Archive for the ‘International’ Category

Die Verpackungskünstler aus dem Bioland

Februar 16, 2015

Biofach BlogGrad zurück von der Biofach, dem grossen Klassentreffen der Bioszene in Nürnberg. Wie sich enthusiastische Schüler ihre neuen Gadgets und Kleider vorführen, fahren die Aussteller jedes Jahr ihre neuesten Produkte auf. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Branche, die einst angetreten ist, um den “Verpackungswahnsinn” der konventionellen Lebensmittelindustrie zu durchbrechen heute was das Packaging angeht keinen Aufwand scheut, die Klassenkameraden zu überbieten.

GrafikerInnen, Sprachkünstler und Packungsdesigner haben jedenfalls dankbare Kunden in der Szene und das betrifft nicht nur das Design, sondern auch die Konstruktion der Verpackungen, die nicht nur schön und trendig, sondern wenn immer möglich auch nachhaltig und kompostierbar sein sollen. Hier ein paar Beispiele aus der Ausstellung zum Best New Product Award, wie sich das neudeutsch in Nürnberg nannte.

Wir fangen (oben) mit einem der Sieger an: Lovechok, eine holländische Schokolade inkl. Liebesbrief. Das musst natürlich sofort geklaut sein. Die Schokolade entpuppte sich als ansprechend wenn auch nicht kolossal, das Brieflein als leicht enttäuschend, da holländisch und nicht etwa an den Schoggiesser gerichtet, sondern von diesem mittels multiple choice-Verfahren auszufüllen. Insgesamt etwas viel warme Luft, trotzdem reichte es bei der Publikumswahl für den ersten Platz in der Kategorie “Trockenprodukte Snacks und Süssigkeiten”.

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Müesli-Innovationen, die man mehr oder weniger dringend braucht.

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Dosen- und Flaschenbrot…

Biofach Blog6…und die Chipspackung als Lockvögeli.

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Käsiges von originellen und harten BurschInnen.

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Und jetzt ein Drink.

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Etwas Conveniencefood.

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Und zum Dessert was Süsses. Fazit: Optisch attraktiv und anmächelig präsentieren, das ist eine der Stärken der Biobranche, aber auch sie ist nicht gefeit vor Lifestyle-Innovationen, die in den Regalen vielfach eine kürzere Lebensdauer haben als ein Sommervogel. Wenn gleichviel Kreativität und Energie in die zusatzstoffarme Verarbeitung und die Bewahrung von Originalaromen geht, dann soll’s mir recht sein, die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt…

#CHFEUR: Die letzten beissen die eigenen Hunde

Januar 31, 2015

Emmi KäseEs sind ungemütliche Zeiten für die Schweizer Exportwirtschaft, die Euroabwertung (in den Sozialmedien verwendet man dafür als Hashtag kurz #CHFEUR) macht den Weg für die ohnehin hochpreisigen Schweizer Produkte ins Ausland um 20 Prozent steiniger.

Ganz besonders betroffen ist die Käsebranche, rund ein Fünftel der Schweizer Milch wird in verkäster Form ausgeführt, einst als staatlich hochsubventioniertes Überschussventil (Stichwort Käseunion) und heute – mehr schlecht als recht mit den rasant steigenden Käseimporten mithaltend – als einziges essbares Exportprodukt aus Schweizer Zutaten.

Wichtigster Player in diesem Business ist wie im gesamten Milchmarkt mit Abstand die Emmi Gruppe. In dieser Funktion hat sie, das muss vorausgeschickt sein, einiges dazu beigetragen, dass die Milchproduktion im Land immer noch auf ähnlicher Höhe ist, wie zu Hochsubventionszeiten. Das Luzerner Unternehmen ist seit einigen Jahren auch an der Schweizer Börse SWX kotiert und hat sich dort zu einem kleinen Darling entwickelt. Nahrungsmittel sind “heiss” und die Investoren auf allen Ebenen zunehmend interessiert, Landgrabbing und Nahrungsmittelspekulation lassen grüssen.

