Archive for the ‘Marketing’ Category

Frühlingskühe und ein Pleasure-Storm

April 23, 2016

Frühlingskühe1aDer Frühling ist mit leichtem Stottern am ankommen und auch meine Kuhfoto-KorrespondentInnen erwachen langsam aus dem Winterschlaf, das heisst, es gibt es auch wieder vermehrt Kuhbilder!

Frühlingskühe2aZum Auftakt eine kleine Serie von Monika Schlatter, die viele von Euch schon kennen dürften als begabte Kuhfotografin. Diese Woche haben wir ihr auch auf BauernZeitung online erstmals die Ehre gegeben mit einem wunderschönen Bild von zwei behornten Braunen auf der Schwägalp.

Frühlingskühe3a„Vielleicht kannst du was anfangen damit?“, schreibt mir Monika. Und ob, herzlichen Dank! Die Bilder stammen aus der Nähe von Risch ZG und das unterste vom Hinterchiemen. Etwas peinlich ist mir, dass ich keine Ahnung habe, was da für ein markanter Berg dahinter steht. Vielleicht kann ja jemand weiterhelfen?

Frühlingskühe6aDie zweite Serie stammt ebenso verdankenswerter Weise von meinem Kumpel Urs Wiskemann, seines Zeichens Motorsänger und regelmässiger Kuhbild-Lieferant. Merci Ürsu!

Frühlingskühe5a„hier noch kuhbilder von einem spaziergang am dienstag abend von männedorf nach feldbach. super wetter und eine schöne mutterkuhherde am weiden in stäfa. die kälber waren echt schnüsig am gumpen“, schreibt er mir, was mit diesem Bild geradezu prächtig dokumentiert ist.

Frühlingskühe4aAllerdings war seine Freude nicht ungetrübt: „seit mir mein lebensmittelchemiker-freund urs gesagt hat, weidemast sei mit abstand die futterintenivste mast, hab ich natütterli bitzeli weniger freude als frücher: nach dem motto, wer weniger weiss hats manchmal einfacher glücklich zu sein“. Aber zum Glück hilft mehr wissen manchmal auch, dank meiner Zeit am FiBL konnte ich diese Fehlinformation vom Lebensmittelchemiker locker parieren. Weidemast kann unter Einbezug aller Parameter mehr als nur mithalten. Man lese zum Beweis diesen FiBL-Bericht (oder zumindest die Zusammenfassung), Link ganz unten.

Pfisters VideoUnd apropos Gumpen: Zum Abschluss von der Frühlingskuhparade jetzt noch ein kleines bzw grosses Online-Phänomen. Die Familie Pfister aus Bözen AG hat mit einem 50-Sekunden Filmli auf ihrem Facebook-Account zum Thema erster Weidegang internationale Berühmtheit erlangt (leider kann ich es mangels Knowhow hier nicht teilen, aber via den Link sollte es klappen). Die tanzenden Kühe und Kälber wurden auf dem Original-Account seit dem 31. März zwei Millionen mal angeschaut, gut 30’000 mal gelikt und über 21’000 mal geteilt. Dieser Pleasure-Storm freut mich sehr weil er zeigt, wie gross das Potenzial der Landwirtschaft für gute Geschichten ist. Und wie wenig es manchmal braucht, um diese dank den neuen Medien schön zu vermarkten.

Was das Filmli punkto Haltung zeigt, ist dass ein befestigter Betonboden in einem Laufstall für die Tiere das echte Weide-Feeling nie wird ersetzen können. (Bilder Monika Schlatter (obere drei), Urs Wiskemann (untere drei))

Füllhörner, die nicht mehr recht schütten können

März 29, 2016

Bananen für BlogNapoli für BlogGrad zweimal (mittel-)kurz im Süden gewesen, einmal in Teneriffa (alle Bilder links) und einmal in Napoli (alle Bilder rechts). Die zwei Regionen verbindet einiges: vom Klima gesegnet, vom Tourismus beglückt (bzw. gezeichnet), von Vulkanen überragt und deshalb relativ wenn auch abnehmend gut mit Süsswasser sowie fruchtbaren Böden versorgt.

Als Tourist kann man es sich beiderorts gut gehen lassen, vor allem, wenn man wie unsereinem gern isst, denn die beiden Gegenden sind wahre Füllhörner: ein unglaublicher Reichtum an Früchten und Gemüsen, Milchprodukte vom Feinsten, Charcuteriespezialitäten, diverse Öle und zahlreiche Weine zum Schwelgen. Frost ist ein Fremdwort und die Vegetationsperiode quasi endlos.

Trotzdem herrscht trotz unzähligen Sonnenstunden nicht eitel Sonnenschein. Teneriffa hat Jugendarbeitslosigkeitsraten von 50 Prozent und damit noch dramatischere Zustände als das Mutterland Spanien. Die Insel ist hochgradig abhängig von Subventionen aus Brüssel und Madrid, zudem müssen über 90 Prozent der Lebensmittel eingeführt werden. Selbst versorgen können sich die Bewohner der zweitgrössten Kanareninsel praktisch nur mit Bananen (das wichtigste Exportprodukt) und Tomaten, diese Produktion kann sich aber nur dank EU-Stützung über Wasser halten, pro Kilo Bananen macht sie 40 Cent aus, rund ein Drittel des Produzentenpreises.

