ByeBye Bioaktuell, und ein kleines Best-of

November 17, 2015

Bioaktuell1Nach gut zwei Jahren habe ich Ende Oktober das FiBL verlassen und in Bern bei der BauernZeitung angeheuert. Es war eine tolle Zeit in Frick: Gute Leute, schöne Umgebung und – besonders wichtig für einen Agrarjournalisten natürlich – viele gute Geschichten in der Luft für eine Verwertung im Bioaktuell, wo man als Redaktor tätig war.

Längst nicht alle Geschichten konnten dann auch dingfest gemacht werden, aber ein paar Sachen kamen noch recht gut, hier zum Abschied (m)ein kleines Best-of aus der Bioaktuell-Zeit.

Zum Anfang die obenstehende Geschichte, wo es um Ausbildung ging, sie gefiel mir vor allem weil es die erste war, und weil sie schon mal zeigte, was sich da im Biolandbau für ein unterhaltsamer Menschenschlag tummelt. Hier geht es zum Artikel.  (Bild Monika Flückiger)

Bioaktuell1bAn dieser hier hatte ich vor allem Freude, weil es ein Primeur war, wenn ich mich richtig erinnere. Er hat zwar niemand anderes in der Medienwelt gross interessiert, aber in der Bioszene hats schon ein bisschen Staub aufgewirbelt, das Thema. Und schön war natürlich auch, das eigene Bild auf dem Titel zu haben, danach haben wir eigentlich fast nur noch mit Profis gearbeitet, was sich gut bewährt hat. Hier geht’s zur Geschichte und hier zum Editorial.

Bioaktuell3Diese Titelstory hat mir gefallen, weil der Umgang mit dem technologische Fortschritt eines der grossen Themen ist für den Biolandbau. Es war spannend hier ein bisschen die Nase in den Wind zu halten, das FiBL, ist hier vor allem dank Capo Urs Niggli (der glaub ich auch den Terminus Bio 3.0 kreiert hat) bis heute federführend und damit letztlich auch themengebend für die nächste Biofach in Nürenberg.

Cool fühlten wir uns mit dieser Geschichte natürlich auch, weil wir unser Coverkonzept für einmal umstürzten mit dem Bibeli auf weissem Hintergrund. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial von meinem Ex-Boss Markus (danke für die gute Zusammenarbeit und Deine Geduld bei the way:).

Bioaktuell3aDie verschmähten Kälber sind mir als Viehfreund natürlich besonders ans Herz gewachsen. Der grösste Teil der männlichen Jungtiere aus der Biomilchproduktion geht direkt in den konventionellen Kanal und damit ins Antibiotikacamp, kein guter Imagefaktor für die Knospe und Co. Optisch toll natürlich wie alles von ihr das Titelfoto von Marion Nitsch. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell4Pferdearbeit ist einfach ein tolles Thema, bildträchtig, nachhaltig, bodenschonend, ruhig, enge Zusammenarbeit von Mensch und Tier. An David Michel hat mir auch gefallen, dass er gemeinsam mit einem deutschen versucht, die old School Geräte derart weiterzuentwickeln, dass sie den technischen Standards der heutigen Zeit entsprechen. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell5Dieses Cover hier, darauf haben wir lange hingearbeitet, es war das erste Heft im neuen Layout und natürlich noch nicht alles perfekt, aber ein sehr gutes Gefühl wars schon, als das erste Exemplar zur Druckmaschine am Bodensee rauskam. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial (merci übrigens Tom für das coole Bild, you’re the best!).

Bioaktuell6Diese Story ist mir vor allem positiv in Erinnerung weil wir zum Bild einen Wettbewerb machten und die Kundschaft fragten, was wohl auf dem Blech liege. Es waren getrocknete Kiwis und innerhalb von paar Tagen schickten über 100 LeserInnen die richtige Antwort ein, obwohl das Fräglein weit hinten und nur klein placiert war. Das hat uns sehr gefreut, weil es zeigte, dass das Heft sehr genau und gut gelesen wird. Merci liebe LeserInnen! Hier geht’s zum Artikel, und hier zum Editorial.

