Altes Tiger-Klischee, zum Feiern aufgewärmt

April 12, 2015

StadionMan soll ja nicht unbedingt alte Klischees zementieren, aber eines davon ermöglicht es mir, hier endlich einmal eines meiner an sich eher landwirtschaftsfernen Lieblingsthemen auf den Plan zu bringen: Eishockey und die SCL Tigers. Nach zirka 43 Jahren Fantum und 39 Jahre nach dem ersten, einzigen und (vorläufig) letzten Meistertitel, gab es diese Woche wieder einmal etwas zu feiern: Den Aufstieg in die NLA (für NichtSchweizerInnen: die erste Division). Das haben wir denn auch ausgiebig getan.

HolidayAber zuerst zum alten Klischee von den Langnauern als Bauern. Aufwachsend in Muri bei Bern mit Meisterposter ’76 über der Bettstatt war es nicht immer einfach, Langnaufan zu sein. Wie oft musste man sich anhören, die Bauernknüttel hätten wieder gäbig versagt am Wochenende. Nur ab und zu konnten wir in den Jahren nach dem Meistertitel den verwöhnten Stadtbubis, als die wir sie gerne betrachteten, die Hühner einzutun. Am schönsten war es immer, wenn “wir” im Allmendstadion den Mist führen konnten. So ist mir etwa ein Buebetrickli des legendären Rolf Tschiemer unvergesslich, das vor ausverkaufter Hütte in der Schlussminute in Bern das 3:4 für den damals noch nicht neumödig Tigers heissenden Schlittschuhclub Langnau bedeutete.

JublenHeute ist Langnau längst kein Bauerndorf mehr, sondern ein lebendiges Regionalzentrum mit kräftigem linksgrünen Bevölkerungsanteil (drei von neun GemeinderätInnen, darunter der Präsident sind von der SP) und städtchengerechter Infrastruktur. Aber klar, noch immer ist das Umland bäuerlich-gewerblich geprägt und es war am Donnerstag aus dem Zug schön zu sehen, wie die Subarus und andere Mittelklass-Offroader in einer eigentlichen Sternfahrt dem Zentrum zustrebten, jeder zweite mit einem SCL-Wimpel am Rückspiegel.

2260758_pic_970x641Sowieso war es schön, letzten Donnerstag. Dank dem Tigers-Medienchef Rolf Schlapbach, der in meiner Tigerherzkammer künftig einen Ehrenplatz haben wird, war es mir vergönnt (erstmals) im neuen Stadion zu sein. Und das ausgerechnet an diesem historischen Abend. Das neue Ilfisstadion ist schmuck. Nicht protzig, immer noch ein wenig Viehausstellungscharme dank dem vielen Holz aber Top-Infrastruktur, von aussen nett anzuschauen und innen klein aber fein (6050 Zuschauerplätze) und gute Sicht aufs Spielfeld.

KlausAufstiegsfeierAuch das was auf diesem geboten wurde erfreute das Fanherz, es war kein Spaziergang, aber am Schluss machten wir die Sache dank einem eiskalt abgeschlossenen Konter von Chris “DiDo” DiDomenico und Sekunden später einem Knaller von Lukas “Häsu” Haas (ein Nebenerwerbs-Schafhalter, notabene) unter die Latte alles klar. Vor mir schrieb der Old Shatterhand der Eishockeyberichterstattung, Klaus Zaugg, dessen Texte ich als Dreikäsehoch jeweils im “Sport” (selig) las, eine seiner metaphorisierten Zeilen, die er heute für Watson reinhaut (“Und dann die Erlösung. Eine Szene wie aus einem Hollywood-Film. So wie der tapfere Kapitän John Maynard aus der Ballade von Theodor Fontane sein Schiff doch noch sicher in den Hafen von Buffalo bringt, so errettet nun Chris DiDomenico die Langnauer aus Not und Zweifel...”, ganzer Artikel hier).

AufstiegsfeierAufstiegsfeierDer Jubel war gross, laut, farbig, aber nicht grenzenlos, es war eher eine riesige Erleichterung, die um sich griff. Diese setzte sich nahtlos fort nach dem Spielende. Zuerst fast zaghaft, schön die Mannschaftsfoto abwartend, wagten sich die ersten Zuschauer aufs Spielfeld, um ihren verschwitzten Helden zu gratulieren. Auch ich liess es mir nicht nehmen, auf dem bearbeiteten und vom Spiel stark gezeichneten Feld eine Runde zu drehen und dem Goalie Damiano Ciaccio stellvertretend die Hand zu schütteln. Es war wie ein grosses, wenn auch recht ausgelassenes Familienfest. Auch im Siegestaumel bleibt der niederlagenerprobte Tigers-Fan irgendwie halt doch noch auf dem Boden, schon ein bäuerlicher aber kaum der dümmste Wesenszug. (Unterste vier Bilder ohne Klaus: Berner Zeitung/Hans Wüthrich (eine weitere Clublegende…)) EISHOCKEY, NATIONAL LEAGUE B, NATIONALLIGA B, NLB, LNB, HOCKEY SUR GLACE, AUF/ABSTIEGSRUNDE, LIGAQUALIFIKATION, SAISON 2014/15, SCL TIGERS RAPPERSWIL-JONA LAKERS