Auch Napoli macht aus seinem Garten Eden wenig, die Infrastruktur ist in weiten Teilen marode und erinnerte mich in vielem an das Rumänien der schlechtesten Zeiten kurz nach dem Sturze Ceausescus. Anders als dort, wo die Wirtschaft (auch dank EU-Mitteln) unterdessen boomt und mit korrupten Strukturen aufgeräumt wird, scheint im italienischen Mezzogiorno keine grosse Entwicklung im Gang zu sein.

Biokäse für BlogNapoli2 für BlogDas sind natürlich nur recht oberflächliche Urteile, aber ein Fazit darf man sicher ziehen: Gute Voraussetzungen für Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sind heute leider längst nicht mehr genug für Prosperität, auch wenn immer mehr Menschen immer mehr Kalorien konsumieren wollen. Das ist ja nicht grad eine neue Erkenntnis, aber sie ist deprimierend genug, um sie neben all den kulinarischen Leckereien immer wieder mal auf den Tisch zu bringen.

Die Ursachen dafür sind mannigfaltig. Zunächst die lokalen: Landflucht, weil Landarbeit schlecht bezahlt ist; der Klimawandel, welcher gerade den südeuropäischen Gebieten stark zusetzen wird; und schliesslich vor allem in Napoli und Umgebung auch mafiöse Strukturen, die der Landwirtschaft ihrerseits schaden. Dazu kommen aber auch globale Entwicklungen wie die zunehmende Industrialisierung der Lebensmittel- und Landwirtschaftsindustrie, die den Produzenten vor allem das Risiko überlässt und die Gewinne in die Metropolen abzieht.

Kein schöner Cocktail. Was tun? Die Rolle der KonsumentInnen kann nicht hoch genug gewichtet werden. Deine Landwirtschaft ist, was Du isst, könnte man angelehnt an ein beliebtes Sprichwort wohl sagen. Das gilt nicht nur im Alltag, sondern insbesondere auch in den Ferien, wo man mehr Zeit und Lust zum Einkaufen (und je nach Ausstattung des Domizils auch zum Kochen) hat. Und der Bummel auf (Bauern-)Märkten, der Einkauf direkt von Produzenten am Strassenrand sowie der Besuch auf Bauernhöfen beschert ganz nebenbei tolle Ferienerlebnisse. Klar, das ist alles nur ein Tropfen auf den heissen Stein, aber immerhin.

Beeren für BlogNapoli3 für Blog

Ohne Stadt sterben die Bauern

Februar 21, 2016

Cities feed farmers

Farmers feed citiesImmer wieder und neulich auch auf diesem Kanal ertönt der Ruf nach Landdienst für agrarrenitente JournalistInnen und andere meinungspolitisch aktive Gruppierungen. Heute will ich den Griffel einmal umdrehen. Als ich kürzlich mit einem guten Freund (selber gelernter Landwirt, aber nicht mehr praktizierend) zu Tisch sass und wir wie öfters über Landwirtschaftspolitik diskutierten, brachte er die Innovation Stadtdienst auf den Plan. Wir waren uns sofort einig, dass dies nicht nur eine Superidee ist, sondern für das Landvolk zum Beispiel in der Ausbildung zum Pflichtstoff gehören müsste. Wieso?

Wenn die Bauern längerfristig überleben wollen, müssen sie anfangen, sich für ihre Kundschaft zu interessieren. Und diese sitzt nun mal in den Zentren: Die Schweiz wird ja gerne verklärt als ländliches Idyll, aber unterdessen wohnen 75 Prozent der Bevölkerung in Städten und Agglomerationen, und dieser Trend wird sich noch verstärken.

Für viele Bäuerinnen und Bauern ist die Stadt Hort von allem, das man am liebsten von sich fernhält. Allenfalls gönnt man sich mal eine kulturelle Perle, aber den meisten liegt das Männerchortheater im Dorf oder die Landdisco am anderen Ende des Kantons näher als das urbane Zentrum. Manchmal muss man fast hin, zum Beispiel an eine Demonstration, aber dann fährt man mit dem Bus hin, steigt aus, schwenkt Treicheln, markiert den Unzufriedenen mit Drohpotenzial und kehrt so schnell wie möglich wieder heim auf den Hof.

Es steht ja fest, da ist man sich glaube ich langsam einig, dass es für die Schweizer Landwirte und Landwirtinnen keine Zukunft hat, namenlose Massenware zu produzieren. Der einzig gangbare Weg ist es, Spezialitäten zu produzieren, Nischen zu füllen und Spezialwünsche der heimischen und zum Glück mehrheitlich recht kaufkräftigen Konsumentinnen und Konsumenten zu befriedigen. Nur, wie soll man diese kennen, wenn man sich darum foutiert, wie diese Leute leben, wonach sie sich sehnen und was sie sich von „ihren“ Bauern wünschen?

