Kuhbilder laufen für mich unter Fotokunst. Die Porträts zeigen die Abgelichteten im Augenkontakt mit der Kamera, stoisch, aufmerksam, manchmal leicht überrascht, aber immer irgendwie würdevoll, gelassen und geerdet. Nicht die schlechtesten Zustände, vor und nach Weihnachten.

Schweden FjällrasUm das zu illustrieren habe ich ein paar Bilder ausgewählt.  Dieses hier zum Beispiel zeigt ein Exemplar der schwedischen Fjällras, was nichts anderes heisst als, so würde ich mit meinen rudimentären Schwedischkenntnissen vermuten, Fellrasse.

Griechenland KateriniDieses Bild zeigt ein griechisches Rind von der Rasse Katrini. Sie entspricht nicht grad dem züchterischen Ideal des durchschnittlichen Schweizer Milchproduzenten, aber ist sicher gut angepasst an das karge griechische Klima und doch einfach ein schön anzuschauendes Tier.

WettbewerbskuhSie werden sich jetzt vermutlich fragen, zu welcher Rasse die zuoberst stehende Kuh gehört. Das könnte ich Ihnen schon sagen, ist aber Gegenstand eines Wettbewerbs, bei dem Sie liebe Leserin, lieber Leser, ein Exemplar von “All Ladies” gewinnen können. Vielleicht ein paar Tipps, die Herkunft ist eher südeuropäisch, die Farbe kommt im Namen vor, sie ist ausdauernd und genügsam, noch immer verbringen viele Rassengenossinnen den Sommer in den Bergen. Einst wurde die Gesuchte als Zugtier eingesetzt, heute eher in der extensiven Fleischproduktion. Antworten bitte in die Kommentarspalte, viel Glück! (Alle Bilder Ursula Böhmer, vielen Dank fürs Scowting an Johanna Probst)

PS. In Berlin sind die Ladies zurzeit ausgestellt. Eine sehr sehenswerte Show in einer sehr pittoresken Umgebung in Neukölln. Der Stadtteil hat zwar nicht grad den besten Ruf, aber das Museum ist würde ich sagen, allein die Reise wert. Es ist im ehemaligen Pferdestall eines wunderschönen Gutsbetriebs untergebracht, wirklich prächtig. Zum Glück war ich zufälligerweise zur Vernissage in Berlin und konnte ein paar Worte mit Ursula Böhmer wechseln und sie sogar noch vor einem ihrer Bilder ablichten. Wer nicht extra nach Berlin fahren mag, sollte übrigens im Frühling Gelegenheit kriegen, die Kuhbilder in Zürich zu bestaunen. Die Infos dazu folgen hier, sobald ich sie habe.
Ursula Böhmer

Trashiges aus’m internetten Agrarvideoschaffen

November 30, 2013


Aus aktuellem Anlass heute mal ein kleiner Blick auf paar Agrarvideos im weiten Netz. Seit heute erscheint die Bauernzeitung online im neuen Kleid. Das ist nicht schlecht gelungen. Nicht, dass man das Internet neu erfunden hätte, aber im Vergleich zum Steinzeitauftritt von zuvor ein klarer Gewinn, sauber aufgeräumt, recht gut aktualisiert und mit allerlei neuen Features, zum Beispiel einem Blog des Chefredaktors, willkommen Kollege!

Das eindeutig aufsehenerregendste neue Format ist aber der Marktkommentar von Redaktor Hans Rüssli. Gefilmt vor einem naturgewaltigen düsteren Ölgemälde und geziert von der für helvetische Agrarexponenten fast obligaten Edelweisskrawatte verliest er ungerührt Marktentwicklungen im Fleischbereich, ohne die Kamera eines Blickes zu würdigen, während ihm eine unsichtbare weibliche Stimme aus dem Off die Stichworte liefert. Das ganze ist videotechnisch und punkto Regie derart steinzeitlich, dass es fast schon wieder gut ist. Ob das emotionsarme Format grad Kultcharakter entwickeln wird, wie man in der Redaktion vermutet, wird sich weisen müssen.