Bioaktuell8Spermasexing, das war auch eine interessante Recherche. Letzte Woche ist der Antrag der Befürworter an der Bio Suisse-DV abgelehnt worden, gute Sache, finde ich, wäre wiederum imagemässig wohl nicht so gut gekommen. Und natürlich auch wieder ein tolles Titelbild, wenn ich mich richtig erinnere von Monika Flückiger. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell9Auch GMF sorgt für heisse Köpfe, die Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, ein neues Direktzahlungs-Bundesprogramm, das einen maximalen Kraftfutteranteil vorschreibt (Details siehe Artikel). Im Biolandbau hat man sich bisher noch nicht für ein Obligatorium entscheiden, der Mais ist schuld.

Bioaktuell10Hier haben wir wieder mal eine Innvoation gemacht, beziehungsweise unsere auch zeichnerisch sehr begabte Grafikerin Simone Bissig. Eine sehr coole Illustration für eine Standard-Geschichte: Wahlen halt. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell7Und zum Schluss noch eins, das mir paar schlaflose Nächte gekostet hat, mein sonst immer zuverlässiger Grafikerkollege Daniel war grad in Afrika und sonst niemand da, der das InDesign hätte bedienen können. Also kam ich Ahnungsloser in die Kränze, ein rechter Murks, aber irgendwann kam dann doch noch ein Heftli raus.

Das wärs also, aber ganz zum Schluss auch noch merci vilmal an alle anderen bisher noch nicht erwähnten von unserem Bioaktuellteam: Power-Petra für supi-Verlagsleitung, Erika für Übersicht im Inseratedschungel, Steffi für stets aktuelle Agenda, Theresa für ruhige Hand und sicheres Auge, Leonore für Argumente und Fakten, Deborah für die schnellste Auffassungsgabe aller Zeiten, Carmen für coole Porträts, Frau Humm, die für Krebs viel Arbeit aufwenden musst, Manuel und Regula für traduction / traduzione und Res, Old Shatterhand der Beratung für immer zuverlässiges Online-Management!

Getarnter Grossverteiler: Das Hofsupermärktli

Oktober 21, 2015

CoopHeute morgen beim Hochgeschwindigkeits-Durchblättern der „Coopzeitung“ plötzlich gestutzt: „Machen die jetzt auf reduziertes Packungsdesign?“ fragt sich das noch etwas matte Hirn reflexartig. Ah nein, melden die langsam in Fahrt kommenden grauen Zellen, da handelt es sich um Produkte vom Juckerhof, dem Königreich der Direktvermarkter, so erfolgreich, dass in der Standortgemeinde Seegräben ZH seit Jahren über die Art der Bewältigung des lawinenartigen Verkehrsaufkommens vom und  zum „Erlebnishof“-Gelände gestritten wird.

Die Jucker-Kürbisse gibt’s ja schon länger bei Coop (übrigens fein, grad gestern aus einem Exemplar eine Suppe gebastelt), aber dass mir nun auch noch der halbe Hofladen aus der Hauspostille des Grossverteilers entgegenleuchtet, gibt doch ein wenig zu denken. Nicht dass ich den tüchtigen Jucker-Brüdern den Erfolg und den zusätzlichen Umsatz missgönnen würde. Aber wenn man sich das ein bisschen genauer überlegt, ist es schon eine ziemliche Perversion des Direktvermarktungsgedankens.

Ursprünglich war ja diese Art des Verkaufs dazu gedacht, den Zwischenhandel für einen – mikrobiell kleinen – Teil des Marktes auszuschalten und eine direkte Brücke von den Produzentinnen zu den Konsumentinnen zu schlagen. Damit kann der Primärsektor nicht nur die Marge erhöhen, sondern auch den Austausch mit den Kunden pflegen, in beiden Richtungen: Rückmeldungen zur Qualität der Produkte aus erster Hand und Schaffen von gegenseitigem Verständnis aufgrund dem Wissen um Sorgen und Bedürfnisse.

Das wachsende Bedürfnis, nicht nur ennet der Grenze, sondern auch regional einzukaufen ist natürlich auch den Marketingstrategen der Grossverteiler nicht entgangen. Mit ihren Programmen „Aus der Region – Für die Region“ (Migros)  sowie „Miini Region“ (Coop) versuchen sie dieses seit einigen Jahren zu befriedigen. Davon profitieren wir durchaus, so habe ich etwa dank dem Migros-Programm den weltbesten Grossverteiler-Anke von der Molkerei Neff in Wald entdeckt.