Damit man das begreifen kann, würde es keinem schaden, einmal eine Woche am Stadtleben und am Durschnittsbürolisten-Arbeitsalltag in vollgestopften Zügen und klimatisierten Büros teilzuhaben, zu beobachten, wie sich die Leute bewegen und wie sie sich ernähren. Das könnte, ganz nebenbei manch einem Landwirten, manch einer Landfrau die Augen dafür öffnen, dass das bäuerliche Leben neben den bestens bekannten und viel beklagten Härten jede Menge Privilegien bereithält, von denen der Durchschnittsstädter nur träumen kann: Viel Platz, schöne und staatlich verbilligte Wohnlage, wenige und weit entfernte Nachbarn, Hoheit über den Arbeitsplan und dessen freie Gestaltung, Leben am Arbeitsplatz sowie ein staatlich garantierter Mindestlohn.

Der Stadtdienst könnte umgekehrt auch das Image der Konsumenten und Konsumentinnen verbessern helfen. Es ist nämlich nicht so wie es ein in bäuerlichen Kreisen beliebtes Klischee besagt, dass diese alle ins Ausland oder in den nächsten Discounter rennen, um sich dort mit Billigstware einzudecken. Der Lebensmittelmarkt umfasst in der Schweiz rund 50 Milliarden Franken, mindestens 30 dieser Milliarden werden für inländische Produkte ausgegeben, gut 15 für importierte Ware und nur gut 2 für Einkaufstourismus. Teil des Stadtdienstes müsste dann auch der Standdienst im Grossverteiler sein, wo die Bauern und Bäuerinnen als authentische Vertreter für ihre Produkte mit diesen hinstehen könnten, um noch mehr KonsumentInnen davon zu überzeugen, das heimische anstatt das importierte Poulet zu kaufen.

Auf dem Programm wäre auch ein Besuch in einer der zahlreichen Beizen, wo die Leute bereit sind, beachtliche Preise für Schweizer Qualität zu bezahlen, ein Entrecôte kostet im Zürcher Restaurant gut und gerne 40 bis 50 Franken, und manchmal ist da noch nicht einmal die Beilage dabei. Das ist kein Pappenstiel und zeigt, dass man Schweizer Qualität durchaus wertschätzt.

Lange bin ich in jungen Jahren mit dem damals beliebten Autokleber rumgefahren auf dem stand: „Ohne Bauern stirbt die Stadt“. Das schleckt keine Geiss weg, allerdings stirbt kein einziger Schweizer Städter, wenn es keine Schweizer Bauern mehr gibt. Der Umkehrschluss ist deshalb richtiger: „Ohne Stadt sterben die Bauern“. Denn wenn die Schweizer Bauern und Bäuerinnen in ihrem Metier überleben wollen, sind sie zwingend auf den Goodwill der Schweizer StädterInnen angewiesen. Und ein bisschen mehr Austausch und damit Verständnis für die Probleme und Bedürfnisse des jeweils anderen schaden dabei sicher nicht, im Gegenteil.

Coopportunistischer Festtagsschweinebauch

Dezember 16, 2015

Fleisch CoopAn den Festtagen sitzt das Portemonnaie locker, man und frau gönnt sich namentlich was Fleisch angeht etwas Edles zur feierlichen Tafel, es ist ja nicht alle Tage Weihnacht. Interessant deshalb zu schauen, was unsere lieben Grossverteiler da so anpreisen, wie mir heute beim allwöchentlichen Hochgeschwindigkeitsdurchblättern der beiden Detailhandelspostillen aufgefallen ist.

Um es vorweg zu nehmen, Coop enttäuscht diesmal schwer. Ungeachtet der unbestrittenen Verdienste um das Tierwohl und das heimische Schaffen, welche die Basler bei jeder Gelegenheit noch so gerne ins grösstmögliche Schaufenster hängen, erhalten sie heute den Agroblog-Schwarzpeter für das schwächste Schweinebauch-Festtagsinserat 2015.

Das Schweinebauch-Inserat, sollte Ihnen, liebe LeserInnen dieser Begriff nicht geläufig sein, ist die Aktion gewordene Auswahlsendung, die Migros und Coop mal beschränkt auf eine Produktegattung, mal querbeet mit allem (deshalb Schweinebauch) sei’s in den eigenen Blättern oder in den Printmedien placieren. (Die NZZ, das nur am Rande bemerkt, kämpft bis heute umsonst um das Privileg, diese Rabattseiten an Bord zu holen, edle Positionierung hat manchmal auch ihre Schattenseiten).