Die Mühe der Empfänger mit dem Bundesmanna

März 31, 2015

BUNDESHAUS, GELD, GELDSCHEINE, NOTEN, GELDNOTEN, BANKNOTEN, FRANKEN

Diese Woche ist vom BLW die neueste Studie OECD zur Schweizer Agrarpolitik präsentiert worden. Weil ich sie im Wortlaut nicht gelesen habe, will ich mich nicht gross darüber äussern. Sie liefert wenn man der Medienmitteilung des Bauernverbands glauben will “Alten Wein in alten Schläuchen”. Durchgefallen ist sie auch beim Tierschutz, wie Geschäftsführer H.U. Huber in einer recht satten und als Leserbrief verbreiteten Analyse kundtat. Was schon sicher ist: Bewirken wird sie nichts, die OECD-Studie, frei nach einem der schönsten Sprichwörter, die es gibt: Les chiens abboient, la caravane passe.

Gelesen habe ich immerhin die Mitteilung des BLW. Darin stand abgesehen vom tatsächlich ziemlich abgestandenen Tropfen ein sehr interessanter Satz: “Allerdings haben die Direktzahlungen aktuell ein so hohes Niveau erreicht, dass Entscheide von Betriebsleitern immer weniger von Marktsignalen beeinflusst werden, analysiert die OECD.”

Grund genug, einen Blick auf das ambivalente Verhältnis der Bauern zum Bundesmanna zu werfen. Im Grunde genommen sind die Direktzahlungen Lebensversicherung und Demütigung in einem. Ohne diese Beiträge – gemäss dem OECD-Bericht kommt jeder zweite eingenommene Franken aus Staatsstützung – würden grob geschätzte 50 Prozent der Betriebe innert einer Handvoll Jahre die Segel streichen müssen. Deshalb wird auch jeder noch so marginale Angriff auf dieses Geld von Seiten der vereinigten Bauernlobby sofort und bisher meist erfolgreich gegenattackiert, wie etwa dieser Redetext von SBV-Präsident Markus Ritter zeigt.

Andererseits widerstrebt es, so würde ich mal behaupten, den meisten Bauern tief drin, derart viel Geld anzunehmen, das sie für in der Verfassung zwar definierte aber doch etwas schwammige Leistungen zweimal jährlich überwiesen erhalten. Ein Indiz dafür ist das Mantra von der produzierenden Landwirtschaft, das seit einigen Jahren landauf, landab immer dann präsentiert wird, wenn es gilt, die echte und eben produzierende Landwirtschaft der verpönten ökologisierten Landschaftspflegerlandwirtschaft entgegenzustellen.

Dieses Unwohlsein mit den an die Direktzahlungen gebundenen Bundesauflagen hat mit der Agrarpolitik 14/17 einen neuen Höhepunkt erreicht. Am stärktsten am Pranger stehen die Landschaftsqualitätsbeiträge. Sie werden je nach Kanton zum Beispiel für schöne Brunnentröge und Geranien auf dem Fenstersims ausbezahlt. Da kann man sich in der Tat fragen, ob der Amtsschimmel noch alle Tassen im Stall hat. Aber letztlich sind das nur die Auswüchse eines an sich nicht so schlechten Systems, was die Bauern mit ihrem Widerstand gegen die Kürzungen auch indirekt einräumen.

Die alte Agrarpolitik mit den an Produktpreisen gebundenen Stützungen hat ins Debakel bzw. in den Milchsee geführt. Wenn nun indirekt eine Rückkehr zu diesem System gefordert wird, ist das eher Ausdruck der Verzweiflung als agrarökonomische Weisheit. Es wird für die Bauern kein Weg darum herum führen, auch ökologische Leistungen als Produkte ihrer Höfe zu akzeptieren. Natürlich aber nur sofern sie Direktzahlungen beziehen und optimieren wollen. Es steht ja letztlich jedem frei, sich dem ungeschützten Markt auszusetzen, aber auf diesem Weg ist die Schiffbruchgefahr für Bewirtschafter der Hochpreisinsel Schweiz sehr, sehr gross. (Bild Thurgauer Zeitung / Keystone)

