Archive for the ‘Detailhandel’ Category

Frühlingsweideparade (2): Wie lange noch?

Mai 11, 2015

Monikas Frühlingskuh2Kürzlich hat mich wieder eines dieser tollen Bilder von Monika Schlatter erreicht, versehen mit folgendem Kommentar: “Gestern war Idylle und Erholung pur, ein wunderbarer Tag! – ich ging von Zeglingen (von dort die beiden angehängten Bilder) über Oltingen – Talweiher – Wenslingen nach Tecknau. Nicht nur die blühenden Bäume waren eine Augenweide, sondern auch das Tälchen mit der jungen Ergolz zwischen Oltingen und Talweiher – und überall dieses frische Grün der Blätter im Wald – herrlich.” Wirklich sehr hübsch, danke Monika!

Wie es da so selbstverständlich in der Landschaft liegt, das Idyll, könnte man meinen, es sei geschenkt. Und vor allem, wenn man dieser Tage wieder mal ein bisschen Zeitung las. Nachdem die Landwirtschaftsvertreter dank einer Koalition mit den Grünen notabene das Cassis-de-Dijon-Prinzip gebodigt hatten, war wieder einmal freier Auslauf für die Landwirtschaftsbasher angesagt, zum Beispiel hier und hier. Selbstverständlich stimmte auch noch einer der notorischen Elfenbeinturm-Ökonomen ins Klagelied über die ach so böse Landwirtschaftslobby ein, die sich und ihre Klientel vom Staate stopfen und protektiert subventionsmästen lässt.

Das Cassis-de-Dijon-Prinzip war dabei nur ein prima Vehikel um die alte Leier in Gang zu bringen. Es ist aus meiner Sicht eher ein trojanisches Pferd zur Einfuhr von industriell optimierter Massenware und fetter Margen von Importeuren als ein Garant für Freedom of choice und günstigere Preise für die geschundenen Schweizer Konsumentinnen, die jedes Jahr prozentual weniger ausgeben für ihre Lebensmittel, die aber glaubt man den Kommentatoren, schon in Bälde am Hungertuch nagen dürften, wenn der Bauernlobby nicht endlich das Handwerk gelegt wird. Ähnlich krud wie von dieser Antiagrarfront wird fast nur noch von der Autolobby agitiert, die nachdem das Land zu guten Teilen asphaltiert und mit Tiefgaragen unterkellert ist, immer noch ständig über den an den Rande gedrängten motorisierten Mitbürger lamentiert.

Gerne angeführt wird von den vereinten Agrarliberalisierern der Einkaufstourismus, um den an die Wand gemalten Teufel noch etwas dramatischer wirken zu lassen. Dazu zwei kurze Anmerkungen: Erstens ist Einkaufstourismus primär ein Hobby wie Pedigrohrflechten oder Pferdewetten. Die Schweizerinnen fahren nicht über die Grenze, weil sie ökonomisch dazu gezwungen wären, sondern weil sie gerne flanieren in den attraktiven deutschen, italienischen, österreichischen und französischen Fussgängerzonen, weil es das in der Schweiz (unter anderem dank der Autolobby) kaum gibt und weil sie dort noch das eine oder andere Schnäppchen garnieren können. Zweitens ist es tatsächlich so, dass die Preise ennet der Grenze geradezu grotesk viel tiefer sind als hierzulande, aber das den Bauern in die Schuhe zu schieben ist ziemlich dreist. Das wäre etwa so, wie wenn man den Lokomotivführer für die steigenden Billetpreise verantwortlich machen würde. Auch die Bauern bewegen sich in der Hochpreisinsel Schweiz, kaufen hier ein und bunkern ihre drei Milliarden Direktzahlungen nicht auf dubiosen Konten sondern führen sie mehrheitlich der Wirtschaft zu.

Sie machen so als (ländliche) Wirtschaftsförderer mehr aus dem Staatsgeld, als es eine Behörde je selber könnte. Die ihnen übertragenen Aufgaben erledigen sie zudem zu Preisen, für die kein Werkhofangestellter eine Schaufel in die Hand nehmen würde. Wenn man das Kulturland, wie zum Beispiel das obenstehende Idyll durch städtische Grünbewirtschafter oder Gartenbauunternehmen bewirtschaften liesse, käme es teurer, mit Garantie. Und sie würden so ganz nebenbei keine doch mehrheitlich relativ hochwertige Lebensmittel produzieren (deren Preise die Produktionskosten oft nicht decken), sondern höchstens Biomasse für Kompostwerke. Diese Leistung könnte man auch einmal würdigen, statt reflexartig und oft wider besseres Wissen auf die Bauern und Bäuerinnen einzudreschen. Denn das Idyll, es ist nicht geschenkt, sondern Produkt harter Arbeit. Und sind die Vielgescholtenen eines Tages in Grund und Boden geschrieben, wachsen sie auf den vergandeten Flächen nicht einfach so nach, im Fall.

So fertig gepredigt. Nur noch ein kleiner Wunsch an alle Journalistinnen und ÖkonomInnen: Bitte geht vor Eurem ersten Artikel über Landwirtschaft(-spolitik) ein paar Wochen in den Landdienst. (Bild: Monika Schlatter)

 

#CHFEUR: Die letzten beissen die eigenen Hunde

Januar 31, 2015

Emmi KäseEs sind ungemütliche Zeiten für die Schweizer Exportwirtschaft, die Euroabwertung (in den Sozialmedien verwendet man dafür als Hashtag kurz #CHFEUR) macht den Weg für die ohnehin hochpreisigen Schweizer Produkte ins Ausland um 20 Prozent steiniger.