Trotzdem kann ich mich nicht richtig freuen, wenn jetzt der Grossverteiler auch noch die landwirtschaftliche Direktvermarktung als Teil des Portefeuilles zu betrachten beginnt. Das Inserat verspricht eine Hofladen-Atmosphäre und Nähe zur Scholle, die ein Grossunternehmen schon strukturell bedingt nie wird einlösen können, eben gerade weil er kein Direktvermarkter sondern ein Zwischenhändler ist, und damit genau derjenige, der in diesem System für einmal zurückstehen müsste.

Coop und Migros haben durchaus Verdienste, was die Förderung einer bäuerlichen nachhaltigen Landwirtschaft angeht, aber ein Grossverteiler ist ein Grossverteiler ist ein Grossverteiler. Ich kenne die Konditionen des Deals Jucker-Coop nicht, gehe aber davon aus, dass die Seegräbner massive Einbussen bei der Marge hinnehmen müssen, was sie quersubventionieren durch die Werbewirkung der Coop-Präsenz, höhere Quantitäten und Erträge aus anderen Verkaufskanälen. Bin natürlich gerne bereit, das zu korrigieren, wenn mir jemand genaue Zahlen liefert…

Manifique: Cows with a view

Oktober 12, 2015

Greekcow3Recently on the Mani-Peninsula in Greece: A few cows and heifers with a pretty amazing view, they didn’t seem to care much about it, though.

Unfortunately, I can’t tell you much about greek or peleponnesian agriculture, the focus was on chilling out (very recommendable place for this purpose!).

Just a few notes: Lots, really lots of olive trees. The Kalamata area that includes parts of Mani is Greece’s main olive oil production zone.

There were hardly any sheep or cows around, so I assume, that the milk production is not important on Mani, not surprisingly, it’s very dry here and rather hard to feed cows. Those here were pretty much on their own. The second time we saw them, they were on the way home, unaccompanied.

Except for some bigger olive oil operations, farming is predominantly small scale. But most of the olive farmers are to small for big presence on the markets. The austrian Company Bläuel hat taken this niche and collects oil from different producers which is then exported, eg. to Migros in Switzerland.

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Monikas Kuhsommer

Oktober 5, 2015

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Meine treue Kuhbildlieferantin Monika Schlatter hat mich auch diesen Sommer nicht hängenlassen. In regelmässigen Abständen schickte sie mir Bilder von allerlei Wanderungen mit Kuhbegegnungen aller Art. Hier ein Best-of mit Originalkommentaren und ganz herzlichem Dank!

„Lassen sie uns durch oder nicht, das scheint hier die Frage zu sein… Um der Hitze zu entfliehen wanderten wir kürzlich u.a. vom Chäserrugg zur Gamsalp hinunter, wo auch diese Aufnahme entstand. Und ja, es war diesmal kein Problem, die Kühe waren friedlich, die sind an die Touristen gewöhnt! (18. Juli)

Monicow2a„Endlich wieder mal ‚richtige‘ Kühe, mit und ohne Hörner, aber allesamt Knochengestelle… Ich ging gestern von Braunwald über die Bösbächi Alp (der junge Alpkäse ist hervorragend!) zum Oberblegi-See und hinunter nach Luchsingen!“ (29. Juli)

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„Heute kann ich dich mit ‚Action‘ Bildern beliefern. Ich war gestern in den Flumserbergen unterwegs und habe sämtliche untenstehenden (bzw. obenstehenden, die Red.) Bilder unterhalb des Prodkamm aufgenommen! Um den Mutterkühen ausweichen zu können, war zum Glück genügend Platz vorhanden!! Zu welcher Rasse gehören die schwarzgrauen Kühe?? Die Alpenflora dort oben (Zigerfurgglen) ist zur Zeit ebenfalls wunderschön!“ (1. August)

„Am vergangenen Mittwoch wagte ich mich nochmals auf Wanderpfade – aber nun ist es mir definitiv zu heiss geworden….. Hier nochmals zwei Kuhbildli, aufgenommen unterhalb des Hohen Kastens – diese Herde hat anscheinend grad in eine höhere grasigere Gegend gewechselt!…“ (8. August)

Monicow8Amsoldingen

Monicow9Niederhorn mit Sigriswiler Rothorn.