Kühe mit Aussicht (auf einen schönen Preis)

März 21, 2015

Kuhbild mit Aussicht kleinZum ersten Regentag seit langem kommt so ein sonniges Kuhbild doch wie gerufen, oder? Geschickt hat es mir Leser Dominik Thali. Er schreibt: “… als ich las, dass Du Kuhbilder sammelst, dachte ich, ich sollte Dir eines schicken, das ich letztes Jahr am Fronleichnamstag auf dem xxx gemacht habe. Der Beweis dafür, dass es Kühe gerne auch mal gemütlich nehmen.” Das ist eine super Idee, lieber Dominik, besten Dank! Er selber sammelt übrigens lieber Fahrradbilder, und betreibt einen sackstarken Blog namens “Velo – das Leben auf zwei Rädern”, wo man noch viel abschauen könnte, beneidenswert hübsch gemacht!

Zurück zu den Kühen und Dominiks Bild. Die drei x stammen natürlich von mir, es gibt nämlich einen Quiz. Wer mir zuerst sagt, auf welchem relativ bekannten Hoger die gemütlichen Kühe die Aussicht geniessen, der erhält einen Preis. Kleiner Tipp: Wenn man bzw. die beiden Braunvieh-Ladies ein bisschen weiter nach vorne rücken würden, sähen sie Wasser…

Das KuhbuchJetzt zum Preis, empfohlen von einer der ausgewiesensten Expertinnen weitherum (merci!). Er heisst ganz schlicht “Das Kuhbuch – Von schönen Kühen, seltenen Rassen und dem Wohl der Tiere” von Annette Hackbarth und ist natürlich ein …. Kuhbuch. Es ist ein abwechslungsreiches, umfangmässig mit 128 Seiten gut bewältigbares und journalistisch gemachtes Werk (kein Zufall, ist doch die Autorin Journalistin), das ohne Anspruch auf Vollständigkeit aber mit punktuellem Tiefgang berichtet von Domestikation, Kuhkomfort, heilige Hornträgerinnen, Alp, Schlägen und Rassen, IKuh, einem Kuhpapst etc. Das alles dekoriert mit 150 schönen Bildern. Positiv aufgefallen ist mir auch, dass eine Simmentalerin den Titel ziert, für mich unter Einbezug aller Faktoren eigentlich die zukunftsträchtigste Kuh. Viel Glück beim Raten!

Vollmundiges Gemecker im Edelweisshemd

März 7, 2015

Gut gibts 1Seit einigen Tagen hängen allenthalben Plakate mit Nutztieren in Edelweisshemden. Der Claim lautet wie seit Beginn der Bauernverbands-Kampagne im Jahr 2006 “Gut, gibt’s die Schweizer Bauern”. Neu ist, dass statt Prominente die Kuh Sonja, der Geissbock Konrad und der Border Collie Max in den Hemden stecken.

Nachdem ich die Sache nun ein paar Tage auf mich habe einwirken lassen, will sich keine rechte Freude einstellen. Tiere in Kleidern sind sonst eher die Spezialität von leicht neurotischen StädterInnen, die ihre vierbeinigen Lieblinge verhätscheln, und das ist kaum der Eindruck, den die Bauern als Tierhalter erwecken wollen.

Aber das ist wohl Geschmackssache, vermutlich erhofft man sich beim SBV, dass in Zeiten der Tierfilmli-Manie in allen Sozialmedien ein Viraleffekt entstehen wird. Wenn das den Bauern und Bäuerinnen hilft, so sei’s so, man muss ja nicht alles verstehen.

Gut gibts 3Schon problematischer dünkt mich, dass man die Tiere nicht einfach in ihren Hemden stecken und meckern, muhen oder bellen lässt, sondern dass sie auch noch sprechen müssen. Zumindest ist das der Eindruck, der auf den Plakaten erweckt wird. Leider nehmen sie dabei den Mund etwas voll. Um das nachzuweisen, muss der Durchschnittskonsument je ca 30 Sekunden googeln.

Nehmen wir Konrad: “Gut gibt’s beim Artenschutz meines Bauern nichts zu meckern”, befindet er. Dazu eines der erstbesten Zitate, das einem das Internet zuspielt: “In schlechtem Zustand ist auch die Biodiversität. Nach wie vor gibt es in der Schweiz viele gefährdete Tier-, Pflanzen-, Flechten- und Pilzarten. Auch hier werden Bautätigkeit und die Landwirtschaft als Hauptursachen genannt, zudem die Stromgewinnung aus Wasserkraft.” (Der Bund, 29.1.15)

Oder nehmen wir Max: “Gut hält mein Bauer die Chemie an der kurzen Leine”, bellt er. Dazu die NZZ vor Jahresfrist: “Pflanzenschutzmittel und Biozide sind biologisch aktive Stoffe und können deshalb, sollten sie in Gewässer gelangen, Organismen beeinträchtigen. Nun wartet eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Eawag mit besorgniserregenden Neuigkeiten auf: So enthalten Schweizer Fliessgewässer einen ganzen Cocktail an Pestiziden. (…) Die neuen, umfassenden Daten zeigten, dass ein Grossteil der Pestizidbelastung den Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zuzuschreiben sei.”