Emmi KursMit dem Entscheid der Nationalbank, die Eurostützung einzustellen, hat EMMN, wie das Luzerner Käsepapier an der Börse heisst, einen schmerzhaften Kurssturz in Kauf nehmen müssen. Wie fast alle Schweizer Unternehmen. Aber hier gibt’s handfeste Ursachen: Emmi ist trotz Expansion im Ausland immer noch stark vom Export abhängig und hier vor allem vom Käse. Dass dieser leiden wird ist so klar, wie das Quellwasser auf der Alpweide.

Ebenso klar ist, dass den Geldgebern nun hofiert werden muss. Vergangene Woche, gut 11 Monate vor Jahresabschluss hat Emmi diesen versichert, dass sich der Gewinn auch im laufenden Jahr im letztjährigen Rahmen liegen werde. Dies will man unter anderem mit einem tieferen Milchpreis finanzieren. An die Kasse kommen also im Dienste der Investoren die Milchproduzenten. Das erinnert verdächtig an die neunziger Jahre, als der Shareholder Value plötzlich zum Alltags(schimpf)wortsatz gehörte.

Emmi RückvergütungNun muss man wissen, dass ein Teil der Emmi-Milchlieferanten Miteigentümer an Emmi sind. Der Verband der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) ist mit einem Anteil von gut 54 Prozent Mehrheitsaktionär. Im neuesten Magazin ihres Verbands werden die Lieferanten schon mal schonend vorbereitet auf die Preissenkung ab 1. Februar. Diese beträgt vorläufig 2,6 Rappen pro Kilo für A-Milch. Das macht auf einem heute mittleren bis kleineren Betrieb mit einer Produktion von 150’000 Kilo pro Jahr 3900 Franken Einbusse. Wer nun meint, dass diese durch eine angemessene Beteiligung am von Emmi angestrebten ungeschmälerten Betriebserfolg kompensiert wird, sieht sich getäuscht. Die Gewinnbeteiligung der Produzenten für das letzte Geschäftsjahr ist noch nicht publiziert, aber man kann davon ausgehen, dass sie angesichts der Ausgangslage kaum erhöht wird. Im Vorjahr lag sie bei 1027 Franken pro Betrieb, wobei ein Teil in Emmi-Produkten und Rückbehalten für Produzentenfeste ausbezahlt wurde (siehe Ausriss aus dem Newsletter “Emmi Rückvergütung Erfolg” 1/14.

Ob den Produzenten noch ums feiern zumute ist, ist sicher nicht die dümmste Frage. Gleichzeitig muss man nüchtern festhalten, dass die Bauern Investoren zweiter Klasse sind, weil sie unter dem Strich schlechter dastehen als diejenigen, die keine Kühe, Maschinen und Gebäude sondern nur Geld im Spiel haben. Damit sind sie auch in diesem Fall wieder einmal die letzten, die die (eigenen) Hunde beissen. Die Zeche zahlt letztlich Väterchen Staat: Bereits macht die Milchbranche aufgrund von #CHFEUR die hohle Hand. Da kommt einem ein anderes Standartbonmot aus der Hochzeit der Anti-Shareholder-Value-Bewegung in den Sinn: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. (Bild: Emmi)

 

 

Tanzania Tales (2): Masters of the Mobilephone

November 28, 2014

Telephone MastressNeu ist das ja nicht, aber doch immer wieder spannend zu sehen: Das Mobiltelefon hat in Afrika einen längst noch nicht abgeschlossenen, aber schon sehr imposanten Siegeszug hinter sich. In Nordtansania ist das Netz auch im hintersten Krachen am Fusse des Kilimandjaro besser als vielerorts auf der Eisenbahnstrecke Bern-Zürich, und Totalausfälle wie man sie in der Schweiz immer wieder mal erlebt gibt es in Tansania schon gar nicht, was man von der Elektrizität nach wie vor keineswegs behaupten kann, Stromausfälle sind an der Tagesordnung.