Monicow11Vom Niederhorn mit Blüemlisalp.

„Unten (bzw. in dem Fall oben, die Red.) habe ich dir ein paar Bildli aus dem Berner Oberland. Wir waren Fr/Sa bei Freunden in Amsoldingen und sind am Freitag von Adelboden über Sillerenbühl und Hahnenmoos an die Lenk gewandert sowie gestern von Niederhorn nach Habkern (wunderbarer Alpkäse!!!). Vielleicht kannst Du die Föteli brauchen?“ (23. August) Aber de scho sicher!

Monicow14Monicow16Monicow17„Gestern waren wir auf dem Walenpfad wandern. Erfreulich, wie touristenfreundlich die Älpler dort oben sind, siehe untenstehende (bzw obenstehende, Red.) Bilder!“ (27. August)

„Ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich dir in letzter Zeit ein wenig oft Kuh-Fotos schicke… hier noch ein paar Dexter-Kühe von meinem Veloausflug heute morgen auf dem Schlieremer Berg (morgens um 7h ist die Welt noch in Ordnung!…)“ (30. August)

Monicow20Monicow23 Monicow19Überhapt nicht, liebe Wanderfotografin, Du darfst mir gerne noch mehr schicken! Wer übrigens die von Monika gestellte Frage als ersteR richtig beantwortet, kann im Vorbeigehen einen Preis abstauben, viel Glück! (Alle Bilder Monika Schlatter)

Mit Pünktlisammeln allein bist du noch nicht WOW

September 19, 2015

MlekoEinkaufstourismus ist tatsächlich kein Kinkerlitzchen, 9 Milliarden Franken geben Schweizer Konsumenten ennet der Grenze alljährlich für allerhand Einkäufe vom Handtäschli übers Haarshampoo via Chateaubriand bis zum Brie aus, und warum nicht noch schnell ins Reisebüro? Höchste Zeit also für Gegensteuer aus der hiesigen Branche. Die landwirtschaftlichen Verbände sind hier an vorderster Ladenfront beteiligt.

Schon seit einigen Monaten lassen uns die Schweizer Milchproduzenten (SMP) auf den Produkten klebende Punkte sammeln, um heimisches Milchschaffen zu fördern. Bei genügendem Sammelstand können diese gegen Prämien eingetauscht werden, eine Art Direktzahlung in die andere Richtung, sofern einem das SMP-Täschli dann gefällt.

Nicht weniger als „WOW!“ ist man sodann bei der von Agro Marketing Suisse (AMS), dem Absatzförderungsverein der Schweizer Landwirtschaft massgeblich mitgeprägten Kampagne; natürlich nur, wenn man innerhalb der Grenzen einkauft, „well Sorg hebsch zur Schwiiz„, das ganze garniert mit einem aufwändigen Spot, mit einem der’s vormacht, wie musterhaftes Einkaufen geht, alles mit dem Velo auf kleinem Raum.

Beides sind sicher lohnenswerte Versuche. Der SMP gebärdet sich zwar etwas altväterisch, Pünktli sammeln mussten wir schon vor 40 Jahren für Mondo-Bücher, Konsummärggeli waren ebenso Alltag wie heute die Wertzeichen fürs Sammelheftli des Volg-Publikums. Aber warum nicht? Never change a winning Team, bzw. Marketingmethode.

„WOW“, seinerseits kommt gefällig und peppig daher, für mich jetzt fast ein wenig „übermarchet“, wie der Berner Bauer wohl sugte, aber vielleicht bin ich ja auch nicht im Kernzielpublikum, als einer, der immer brav heimisch kauft, jedenfalls fast.

Mal abgesehen von der Qualität der Kampagnen, die ich nicht wirklich fachmännisch beurteilen kann, scheint mir, dass sie am Kern des Problems vorbeischrammen, zumindest aus bäuerlicher Sicht. Das Problem ist ja für die meisten Produzenten, dass der Produktepreis und, um beim Beispiel zu bleiben, der Milchpreis nicht kostendeckend ist.