Ganz besonders betroffen ist die Käsebranche, rund ein Fünftel der Schweizer Milch wird in verkäster Form ausgeführt, einst als staatlich hochsubventioniertes Überschussventil (Stichwort Käseunion) und heute – mehr schlecht als recht mit den rasant steigenden Käseimporten mithaltend – als einziges essbares Exportprodukt aus Schweizer Zutaten.

Wichtigster Player in diesem Business ist wie im gesamten Milchmarkt mit Abstand die Emmi Gruppe. In dieser Funktion hat sie, das muss vorausgeschickt sein, einiges dazu beigetragen, dass die Milchproduktion im Land immer noch auf ähnlicher Höhe ist, wie zu Hochsubventionszeiten. Das Luzerner Unternehmen ist seit einigen Jahren auch an der Schweizer Börse SWX kotiert und hat sich dort zu einem kleinen Darling entwickelt. Nahrungsmittel sind “heiss” und die Investoren auf allen Ebenen zunehmend interessiert, Landgrabbing und Nahrungsmittelspekulation lassen grüssen.

Emmi KursMit dem Entscheid der Nationalbank, die Eurostützung einzustellen, hat EMMN, wie das Luzerner Käsepapier an der Börse heisst, einen schmerzhaften Kurssturz in Kauf nehmen müssen. Wie fast alle Schweizer Unternehmen. Aber hier gibt’s handfeste Ursachen: Emmi ist trotz Expansion im Ausland immer noch stark vom Export abhängig und hier vor allem vom Käse. Dass dieser leiden wird ist so klar, wie das Quellwasser auf der Alpweide.

Ebenso klar ist, dass den Geldgebern nun hofiert werden muss. Vergangene Woche, gut 11 Monate vor Jahresabschluss hat Emmi diesen versichert, dass sich der Gewinn auch im laufenden Jahr im letztjährigen Rahmen liegen werde. Dies will man unter anderem mit einem tieferen Milchpreis finanzieren. An die Kasse kommen also im Dienste der Investoren die Milchproduzenten. Das erinnert verdächtig an die neunziger Jahre, als der Shareholder Value plötzlich zum Alltags(schimpf)wortsatz gehörte.

Emmi RückvergütungNun muss man wissen, dass ein Teil der Emmi-Milchlieferanten Miteigentümer an Emmi sind. Der Verband der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) ist mit einem Anteil von gut 54 Prozent Mehrheitsaktionär. Im neuesten Magazin ihres Verbands werden die Lieferanten schon mal schonend vorbereitet auf die Preissenkung ab 1. Februar. Diese beträgt vorläufig 2,6 Rappen pro Kilo für A-Milch. Das macht auf einem heute mittleren bis kleineren Betrieb mit einer Produktion von 150’000 Kilo pro Jahr 3900 Franken Einbusse. Wer nun meint, dass diese durch eine angemessene Beteiligung am von Emmi angestrebten ungeschmälerten Betriebserfolg kompensiert wird, sieht sich getäuscht. Die Gewinnbeteiligung der Produzenten für das letzte Geschäftsjahr ist noch nicht publiziert, aber man kann davon ausgehen, dass sie angesichts der Ausgangslage kaum erhöht wird. Im Vorjahr lag sie bei 1027 Franken pro Betrieb, wobei ein Teil in Emmi-Produkten und Rückbehalten für Produzentenfeste ausbezahlt wurde (siehe Ausriss aus dem Newsletter “Emmi Rückvergütung Erfolg” 1/14.

Ob den Produzenten noch ums feiern zumute ist, ist sicher nicht die dümmste Frage. Gleichzeitig muss man nüchtern festhalten, dass die Bauern Investoren zweiter Klasse sind, weil sie unter dem Strich schlechter dastehen als diejenigen, die keine Kühe, Maschinen und Gebäude sondern nur Geld im Spiel haben. Damit sind sie auch in diesem Fall wieder einmal die letzten, die die (eigenen) Hunde beissen. Die Zeche zahlt letztlich Väterchen Staat: Bereits macht die Milchbranche aufgrund von #CHFEUR die hohle Hand. Da kommt einem ein anderes Standartbonmot aus der Hochzeit der Anti-Shareholder-Value-Bewegung in den Sinn: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. (Bild: Emmi)

 

 

“Wir haben es satt!” vs. “Wir machen euch satt!”

Januar 21, 2015

Berlin3Alle Jahre wieder: Dieser Tage steht in Berlin die Grüne Woche auf dem Programm, heuer schon zum 80. Mal. Fast schon ähnlich traditionell ist die Demonstration “Wir haben es satt”, die am vergangenen Samstag ihrerseits das Fünfjährige feiern konnte.

Berlin5Wie in allen Lebensbereichen der aufgeklärten kapitalistischen Gesellschaften ist auch im Demonstrationsbereich Wachstum wichtig. Deshalb schätzten die Organisatoren, eine bunte Koalition von Bioverbänden, Tierschützern, Umweltschutzorganisationen und Freihandelsgegnern die Teilnehmerzahl grosszügig auf 50’000.