Der Video-Marktkommentar in der “BauZ” ist kein schlechter Ausgangspunkt für einen kleinen Tour d’horizon in Sachen Agarvideoschaffen im Internet. Da war namentlich der “Schweizer Bauer” einst pionierhaft. Als Redaktor K. vor gefühlten zehn Jahren an Pressekonferenzen statt zu fotografieren die Kamera erstmals auf ein kleines Stativ stellte, endlose Statements aufnahm und dann am Schluss noch ein freches Videointerview führte war das eine ziemliche Revolution im Agrarsektor. Leider ist es den Pionieren nicht gelungen, ihre Innovation zu professionalisieren und führend zu bleiben. Das Traktorfilmli oben ist ein gutes Beispiel. Präsentatorin Andrea macht ihre Sache zwar nicht einfach schlecht, aber sie war offensichtlich sich selber überlassen und das Fehlen von Regie macht das ganze hölzern. Dazu kommen komische Bildeffekte, die vermutlich aus einem Freeware-Programm stammen.


Da sind andere deutlich weiter, zum Beispiel die Firma bauernfilme.ch von Markus Gerig, der den beiden grössten Agrarblättern längst das Wasser abgegraben hat, dort wo es überhaupt nötig war. Seine Filme wirken wie aus einer anderen Welt. Man schaue beispielsweise obenstehenden Film, der für ein Lohnunternehmen realisiert wurde. Die Aufnahmen, viele davon mit einer Kameradrohne, einem sogenannten Quadrocopter realisiert haben schon fast glamourösen Charakter. Schöner könnte das auch kein Kanadier inszenieren.


Dasselbe gilt für das österreichische Portal landwirt.com, notabene ebenfalls Sprössling einer traditionsreichen Landwirtschaftszeitung. Die Printherkunft muss also keineswegs dazu führen, dass das Videoschaffen wirkt, als ob es aus dem letzten Jahrhundert (und nicht den letzten Jahren davon) käme. Was man allenfalls kritisieren kann ist, dass wie im eingebetteten Beispiel eine einzige Maschine im Mittelpunkt steht, was den Vergleich mit anderem Gerät ausschliesst. Und wiederum den Nutzen für den Seher dadurch stark reduziert wird.


Da lob ich mir den Youtube-Kanal vom FiBL, und zwar nicht nur weil ich dort jetzt Lohn nehme. Mein Kollege Thomas Alföldi ist ein Selfmade-Talent, das sich aber bei schwierigeren Fällen nicht scheut, Hilfe von Profis, zum Beispiel bauernfilme.ch, anzufordern. Das Resultat sind für Internet-Verhältnisse sehr solid gemachte Filme, die gleichzeitig Vergleichsmöglichkeiten bieten.

Grossvaters Heimetli und die Gesündigten

November 17, 2013

Chueli in der GrabmattHeute haben wir in alten Familienalben rumgeblättert. Dabei kam plötzlich dieses Bild hervor. Es ist an sich nichts Spektakuläres: ein Hund, ein Bub, zwei Männer, zwei Frauen und ein Simmentaler Rind vor einem Heimetli im Bernbiet. Vermutlich sind es das Grosi, die Eltern und zwei Söhne. Erstaunlich ist, dass der Fotograf nicht etwas näher ging, die gesündigete (bernisch für in Sonntagstuch herausgeputzte) Gruppe scheint nämlich samt dem sauber aufgestellten Rindvieh für das Foto zu posieren. Wahrscheinlich wollte man auch das Gebäude drauf haben, kein stattliches Bauernhaus, aber immerhin. Vielleicht der ganze Stolz einer Taglöhnerfamilie, die es dank harter Arbeit zu etwas gebracht hat. Ich werde noch etwas recherchieren.

Mein Grossvater hat das Heimetli in Burgistein BE später gekauft, er war das Leben lang Postbeamter und leistete sich dann zusammen mit meiner Grossmutter eines Tages dieses Hüsli; ohne Kühe zwar, aber mit viel Umschwung, Holz vor der Hütte für den kalten Winter und ein toller Ferienort. Für mich sind meine Grosseltern Vorbilder, im Alter haben sie sich doch noch den Traum von der (Klein-)Landwirtschaft verwirklicht. Ich bleibe dran. (Fotograf und Aufnahmedatum unbekannt.)

Grüssen über den Hag – zum Beispiel in Suberg

November 5, 2013

Über den Hag grüssen in Suberg Es wird ja langsam definitiv ganzabendlich finster und deshalb Zeit für einen Filmtipp. Ich empfehle “Zum Beispiel Suberg” von Simon Baumann, und zwar keineswegs nur weil er der Sohn von meinem geschätzten Bloggerkollegen Ruedi Baumann ist (dazu später mehr).