Item, dieser Fleisch-Schweinebauch in der neuesten Coop-Zeitung enttäuscht schwer: Trotz heimischem Topangebot kommt das Rind aus Irland, das Kalb aus Frankreich oder vielleicht (wenn man Schwein hat) aus der Schweiz und das Lamm wie üblich aus very far Übersee. Das alles, vor allem bei Rind und Kalb zu satten um nicht zu sagen horrenden Preisen und ohne jegliche Label. Es lässt sich halt fast mit nichts so schön Marge bolzen, wie mit Importfleisch. Dass man dies mit Ausnahme des Schweines ausgerechnet zu den Festtagen so skrupellos durchzieht ist eine rechte Enttäuschung. Das, ich wiederhole mich gerne, ist Einkaufstourismus, der sich durch nichts unterscheidet von demjenigen der Tausenden von helvetischen Grenzpilgern, über die man sich bei den Grossverteilern zunehmend Sorgen macht.

Deutlich besser schneidet zumindest diesmal die Konkurrenz ab, welche mit Ausnahme des latenten Lamm- und Geflügelproblems (das auch Coop hat) durchwegs auf heimische Ware setzt. Selbst das knochengereifte Fleisch (ziemlich unnötiger Kult, scheint mir, aber offenbar trendig genug, um ihm in beiden Detailhandesblättchen je eine Seite zu widmen) stammt bei Migros aus dem TerraSuisse-Label, während bei Coop nichts deklariert ist, was erneut auf Import und Labelfreiheit schliessen lässt. Korrekturen wie immer willkommen, ein bisschen Reinwaschung könntet Ihr brauchen, werte Coopportunisten…

Fleisch Migros

PS. Hier noch eine kleine willkommene Ergänzung von Monika Schlatter, die regelmässigen Besucherinnen als talentierte Kuhfotografin bekannt sein dürfte. Sie hat mir untenstehendes Bild geschickt und dazu folgendes geschrieben: „Wenn Coop ausländisches Fleisch (wo bleibt dort wohl der Tierschutz…?) von weither „herankarrt“ und derart billig anpreist, wird der Konsument wohl nicht zum teureren Schweizer Fleisch greifen…“ Dem gibt’s nichts beizufügen, ausser vielleicht, dass es langjährigen Beratungsanstrengungen sei Dank doch einen gewissen Prozentsatz von Leuten gibt, die nichtsdestotiefpreis konsequent auf nachhaltiges einheimisches Schaffen setzen, danke Monika!
Monika

Getarnter Grossverteiler: Das Hofsupermärktli

Oktober 21, 2015

CoopHeute morgen beim Hochgeschwindigkeits-Durchblättern der „Coopzeitung“ plötzlich gestutzt: „Machen die jetzt auf reduziertes Packungsdesign?“ fragt sich das noch etwas matte Hirn reflexartig. Ah nein, melden die langsam in Fahrt kommenden grauen Zellen, da handelt es sich um Produkte vom Juckerhof, dem Königreich der Direktvermarkter, so erfolgreich, dass in der Standortgemeinde Seegräben ZH seit Jahren über die Art der Bewältigung des lawinenartigen Verkehrsaufkommens vom und  zum „Erlebnishof“-Gelände gestritten wird.

Die Jucker-Kürbisse gibt’s ja schon länger bei Coop (übrigens fein, grad gestern aus einem Exemplar eine Suppe gebastelt), aber dass mir nun auch noch der halbe Hofladen aus der Hauspostille des Grossverteilers entgegenleuchtet, gibt doch ein wenig zu denken. Nicht dass ich den tüchtigen Jucker-Brüdern den Erfolg und den zusätzlichen Umsatz missgönnen würde. Aber wenn man sich das ein bisschen genauer überlegt, ist es schon eine ziemliche Perversion des Direktvermarktungsgedankens.

Ursprünglich war ja diese Art des Verkaufs dazu gedacht, den Zwischenhandel für einen – mikrobiell kleinen – Teil des Marktes auszuschalten und eine direkte Brücke von den Produzentinnen zu den Konsumentinnen zu schlagen. Damit kann der Primärsektor nicht nur die Marge erhöhen, sondern auch den Austausch mit den Kunden pflegen, in beiden Richtungen: Rückmeldungen zur Qualität der Produkte aus erster Hand und Schaffen von gegenseitigem Verständnis aufgrund dem Wissen um Sorgen und Bedürfnisse.

Das wachsende Bedürfnis, nicht nur ennet der Grenze, sondern auch regional einzukaufen ist natürlich auch den Marketingstrategen der Grossverteiler nicht entgangen. Mit ihren Programmen „Aus der Region – Für die Region“ (Migros)  sowie „Miini Region“ (Coop) versuchen sie dieses seit einigen Jahren zu befriedigen. Davon profitieren wir durchaus, so habe ich etwa dank dem Migros-Programm den weltbesten Grossverteiler-Anke von der Molkerei Neff in Wald entdeckt.