Berlin4Das mag etwas hoch gegriffen sein, aber es war nichtsdestotrotz eindrücklich zu sehen, wie viele Leute “es” satt haben. Das Neutrum steht in erster Linie die Agrarindustrie und daraus primär die Massentierhaltung, die in letzter Zeit in Deutschland arg unter Druck geraten ist. Zur Mobilisierung beigetragen haben neben dem üblichen Grundrauschen von Tierschutzprotesten diverse Skandale (von denen mit Neuland einer auch ein IP-Label betraf), eine etwas gar marktschreierische Artikelserie in der “Zeit” über multiresistente Keime (“Die Rache aus dem Stall”) und das Tierhaltungsverbot gegen den skrupellosen Grossmäster Adrianus Straathof, ja so heisst der leider.

Berlin7Stark empört ist man in Deutschland in weiten Kreisen aber auch über die Verhandlungen zum Abkommen Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP), auch weil es die einheimischen Spezialitäten gefährden könnte, wie der Agrarminister kürzlich einräumen musste. Darin sehen viele Deutsche weit über das linke politische Spektrum hinaus einen weiteren Beweis für agrarimperialitische Ambitionen der USA, zu denen auch der weiterhin hohe Druck in Sachen GVO-Saatgut gezählt wird.

Wir haben es sattDass sich auch die Parteien, allen voran die Grünen diese wachsende Volksbewegung zu nutzen machen wollen, versteht sich von selber. Sie marschierten angeführt vom Co-Fraktionschef Hofreiter und Alt-Landwirtschaftsministerin Künast weit vorne in der Demonstration mit. Die Grünen haben als erste politische Formation erkannt, dass der Unmut über den Zustand der Land- und Ernährungswirtschaft weit über den linken Rand des politischen Spektrums hinausreicht. Und haben Erfolg damit. Ein klares Indiz dafür ist, dass mittlerweile nicht weniger als sechs von total 14 Landwirtschaftsministerinnen und -Ministern in den Bundesländern grün sind. Dazu kommen drei SozialdemokratInnen und eine Vertreterin der Linken.

Berlin9Im Nachgang zur Demonstration hat mir eine deutsche Kollegin verdankenswerterweise Zutritt zu einer gut gesicherten Veranstaltung der Grünen im eindrücklichen Parlamentarierbürogebäude Paul-Löbe-Haus verschafft. Dort wurde das Thema “Fleisch für die Welt?” debattiert. Am Pranger standen in Reden und Workshops nicht nur die Billigexporte von Fleisch nach China und – derzeit aus politischen Gründen unterbunden – nach Russland. “Die Land- und Ernährungswirtschaft ist die einzige im Land, die es sich leisten kann teuer zu importieren (z.B. Bioprodukte) und billig zu exportieren”, sagte der Biolandwirt und Landwirtschaftssprecher der grünen Fraktion, Ostendorff. So etwas, ergänzte er, wäre in jedem anderen Sektor undenkbar.

Wir machen euch satt3In der Tat sind die Verhältnisse recht drastisch. Trotz den kriselnden Exportanstrengungen sind die Preise etwa für Schweinefleisch derzeit tief im Keller, für das Kilo Schlachtgewicht erhält der deutsche Mäster bei konstanten oder steigenden Futterpreisen noch 1.25 Euro, vor Jahresfrist lag dieser noch bei ebenfalls schon knapp kostendeckenden 1.80. Ähnlich prekär ist die Lage bei der Milch, wo derzeit flächendeckend unter 30 Cent pro Liter ausgezahlt werden. Hier droht mit der Aufhebung der EU-Milchquote per 1. April eine weitere starke Zunahme des Preisdrucks. Grossen Anteil an diesen Verhältnissen hat in Deutschland auch der auf Discount fixierte Detailhandel, wo Milch und Fleisch zu Schleuderpreisen über die Theke gehen. Er könne nicht verstehen, wieso sich die Bauern von der Agrarindustrie derart vor sich hinschieben liessen, sagte der ebenfalls anwesenden Biobauer und grüne nordrhein-westfälischen Landestagsabgeordneten mit dem markanten Namen Norwich Rüsse.

Wir machen euch satt1Das ist eine durchaus legitime Frage. Sie richtet sich an die konventionellen Grossmäster und -milchproduzenten, die in den letzten Jahren unter starkem ökonomischem Druck und gemäss dem Motto “wachse oder weiche” massiv investiert und haben. Diese sind aber keineswegs bereit, die Grünen als Kampfgenossen zu akzeptieren. Stattdessen sind sie unter dem Leitspruch “Wir machen euch satt!” schon am Samstagvormittag zu einer eigenen Demo aufmarschiert, um sich gegen die ihrer Meinung nach unsachliche und -qualifizierte Meinungsmache gegen die moderne Tierhaltung zu wehren.