Das Handy ist für die Menschen (wie hier für diese Mitarbeiterin von Quality Food Products in Arusha) nicht nur täglicher Begleiter, sondern auch ein Hilfsmittel für die Organisation des Alltags. Die vermutlich wichtigste Neuerung ist das Zahlungssystem M-Pesa, welches von einer kenyanischen Telecomfirma in Zusammenarbeit mit Vodafone bzw seiner afrikanischen Tochter Vodacom entwickelt worden ist. M steht für Mobile, Pesa für Bargeld (in Swahili). Das System ermöglicht Bargeldtransfers ohne dass man über ein Bankkonto verfügen müsste. Das ermöglicht zahlreichen BürgerInnen, die bis anhin vor allem wegen Finanzknappheit sowie fehlenden Bankfilialen oder Geldautomaten keinen Zugang zum Banksystem hatten, ihre Geschäfte bargeldlos abzuwickeln.

Als “Bank” fungiert die Telefongesellschaft. Kioske (siehe Bild unten, das M-Pesa-Logo ist rechts erkennbar), Tankstellenshops und Supermarkets übernehmen die Rollen der Filialen. Dazu braucht es kein Smartphone oder App, denn damit sind die AfrikanerInnen eher noch dünn ausgestattet. SMS genügt. Will zum Beispiel ein Sohn in der fernen Stadt einen Betrag an seine Eltern überweisen muss er nach einmaliger Registrierung in einer der zahllosen Filialen mit einer Einzahlung daselbst dafür sorgen, dass genug Geld auf seinem Konto ist und kann dann via Telefon mit ein paar einfachen Eingaben Geld überweisen, abgesichert ist die Transaktion mit einer PIN. So bezahlt man in Afrika unterdessen auch Gasrechnungen, Schulgebühren und Flüge.

Aber natürlich auch Düngemittel, Kühe und Futter, M-Pesa ist ein ganz wichtiges Hilfsmittel für die Kleinbauern, die weder über Transportmittel noch liquide Mittel für längere Reisen verfügen. Mit Hilfe von M-Pesa erhalten sie eine Möglichkeit, am Wirtschaftssystem teilzunehmen. Das alles funktioniert natürlich nicht auf wohltätiger Ebene, die Betreiber finanzieren sich über ein Abschöpfung von rund 1 Prozent der Summe auf den Transaktionen.

Daneben gibt es weitere spannende Beispiele für die Segnungen der Mobiltelefonie in der Landwirtschaft. Dazu gehört die Information über Marktpreise. Oft variieren die Preise auch in Gebieten von bescheidener Grösse stark. Ein SMS mit den Tagesnotierungen auf 50 Märkten kann da viel zusätzlichen Ertrag bewirken.

M-Pesa-Kiosk

Tanzania Tales (1): Massai Ferguson

November 20, 2014

Massai Ferguson

Vergangene Woche hatte ich das Glück, an einer von IFAJ und Agriterra organisierten Agrarreise durch Tansania teilnehmen zu dürfen. Es war toll, eine wunderbare Truppe, super Novemberwetter, nette Gastgeber und eine landtechnische Reise zurück in die Jugend. Der MF 135 (Allrad) war damals im Emmental das Standardprodukt und der erste Traktor auf dem ich Gas geben durfte, während der 165er den Flachlandgrossbauern vorbehalten war.

Heute sind sie längst von unseren Äckern verschwunden, in Tansania findet man die beiden Schlachtrosse aber unbeirrt im Einsatz, wie diese Bilder zeigen. Der untere ist zwar nicht mehr gut angeschrieben, aber es dürfte sich dabei um einen 135-er handeln, Spezialisten mögen mich korrigieren.