Dieser schlechte Preis hat aber nur sehr bedingt mit dem Einkaufstourismus und dem Einkauf ausländischer Milchprodukte in der heimischen Molkereiabteilung zu tun. Das Grundproblem ist, dass die Bauern als reine Rohstoffproduzenten viel zu wenig, nämlich unter 50 Prozent des Ladenpreises erhalten. Dieses Problem haben sie in ganz Europa, siehe die kürzliche Grossdemonstration in Brüssel, und darüber hinaus. Auch in Ländern wo Einkaufstourismus kein Thema ist, zB. England.

Ansetzen müssten die Verbände also anderswo: Wie schaffen es die Produzenten, sich einen grösseren Anteil an der Wertschöpfung zu holen? In diesem Artikel, der heute im LID-Mediendienst erschienen ist, wird schön beschrieben, wie schwierig es für die Produzenten ist, via Mengenausdehnung den Verdienst zu erhöhen bzw. in erster Linie mal die Fixkosten zu decken und die Investitionen abzuschreiben. Das belegt auch die stattliche Zahl von Grossbetrieben, die aus der Milchproduktion aussteigen, während kleinere Fische wie der Ueli-Hof im erwähnten Artikel Nischen suchen und bewirtschaften in denen sie bestens leben, weil sie selber verarbeiten, direkt vermarkten, an echte bäuerliche Genossenschaften liefern etc.

Schon klar, dass nicht jeder geeignet ist, ohne Hilfe selber zu verkäsen oder zu metzgen weil das Knowhow fehlt oder die Verkehrslage schlecht ist. Gerade deswegen bräuchte es hier den Support der Verbände. Man müsste die Bauern ertüchtigen, eine höhere Wertschöpfung zu generieren, statt Rabattsysteme für Konsumenten zu kreieren, die ohnehin schon zu wenig zahlen für die Lebensmittel. Das Problem ist wohl, dass man sich in diesem Fall mit der eigenen Klientel anlegen müsste. Zu den mächtigsten Mitgliedern der SMP gehören etwa die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), die ihrerseits Mehrheitsaktionärin von Emmi sind, die wiederum wenig Interesse daran haben dürfte, dass sich die Bauern verstärkt um das Schicksal ihres Produktes kümmern und ihr Marge abgraben.

Kritisch betrachten muss man vor diesem Hintergrund auch das Mantra von der produzierenden Landwirtschaft, das die Verbände, an vorderster Front der Dachverband ohne Unterlass beschwören. Natürlich müssen die Bauern produzieren, aber das reicht eben nicht, vielmehr müsste man das Mantra erweitern und wenn schon eine Initiative für produzierende UND verarbeitende UND direktverkaufende Landwirtschaft lancieren.

 

Ein Suppenhuhn als Sonntagsbraten…

September 12, 2015

Suppenhuhn…wär doch (wieder) mal was, oder? Dieses Modell stammt von den Fiechter-Sisters, die jeden Freitag auf dem Helvetiaplatz und jeden Samstag in Oerlikon, beides in Zürich zu Markte fahren mit ihren Fleischspezialitäten. Hier sieht man das Huhn in den Töpfen von Frau James vom Reverbmusicblog, die mehr kann als über Sound schreiben!

Das Suppenhuhn ist ja nicht nur lukullisch sondern auch politisch korrekt. Pro Jahr sollte jedeR Eieresserin eins verzehren, es lohnte sich bisher noch jedesmal.

Dieser Post ist übrigens so etwas wie die Fortsetzung der 2012 hier lancierten Aktion „Suppenhuhn in Action“. Hier geht’s zum Post samt ein paar Backgrounds zum Hühnervogel.