Sie gehen nämlich nicht zu Unrecht davon aus, dass sie für eine Mehrheit der Bevölkerung weiterhin nachfragegerecht produzieren, auch wenn Politik und Medien jetzt grobes Geschütz auffahren. In der Tat machen nämlich 50’000 “Schwalben” vor dem Kanzleramt im Kampf gegen die Agrarindustrie noch keinen ökologischen Sommer. Otto und Ottilie Normalverbraucher im nördlichen Nachbarland betrachten billige Nahrungsmittel und vor allem Fleisch nach wie vor als Menschenrecht. Ansonsten wären die Discounter längst eingegangen. Wie dünn das politische Eis für ernährungstechnische Bevormundung ist, mussten die Grünen unlängst am eigenen Leib erfahren. Der nicht sonderlich radikale Vorschlag eines “Veggiedays” in deutschen Kantinen brachte ihnen harsche Kritik und mutmasslich umfangreiche Stimmenverluste ein. Im vergangenen Herbst wurde die Idee des fleischlosen Tages dann ziemlich sang- und klanglos wieder begraben, beziehungsweise schlecht verdaut ausgeschieden. (Unterste zwei Bilder: Tatjana Kren, Video: Thomas Wengenroth/stallbesuch.de)

Englisches Farmshoppingerlebnis

August 18, 2014

Padstow Farmshop2Grossbritannien hat ja kulinarisch nicht grad den besten Ruf. Zu Unrecht. Die Zeiten, als man sich mit Fish & Chips aus ranzigem Frittieröl begnügen und das ganze mit viel Ale runterspülen musste sind längst vorbei.

Padstow Farmshop5Padstow Farmshop3Das heisst nun aber nicht, dass zwischen Brighton und (noch) Aberdeen nur noch geschlemmt würde. Junk Food ist nach wie vor weit verbreitet (kann im Fall von gutem Frittierfisch durchaus lecker sein) und das Land hat eine der wohl härtesten Konkurrenzsituationen unter riesigen Supermarktketten von Tesco über Morrisons, Sainsbury bis zu Asda, dem Wal-Mart-Ableger auf der Insel.

Padstow FarmshopPadstow Farmshop4Trotzdem hält sich daneben eine sehr lebendige Farmshop-Szene, wie Schilder an den Strassen allenthalben beweisen. Kürzlich auf landschaftlich reizvoller Tour in Cornwall machte ich die Probe aufs Exempel im Padstow Farm Shop. Der Laden ist wenige hundert Metern von Discount-Konkurrenz entfernt, hält sich aber mit einem sehr regional verankerten Sortiment bestens. Leider schon auf der Heimreise war das Gepäckpotenzial für kräftige Einkäufe stark limitiert, gerne hätte man die letzten Pfunde allesamt hier liegen gelassen. Ein breites, anmächelig präsentiertes Angebot wurde charmant angepriesen von Locals, die zum Teil von der dazugehörigen Farm stammen.

Padstow Farmshop7Eines der interessanten Details, das man in England nicht gerade vermuten würde ist die Pastamaschine, mit der sich die Kundschaft aus lokalem Weizen die gewünschten Teigwaren produzieren lassen kann.

Das ganze ist enorm aufwändig, im Laden arbeitete etwa ein halbes Dutzend Personen, das heisst es muss ein beträchtlicher Umsatz aber auch viel mässig bezahlte Arbeit und damit eine gehörige Portion Idealismus vorhanden sein. Das Resultat lässt sich mehr als sehen. Ich zieh solch eine Fundgrube den Delicatessas aller Art in den Kellern unserer Grossverteiler in jedem Fall vor.

Yellingham1Yellingham2PS. Dass es die Bauern im touristisch sehr attraktiven Südwesten der Insel gecheckt haben, dass die Gäste mehr als das gute alte feisse Full english Breakfast, zeigte sich auch in der Yellingham Farm im nahen Devon. Schauen Sie sich mal das Müesli und das anschliessend präsentierte doppelte “poached egg” auf Spargeln an. Da muss der darauf folgende Tag einfach gut werden.

Käse: Gelbe Linie durch die Weisse Rechnung

Juli 25, 2014

mix_brands_0015Eher selektiv präsentiert die Marketingagentur Switzerland Cheese in einer Medienmitteilung ihre Halbjahreszahlen: “Wertmässige Steigerung der Exporte von Schweizer Käse” hiess es da. Der Titel verschweigt aber, dass die Exporte im ersten Halbjahr 2014 um gut 5 Prozent gesunken sind und dass die Wertsteigerung lediglich erhöhten Preisen zu verdanken war, die dann auf die Exporte drückten. Es sei einer Vermarktungsorganisation, die im Namen der Branche Marketinggelder des Bundes und eigene Mittel verteilt, nicht verwehrt, schönzufärben. Aber in diesem Fall wäre es vermutlich eher angezeigt, reinen Wein einzuschenken.

Das hiesse klar aufzuzeigen, was Sache ist und welche Strategien ergriffen werden sollten, um Gegensteuer zu geben. Die Fakten sprechen für sich: Der seit Jahren anhaltende Sinkflug des nach wie vor grössten Umsatzträgers Emmentaler ist brutal weitergegangen (-18,2% gegenüber der Vorjahresperiode) und die bisher fast stetig wachsenden anderen Spezialitäten wie Gruyère (-1,6%), Appenzeller (-1,5%),, Tête de Moine (-3,4%), Tilsiter (-13,1%) und Vacherin Mont d’or (-51,6%(!)) haben die Wachstumsgrenze erreicht oder überschritten, vom Sbrinz gar nicht zu reden (-12,5%). Ein schlechtes Zeichen ist auch, dass der sogenannte Switzerland Swiss, eine billige Emmentalerkopie ebenfalls nicht vom Fleck kommt (-0,7%), nachdem er letztes Jahr noch um 200% zugelegt hatte. Das zeigt, dass die Selbstkannibalisierung keine brauchbare Strategie ist.