Trotzdem kann ich mich nicht richtig freuen, wenn jetzt der Grossverteiler auch noch die landwirtschaftliche Direktvermarktung als Teil des Portefeuilles zu betrachten beginnt. Das Inserat verspricht eine Hofladen-Atmosphäre und Nähe zur Scholle, die ein Grossunternehmen schon strukturell bedingt nie wird einlösen können, eben gerade weil er kein Direktvermarkter sondern ein Zwischenhändler ist, und damit genau derjenige, der in diesem System für einmal zurückstehen müsste.

Coop und Migros haben durchaus Verdienste, was die Förderung einer bäuerlichen nachhaltigen Landwirtschaft angeht, aber ein Grossverteiler ist ein Grossverteiler ist ein Grossverteiler. Ich kenne die Konditionen des Deals Jucker-Coop nicht, gehe aber davon aus, dass die Seegräbner massive Einbussen bei der Marge hinnehmen müssen, was sie quersubventionieren durch die Werbewirkung der Coop-Präsenz, höhere Quantitäten und Erträge aus anderen Verkaufskanälen. Bin natürlich gerne bereit, das zu korrigieren, wenn mir jemand genaue Zahlen liefert…

Mit Pünktlisammeln allein bist du noch nicht WOW

September 19, 2015

MlekoEinkaufstourismus ist tatsächlich kein Kinkerlitzchen, 9 Milliarden Franken geben Schweizer Konsumenten ennet der Grenze alljährlich für allerhand Einkäufe vom Handtäschli übers Haarshampoo via Chateaubriand bis zum Brie aus, und warum nicht noch schnell ins Reisebüro? Höchste Zeit also für Gegensteuer aus der hiesigen Branche. Die landwirtschaftlichen Verbände sind hier an vorderster Ladenfront beteiligt.

Schon seit einigen Monaten lassen uns die Schweizer Milchproduzenten (SMP) auf den Produkten klebende Punkte sammeln, um heimisches Milchschaffen zu fördern. Bei genügendem Sammelstand können diese gegen Prämien eingetauscht werden, eine Art Direktzahlung in die andere Richtung, sofern einem das SMP-Täschli dann gefällt.

Nicht weniger als „WOW!“ ist man sodann bei der von Agro Marketing Suisse (AMS), dem Absatzförderungsverein der Schweizer Landwirtschaft massgeblich mitgeprägten Kampagne; natürlich nur, wenn man innerhalb der Grenzen einkauft, „well Sorg hebsch zur Schwiiz„, das ganze garniert mit einem aufwändigen Spot, mit einem der’s vormacht, wie musterhaftes Einkaufen geht, alles mit dem Velo auf kleinem Raum.

Beides sind sicher lohnenswerte Versuche. Der SMP gebärdet sich zwar etwas altväterisch, Pünktli sammeln mussten wir schon vor 40 Jahren für Mondo-Bücher, Konsummärggeli waren ebenso Alltag wie heute die Wertzeichen fürs Sammelheftli des Volg-Publikums. Aber warum nicht? Never change a winning Team, bzw. Marketingmethode.

„WOW“, seinerseits kommt gefällig und peppig daher, für mich jetzt fast ein wenig „übermarchet“, wie der Berner Bauer wohl sugte, aber vielleicht bin ich ja auch nicht im Kernzielpublikum, als einer, der immer brav heimisch kauft, jedenfalls fast.

Mal abgesehen von der Qualität der Kampagnen, die ich nicht wirklich fachmännisch beurteilen kann, scheint mir, dass sie am Kern des Problems vorbeischrammen, zumindest aus bäuerlicher Sicht. Das Problem ist ja für die meisten Produzenten, dass der Produktepreis und, um beim Beispiel zu bleiben, der Milchpreis nicht kostendeckend ist.

Dieser schlechte Preis hat aber nur sehr bedingt mit dem Einkaufstourismus und dem Einkauf ausländischer Milchprodukte in der heimischen Molkereiabteilung zu tun. Das Grundproblem ist, dass die Bauern als reine Rohstoffproduzenten viel zu wenig, nämlich unter 50 Prozent des Ladenpreises erhalten. Dieses Problem haben sie in ganz Europa, siehe die kürzliche Grossdemonstration in Brüssel, und darüber hinaus. Auch in Ländern wo Einkaufstourismus kein Thema ist, zB. England.

Ansetzen müssten die Verbände also anderswo: Wie schaffen es die Produzenten, sich einen grösseren Anteil an der Wertschöpfung zu holen? In diesem Artikel, der heute im LID-Mediendienst erschienen ist, wird schön beschrieben, wie schwierig es für die Produzenten ist, via Mengenausdehnung den Verdienst zu erhöhen bzw. in erster Linie mal die Fixkosten zu decken und die Investitionen abzuschreiben. Das belegt auch die stattliche Zahl von Grossbetrieben, die aus der Milchproduktion aussteigen, während kleinere Fische wie der Ueli-Hof im erwähnten Artikel Nischen suchen und bewirtschaften in denen sie bestens leben, weil sie selber verarbeiten, direkt vermarkten, an echte bäuerliche Genossenschaften liefern etc.