Einen Guten Appetit allerseits! (Bild Helen James)

PS. Herzlichen Dank für diese Ergänzung samt Hühnerwurstbild zum Beitrag von Thomas Muff aus Härkingen!
„Wir sind hier im Einfamilienhausquartier und halten uns unsere 4 – 6  Hühner, auf Ostern brüten wir gerne unsere Küken selber aus. Auch schon haben wir einen Güggel nachgenommen, aber als der Nachwuchs da war durfte er dann die Herde wechseln, war dann doch nicht so quartiertauglich…auf jeden Fall sein Geräuschpegel nicht. Nun ja, die Altehennen hatten wir bis anhin gekocht…als ein Kollege mich zu einem Wurst- und Rauchkurs mitnahm, entstand die Idee, die Althennen zu verwursten (Bratwurst). Dass sie platzsparender gelagert werden können, paarweise aufgetaut werden und einige Personen weniger Hemmungen haben das Fleisch zu essen sind nur ein paar der Vorteile aus meiner Sicht.“
Suppenhuhnwurstbild klein

 

VollMundiges Versprechen, plötzlich zeitlos

September 1, 2015

Migros vorherKleines Aperçu aus dem Plakatwald: Mit viel Getöse hat Migros vor gefühlten drei Jahren die Greening-Kampagne Generation M lanciert. Sie besteht aus 61 Versprechen an die Jugend. Unter anderem hat man Jay, dem Bub auf der Strohballe dannzumal im Weltformat die Einführung der hohen Schweizer Tierwohl-Standards auf allen tierischen Importen bis 2020 versprochen.

Seit einigen Tagen ist Jay wieder stark präsent auf den Plakatwänden. Er ist etwas gealtert, markiert keck den Jungbauer samt Hund und Kuh. Das Sprüchli ist aber im Kern unverändert. Ausser zwei kleinen aber wichtigen Details: Die Jahreszahl fehlt und statt von „hohen Schweizer Tierwohl-Standards“ ist nurmehr von „Schweizer Tierschutz-Vorschriften“ die Rede.

Fazit: Offenbar ist man sich bei der Migros nicht mehr so sicher, ob das ambitiöse Ziel tatsächlich in den nächsten fünf Jahren zu erreichen ist, obschon man sich auf der Website unverändert optimistisch gibt. Dass sich die Verantwortlichen in der Migros-Zentrale am Zürcher Limmatplatz plakativ nicht mehr so weit zum Fenster raus lehnen mögen ist ein Indiz dafür, dass die Umstellung nicht so leicht zu bewerkstelligen ist, wie ursprünglich erwartet, was der Schweizer Landwirtschaft an sich kein schlechtes Zeugnis ausstellt.

Aber Obacht, für Euphorie besteht keinerlei Grund, sind doch die Schweizer Tierschutz-Vorschriften nicht berauschend, ich möchte daran erinnern, dass etwa im Rindermastbereich Auslauf-lose Vollspaltenbodenbuchten nach wie vor erlaubt sind, um nur ein Beispiel zu nennen. Deshalb braucht es für „hohe Tierwohl-Standards“ die Labels. Somit wird das Versprechen der Migros an Jay nicht nur punkto Zeitpunkt unverbindlicher, sondern auch inhaltlich verwässert.

Migros nachher

Kornelkirschen holen Ordner ab

August 24, 2015

Bestechungsgeschenk

Wenn so etwas vor der Türe steht ist einer wie ich natürlich schnell bestochen. Drum hat Elisabeth Oakeshott gewonnen (herzliche Gratulation!) und die Einmachbibel „eingemacht, selbstgemacht, feingemacht“ (sie letzten Post) eine neue Heimat.

Das Objekt der Begierde bzw. Bestechung sind stilecht eingemachte Kornelkirschen „aus dem Garten eines liebenswürdigen Kochs im Zürcher Weinland“, wie mir Elisabeth schreibt. „Besorgt um das Wohlergehen seiner Liebsten erntet und kocht der gute Pavel was er nur kann, um damit meine langen Abende am Computer zu versüssen, mir wieder Frische und Energie zu verleihen“. Das kann auch unsereinem nichts schaden, drum umso lieberen Dank für die nette Gabe Euch beiden, der Ordner wird Euch sicher noch Mehr(einmach)arbeit bescheren;-)

Den zweiten Preis holt fast exaequo Monika Schlatter, die nicht nur umsichtig Kühe, sondern auch spektakulär Gonfi fotografieren kann, wie ihr Helgen weiter unten zeigt. Der könnte, grösser aufgezogen glatt als Kunst Karriere machen, kein Wunder, ist doch auch gut einmachen nicht weniger als eine Kunst. Danke auch Dir herzlich, Monika! Da ich leider nur einen Ordner habe, kriegst Du bald einen noch nicht definierten Preis, hoffentlich nützlicher als eine Silbermedaille…

Süsses Beziehungsdelikt

August 15, 2015


Ich gebe zu: Das ist ein Beziehungsdelikt, nein, natürlich nichts anzügliches, nur Journalistenjargon für eine Geschichte eingehüllt in etwas Filz.