Was heisst das unter dem Strich? Alles, worauf die Schweiz stolz war im Käseexport steckt in der Krise oder hat zumindest die Grippe. Gleichzeitig haben die Importe wert- und mengenmässig wie immer in den letzten Jahren zugelegt und zwar um 2,6%, am deutlichsten war die Zunahme interessanterweise bei den Hartkäsen, also unseren Topprodukten, die im Inlandabsatz auch eher zaghaft wachsen oder gar weiter schrumpfen.

Die ganze Situtation wird sich aufgrund der Aufhebung der Milchkontingente im nächsten Jahr in der EU vermutlich noch verschärfen. In der bäuerlichen Presse befürchtet man bereits eine Milchschwemme. Die Milch wird bei der zu erwartenden Überproduktion billiger, was nach Adam Riese garantiert auf die Produktepreise durchschlagen wird, was die Importkäse preislich für die Importeure noch interessanter und den Export noch tückischer macht.

Gleichzeitig liebäugelt der Bund mit Support der üblichen Souffleure mit einer Freihandelsstrategie bei der sogenannten Weissen Linie, also Frischmilchprodukte. In einem Kampf der Studien schlagen sich Befürworter und Gegner einer Marktöffnung die Zahlen um die Ohren. Zugunsten einer Liberalisierung wird gerne das Beispiel Käse angeführt, wo der Freihandel zu den eben aufgezählten Auswirkungen geführt hat. Ich sehe aus den Erfahrungen mit der “Gelben Linie” aber keinerlei positive Argumente in Richtung isolierter Marktöffnung erwachsen. Es bräuchte, wenn schon offene Grenzen für sämtliche Branchen, habe mir da schon öfter die Finger schusselig geschrieben. Solange Importeure von landwirtschaftlichem Gerät bis Medikamenten die höhere Schweizer Zahlkraft schamlos abschöpfen dürfen, ist es nicht sauber, die Bauern samt der nachgelagerten Sektoren in den Marktsturm zu stellen. Dass man das dann mit staatlichen Ausgleichszahlungen kompensieren muss ist ja irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei, wenn man von genau dieser Subventionspolitik eigentlich weg kommen möchte.

Item, ich melde mich mal für ein paar Wochen ab und werde möglichst viel Hartkäse essen, promise.

 

KulturLandiVerlust: Wie die Bauern-Firma sündigt

Juli 8, 2014

Landi Neubau Rüderswil“Zu den obersten Geboten der Fenaco gehört der haushälterische Umgang mit landwirtschaftlich nutzbarem Boden”, sagt Fenaco-Präsident Lienhard Marschall laut einem Artikel unter dem Titel “Mit Augenmass bauen”, der im Herbst 2012 auf der Fenaco-Homepage veröffentlicht wurde.

Entweder gilt das Wort des Präsidenten nichts oder schon nicht mehr, oder dann ist das eine Selbstberuhigungspille in einer Zeit in der sich die Besitzer der Fenaco-Landi Gruppe, die Bauern, gerne hervortun mit besorgten Wortschwällen zum Kulturlandschutz. Die Lobag, der konservative bernische Bauernverband hat sich gar – in der Not frisst der Teufel Fliegen – mit den Grünen zusammengetan, um eine Kulturlandinitiative zu lancieren.

Landi RüderswilLandi Neubau WaldeggWenn man nämlich einfach mal Landi und Neubau in die Suchmaschine eingibt, kommt einem ein ebenso umfangreicher Schwall von Bildern mit üblen einstöckigen kulturlandfressenden Landi-Bauprojekten entgegen, dazu gehören immer eine Tankstelle und ein ausgedehnter Laden, alles natürlich einstöckig und architektonisch bestens geeignet, um die Landschaft zu verschandeln. Dazu ein paar zufällig ausgewählte Beispiele: Landi Rüederswil BE (siehe den Auftakt oben, hier links ein Bild von den Bauarbeiten und rechts das geplante Endaussehen).

Neubau Landi ReidenNächstes Beispiel ist die Landi Reiden LU. Hier der Humusabtrag…

Landi Reiden Neubau…und der prächtige Endausbau als Computeranimation.

Landi Neubau MühlethurnenEine weitere Augenweide im ehemaligen Landwirtschaftsland ist die Erweiterung der Landi Mühlethurnen mit Getreidesilos.