Gut gibts 2Zum Schluss noch Sonja (unpassenderweise eine Hornkuh, aber das ist ein anderes Thema): “Gut steckt mein Bauer nur das beste Gras in die Käse”, lässt sie uns wissen. Dazu aus unverdächtiger Quelle (Bauernverband im Juni 11): “Die durchschnittliche Milchleistung und damit der Kraftfutterverbrauch nehmen in der Milchviehhaltung laufend zu. Im Jahr 2009 benötigte eine Milchkuh bei einer durchschnittlichen Leistung von 6792 kg Milch pro Jahr im Mittel 824kg lufttrockenes Kraftfutter. Dies entspricht grob 11 % der verzehrten Futtermenge (Basis Trockensubstanz), was im internationalen Vergleich ein tiefer Anteil ist. Aus verschiedenen Gründen, insbesondere auch aufgrund des stark angestiegenen Drucks auf den Produzentenpreisen, scheint sich die Steigerung der Milchleistung wie auch die Zunahme des Kraftfutterverbrauchs in den letzten Jahren eher zu beschleunigen.”

Insgesamt etwas viele vollmundige Behauptungen. Die Leistungen der Landwirtschaft in Sachen Ökologie sollen damit keineswegs kleingeredet werden, aber sie derart grosszureden ist angesichts der Fakten vermutlich etwas voreilig. (Bilder aus der Kampagne)

Wintercowpics (2): Thüringen-Punjab, inkl. Quiz

Februar 27, 2015

L1010663Das sieht zwar nicht wirklich aus wie ein Winterkuhbild, ist aber immerhin ein im Winter gemachtes Bild von einem Teil meiner Herde; mit einem Buch von Agrarjournalistenkollege Fritz Fleege aus Deutschland.

Er war über vier Jahrzehnte Redakteur der deutschen “BauernZeitung” und hat viel erlebt. Den milchwirtschaftlichen Teil seines Erfahrungsschatzes hat er nun unter dem Titel “Menschen, Milchvieh, Melkroboter” zwischen Buchdeckeln herausgegeben. Das hat sich gelohnt. Die “Begegnungen in 38 Ländern auf fünf Kontinenten” auf knapp 300 Seiten führen in alle Weltgegenden, darunter Thüringen und Punjab, immer mit Fokus auf die Milchwirtschaft, die Menschen, die sie betreiben und natürlich die Kühe.

Da erfährt man allerhand, zum Beispiel, dass nicht nur im Appenzell, sondern auch in Indien Kuhfladen getrocknet, gesammelt und gestapelt werden. Oder wie begehrt Guernseykühe von den französischen Kanalinseln schon im 19. Jahrhundert waren. Oder wie eine junge Generation russischer Milchbauern die Bestände aufstockt. Oder wie die Viehzüchter in Argentinien von “Sojeros” verdrängt werden.

Das alles ist sehr journalistisch aufgemacht, es gibt lange Lesestücke und Kurzfutter und viel Bildmaterial. Diesen Eindruck unterstützt auch die Reklame, die den Leser auf einigen Seiten begleitet. Aber hat mich irgendwie nicht gestört, ist ja auch ein Teil der Realität, zu sehen, wie heute Melkkarusselle angepriesen werden.

Das Buch kann man hier bestellen, aber natürlich auch gewinnen. Wie gesagt, es gibt viele Kühe im Buch. Viele, viele Holsteins aber zum Glück auch noch ein paar andere. Diese hier zum Beispiel. Die erste korrekte Antwort holt den Preis, viel Glück!

Wettbewerbskuh

PS. Sollten Sie via die neueste Ausgabe von Zeitpunkt erstmals auf diesen Blog gekommen sein (für alle Nicht-ZeitpunktleserInnen, ich habe dort einen Artikel über die Agrarinitiativen geschrieben), dann sind Sie vielleicht jetzt ein bisschen enttäuscht. Aber ich bin eben nicht nur ein “Polizist für agrarpolitische Correctness”, wie es dort heisst (wer das wohl erfunden hat…), sondern auch ein Kuhbildsammler- und -bücherbesprecher, Weidetorbeobachter, AgrInnovationssucher, AgVocate etc. Aber keine Angst, die Agrarpolitik kommt dann schon auch wieder zum Zug. Unterdessen können Sie ja ein bisschen im Archiv blättern.

