Archive for the ‘AgriKulturelles’ Category

Trashiges aus’m internetten Agrarvideoschaffen

November 30, 2013


Aus aktuellem Anlass heute mal ein kleiner Blick auf paar Agrarvideos im weiten Netz. Seit heute erscheint die Bauernzeitung online im neuen Kleid. Das ist nicht schlecht gelungen. Nicht, dass man das Internet neu erfunden hätte, aber im Vergleich zum Steinzeitauftritt von zuvor ein klarer Gewinn, sauber aufgeräumt, recht gut aktualisiert und mit allerlei neuen Features, zum Beispiel einem Blog des Chefredaktors, willkommen Kollege!

Das eindeutig aufsehenerregendste neue Format ist aber der Marktkommentar von Redaktor Hans Rüssli. Gefilmt vor einem naturgewaltigen düsteren Ölgemälde und geziert von der für helvetische Agrarexponenten fast obligaten Edelweisskrawatte verliest er ungerührt Marktentwicklungen im Fleischbereich, ohne die Kamera eines Blickes zu würdigen, während ihm eine unsichtbare weibliche Stimme aus dem Off die Stichworte liefert. Das ganze ist videotechnisch und punkto Regie derart steinzeitlich, dass es fast schon wieder gut ist. Ob das emotionsarme Format grad Kultcharakter entwickeln wird, wie man in der Redaktion vermutet, wird sich weisen müssen.


Der Video-Marktkommentar in der „BauZ“ ist kein schlechter Ausgangspunkt für einen kleinen Tour d’horizon in Sachen Agarvideoschaffen im Internet. Da war namentlich der „Schweizer Bauer“ einst pionierhaft. Als Redaktor K. vor gefühlten zehn Jahren an Pressekonferenzen statt zu fotografieren die Kamera erstmals auf ein kleines Stativ stellte, endlose Statements aufnahm und dann am Schluss noch ein freches Videointerview führte war das eine ziemliche Revolution im Agrarsektor. Leider ist es den Pionieren nicht gelungen, ihre Innovation zu professionalisieren und führend zu bleiben. Das Traktorfilmli oben ist ein gutes Beispiel. Präsentatorin Andrea macht ihre Sache zwar nicht einfach schlecht, aber sie war offensichtlich sich selber überlassen und das Fehlen von Regie macht das ganze hölzern. Dazu kommen komische Bildeffekte, die vermutlich aus einem Freeware-Programm stammen.


Da sind andere deutlich weiter, zum Beispiel die Firma bauernfilme.ch von Markus Gerig, der den beiden grössten Agrarblättern längst das Wasser abgegraben hat, dort wo es überhaupt nötig war. Seine Filme wirken wie aus einer anderen Welt. Man schaue beispielsweise obenstehenden Film, der für ein Lohnunternehmen realisiert wurde. Die Aufnahmen, viele davon mit einer Kameradrohne, einem sogenannten Quadrocopter realisiert haben schon fast glamourösen Charakter. Schöner könnte das auch kein Kanadier inszenieren.


Dasselbe gilt für das österreichische Portal landwirt.com, notabene ebenfalls Sprössling einer traditionsreichen Landwirtschaftszeitung. Die Printherkunft muss also keineswegs dazu führen, dass das Videoschaffen wirkt, als ob es aus dem letzten Jahrhundert (und nicht den letzten Jahren davon) käme. Was man allenfalls kritisieren kann ist, dass wie im eingebetteten Beispiel eine einzige Maschine im Mittelpunkt steht, was den Vergleich mit anderem Gerät ausschliesst. Und wiederum den Nutzen für den Seher dadurch stark reduziert wird.