Landi Neubau KlingnauUnd hier zum Abrunden noch der Neubau in Klingnau…

Landi Neubau Eglisau

…und der Neubau in Eglisau. Erweiterung der Galerie ist jederzeit in beliebigem Umfang möglich. Insgesamt ein deprimierendes Bild, das zeigt, dass die Schere zwischen der auf der Homepage postulierten Aufmerksamkeit bezüglich Kulturlandverlust und der Realität erschreckend weit offen ist. Das nützt auch der schöne Nachhaltigkeitsbericht wenig, den die Fenaco hat erstellen lassen. Die Bauern täten gut daran, ihrem Unternehmen etwas besser auf die Finger zu schauen, wobei viele unter ihnen ja als Grossbaulandverkäufer selber viel zur Zersiedelung und zu architektonischen Einöde im Land beigetragen haben. (Alle Bilder und Illustrationen: Landi)

Rumäniens bedrängte Kofferraum-Marktwirtschaft

Mai 11, 2014

Schweinemarkt HodacNochmal ein kurzer Ausflug nach Rumänien und in die Marktwirtschaft, vor allem die am Strassenrand. Hier reicht als Laden ein Kofferraum, eine Ladefläche oder eine (soeben zum Abtransport verladene) Kiste, wie hier auf dem Bild vom Markt im siebenbürgischen Hodac, wo ein paar Ferkel angeboten werden.
Märit HodacViel zum Einsatz kommen auch schlichte Lieferwagen, aus deren Tiefe dann Getreide aller Art, Mehl oder andere Ware en gros angeboten werden.
KäsemarktManchmal braucht es auch nur ein Tischen mit einer Waage und einem Käse, wie dieses Bild, ebenfalls aus Hodac, zeigt.
On the roadDaneben gibt es unzählige einfache Verkaufsstellen am Strassenrand. Etwa hier, wo Wein, Früchte und Gemüse im Sortiment sind. Ich vermute, dass dies hier anders auf dem Markt, wo Abgaben zu bezahlen sind, sehr informell läuft, allenfalls, wird man dem Eigentümer des Grundstücks einen Batzen in die Hand drücken…
Honig…oder im Falle dieser Verkäuferin, die auf dem freien Feld aus dem Wohnwagen Honig verkauft, ein Glas für den lokalen Polizisten bereithalten.
Angst2Nur damit jetzt nicht der Eindruck entsteht, Rumänien werde ausschliesslich von idyllischen Bauernmärkten und Strassenverkäufern versorgt, hier noch ein Bild aus Bukarest, wo die rumänische Tochter der Zürcher Metzgerei Angst in Zusammenarbeit mit Carrefour einen schmucken Mini-Supermarkt eröffnet hat. Das Geschäft steht bezeichnenderweise im gedeckten Teil eines ehemaligen Frischmarkts, wo die Bauern und Bäuerinnen aus der Umgebung ihre Milch- und Fleischprodukte zu verkaufen pflegten. Das ist leider eine verschwindende Kultur. Das Land wird im Schnellzugstempo überzogen von mitten ins Kulturland gepflanzten gigantischen Supermärkten, wobei deutsche Ketten auffällig omnipräsent sind. Kein schönes Bild, aber bei uns in der Agglo sieht es ja auch nicht besser aus.

 

Wer nichts deklariert wird Wirt

April 20, 2014

Edelweiss BuechibärgEs gibt ja den Spruch, wonach wer nichts wird Wirt werde. Das ist natürlich etwas vom Dümmeren, was der Volksmund transportiert, weil es doch ein ziemlich anforderungsreicher Job ist, täglich motiviert am Herd zu stehen, hohe Qualität zu liefern, ein immer breiter werdendes Spektrum von Geschmäckern und Essensgewohnheiten zu befriedigen, daneben ein mittleres bis grösseres Team und allenfalls noch einen Herbergsbetrieb zu führen. Dass damit einige oder gar zahlreiche Wirte und Wirtinnen überfordert sind, wie viele andere Berufsleute in ihren Jobs, versteht sich von selbst.

GitziAlso, grundsätzlich habe ich Respekt vor dem, was viele Restaurateure leisten und einem tagein, tagaus so auftischen. Trotzdem muss einmal gesagt sein, dass die Mehrheit von ihnen in einem Punkt noch in einem brutal tiefen Entwicklungsstadium stehen, nämlich bei der Deklaration der Produkte, die sie servieren. Ausgelöst hat diesen Post ein Ostergitzi, genauer gesagt eine Keule. Verspeist haben wir diese im Ristorante Italia in Zürich. Das ist für mich neben Cinque und Santa Lucia an der Luisenstrasse (ja, Teil einer Kette, aber trotzdem mit einer persönlichen Atmosphäre) der Top-Italiener in Zürich. Man kocht dort exzellent (“Cucina della mamma”, die den Namen verdient) , der Service ist meistens sehr nett und das Weinangebot dazu auch nicht von schlechten Reben.

Dicke Berta zum GlückZurück zum Gitzi. Wie fast immer in der Beiz frage ich vor allem beim Fleisch, woher es kommt. Da konnten sie mir selbst im Italia, das recht gut deklariert, nicht wirklich weiterhelfen. Es komme aus Stans, beschied man mir. Immerhin, aber das stand schon in der Karte und sagt eigentlich noch gar nichts über die Art der Haltung, die dem zerlegten Zustand des Gitzis vorausging. Nun nehme ich mal an, dass es sich dabei nicht um einen Spaltenbodenstall handelt. Trotzdem würde ich gerne mehr wissen über den Betrieb und wer dahinter steht. Dass man das im Italia nicht liefern konnte, fand ich etwas schwach. Immerhin kann man dem Unternehmen, das den Laden führt, die Restaurant Gasometer AG zugute halten, dass sie in anderen Restaurants genau das Richtige tut, nämlich die Lieferbetriebe beschreiben. Dazu gehören die Schwammendinger Ziegelhütte und wenns mir recht ist das Restaurant Markthalle im Viadukt. Das ist zwar schön, aber ich finde wenn schon, müsste man das in allen Restaurants durchziehen, sonst schmeckt es mir zu fest nach Konzept.