Wintercowpics (1): From Latsch to Goldau

Februar 23, 2015

Latsch1aBack to a category that was neglected a little bit these last few months: Cowpic of the week. That’s why I come up with two today. One is from Latsch a little bit above Bergün, worlds best place for wintertourims, nice in Summer, too. The place is cool because the through road is closed and instead used as a great sledge run in winter due to snow, although there wasn’t very much of it this year.

Plus there is hardly any ugly monstrous tourism architecture, instead you find plenty of old houses, typical for the Region. I know, it sounds like I’m paid by them, but I do it for free, also because they have a great train museum and a fancy natural ice rink and mainly because they have plenty of freerange cows, like the one you see on the pic. And great farm shops that I wrote about a few times, just put Bergün into the search mask. Anyway, don’t miss it if you ever drive by towards ugly St. Moritz…

The second pic below is from Goldau, a place that I know much less, except for that it’s built on the masses of a massive landslide in 1806 and that they have quite a cool zoo. It’s called Tierpark Goldau and amongst plenty of other animals they herd some Evolène cows, a rare race from the village of the same name in the Val d’Hérens, Wallis, where the famous race of the same name comes from. Evolène and Hérens look quite the same, are both good fighting cows, but Evolène is reddish-white while Hérens is black as the night. Thanks a lot for the pics to Markus Richner (top) and Monika Schlatter!
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Die Verpackungskünstler aus dem Bioland

Februar 16, 2015

Biofach BlogGrad zurück von der Biofach, dem grossen Klassentreffen der Bioszene in Nürnberg. Wie sich enthusiastische Schüler ihre neuen Gadgets und Kleider vorführen, fahren die Aussteller jedes Jahr ihre neuesten Produkte auf. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Branche, die einst angetreten ist, um den “Verpackungswahnsinn” der konventionellen Lebensmittelindustrie zu durchbrechen heute was das Packaging angeht keinen Aufwand scheut, die Klassenkameraden zu überbieten.

GrafikerInnen, Sprachkünstler und Packungsdesigner haben jedenfalls dankbare Kunden in der Szene und das betrifft nicht nur das Design, sondern auch die Konstruktion der Verpackungen, die nicht nur schön und trendig, sondern wenn immer möglich auch nachhaltig und kompostierbar sein sollen. Hier ein paar Beispiele aus der Ausstellung zum Best New Product Award, wie sich das neudeutsch in Nürnberg nannte.

Wir fangen (oben) mit einem der Sieger an: Lovechok, eine holländische Schokolade inkl. Liebesbrief. Das musst natürlich sofort geklaut sein. Die Schokolade entpuppte sich als ansprechend wenn auch nicht kolossal, das Brieflein als leicht enttäuschend, da holländisch und nicht etwa an den Schoggiesser gerichtet, sondern von diesem mittels multiple choice-Verfahren auszufüllen. Insgesamt etwas viel warme Luft, trotzdem reichte es bei der Publikumswahl für den ersten Platz in der Kategorie “Trockenprodukte Snacks und Süssigkeiten”.

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Müesli-Innovationen, die man mehr oder weniger dringend braucht.

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Dosen- und Flaschenbrot…

Biofach Blog6…und die Chipspackung als Lockvögeli.

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Käsiges von originellen und harten BurschInnen.

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Und jetzt ein Drink.

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Etwas Conveniencefood.

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Und zum Dessert was Süsses. Fazit: Optisch attraktiv und anmächelig präsentieren, das ist eine der Stärken der Biobranche, aber auch sie ist nicht gefeit vor Lifestyle-Innovationen, die in den Regalen vielfach eine kürzere Lebensdauer haben als ein Sommervogel. Wenn gleichviel Kreativität und Energie in die zusatzstoffarme Verarbeitung und die Bewahrung von Originalaromen geht, dann soll’s mir recht sein, die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt…

#CHFEUR: Die letzten beissen die eigenen Hunde

Januar 31, 2015

Emmi KäseEs sind ungemütliche Zeiten für die Schweizer Exportwirtschaft, die Euroabwertung (in den Sozialmedien verwendet man dafür als Hashtag kurz #CHFEUR) macht den Weg für die ohnehin hochpreisigen Schweizer Produkte ins Ausland um 20 Prozent steiniger.