Schon klar, dass nicht jeder geeignet ist, ohne Hilfe selber zu verkäsen oder zu metzgen weil das Knowhow fehlt oder die Verkehrslage schlecht ist. Gerade deswegen bräuchte es hier den Support der Verbände. Man müsste die Bauern ertüchtigen, eine höhere Wertschöpfung zu generieren, statt Rabattsysteme für Konsumenten zu kreieren, die ohnehin schon zu wenig zahlen für die Lebensmittel. Das Problem ist wohl, dass man sich in diesem Fall mit der eigenen Klientel anlegen müsste. Zu den mächtigsten Mitgliedern der SMP gehören etwa die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), die ihrerseits Mehrheitsaktionärin von Emmi sind, die wiederum wenig Interesse daran haben dürfte, dass sich die Bauern verstärkt um das Schicksal ihres Produktes kümmern und ihr Marge abgraben.

Kritisch betrachten muss man vor diesem Hintergrund auch das Mantra von der produzierenden Landwirtschaft, das die Verbände, an vorderster Front der Dachverband ohne Unterlass beschwören. Natürlich müssen die Bauern produzieren, aber das reicht eben nicht, vielmehr müsste man das Mantra erweitern und wenn schon eine Initiative für produzierende UND verarbeitende UND direktverkaufende Landwirtschaft lancieren.

 

VollMundiges Versprechen, plötzlich zeitlos

September 1, 2015

Migros vorherKleines Aperçu aus dem Plakatwald: Mit viel Getöse hat Migros vor gefühlten drei Jahren die Greening-Kampagne Generation M lanciert. Sie besteht aus 61 Versprechen an die Jugend. Unter anderem hat man Jay, dem Bub auf der Strohballe dannzumal im Weltformat die Einführung der hohen Schweizer Tierwohl-Standards auf allen tierischen Importen bis 2020 versprochen.

Seit einigen Tagen ist Jay wieder stark präsent auf den Plakatwänden. Er ist etwas gealtert, markiert keck den Jungbauer samt Hund und Kuh. Das Sprüchli ist aber im Kern unverändert. Ausser zwei kleinen aber wichtigen Details: Die Jahreszahl fehlt und statt von „hohen Schweizer Tierwohl-Standards“ ist nurmehr von „Schweizer Tierschutz-Vorschriften“ die Rede.

Fazit: Offenbar ist man sich bei der Migros nicht mehr so sicher, ob das ambitiöse Ziel tatsächlich in den nächsten fünf Jahren zu erreichen ist, obschon man sich auf der Website unverändert optimistisch gibt. Dass sich die Verantwortlichen in der Migros-Zentrale am Zürcher Limmatplatz plakativ nicht mehr so weit zum Fenster raus lehnen mögen ist ein Indiz dafür, dass die Umstellung nicht so leicht zu bewerkstelligen ist, wie ursprünglich erwartet, was der Schweizer Landwirtschaft an sich kein schlechtes Zeugnis ausstellt.

Aber Obacht, für Euphorie besteht keinerlei Grund, sind doch die Schweizer Tierschutz-Vorschriften nicht berauschend, ich möchte daran erinnern, dass etwa im Rindermastbereich Auslauf-lose Vollspaltenbodenbuchten nach wie vor erlaubt sind, um nur ein Beispiel zu nennen. Deshalb braucht es für „hohe Tierwohl-Standards“ die Labels. Somit wird das Versprechen der Migros an Jay nicht nur punkto Zeitpunkt unverbindlicher, sondern auch inhaltlich verwässert.

Migros nachher

Aktenzeichen Verpackungsproblem, ungelöst

Juli 27, 2015

EmmentalerEs ist schon fast ein Ritual, jedes Semester geht’s mit dem Emmentaler AOP weiter bergab. Just dieser Tage sind wieder einmal die Halbjahres-Exportzahlen publiziert worden. Diesmal waren es gut 10 Prozent.

Ich weiss, es ist verdammt schwierig, den von wegen Eurokurs noch teurer gewordenen Käse auf den gesättigten ausländischen Märkten abzusetzen. Trotzdem müsste man sich gerade beim guten alten Schlachtross des Käseexports dringend einmal grundlegend Gedanken machen, was die Verpackung angeht.

Neulich in Kanada hat der Emmentaler so ausgesehen. Hand aufs Herz, würden Sie angesichts dieses Vakuum-verunstalteten Knautschkäses zugreifen wollen? Und sieht man auf der Verpackung irgendwas von Rohmilch, gewerblicher Verarbeitung, Identitäts-erzeugendem Schmuck? Fehlanzeige. Kein Wunder muss er mittels Aktion verschleudert werden.