KlingelischnäggeUnter dem Strich ist die Gasometer AG aber sicher vorbildlich. Was man nämlich sonst so als (gesetzlich vorgeschriebene) Deklaration vorgesetzt erhält im Durchschnittsrestaurant, das Herkunftsland, ist völlig ungenügend. So etwas kann nur goutieren, wer meint, dass Schweizer Tierhaltung per se besser ist, als ausländische. Dem ist aber keineswegs so, wie unlängst eine Studie gezeigt hat, die viel Staub aufgewirbelt hat. Ziemlich drastisch vor Augen geführt wurde mir das vor einiger Zeit auf dem Betrieb eines Aargauer Rindermästers, der nichts hält von Einstreu und Aussenklima, geschweigen denn Auslauf. Seine Rinder leben in unstrukturierten Indoor-Buchten auf Spaltenböden. Voller Stolz berichtete er mir, dass er im Gastro-Label Swiss Quality Beef von Prodega derzeit einen höheren Labelzuschlag erhalte, als die Produzenten im Coop-Programm Naturafarm, die einstreuen und mindestens über ungedeckten Auslauf verfügen müssen.

Ochsenmaul unbekanntNun kann man den Wirten nur beschränkt einen Vorwurf machen, da sie sich an die gesetzlichen Grundlagen halten. Sie (und mit ihnen die Mehrheit der Kantinenbetreiber) foutieren sie sich zwar in ihrer grossen Mehrzahl um die Tierhaltung, aber möglich ist dies nur, weil das die Gäste ebenso tun. Solange wir im wachsenden Bereich der Ausserhausverpflegung nicht energischer nach tierfreundlich produziertem Fleisch fragen, wird sich bei der Deklaration und hauptsächlich beim Einkauf nichts tun. Das heisst, wer im Restaurant anständig produziertes Fleisch will, muss sich informieren und nur noch dorthin gehen, wo er das gut deklariert auch erhält.

Trotzdem kann man die Wirtinnen jetzt nicht einfach so entlasten, ihre Trägheit ist mitverantwortlich für die unbefriedigende Situation. Das zeigt sich im Detailhandel, wo sich namentlich die Marktleader – wenn auch mit diversen Mängeln – der Konsumentenerziehung verdient machen, indem sie in gewissen Bereichen praktisch nur noch Labelprodukte ins Regal stellen. Es braucht also nicht nur den Druck der Speisenden, sondern auch den der Kochenden. E Guete! (Bilder von diversen Restaurantbesuchen in der letzten Zeit, zuoberst Hofbeiz auf dem Berchtoldshof (gut deklariert, man kann das Vieh auf der Weide anschauen…), dann Gitzi im Italia (s. Artikel), “Dicke Berta” im Kafi zum guten Glück (sosolala deklariert), dann “Klingelischnägge” (aus Rindfleisch) im Basler Klingental (nur Herkunftsland, haben aber auch deklariertes Angus Beef, wobei man vom Label nichts erfährt), dann Ochsenmaulterrine, habe leider vergessen wo und wie deklariert und zum Schluss ein exzellenter Tomme lardé in Bio-Restaurant L’Aubier hoch über dem Neuenburgersee und top deklariert)

Tomme à l'Aubier

Weltmeistertitel für einen schlecht Betreuten

März 23, 2014

Weltmeisteremmentaler Kopie

Diese Woche wurde der Emmentaler Weltmeister, nicht ein Schwinger oder ein Töfffahrer, s0ndern der beste Käse, den es eigentlich gibt, so man ihn den gedeihen lässt.

Zuerst einmal herzliche Gratulation an Gérard Sinnesberger aus Gams leicht östlich des Emmentals. Er holte sich mit seinem 100-Kilo-Laib die Goldmedaille am World Championship Cheese Contest im US-amerikanischen Wisconsin.

Das ist ziemlich bemerkenswert, standen doch über 2600 Käse aus aller Welt in der Auswahl. Für den Emmentaler per se gibt es allerdings wenig zu feiern. Der Preis hat sich zwar zuletzt dank allgemeinverbindlicher Mengensteuerung stabilisiert, aber nach wie vor leidet er unter struktureller Überproduktion, Käseunion lässt grüssen.

Dafür können die heute Verantwortlichen nicht viel, aber ein sonderlich brillantes Bild geben sie trotzdem nicht ab. Fangen wir mal an mit Emmentaler Switzerland: auf der Website der Sortenorganisation sucht man vergeblich nach dem kleinsten Anzeichen einer Erfolgsmeldung. Fehlt es da an Aufmerksamkeit oder Stolz oder beidem? Ein WM-Titel ist doch der ideale Steilpass für eine Marketingoffensive, man könnte Inserate schalten, in die Medien drängen, Social Media auf Hochtouren rattern lassen und so dem Vielgeschmähten virtuell die Rinde polieren.