Die geht so: Meine Kollegin Esther Thalmann arbeitet bei Agridea und ist Co-Autorin von „selbstgemacht, eingemacht, feingemacht„. Das ist nicht eines dieser trendy Lifestyle Countrcooking Coffeetablebooks, sondern ein handfestes Standardwerk für die Nahrungsmittelkonservierung mit tiefer Verwurzelung in der bäuerlichen Vorratshaltung. Der ziemlich voluminöse Ordner, den man praktischerweise auch modular in Einzelteilen bestellen kann, ist soeben in 4. Auflage erschienen und Esther hat mich gefragt, ob ich nicht  ein bisschen Reklame machen könnte dafür.

Aber sicher doch: so umfassend und ohne Firlefanz wird man wohl nur wenigenorts ins Eingemachte und anderweitig Konsevierte eingeführt. Das ist nice to have in einer Zeit, wo jeder Student seine eigene Gonfi aus Wildbeeren vom Bahndamm bastelt.

Man kann das Ding natürlich an dieser Stelle auch gewinnen, da mir Esther lieberweise ein Exemplar hat zukommen lassen. Der Wettbewerb geht wie folgt: wer mir das schönste Bild vom Selbereingemachten auf adimali@gmx.ch schickt, is the winner. Natürlich darf man mir, filzig wie das ganze aufgezogen ist, auch ein Glas Gonfi oder eine selber gefüllte Wurst schicken. Damit verbunden grad noch eine kleine Privatadressenänderung: Neugasse 140, 8005 Zürich. Besten Dank zum Voraus an alle BestecherInnen!-) (Bild oben: Heisseingefüllte Köstlichkeiten vom Gartenkurs am Bäuerlichen Bildungszentrum Wallierhof, made by Markus Bühler-Rasom)

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Aktenzeichen Verpackungsproblem, ungelöst

Juli 27, 2015

EmmentalerEs ist schon fast ein Ritual, jedes Semester geht’s mit dem Emmentaler AOP weiter bergab. Just dieser Tage sind wieder einmal die Halbjahres-Exportzahlen publiziert worden. Diesmal waren es gut 10 Prozent.

Ich weiss, es ist verdammt schwierig, den von wegen Eurokurs noch teurer gewordenen Käse auf den gesättigten ausländischen Märkten abzusetzen. Trotzdem müsste man sich gerade beim guten alten Schlachtross des Käseexports dringend einmal grundlegend Gedanken machen, was die Verpackung angeht.

Neulich in Kanada hat der Emmentaler so ausgesehen. Hand aufs Herz, würden Sie angesichts dieses Vakuum-verunstalteten Knautschkäses zugreifen wollen? Und sieht man auf der Verpackung irgendwas von Rohmilch, gewerblicher Verarbeitung, Identitäts-erzeugendem Schmuck? Fehlanzeige. Kein Wunder muss er mittels Aktion verschleudert werden.

Soll niemand sagen, dass es keine Alternativen gibt, einen Gorgonzola oder einen Brie, beides deutlich vergänglichere Produkte, verkauft man schliesslich auch nicht im Vakuum. Wie wäre es denn mit einer Plastik-Modelbox mit stabilen Wänden und einer schmucken Etikette, zum Beispiel mit einer Landschaftsszene aus dem landschaftlich weiss Gott nicht so üblen Emmental? Phantasie ist gefragt, meine Damen und Herren von Switzerland Cheese Marketing. Das Bild ist übrigens kein Einzelfall, auf jeder Auslandreise muss man sich solche Bilder ansehen. Tut richtig weh.


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