“Suberg” ist ein weiterer Streifen, der das alte Klischee des Schweizer-Film-Erlebnisses vergessen macht, das im wesentlichen daraus bestand, dass man mit fünf anderen im ansonsten leeren Saal sass und am Schluss lange nach dem Abspann mutterseelenallein darin erwachte.

Plakat SubergSuberg ist ein Kaff in der Berner Kornkammer, “475 Meter über Meer, 612 Einwohner. Ein Schulhaus, ein Bahnhof, ein Schulhaus, eine Beiz und eine Düngerfabrik. Ein mittleres Dorf im Schweizer Mittelland”, wie Baumann einleitend cool zusammenfasst. Er habe das Dorf 31 Jahre lang erfolgreich ignoriert. Dabei wären die Voraussetzungen für eine bessere Integration nicht schlecht gewesen: Die Grosseltern wichtige Stützen des Dorflebens, er Musikant und vielfach ehrenamtlich aktiver Landwirt, sie als gschaffige Bäuerin. Auch die nächste Generation blieb an der Scholle tätig. Nur entwickelten sich Simons Eltern Ruedi und Stephanie schnell zu rotgrünen Tüchern für die Mehrheits-Suberger, als Powercouple mit Doppelmandat im Nationalrat sorgten sie auch auf lokaler Ebene für nachhaltige Animositäten, wie Simon am eigenen Leib erfährt.

Dieser hat nämlich unterdessen beschlossen, Suberg im Selbstversuch zu erkunden, auf der Suche nach dem verlorenen Dorfleben. Längst hausen die Bewohner entfremdet voneinander hinter wohlgetrimmten Hecken. Während ihm die einen die Hand schütteln, jagen ihn die anderen abrupt zum Teufel. Unbeirrt stellt sich Baumann samt Bänkli und Sonnenschirm an die Bahnschranke, den letzten verbliebenen Treffpunkt, und verteilt den im Auto auf den Zug Wartenden Nussgipfel. So richtig warm wird aber niemand mit dem freundlichen Angebot. Integration erfährt der Suchende erst im Männerchor, wo man ihn nach anfänglichem misstrauischem Beschnuppern schlussendlich freudvoll als bei weitem jüngstes Mitglied und Nachwuchshoffnung aufnimmt.

Simon Baumann im KornfeldBaumanns Selbsterfahrungs-Experiment ist gewagt, er stellt sich prominent in den Mittelpunkt des Films und das könnte auch nerven. Tut es aber nicht, kein bisschen. Ich habe mich bestens unterhalten und gleichzeitig immer wieder gedacht, dass man diesen Streifen in ca 2000 anderen Schweizer Gemeinden drehen könnte. Zersiedelung, Motorisierung (inkl. Lädelisterben), Rationalisierung, Vereinzelung – Suberg ist überall. Im Gespräch wirken die meisten der redebereiten Suberger etwas verloren, man zieht sich zurück in die eigenen vier Einfamilienhüsli-Wände, wüsste auch gar nicht mehr wohin, wenn man jemanden treffen wollte, die letzte Beiz ist längst ein gestopfter Laden für mehrbessere auswärtige Gourmets.

Was das alles mit Landwirtschaft zu tun hat, werden Sie sich fragen, liebe LeserInnen. Sehr viel. Die rapide Aggloisierung der Dörfer geht immer einher mit einem Bauernsterben. Für mich zeigt dieser Film wieder einmal archetypisch, wie wichtig eine lebendige bäuerliche Gemeinschaft für ein Dorf ist. Sie ist nicht nur Stütze des Gesellschaftsleben sondern auch Garantin, dass im Dorf konsumiert und gelebt und eben nicht nur geschlafen wird. Nicht, dass es in Suberg keine Bauern mehr gäbe, ein paar sind noch geblieben, darunter auch Simons Bruder Kilian (die Eltern sind längst nach Frankreich ausgewandert, was man hier schön illustriert täglich mitverfolgen kann). Aber irgendwie sind sie selber an den Rand gedrängt worden, kämpfen um ihre knappen Margen und letztlich das Überleben, was nur wenig Zeit fürs Leben lässt. Filmstart ist am 28. November, nicht verpassen.


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