EmmentalerFolepiFehlanzeige auch in den Läden, die Grossverteiler müssten jetzt den Drive ausnutzen und mal ein paar Käser aufbieten, die in den Läden promoten und zeigen, dass der weltmeisterliche Emmentaler ein aufwändig aus silofreier Rohmilch hergestetlles Handwerksprodukt und nicht industrielle Massenware ist. Genauso wird er nämlich vermarktet. Gestern in der Migros wurde man auf der Suche nach Beispielen sofort fündig: Aktion Emmentaler Surchoix (“erste Wahl”) für sage und schreibe 14 statt 18 Franken das Kilo, das grenzt an Verschleuderung. Derweil kostet das importierte Industrieprodukt Fol Epi 23 Franken pro Kilo. Dieses profitiert vom Marketingpotenzial des Konzerns Bongrain, inklusive TV-Spots, auch in der Schweiz. Deshalb muss man hier auch den mit Abstand grössten Käsehändler Emmi in die Pflicht nehmen, der mit seiner Marke Kaltbach aus der selber gebauten Höhle lediglich ein Mikrosegment des Marktvolumens puscht und für die Vermarktung der Dachmarke kaum einen Finger rührt.

Insgesamt scheint niemand grosse Motivation für aktive Marktbearbeitung zu haben. Ein Hauptgrund für das geringe Interesse von Seiten Handel und Detailhandel ist, dass die Margen bei anderen einheimischen Spezialitäten und Importkäsen deutlich besser sind, als beim seit Jahren mit Tiefpreisen entwerteten Flaggschiff, derweil die Sortenorganisation wieder einmal hauptsächlich mit internen Führungs- und anderen Problemen beschäftigt scheint und dort gar niemand merkt, dass es etwas potenziell publikumsträchtiges zu feiern gäbe.

Ein Metzger mit mehr als Fassade

Januar 26, 2014

Metzgerei Blaser Frick KalbDas schöne an einem neuen Job ist, dass es viel Neues zu entdecken gibt, auch auf dem Arbeitsweg in der semi-dörflichen Umgebung namens Frick AG. Dort gibt es unter anderem einen Metzger Blaser, dessen Fassade Metzgerei Blaser Frick Fassaderecht prominent an der Hauptstrasse placiert ist. Bisher bin ich dort nur achtlos vorbeigefahren, denn mein Verhältnis zu den Dorfmetzgern ist ein leicht gespaltenes. Das Klischee vom etwas rückständigen Gewerbler, der längst nicht mehr selber schlachtet, sondern seine anonymen Hältften und Viertel im Grossschlachthaus kauft, ohne sich Gedanken über Herkunft und Haltung zu machen, hat sich bei mir fest eingenistet.

Als ich dann plötzlich letzten Freitag bei Blasers hinter dem Haus eine Vehbänne (für nicht berndeutschkundige auf vielfachen Wunsch hier die Übersetzung: ein Viehtransportanhänger) und ein angebundenes Kalb sah, machte mich das stutzig, metzgen die am Ende doch noch selber? In der Tat, und wie. Ohne zu zögern gewährt mir René Blaser, der den Betrieb mit seinem Bruder führt, Zugang zum modern eingerichteten Schlachtlokal. Hier ist die Arbeit in vollem Gang. Zwei stattliche Rinder stecken mitten im Prozess. Die Atmosphäre ist ruhig und geschäftig. Mit sicheren Handgriffen gehen der Chef und die Angestellten ihrer Arbeit nach. Ich dürfe so viele Bilder machen, wie ich wolle, sagt er mir, er habe nichts zu verstecken (Falls es schlachttechnisch zarter besaitete Gemüter gibt unter Ihnen, liebe LeserInnen, sollten sie die, welche jetzt kommen vielleicht nicht anschauen).

Metzgerei Blaser Frick SchlachtungIch frage Blaser, ob er nur Rinder schlachte. Er unterbricht die Häutung des Tieres unter seinem Messer und führt mich in den Kühlraum: “28 Schweine, von heute morgen”, sagt er mir nicht ohne Stolz. Auch der FiBL-Landwirt Alfred Schädeli lasse bei ihm schlachten, ergänzt der Metzger. Schädeli ist sehr zufrieden mit Blasers Diensten, wie er mir später versichert. Rund fünf Minuten vom Hof entfernt, kann er seine Tiere ohne Stress verarbeiten lassen. Damit unterscheide er sich, so Schädeli, von vielen anderen Metzgern vergleichbarer Grösse, die zwar bei den lokalen Bauern einkaufen, die Tiere dann aber in einem Grossbetrieb schlachten lassen, bevor sie Viertel und Hälften wieder auf ihren Betrieb zurück holen.

Die Einkaufspolitik der Blasers hat lange Tradition: “Seit über 50 Jahren legen wir grossen Wert darauf, unsere Schlachttiere bei den Bauern von Frick und Umgebung direkt einzukaufen. Somit ist es uns jederzeit möglich unserer Kundschaft über die Herkunft unseres Fleisches Auskunft zu geben. Die kurzen Transportwege wirken sich positiv auf das Tier und schlussendlich auf das Fleisch aus”, heisst es auf der Website der Metzgerei. Tönt gut, demnächst werde ich vor der Rückfahrt in die anonyme Grossstadt bei Blasers den Znacht einkaufen. (Zweitoberstes Bild Website Metzgerei Blaser)
Metzgerei Blaser Frick René Blaser


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