Da lob ich mir den Youtube-Kanal vom FiBL, und zwar nicht nur weil ich dort jetzt Lohn nehme. Mein Kollege Thomas Alföldi ist ein Selfmade-Talent, das sich aber bei schwierigeren Fällen nicht scheut, Hilfe von Profis, zum Beispiel bauernfilme.ch, anzufordern. Das Resultat sind für Internet-Verhältnisse sehr solid gemachte Filme, die gleichzeitig Vergleichsmöglichkeiten bieten.

Grossvaters Heimetli und die Gesündigten

November 17, 2013

Chueli in der GrabmattHeute haben wir in alten Familienalben rumgeblättert. Dabei kam plötzlich dieses Bild hervor. Es ist an sich nichts Spektakuläres: ein Hund, ein Bub, zwei Männer, zwei Frauen und ein Simmentaler Rind vor einem Heimetli im Bernbiet. Vermutlich sind es das Grosi, die Eltern und zwei Söhne. Erstaunlich ist, dass der Fotograf nicht etwas näher ging, die gesündigete (bernisch für in Sonntagstuch herausgeputzte) Gruppe scheint nämlich samt dem sauber aufgestellten Rindvieh für das Foto zu posieren. Wahrscheinlich wollte man auch das Gebäude drauf haben, kein stattliches Bauernhaus, aber immerhin. Vielleicht der ganze Stolz einer Taglöhnerfamilie, die es dank harter Arbeit zu etwas gebracht hat. Ich werde noch etwas recherchieren.

Mein Grossvater hat das Heimetli in Burgistein BE später gekauft, er war das Leben lang Postbeamter und leistete sich dann zusammen mit meiner Grossmutter eines Tages dieses Hüsli; ohne Kühe zwar, aber mit viel Umschwung, Holz vor der Hütte für den kalten Winter und ein toller Ferienort. Für mich sind meine Grosseltern Vorbilder, im Alter haben sie sich doch noch den Traum von der (Klein-)Landwirtschaft verwirklicht. Ich bleibe dran. (Fotograf und Aufnahmedatum unbekannt.)

Grüssen über den Hag – zum Beispiel in Suberg

November 5, 2013

Über den Hag grüssen in Suberg Es wird ja langsam definitiv ganzabendlich finster und deshalb Zeit für einen Filmtipp. Ich empfehle „Zum Beispiel Suberg“ von Simon Baumann, und zwar keineswegs nur weil er der Sohn von meinem geschätzten Bloggerkollegen Ruedi Baumann ist (dazu später mehr).

„Suberg“ ist ein weiterer Streifen, der das alte Klischee des Schweizer-Film-Erlebnisses vergessen macht, das im wesentlichen daraus bestand, dass man mit fünf anderen im ansonsten leeren Saal sass und am Schluss lange nach dem Abspann mutterseelenallein darin erwachte.

Plakat SubergSuberg ist ein Kaff in der Berner Kornkammer, „475 Meter über Meer, 612 Einwohner. Ein Schulhaus, ein Bahnhof, ein Schulhaus, eine Beiz und eine Düngerfabrik. Ein mittleres Dorf im Schweizer Mittelland“, wie Baumann einleitend cool zusammenfasst. Er habe das Dorf 31 Jahre lang erfolgreich ignoriert. Dabei wären die Voraussetzungen für eine bessere Integration nicht schlecht gewesen: Die Grosseltern wichtige Stützen des Dorflebens, er Musikant und vielfach ehrenamtlich aktiver Landwirt, sie als gschaffige Bäuerin. Auch die nächste Generation blieb an der Scholle tätig. Nur entwickelten sich Simons Eltern Ruedi und Stephanie schnell zu rotgrünen Tüchern für die Mehrheits-Suberger, als Powercouple mit Doppelmandat im Nationalrat sorgten sie auch auf lokaler Ebene für nachhaltige Animositäten, wie Simon am eigenen Leib erfährt.