Zu den Massey Fergusons in Ostafrika gibt es eine lustige Geschichte: Die Massai sind nicht nur traditionsreiche und stolze Rinderzüchter, sondern offenbar auch grosse Anhänger der ebenso traditionsreichen Traktormarke deren Wurzeln bis ins Jahr 1847 zurückreichen. Deshalb heisst der in Tansania weit verbreitete Schlepper im Volksmund Massai Ferguson. Als mir jemand diese Anekdote erzählte dachte ich, wow, wenn jetzt ein Massai käme auf einem MF, das wär cool, 10 Minuten später wars soweit, ein Viertel des Traktors ging wegen nervösem Kamerahandling verloren, aber das wichtigste war ja der Massai auf dem Massey. Die Massai tragen übrigens passend zum motorisierten Untersatz aus Autopneus gefertigte Sandalen.

MF3Damit nun nicht der falsche Eindruck entsteht, es verkehrten in Tanzania nur die beschriebenen Modelle hier noch zwei Gegenbeispiele. Ein neuerer MF Typ 375 auf einem Kalenderblatt…

MF4…und ein ebensolcher im Strasseneinsatz. Insgesamt sind die Antiquitäten aber zahlenmässig immer noch deutlich im Vorsprung.

MF2

Eingesandtes (2): Loiretal-Appenzell-Georgien

November 12, 2014

Loiretal2Das hier ist jetzt wieder altbewährt: Eingesandtes aus dem Reich der vorzugsweise behornten Kuh. Top-Korrespondentin Monika Schlatter schickte mir dieses Exemplar aus dem Loiretal mit folgendem Kommentar: “Kürzlich verbrachten wir eine Woche an der Loire und haben dabei ausser Schlössern und Gärten auch Kühe angetroffen. Die beigefügten Fotos sind aus Villandry.Was es für Kühe sind, weiss ich leider nicht – sehr befremden tun mich die ‘halben’ Hörner.”

In der Tat ein merkwürdiges Bild diese Hörner. Ich wusste auch nicht recht weiter. Zum Glück gibt’s noch Twitter, wo Aufklärung durch den Experten Thomas Mc Alavey auf dem Fuss folgte:

Da sind wir froh, gibt es noch die heile Welt im Appenzell, wo Monika kurz darauf weilte und irgendwo zwischen Waldstatt und St. Peterzell fündig wurde, dort wo die Kirche noch mitten im Dorf steht (links von der Telefonstange) und die Kühe noch einen Muni dabei haben.
Appenzöll

Dazu als kleiner Kontrast noch ein letzter Helgen von meinem Kumpel und Waldreiseunternehmer Georg, der zum Glück zugunsten eines guten Kuhbilds ab und zu auch den Wald verlässt. Er präsentierte mir den untenstehenden Helgen in Rätselform. Ich tippe schwer auf Georgien, wo er kürzlich weilte, aber die Lösung steht noch aus. Bei Bedarf korrigiere ich nach. Danke den FotoreporterInnen und dem Experten! (Bilder Monika Schlatter, Georg von Graefe)
Georgien

Was im Nestlé alles so ausgebrütet wird

Oktober 23, 2014

L1010109Letzte Woche habe ich wieder mal den “Blick” gelesen, und es hat sich gelohnt. Mehr jedenfalls als die Lektüre des Schwesterblatts, die ich mir unterdesssen als Pendler fast allabendlich zumute.

Das Interview mit Hans Jöhr, Head of Agriculture von Nestlé, enthält ein paar aufschlussreiche Aussagen, die zeigen, wie der Multi tickt, und das ist für die Bauern auch in der Schweiz nicht uninteressant.

Hier ein paar markige Worte des 59-jährigen Managers, der aus dem Bernbiet einst nach Brasilien auswanderte, um dort den Traum vom Farmen zu realisieren. Danach machte er den Dr. der Wirtschaftswissenschaften, gründete ein Beratungsbüro und wechselte schliesslich vor 14 Jahren zum Grosskunden der weltweiten Landwirtschaft. Dazu ein paar Kommentare.

Jöhr zur Landwirtschaft im Allgemeinen:
“Ich bin ein Bauersohn und war selber Bauer. So habe ich gelernt, wie viele Fehler man machen kann, wenn man nicht vorsichtig umgeht mit natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser. Wir haben teilweise grosse Fehler gemacht in der Vergangenheit. In vielen Ländern konnten wir aber eine Wende einleiten.”