Soll niemand sagen, dass es keine Alternativen gibt, einen Gorgonzola oder einen Brie, beides deutlich vergänglichere Produkte, verkauft man schliesslich auch nicht im Vakuum. Wie wäre es denn mit einer Plastik-Modelbox mit stabilen Wänden und einer schmucken Etikette, zum Beispiel mit einer Landschaftsszene aus dem landschaftlich weiss Gott nicht so üblen Emmental? Phantasie ist gefragt, meine Damen und Herren von Switzerland Cheese Marketing. Das Bild ist übrigens kein Einzelfall, auf jeder Auslandreise muss man sich solche Bilder ansehen. Tut richtig weh.

„Alpgeschichten“: Ein Juchz auf die Bergblogger

Juli 6, 2015

Hühner1Sie müssen jetzt nicht grad dem Tierschutz anläuten, liebe Leserinnen und Leser. Hier handelt es sich nicht etwa um eine neue Form der urbanen Qualhühnerhaltung sondern lediglich um eine Transportkiste, immerhin mit Aussicht. Sie hilft, die gefiederten Freundinnen und Eierproduzentinnen des Menschen auf die Alp zu transportieren. Die Menschen sind in diesem Fall Efraim und Martina.

SimmentalerliDie beiden bewirtschaften diesen Sommer (er zum wiederholten, sie zum ersten Mal) die Alp Steistoos der Familie Wampfler zwischen Lenk und Lauenen im Berner Oberland. Warum ich Ihnen das alles erzähle? Efraim (an den sich vielleicht einige erinnern, weil er mal mit diesem genialen Bild einen Preis im Agroblog-Wettbewerb abgezügelt hat) hat mir kürzlich wie folgt geschrieben:

 Hühner4„Ich gehe seit einigen Jahren im Obersimmental zBärg, dieses Jahr machen wir neben dem Käsen auch noch beim Alpgeschichten-Blog mit. Seit ein paar Jahren organisiert die Dachmarke Schweizer Alpkäse diesen Blog. Es ist eine schöne Art, Werbung für Alpkäse zu machen und die acht deutschsprachigen und zwei welschen Alpen zeigen dieses Jahr verschiedene Seiten der Alpwirtschaft auf. Da gibts Politisches (bei Haueter Christian von der Alp Morgeten zum Beispiel) aber auch einfach viele schöne (Kuh-)Bilder und Berichte aus dem Alltag zwischen dem Waadtland und Glarnerland. Ich finde: Wenn sich da Älpler schon die Mühe machen, den Laptop auf den Berg schleppen und mit den steifen Fingern über ihren Alltag berichten, dann solls doch auch von möglichst vielen Leuten gelesen werden. Darum rühre ich jetzt in meinem privaten und weniger privaten Umfeld ein wenig die Werbetrommel dafür. Magst du den Blog vielleicht auch deinen agrophilen Blog-Lesern schmackhaft machen? Irgendwo ein Plätzli für einen Link in einem Nebensätzli? Und falls man den Platz in deinem Blog mit einem Stück Käse oder einer Führung durch Stall und Käserei kaufen kann, da würden wir uns sicher einig…“

Dem gibt’s eigentlich fast nichts mehr beizufügen. Ausser, dass ich Ihnen liebe LeserInnen die Blogs sehr empfehlen und Dir Efraim natürlich herzlich danken möchte. Du kommst meiner letzthin in dieser Spalte waltenden Schreibfaulheit mit Deinem tiptoppen Text sehr entgegen und willst mir erst noch Käse dafür geben. Das freut mich natürlich und ich werde mir diesen gerne abholen. Ich bin ja als Journalist komplett unbestechlich, aber mit Alpkäse, sorry, lieber Presserat…

Ach ja, und da waren ja noch die Hühner, hier zur Beruhigung der allfällig erhitzten Gemüter noch das Bild nach dem Ausladen aus der Transportbox, da kannst selbst Du nichts gackern, Hansuli Huber, oder? Zwei von ihnen haben übrigens via Blogwettbewerb noch neue Namen erhalten: Fridah und Kokkoh. Als Preis gibt’s je ein Spiegelei. Das ist doch eine schöne Alpgeschichte.

Hühner2

 

Es läuft nicht Round für Glyphosat (& die Bauern?)

April 25, 2015

roundup-ultra-max-5lWie eine Chemiebombe hat Ende März im globalen Hilfsstoff-Business die Nachricht eingeschlagen, dass das Internationale Krebsforschungsinstitut IARC, eine Agentur der WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ („probably carcinogenic“) taxiert hat. Die Aufruhr ist nachvollziehbar: Der Totalherbizid-Wirkstoff ist für Branchenprimus und Erfinder Monsanto (Markenname Roundup) und zahlreiche Nachahmer viel mehr als ein Bestseller.

Glyphosat bildet das Rückgrat einer Strategie, mit der die Industrie in den letzten 20 Jahren Milliarden verdient hat. Die Interaktion mit den gegen Glyphosat resistenten („Roundup-ready“) Kulturpflanzen, namentlich Soja und Mais, ist seit den 1990er Jahren das erfolgreichste Geschäftsmodell der Branche. Es hat beispielsweise auf dem südamerikanischen Kontinent zu einer kompletten Umstrukturierung der Landwirtschaft geführt.