Dieser hat nämlich unterdessen beschlossen, Suberg im Selbstversuch zu erkunden, auf der Suche nach dem verlorenen Dorfleben. Längst hausen die Bewohner entfremdet voneinander hinter wohlgetrimmten Hecken. Während ihm die einen die Hand schütteln, jagen ihn die anderen abrupt zum Teufel. Unbeirrt stellt sich Baumann samt Bänkli und Sonnenschirm an die Bahnschranke, den letzten verbliebenen Treffpunkt, und verteilt den im Auto auf den Zug Wartenden Nussgipfel. So richtig warm wird aber niemand mit dem freundlichen Angebot. Integration erfährt der Suchende erst im Männerchor, wo man ihn nach anfänglichem misstrauischem Beschnuppern schlussendlich freudvoll als bei weitem jüngstes Mitglied und Nachwuchshoffnung aufnimmt.

Simon Baumann im KornfeldBaumanns Selbsterfahrungs-Experiment ist gewagt, er stellt sich prominent in den Mittelpunkt des Films und das könnte auch nerven. Tut es aber nicht, kein bisschen. Ich habe mich bestens unterhalten und gleichzeitig immer wieder gedacht, dass man diesen Streifen in ca 2000 anderen Schweizer Gemeinden drehen könnte. Zersiedelung, Motorisierung (inkl. Lädelisterben), Rationalisierung, Vereinzelung – Suberg ist überall. Im Gespräch wirken die meisten der redebereiten Suberger etwas verloren, man zieht sich zurück in die eigenen vier Einfamilienhüsli-Wände, wüsste auch gar nicht mehr wohin, wenn man jemanden treffen wollte, die letzte Beiz ist längst ein gestopfter Laden für mehrbessere auswärtige Gourmets.

Was das alles mit Landwirtschaft zu tun hat, werden Sie sich fragen, liebe LeserInnen. Sehr viel. Die rapide Aggloisierung der Dörfer geht immer einher mit einem Bauernsterben. Für mich zeigt dieser Film wieder einmal archetypisch, wie wichtig eine lebendige bäuerliche Gemeinschaft für ein Dorf ist. Sie ist nicht nur Stütze des Gesellschaftsleben sondern auch Garantin, dass im Dorf konsumiert und gelebt und eben nicht nur geschlafen wird. Nicht, dass es in Suberg keine Bauern mehr gäbe, ein paar sind noch geblieben, darunter auch Simons Bruder Kilian (die Eltern sind längst nach Frankreich ausgewandert, was man hier schön illustriert täglich mitverfolgen kann). Aber irgendwie sind sie selber an den Rand gedrängt worden, kämpfen um ihre knappen Margen und letztlich das Überleben, was nur wenig Zeit fürs Leben lässt. Filmstart ist am 28. November, nicht verpassen.

Ein Alp-Traum, der die Zeitung verdrängt

Oktober 8, 2013

Anna Mathis NesaDie Morgenlektüre ist bei mir seit den Zeiten als Zeitungsverträger reserviert für die Zeitung. Die Namen der Blätter haben gewechselt, die Politikerköpfe ebenfalls, aber das grossflächige Blättern in der Aktualität blieb unangefochten.

Cover Traum AlpBis vor einigen Tagen. Nun habe ich eine neue Leiblektüre zum Tee und wechselndem Zubehör: „Traum Alp – Älplerinnen im Porträt“. So heisst das Buch von Daniela Schwegler und Vanessa Püntener, die die Bilder gemacht hat.

Es ist erstens ein sehr schön gemachtes Buch und zweitens packt es mich inhaltlich. Nicht nur weil der (bisher unerfüllte) Traum Alp(-sommer) Agrobloggers Hirni schon lange invadiert hat, sondern auch, weil es gut geschrieben und sehr treffend illustriert ist.

Marisa Heller und Rosina SchaffnerEs sind 12 Alp- und 15 Älplerinnen-Porträts, 12 Rezepte und 12 Wandervorschläge (ins jeweilige Alpgebiet), welche die beiden talentierten Frauen zusammengetragen haben. Bild und Text erzählen zusammen die interessanten Geschichten von Frauen, die auf allen möglichen und unmöglichen Wegen auf die Alpen gekommen sind, die sie meistens nicht mehr loslassen.