Das sind bemerkenswert selbstkritische Bemerkungen, die man aus den Teppichetagen von Grossunternehmen selten hört. Allerdings gelingt es Jöhr dann mühelos, die übers Haupt gestreute Asche zu einem Lorbeerkranz zu formen.

Zur Korrektur der Fehler und zur Nachhaltigkeit als Exportschlager:
“Zusammen mit Fritz Häni, dem Vater von IP Suisse, habe ich Richtlinien für eine nachhaltige Landwirtschaft aufgebaut. Alle haben gesagt, das kostet zu viel und verlangten, dass wir einen Business Case entwickeln. Das haben wir dann getan. Wir haben Danone und Unilever ins Boot geholt und die Plattform für nachhaltige Landwirtschaft gegründet. Heute gehören über 60 der grössten Lebensmittelverarbeiter dazu. Das ist ein Exportschlager für die Schweizer Landwirtschaft. Wir haben die Nachhaltigkeit, die wir bei uns kennen in der ganzen Welt verbreitet.”

Ehrlich gesagt ist mir ein ziemliches Rätsel, wovon Jöhr hier spricht. Dieser Exportschlager ist mir noch nie begegnet und eine “Plattform für nachhaltige Landwirtschaft” mit dem geschilderten Hintergrund ist zumindestens im Internet nicht aktenkundig. Schade, dass der Blick-Mann hier nicht nachfragte.

Zu Fairtrade:
“Das ist nicht zwingend der richtige Weg. Man muss aufpassen, dass man nicht die Zertifizierer oder den Handel bezahlt, sondern dass das Geld wirklich zu den Bauern kommt.”

Gut gebrüllt, bäuerlicher Löwe, das sind wahre Worte aber würde in diese Aufzählung nicht auch Jöhrs Arbeitgeber gehören? Aber natürlich, wes Nescafé ich trink…

…und weiter auf die Frage, ob das bei Fairtrade nicht der Fall sei:
“Leider nicht unbedingt. Man kann sogar Armut zertifizieren mit solchen Labels.”

Zu den eigenen Handelsbedingungen für die Bauern:
“Letztes Jahr haben wir mit über 300’000 Bauern Ausbildungen gemacht. Das ist kein karitativer Beitrag, sondern wir befähigen die Bauern, bessere Qualität zu liefern. (…) Unter Umständen zahlen wir 30 oder 40 Prozent höhere Preise als der Markt.”

Das gilt allerdings nur für das eine Prozent Nespresso-Kapselkaffeeproduzenten, wie Jöhr etwas weiter unten einräumt. Gerade hier aber ist die Verarbeitermarge derart astronomisch, dass die Differenz zwischen Ladenverkaufspreis und Produzentenpreis etwa 6 mal grösser ist als beim durchschnittlichen konventionellen Kaffeehandel, ungeachtet der 30 bis 40 Prozent Zuschlag, die Jöhr erwähnt.
Zur Illustration die grobe Rechnung:
Nespresso: Füllmenge 5 Gramm pro Kapsel, Kapselpreis 50 Rappen -> Kilopreis Fr. 100.- , Produzentenpreis Fr. 5.60 (Weltmarktpreis von Fr. 4.-/kg plus 40% Zuschlag)). Differenz zum Produzentenpreis: Fr. 94.40.
Konventioneller Kaffee: Kilopreis Fr. 19.- (Migros, gehobenes Sortiment Caruso), Differenz zum Produzentenpreis: Fr. 15.-.
Soviel zum Thema Fairtrade bei Nestlé.

Jöhr zum Thema Gentech:
“Es kann ein Werkzeug sein. Wir gehen differenziert vor. Eine Technologie kann Vor- und Nachteile haben. Persönlich habe ich das Gefühl, dass Gentechnologie bereits überholt ist. Sowohl in der Pflanzenzucht wie bei der Tierzucht gibt es heute Methoden mit denen man den Bauern besser helfen kann.”