Ganz besonders betroffen ist die Käsebranche, rund ein Fünftel der Schweizer Milch wird in verkäster Form ausgeführt, einst als staatlich hochsubventioniertes Überschussventil (Stichwort Käseunion) und heute – mehr schlecht als recht mit den rasant steigenden Käseimporten mithaltend – als einziges essbares Exportprodukt aus Schweizer Zutaten.

Wichtigster Player in diesem Business ist wie im gesamten Milchmarkt mit Abstand die Emmi Gruppe. In dieser Funktion hat sie, das muss vorausgeschickt sein, einiges dazu beigetragen, dass die Milchproduktion im Land immer noch auf ähnlicher Höhe ist, wie zu Hochsubventionszeiten. Das Luzerner Unternehmen ist seit einigen Jahren auch an der Schweizer Börse SWX kotiert und hat sich dort zu einem kleinen Darling entwickelt. Nahrungsmittel sind “heiss” und die Investoren auf allen Ebenen zunehmend interessiert, Landgrabbing und Nahrungsmittelspekulation lassen grüssen.

Emmi KursMit dem Entscheid der Nationalbank, die Eurostützung einzustellen, hat EMMN, wie das Luzerner Käsepapier an der Börse heisst, einen schmerzhaften Kurssturz in Kauf nehmen müssen. Wie fast alle Schweizer Unternehmen. Aber hier gibt’s handfeste Ursachen: Emmi ist trotz Expansion im Ausland immer noch stark vom Export abhängig und hier vor allem vom Käse. Dass dieser leiden wird ist so klar, wie das Quellwasser auf der Alpweide.

Ebenso klar ist, dass den Geldgebern nun hofiert werden muss. Vergangene Woche, gut 11 Monate vor Jahresabschluss hat Emmi diesen versichert, dass sich der Gewinn auch im laufenden Jahr im letztjährigen Rahmen liegen werde. Dies will man unter anderem mit einem tieferen Milchpreis finanzieren. An die Kasse kommen also im Dienste der Investoren die Milchproduzenten. Das erinnert verdächtig an die neunziger Jahre, als der Shareholder Value plötzlich zum Alltags(schimpf)wortsatz gehörte.

Emmi RückvergütungNun muss man wissen, dass ein Teil der Emmi-Milchlieferanten Miteigentümer an Emmi sind. Der Verband der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) ist mit einem Anteil von gut 54 Prozent Mehrheitsaktionär. Im neuesten Magazin ihres Verbands werden die Lieferanten schon mal schonend vorbereitet auf die Preissenkung ab 1. Februar. Diese beträgt vorläufig 2,6 Rappen pro Kilo für A-Milch. Das macht auf einem heute mittleren bis kleineren Betrieb mit einer Produktion von 150’000 Kilo pro Jahr 3900 Franken Einbusse. Wer nun meint, dass diese durch eine angemessene Beteiligung am von Emmi angestrebten ungeschmälerten Betriebserfolg kompensiert wird, sieht sich getäuscht. Die Gewinnbeteiligung der Produzenten für das letzte Geschäftsjahr ist noch nicht publiziert, aber man kann davon ausgehen, dass sie angesichts der Ausgangslage kaum erhöht wird. Im Vorjahr lag sie bei 1027 Franken pro Betrieb, wobei ein Teil in Emmi-Produkten und Rückbehalten für Produzentenfeste ausbezahlt wurde (siehe Ausriss aus dem Newsletter “Emmi Rückvergütung Erfolg” 1/14.

Ob den Produzenten noch ums feiern zumute ist, ist sicher nicht die dümmste Frage. Gleichzeitig muss man nüchtern festhalten, dass die Bauern Investoren zweiter Klasse sind, weil sie unter dem Strich schlechter dastehen als diejenigen, die keine Kühe, Maschinen und Gebäude sondern nur Geld im Spiel haben. Damit sind sie auch in diesem Fall wieder einmal die letzten, die die (eigenen) Hunde beissen. Die Zeche zahlt letztlich Väterchen Staat: Bereits macht die Milchbranche aufgrund von #CHFEUR die hohle Hand. Da kommt einem ein anderes Standartbonmot aus der Hochzeit der Anti-Shareholder-Value-Bewegung in den Sinn: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. (Bild: Emmi)

 

 

“Wir haben es satt!” vs. “Wir machen euch satt!”

Januar 21, 2015

Berlin3Alle Jahre wieder: Dieser Tage steht in Berlin die Grüne Woche auf dem Programm, heuer schon zum 80. Mal. Fast schon ähnlich traditionell ist die Demonstration “Wir haben es satt”, die am vergangenen Samstag ihrerseits das Fünfjährige feiern konnte.