Josi JauchIch freue mich auf Alp Malschüel, die es morgen zum Frühstück gibt. Dort alpen Renate Telser – Politologin, DJane, Sennin, Mélanie Charles – Landmaschinenmechanikerin, Landwirtin, Hirtin und Manuela Gentner – Hauswirtschaftsfachfrau, Familienhelferin, Bäuerin, Hirtin, so die jeweiligen Kurzbiografien im Inhaltsverzeichnis. Dieses allein zeigt, wie bunt die Älplerinnenwelt ist.

Neuerdings ist diese, auch diejenige der männlichen Pendants, auch wissenschaftlich vermessen. Ich empfehle allen Interessierten einen Blick auf die Homepage von „Alpfutur“, der Website des Projekts, das dieser Tage längst fällige Daten zur Alpwirtschaft geliefert hat.

Katia Boschi MühleisenDieses Bild zeigt Katia Boschi Mühleisen. Sie ist nach Drucklegung des Buchs „Ende Juli 2013 während des Alpsommers auf tragische Weise bei einem Felssturz ums Leben gekommen“, heisst es auf einem Zettel, der dem Buch beigelegt ist, „ihr sei dieses Buch gewidmet“. RIP. (Bilder Vanessa Püntener)

Der zweite Blick auf die Schau

Oktober 4, 2013

Hunde WCEs ist wieder soweit: Die Kärcher werden eingeheizt, die Kühe frisiert, die Trachten aus den Schränken geholt: Viehschauzeit. Monika Schlatter war an der grössten in Nesslau und hat mir ein paar schöne Bilder geschickt. Sie zeigen erstens, wie man sich täuschen kann: Nesslau liegt im Kanton St. Gallen, im schönen Toggenburg, und nicht etwa im Appenzell, wie das Deko vermuten lassen könnte.

Trachtenfrau am TelefonZweitens zeigen sie auf den zweiten Blick, dass auch hier in einer der entlegeneren Gegenden des Landes die Zeiten geändert haben. Die Agglo drückt in Form von Leinen-Hundenhaltung in die Täler und die Trachtenfrau telefoniert so lässig mobil, wie das in Downtown Switzerland niemand schöner könnte.

Swiss ClassicAuch dieser Helgen ist ein Beispiel für den Trend: Der Mann ist an einer Old-School-Viehschau, wirbt aber auf seiner Jacke für eine der modernen Cowshows, die heute eben zum Beispiel Swiss Classic heissen (wer sich ein Bild machen will: die nächste findet am 30. November in Brugg statt).

Appenzeller Meitschi

Hier eine junge Frau, die nicht Tracht, sondern das klassische Expertentenu trägt: den leichten Stoffmantel der Viehhändler, Kuhtreiber und Jurymitglieder. Ich will mich nicht zu weit auf die Äste rauslassen, aber sie wird von der althergebrachten Rollenverteilung kaum sehr viel halten.

AlpenbartWährend sich dieser schöne Alpenbartträger vermutlich fragt, wo das noch alles hinführen soll…

Bub vor Kühen… wird er es wohl eines Tages rausfinden. (Bilder Monika Schlatter)

Gastkuh(-schild)bilder: Best of Monika

September 17, 2013

Kuhwarnschild mit ServiceZum Sommerende hier ein kleines Best-of von Sommerkuh(-schild)bildern von meiner Stammgästin Monika Schlatter. Das Schild ist toll, sogar der empfohlene Stock wird zur Verfügung gestellt. das nenne ich Service. Wie mir die Fotografin versichert, seien die Kühe hier auf dem Mullerenberg ob Näfels weit ausserhalb der Reichweite des Stocks gewesen…

Das zweite Bild ist auch prächtig: Braunvieh auf der Schwägalp, eine starke Komposition. Ich gratuliere und danke Dir, Monika. Und überlege mir, ob nicht demnächst zwei neue Kategorien fällig wären: „Selbst gebastelte Kuhwarnschilder“ und „Kühe mit oder aus Seilbahnen fotografiert“. In dem Sinn wünsche ich Ihnen allen, liebe LeserInnen noch ein paar warme Tage mit vielen guten Sujets.