Das sich Jöhr derart klar distanziert von grüner Gentechnologie ist sehr interessant. Für mich ein klares Indiz, dass die Kosten-/Nutzenrechnung für ein Grossunternehmen mit GVO-Ware nicht aufgeht. Möglicherweise ist diese Aussage einer der Gründe, wieso das Interview sehr schnell wieder runtergenommen wurde bei Blick. Ich habe mich via Twitter beim Boulevardblatt nach der Ursache erkundigt, habe aber nie eine Antwort erhalten:

Schliesslich Jöhr zur biologischen Landwirtschaft:
“Bio kann für die Bauern eine gute Lösung sein, wenn die Konsumenten willens sind, die höheren Preise zu zahlen. In der Schweiz ist das der Fall. Man kann nicht ein Rezept aus der Schweiz oder aus Westeuropa auf die ganze Welt anwenden und sagen, es müsse alles Bio werden. Die biologische Landwirtschaft braucht mehr Ressourcen. Zudem ist sie sehr wissensintensiv, in Ländern mit vielen Analphabeten funktioniert sie nicht.”

Da muss ich nicht nur berufeshalber widersprechen, erstens sagt niemand, es müsse alles Bio werden (mit 50 Prozent wären wir schon recht zufrieden…), zweitens braucht die biologische Landwirtschaft zwar pro Ertrag mehr Ressourcen, geht aber mit diesen so schonend um, dass sie verwendbar bleiben und drittens funktioniert sie bestens mit Analphabeten, wie zahlreiche Produzenten und Projekte in Entwicklungsländern täglich beweisen. Die Aussage von Jöhr zeigt, dass Multis wie Nestlé Anbauvorschriften, die sie nicht selber diktieren, ein Dorn im Auge sind, da sie mit einem gewissen Kontrollverlust über die Bauern einhergehen. Das soll wiederum nicht heissen, dass sie es grundsätzlich schlecht meinen mit den Produzenten, denn die Firma ist auf das bäuerliche Knowhow (auch von Analphabeten) angewiesen, um die Rohstoffversorgung zu sichern, ohne Kaffeeproduzenten nützt die schönste Reklame mit Bräutigam Clooney nichts.

 

Scotland (2): I bet it’s a No. And why it’s good

September 18, 2014

AngusThe polls are closed, the decision is approaching: Is Scotland staying or going away from the UK? In a few hours we’ll know about the verdict. So, it’s about time for a last qualified and legal bet. I bet hereby that it’s gonna be a No: 52.7 to 47.3 percent or somewhere around that. If I loose, I will blog daily next week and put up with a reason day by day why it’s ok to be independent for the Scots and their farm sector. You may call me opportunistic, but no, if it’s a Yes, all that remains (after the celebrations and mournings of course) will be to get up/come down and keep going.

Alex SalmondAnyway, meanwhile let me line up a few reasons, why it’s good that that it will be a No for scottish agriculture. To put it straight beforehand, I understand every Scotswoman and -man who prefers to be governed by an outspoken and witty guy like Alex Salmond instead of a public school boy like David Cameron. But unfortunately, a swallow doesn’t make spring, as we say in Switzerland. The lonely Salmond won’t save the whole Loch. He’s a great promise and talks the blue down from the sky (as far as there is any in Scotland). Still, he hasn’t got a clue about the consequences of Independece yet. When he talked to us a fortnight ago at the congress of the IFAJ in Aberdeen, he wasn’t able to make any clear statement about how a Yes would influence the future of his country very probably not to be.

He complained about the very low contributions the Scottish farmers are receiving from the EU honeypots (see the article of my colleague Jonas Ingold on Swiss agpress agency LID). That may be true, but I’m pretty sure that an independent Scotland will mean a lot of insecurity to the farmers whether at all they will get any money from Brussel in the next few years. And it’s always better to have the sparrow in your hand than the beautiful white dove on the roof, to use another Swiss saying.