Die tubelisicheren Verdienstmöglichkeiten mit dem flächendeckenden Anbau des Cash-Crops hat die Rinderzucht ebenso verdrängt wie Spezialkulturen. Mit diesen arbeitsintensiven Landwirtschafts-Sektoren kam auch die ländliche Bevölkerung unter Druck, da zehntausende von Jobs verschwanden, das Resultat ist eine verstärkte Landflucht. Diejenigen die blieben tragen die Konsequenzen oft in Form von gesundheitlichen Auswirkungen. Mehr dazu zum Beispiel hier und hier.

Angesichts der starken Abhängigkeit der Firma von Glyphosat-Umsätzen ist es wenig erstaunlich, dass Monsanto mit einem Kommunikationsoffensive auf die Taxierung der IARC reagiert hat, unter anderem mit dieser ziemlich agressiven Mitteilung und einem wahren Twitter-Gewitter. Hauptaussage: Glyphosat ist sicher, das ist dutzendfach wissenschaftlich bestätigt und das IARC hat alte Daten falsch und voreingenommen interpretiert.

Es steht ja auch viel auf dem Spiel für Monsanto, nicht nur in Südafrika und in den USA, sondern auch auf dem europäischen Kontinent, wo Roundup ebenfalls sehr flächendeckend zum Einsatz kommt, sei es als klassisches Herbizid oder zur Abtötung von Getreide zwecks gleichmässiger Abreifung der Körner kurz vor der Ernte. Über den weltweiten Verbrauch gibt es nur Schätzungen, die teilweise eine Million Tonnen jährlich überschreiten. Allein in den USA wurden 2012 128’000 Tonnen eingesetzt, in der Schweiz geht man von rund 300 Tonnen jährlich aus, das ist über ein Drittel des gesamten Herbizidverbrauchs von 800 Tonnen jährlich. Hauptproblem dieses Grosseinsatzes ist neben den möglichen Gesundheitsschäden die Zunahme der Resistenzen gegen das Pestizid. Dieser Artikel spricht von weltweit 32 resistenten Unkräutern. Dies wiederum führt dazu, das in Ländern wie Argentinien alte verpönte Substanzen wie Atrazin und 2,4-D, ein vietnamerprobtes Entlaubungsmittel wieder verstärkt zum Einsatz kommen.

Weltweit haben die Neuigkeiten die Behörden zumindest ansatzweise aufgescheucht, selbst in den ansonsten sehr Pestizidfreundlichen USA warnt die  Umweltbehörde EPA unterdessen vor übermässigem Glyphosat-Einsatz und listet auf, was an Gesundheitsschäden sonst noch so alles droht durch Glyphosat: „Verstopfung der Lunge, Nierenschäden, Fortpflanzungseffekte.“ Nicht sonderlich vertrauenserweckend. Weiter zeigen diverse Studien verheerende Auswirkungen auf die Fauna, zum Beispiel Amphibien.

Was beabsichtigt man zu tun in heimischen Gefilden mit der problematischen Substanz? Vorläufig nichts, es liege erst die Kurzfassung der Studie vor und man kenne deren Grundlage nicht, heisst es beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Nichts gehört zum Thema Glyphosat hat man bisher aus bäuerlichen Kreisen, die den Löwenanteil der 300 Tonnen versprühen. Bei früheren Gelegenheiten, etwa als man vor Jahresfrist von der EAWAG damit konfrontiert wurde, dass Schweizer Oberflächengewässer mit einem „Pestizidcocktail“ dotiert sind hiess es, man müsse vertieft abklären, woher die Rückstände kämen und wie sie in die Flüsse gelangten. Kurze Zeit später betonte man nach einem nationalen Workshop zum Thema Pflanzenschutz, man dürfe diesen „nicht verteufeln“ und begründete den Bedarf mit dem Bedarf nach perfekter Ware in den Läden.

Dass es ohne Pflanzenschutz nicht geht, ist eine Binsenwahrheit, auch für Biobauern nota bene. Aber es es reicht nicht, beim Bekanntwerden von Umweltschäden und Gesundheitsrisiken durch gewisse Substanzen die Hände in den Schoss zu legen und den Verzicht auf Massnahmen damit zu begründen, dass Konsumenten keine Äpfel mit Schorfflecken essen und dass die Hobbygärtner ebenfalls spritzen. Ich denke, dass es langsam Zeit wäre für ein etwas proaktiverer Umgang der Bauern mit diesem Problem, denn wenn es die Branche nicht selber tut, werden Behörden und Gesetzgeber früher oder später die Zügel anziehen und den Verbrauch von zB. Glyphosat einschränken, wenn nicht gar verbieten (so wie es die Pro Natura bereits fordert). Die Bauern werden dann wieder einmal am Pranger stehen als Umweltverschmutzer, die seit Jahren abwiegeln und nichts unternommen haben.


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