Braunvieh auf der Schwägalp

Agrentina (Epilog): Leute vom Land

September 10, 2013

Gaucho-NachwuchsArgentina, ich kanns nicht lassen. Nachdem ich noch einmal meine Texte und Bilder durchgeschaut hatte, schien mir alles ein bisschen technisch. Es fehlen noch ein paar Gesichter. Hier eine Gruppe von jungen Gauchos, die sich mächtig amüsierten über die Unmenge von Gringos, die plötzlich auf ihrem Betrieb einfuhr.

Buffetfrau auf der AutobahnraststätteEine Buffetfrau in der Autobahnraststätte. Tolle Atmosphäre, extrem nette Bedienung und viele Plakate für Stierenmärkte sind mir in Erinnerung geblieben.

Hector der GemüseproduzentGemüseproduzent Hector neben seiner Rucolaproduktion. Er investiert auch in Erdbeeren und Tomaten. In einem Spezialprogramm des staatlichen Beratungszentrums INTA ist er daran, seinen Pestizideinsatz zu vermindern.

SalzkuchenbäckerinEine Salzkuchenbäckerin in der Provinz Entre Rios nördlich von Rosario. Gemächlich lässt sie ihre Fladen bräunen. Ein Gaumenvergnügen so frisch ab dem Grill. Ansonsten konsumieren die Argentinier vor allem Weissbrot.

Zitronenhändler auf dem Engros-Markt von Mar del PlataZitronenhändler auf dem Engros-Markt in Mar del Plata. Argentinien ist der weltweit grösste Zitronenproduzent.

Direktverkäufer und Direktverkäuferin am StrassenrandEin Ehepaar mit einem schmucken Direktverkaufsstand an der Strasse zwischen Tandil und Buenos Aires. Natürlich haben wir degustiert, nicht ganz Alpsbrinzniveau aber gute Qualität.

Ladenbesitzerin am Stadtrand von Buenos AiresLadenbesitzerin am Stadtrand von Buenos Aires. Nur ein Beispiel für eines der zahlreichen wunderschön gestalteten Lebensmittelgeschäfte. Und die Glace: echt stark.

GauchoUnd zum Abschied mein letzter Gaucho, ohne Steigbügel und Sattel, aber mit einer Lockerheit unterwegs, von der die meisten hiesigen Hobbyreiter nur träumen können. Take care, young man.

Endlich ein Buch

August 9, 2013

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Ich weiss, man sollte sich nicht zu stark selbspromoten. Aber heute muss es sein. Welcher einfache Bürger hätte nicht das Ziel, eines Tages ein Buch zu schreiben?

Heute war es für mich soweit. Habe zwar nicht grad allein ein Buch geschrieben, aber immerhin Ko-Autorenschaft ergattert. Es ist das „Aargauer Bauernbuch“, das auf dem Schlossgut Wildegg vernissiert wurde. Und es gab sogar ein paar Leute, die es gekauft haben, wie ich mit eigenen Augen gesehen habe, da muss man als Nobody in der Szene heute dankbar sein.

Wer es bestellen möchte, kann es hier tun, wer es sogar gewinnen möchte, signiert natürlich, kann es hier und jetzt auf dem Blog tun, müsste allerdings noch eine Frage beantworten: nämlich diese: Wer hat sich anno 1712 in einem Krieg – es war der zweite selben Namens – auf dem Rübenfeld auf der Front des Buches auf die Rübe gegeben? Viel Glück!