Landscape to die forAnother thing I don’t understand from an agrocommercial point of view is why the Scots should build a frontier towards their most important market. In a world or at least a Europe where pulling down the borders has caused a few problems but has mainly prevented this agitated continent from more wars and bloodshed, I think it’s quite stupid to build toll stations and create free trade barriers. Notably because the Scots have a lot of excellent products to offer, eg Whisky, Salmon and Landscape to die for and some of the most excellent cattle (the Aberdeen Angus bull above for example) and sheep in the world to just mention the tip of the iceberg. And look (below) what they have made out of our Simmentals (the two bulls to the right) and you know immediately, what they are able to achieve.

This doesn’t mean that I think the whole idea of the Independence Referendum is wrong. I think Mr. Salmond and his pals are quite clever. They knew from the beginning, that it will be a No, but a tight one. And that bottom line, there will be an even higher level of independence within the UK once the whole thing is over. I would even go so far to say that the Salmonds are happier about a tight No than a tight Yes. But who knows, maybe I’m totyally wrong and will have to blog again tomorrow…
Simmental bulls

Scotland(1): Stolen memories

September 13, 2014

Ballen4Back from a few days in Scotland at the annual Congress of the International agricultural journalists (IFAJ) in Aberdeen.

It was a very interesting trip. Imagewise I was most impressed by the landscape, not really surprisingly. More surprising maybe: Best elements were the round straw- and haybails. They look really great, even the black wrapped ones on a bright green of a post-rainfall-sun reflecting. Great.

Ballen1

Unfortunately, the bus went too fast for a Bernese to get out his cam at the right time. Plus we stopped rarely when there were bails around. Anyway, I had to steal from some AgJournalist pals. Thanks a lot Debra Murphy from Saskatchewan (top picture) and Peter Lewis from down under!

Ballen2

Gute Ernte (2): Sommerweidetore aus Southwest

September 3, 2014

Weidetor1Zu einer gelungenen Agrofotosafari gehören immer auch ein paar Weidetore, dafür ist England verlässlich ein gutes Pflaster, diesmal der Südwesten. Den Auftakt der Serie macht das Hinfällige aber dafür umso Aussichtsreichere, von dem diesen Sommer nur noch der Umgehungskranz vorhanden war.

Weidetor2Das nächste war ein Grossartig angekündigtes.

Weidetor3Und es folgte ein Gitter, so perfekt, wie man es auch in der gepützelten Schweiz kaum sieht.

Weidetor5Da war man dann schon fast wieder froh um das Rustikal hölzerne, auch dieses in perfektem Zustand. Es darf nicht vergessen gehen, dass Devon gemeinsam mit Cornwall so etwas wie die Sonnenstube Englands ist, ideal auch für Londoner, die kaum länger zu fahren haben, als eine Reise jenseits des Gotthards dauert.

Weidetor6Weitverbreitet sind hier die architektonisch anspruchsvollen Übersteiger, da es immer wieder Mäuerchen zu queren gilt. Die englische Kulturlandschaft ist schon recht toll. Während bei uns alles ausgeräumt wurde, strotzt sie hier vor Hecken, Baumgruppen und Mäuerchen.

Weidetor7Zum Abschluss hier noch das vom Weidetor inspirierte schwenkbar Eingemeindete zum Schutz von God’s Acre, wie der Friedhof passend dazu gemäss Schild hier auch heisst.

Gute Ernte: Sommerkühe aus UK, CH, Tansania

August 30, 2014

Sommerkühe Helen

Liebe Leute haben mir viele schöne Kuhbilder geschickt in den letzten Wochen: zB. ölmalerisch pittoresk aus Cornwall …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA… spektakulär perspektivisch aus dem Berner Oberland …

????????… kontemplativ weitsichtig aus dem Alpstein und …

Sommerkühe Susanna Tansania Saadani Nationalpark… exotisch bemutternd aus Tansania.
Danke Euch allen! (Bilder: Helen James, Monika Reize, Monika Schlatter, Susanna Müller)


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