Berlin5Wie in allen Lebensbereichen der aufgeklärten kapitalistischen Gesellschaften ist auch im Demonstrationsbereich Wachstum wichtig. Deshalb schätzten die Organisatoren, eine bunte Koalition von Bioverbänden, Tierschützern, Umweltschutzorganisationen und Freihandelsgegnern die Teilnehmerzahl grosszügig auf 50’000.

Berlin4Das mag etwas hoch gegriffen sein, aber es war nichtsdestotrotz eindrücklich zu sehen, wie viele Leute “es” satt haben. Das Neutrum steht in erster Linie die Agrarindustrie und daraus primär die Massentierhaltung, die in letzter Zeit in Deutschland arg unter Druck geraten ist. Zur Mobilisierung beigetragen haben neben dem üblichen Grundrauschen von Tierschutzprotesten diverse Skandale (von denen mit Neuland einer auch ein IP-Label betraf), eine etwas gar marktschreierische Artikelserie in der “Zeit” über multiresistente Keime (“Die Rache aus dem Stall”) und das Tierhaltungsverbot gegen den skrupellosen Grossmäster Adrianus Straathof, ja so heisst der leider.

Berlin7Stark empört ist man in Deutschland in weiten Kreisen aber auch über die Verhandlungen zum Abkommen Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP), auch weil es die einheimischen Spezialitäten gefährden könnte, wie der Agrarminister kürzlich einräumen musste. Darin sehen viele Deutsche weit über das linke politische Spektrum hinaus einen weiteren Beweis für agrarimperialitische Ambitionen der USA, zu denen auch der weiterhin hohe Druck in Sachen GVO-Saatgut gezählt wird.

Wir haben es sattDass sich auch die Parteien, allen voran die Grünen diese wachsende Volksbewegung zu nutzen machen wollen, versteht sich von selber. Sie marschierten angeführt vom Co-Fraktionschef Hofreiter und Alt-Landwirtschaftsministerin Künast weit vorne in der Demonstration mit. Die Grünen haben als erste politische Formation erkannt, dass der Unmut über den Zustand der Land- und Ernährungswirtschaft weit über den linken Rand des politischen Spektrums hinausreicht. Und haben Erfolg damit. Ein klares Indiz dafür ist, dass mittlerweile nicht weniger als sechs von total 14 Landwirtschaftsministerinnen und -Ministern in den Bundesländern grün sind. Dazu kommen drei SozialdemokratInnen und eine Vertreterin der Linken.

Berlin9Im Nachgang zur Demonstration hat mir eine deutsche Kollegin verdankenswerterweise Zutritt zu einer gut gesicherten Veranstaltung der Grünen im eindrücklichen Parlamentarierbürogebäude Paul-Löbe-Haus verschafft. Dort wurde das Thema “Fleisch für die Welt?” debattiert. Am Pranger standen in Reden und Workshops nicht nur die Billigexporte von Fleisch nach China und – derzeit aus politischen Gründen unterbunden – nach Russland. “Die Land- und Ernährungswirtschaft ist die einzige im Land, die es sich leisten kann teuer zu importieren (z.B. Bioprodukte) und billig zu exportieren”, sagte der Biolandwirt und Landwirtschaftssprecher der grünen Fraktion, Ostendorff. So etwas, ergänzte er, wäre in jedem anderen Sektor undenkbar.

Wir machen euch satt3In der Tat sind die Verhältnisse recht drastisch. Trotz den kriselnden Exportanstrengungen sind die Preise etwa für Schweinefleisch derzeit tief im Keller, für das Kilo Schlachtgewicht erhält der deutsche Mäster bei konstanten oder steigenden Futterpreisen noch 1.25 Euro, vor Jahresfrist lag dieser noch bei ebenfalls schon knapp kostendeckenden 1.80. Ähnlich prekär ist die Lage bei der Milch, wo derzeit flächendeckend unter 30 Cent pro Liter ausgezahlt werden. Hier droht mit der Aufhebung der EU-Milchquote per 1. April eine weitere starke Zunahme des Preisdrucks. Grossen Anteil an diesen Verhältnissen hat in Deutschland auch der auf Discount fixierte Detailhandel, wo Milch und Fleisch zu Schleuderpreisen über die Theke gehen. Er könne nicht verstehen, wieso sich die Bauern von der Agrarindustrie derart vor sich hinschieben liessen, sagte der ebenfalls anwesenden Biobauer und grüne nordrhein-westfälischen Landestagsabgeordneten mit dem markanten Namen Norwich Rüsse.