Neuer Trend: Internet-Viehschauen

Mai 11, 2013

Kuhwahl BiosuisseHeute eine kleine (unbezahlte) Werbepause. Anlass sind zwei Internet-Viehschauen. Ob das schon ein neuer Trend ist? Demokratischer wärs auf jeden Fall, ob fachfrau/männischer, das ist eine andere Frage. Trotzdem, dies nur als kleiner Einschub vor der Reklame, ich staune schon immer wieder, dass an den grossen Schauen ein einziger Richter das Wetter macht. Wenn der bloss nicht zu stark bearbeitet wird in den Hinterzimmern…

Item, in diesen Fällen hier ist nicht züchterisches Fachwissen, sondern Glück gefordert. Gefragt sind bei den ausgestellten Kühen nicht primär Tiefe im Pansenbereich, gut aufgehängte Euter und ein sauberes Fundament sondern Ausdauer im einen Fall und Aussehen im weitesten Sinn im zweiten Fall.

Biosuisse veranstaltet einen Kuh-Marathon (zu finden bis heute hier, ab Montag hier). Tierschützer gemach, das Vieh wird nicht etwa durch abgesperrte Strassenschluchten getrieben. Die 10 Kühe auf ebensovielen Höfen dürfen zuhausebleiben und werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Wer als erste die Marathondistanz von gut 42 Kilometer absolviert hat, ist die Siegerin. Ziel des Anlasses ist aufzuzeigen, dass Bio-Kühe viel draussen unterwegs sind.

Denner wiederum wurde kürzlich von einer Kollegin bei der „Bauern-Zeitung“ dabei erwischt, eine österreichische Kuh auf seiner Milchpackung abgedruckt zu haben, eine schöne Pinzgauerin. Nun sucht man in Zusammenarbeit mit der Zeitung ein neues Aushängeschild für die Verpackung. Bemerkenswerterweise ohne Horn. Da tut sich also auch was.

Während der Richter an der Viehschau neben seinem Salär hoffentlich nichts gewinnen kann (ausser Reputation natürlich), winkt den Teilnehmern an den Kuhwettbewerben zwar leider keine Kuh als Preis, aber immerhin Bioferien im einen Fall und ein elektronisches Spielzeug im anderen Fall. Ich wünsche viel Erfolg, sollten Sie Ihr Glück testen wollen.

PS. Natürlich darf man mir zum Dank für diese Reklame jederzeit eine Kuh zustellen, würd’s dann nicht an die grosse Treichel hängen.

Kuhwahl Denner

Farmart: Gerster über Weizenfeldern, revisited

März 19, 2013

Erntemuster in der Pampa, Argentinien, 1967, Copyright Georg GersterMan kennt sie hinlänglich, die Luftbilder von Georg Gerster, vom Wartezimmer beim Zahnarzt, von der Swissair-Werbung und aus Heerscharen von Kalendern. Aber sie sind zeitlos gut, und zeigen die Bauern als unfreiwillige Farmartists. Oben ein Beispiel aus Argentinien, unten ein versalzenes Weizenfeld in Australien. Die Bilder kann man wiederentdecken in einer grossen Ausstellung in der Winterthurer Fotostiftung. „Unter dem Titel ‚Wovon wir leben. Flugbilder von Georg Gerster‘ geht es dabei um das Thema Welternährung, ein Schwerpunkt in seinem Schaffen“, heisst es in der Medienmitteilung. Neben einigen Ikonen präsentiere die Schau auch viele unbekannte Werke des Winterthurers. Ich habe mir fest vorgenommen, das Reisli zu machen, ist sowieso immer eines wert, Winterthur. Die Zeiten als das Beste dort der Schnellzug nach Zürich war, wie böse (Zürcher) Zungen lästerten, sind definitiv vorbei.Versalztes Weizenfeld bei Katanning, Westaustralien, 1989