Wir machen euch satt1Das ist eine durchaus legitime Frage. Sie richtet sich an die konventionellen Grossmäster und -milchproduzenten, die in den letzten Jahren unter starkem ökonomischem Druck und gemäss dem Motto “wachse oder weiche” massiv investiert und haben. Diese sind aber keineswegs bereit, die Grünen als Kampfgenossen zu akzeptieren. Stattdessen sind sie unter dem Leitspruch “Wir machen euch satt!” schon am Samstagvormittag zu einer eigenen Demo aufmarschiert, um sich gegen die ihrer Meinung nach unsachliche und -qualifizierte Meinungsmache gegen die moderne Tierhaltung zu wehren.

Sie gehen nämlich nicht zu Unrecht davon aus, dass sie für eine Mehrheit der Bevölkerung weiterhin nachfragegerecht produzieren, auch wenn Politik und Medien jetzt grobes Geschütz auffahren. In der Tat machen nämlich 50’000 “Schwalben” vor dem Kanzleramt im Kampf gegen die Agrarindustrie noch keinen ökologischen Sommer. Otto und Ottilie Normalverbraucher im nördlichen Nachbarland betrachten billige Nahrungsmittel und vor allem Fleisch nach wie vor als Menschenrecht. Ansonsten wären die Discounter längst eingegangen. Wie dünn das politische Eis für ernährungstechnische Bevormundung ist, mussten die Grünen unlängst am eigenen Leib erfahren. Der nicht sonderlich radikale Vorschlag eines “Veggiedays” in deutschen Kantinen brachte ihnen harsche Kritik und mutmasslich umfangreiche Stimmenverluste ein. Im vergangenen Herbst wurde die Idee des fleischlosen Tages dann ziemlich sang- und klanglos wieder begraben, beziehungsweise schlecht verdaut ausgeschieden. (Unterste zwei Bilder: Tatjana Kren, Video: Thomas Wengenroth/stallbesuch.de)

Weideskilift (2): Der Traktor als Pistenbully

Januar 15, 2015

SkiliftDer heutige Tag wäre ideal geeignet, um den Einstieg in die Agrarpolitik ’15 zu nehmen. Der Bundesrat hat seinen Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative des Bauernverbands präsentiert. Er gleicht praktisch wie ein Ei dem anderen dem Initiativtext, der augenfälligste Unterschied ist, dass der Bundesrat einen Artikel 102a und der Bauernverband einen 104a will. Für den Bauernverband ist das ein beachtlicher Erfolg, obwohl er in seiner Medienmitteilung natürlich nicht einfach uneingeschränkt zufrieden sein kann, das wäre politisch auch unklug.

Unter dem Strich bleibt mein Fazit unverändert: An der aktuellen Agrarpolitik wird sich mit dem neuen Artikel, so denn einer kommt, angesichts der schwammigen Formulierungen hüben wie drüben nichts ändern (müssen), womit sich die Frage in den Raum drängt, wozu die ganze Übung?

Antworten gerne in der Kommentarspalte, unterdessen präsentiere ich anstatt zu spekulieren lieber eine Fortsetzung des letzten Posts. Als Reaktion darauf hat mir Ueli Aeschbacher diese tollen Bilder von seinem Weideskilift geschickt, samt diesem aufschlussreichen Text:

Chruse-Lift in Kappelen in den Wynigenbergen:
Wir sind  14 Bauernfamilien (na gut 13 Bauernfamilien, mich zähle ich dann schon eher zu den Hobbybauern) mit 45 Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren in den Wynigenbergen welche vor ein paar Jahren einen Kleinskilift vom Typ Borer-Star angeschafft haben und ihn seither betreiben. Der Lift hat eine Länge von 200 m, die Seilführung ist freihängend mit Bügeln, ein sogenannter ‚Händschefrässer‘. Einen rund 40 Meter breiten Streifen entlang des Auftiegs präparieren wir mit einem Same-Traktor mit Doppelrädern vorne und hinten, vierfach mit Schneeketten ausgerüstet und am Front-Dreipunktanbau mit einer uralten Holzwalze ausgerüstet. Erstaunlicherweise klebt der Schnee am Holz nicht und wir schaffen es immer, eine tolle Piste herzurichten. Letzte Woche hatten wir bereits 6 sehr schöne Skitage und dies auf 800 müM. Im Sommer grasen auf der Piste OB-Mutterkühe und Lamas. Der Name Chruse-Lift stammt von der Liegenschaft auf dem Bild ersichtlich (Anm. dies ist mein Zuhause).  Die Ortsteil heisst Kappelen in der Gemeinde Wynigen. Der Lift lief bis 2011 in Valchava im Münstertal.

Ganz herzlichen Dank, lieber Ueli, eine schöne Geschichte. Wünsche Euch, dass Ihr die Holzwalze heuer (und in den kommenden Jahren) noch ein paarmal ausfahren könnt! (Bilder: Ueli Aeschbacher)
Skilift2

 

 

 


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