Ohne Stadt sterben die Bauern

Februar 21, 2016

Cities feed farmers

Farmers feed citiesImmer wieder und neulich auch auf diesem Kanal ertönt der Ruf nach Landdienst für agrarrenitente JournalistInnen und andere meinungspolitisch aktive Gruppierungen. Heute will ich den Griffel einmal umdrehen. Als ich kürzlich mit einem guten Freund (selber gelernter Landwirt, aber nicht mehr praktizierend) zu Tisch sass und wir wie öfters über Landwirtschaftspolitik diskutierten, brachte er die Innovation Stadtdienst auf den Plan. Wir waren uns sofort einig, dass dies nicht nur eine Superidee ist, sondern für das Landvolk zum Beispiel in der Ausbildung zum Pflichtstoff gehören müsste. Wieso?

Wenn die Bauern längerfristig überleben wollen, müssen sie anfangen, sich für ihre Kundschaft zu interessieren. Und diese sitzt nun mal in den Zentren: Die Schweiz wird ja gerne verklärt als ländliches Idyll, aber unterdessen wohnen 75 Prozent der Bevölkerung in Städten und Agglomerationen, und dieser Trend wird sich noch verstärken.

Für viele Bäuerinnen und Bauern ist die Stadt Hort von allem, das man am liebsten von sich fernhält. Allenfalls gönnt man sich mal eine kulturelle Perle, aber den meisten liegt das Männerchortheater im Dorf oder die Landdisco am anderen Ende des Kantons näher als das urbane Zentrum. Manchmal muss man fast hin, zum Beispiel an eine Demonstration, aber dann fährt man mit dem Bus hin, steigt aus, schwenkt Treicheln, markiert den Unzufriedenen mit Drohpotenzial und kehrt so schnell wie möglich wieder heim auf den Hof.

Es steht ja fest, da ist man sich glaube ich langsam einig, dass es für die Schweizer Landwirte und Landwirtinnen keine Zukunft hat, namenlose Massenware zu produzieren. Der einzig gangbare Weg ist es, Spezialitäten zu produzieren, Nischen zu füllen und Spezialwünsche der heimischen und zum Glück mehrheitlich recht kaufkräftigen Konsumentinnen und Konsumenten zu befriedigen. Nur, wie soll man diese kennen, wenn man sich darum foutiert, wie diese Leute leben, wonach sie sich sehnen und was sie sich von „ihren“ Bauern wünschen?

Damit man das begreifen kann, würde es keinem schaden, einmal eine Woche am Stadtleben und am Durschnittsbürolisten-Arbeitsalltag in vollgestopften Zügen und klimatisierten Büros teilzuhaben, zu beobachten, wie sich die Leute bewegen und wie sie sich ernähren. Das könnte, ganz nebenbei manch einem Landwirten, manch einer Landfrau die Augen dafür öffnen, dass das bäuerliche Leben neben den bestens bekannten und viel beklagten Härten jede Menge Privilegien bereithält, von denen der Durchschnittsstädter nur träumen kann: Viel Platz, schöne und staatlich verbilligte Wohnlage, wenige und weit entfernte Nachbarn, Hoheit über den Arbeitsplan und dessen freie Gestaltung, Leben am Arbeitsplatz sowie ein staatlich garantierter Mindestlohn.

Der Stadtdienst könnte umgekehrt auch das Image der Konsumenten und Konsumentinnen verbessern helfen. Es ist nämlich nicht so wie es ein in bäuerlichen Kreisen beliebtes Klischee besagt, dass diese alle ins Ausland oder in den nächsten Discounter rennen, um sich dort mit Billigstware einzudecken. Der Lebensmittelmarkt umfasst in der Schweiz rund 50 Milliarden Franken, mindestens 30 dieser Milliarden werden für inländische Produkte ausgegeben, gut 15 für importierte Ware und nur gut 2 für Einkaufstourismus. Teil des Stadtdienstes müsste dann auch der Standdienst im Grossverteiler sein, wo die Bauern und Bäuerinnen als authentische Vertreter für ihre Produkte mit diesen hinstehen könnten, um noch mehr KonsumentInnen davon zu überzeugen, das heimische anstatt das importierte Poulet zu kaufen.

Auf dem Programm wäre auch ein Besuch in einer der zahlreichen Beizen, wo die Leute bereit sind, beachtliche Preise für Schweizer Qualität zu bezahlen, ein Entrecôte kostet im Zürcher Restaurant gut und gerne 40 bis 50 Franken, und manchmal ist da noch nicht einmal die Beilage dabei. Das ist kein Pappenstiel und zeigt, dass man Schweizer Qualität durchaus wertschätzt.

Lange bin ich in jungen Jahren mit dem damals beliebten Autokleber rumgefahren auf dem stand: „Ohne Bauern stirbt die Stadt“. Das schleckt keine Geiss weg, allerdings stirbt kein einziger Schweizer Städter, wenn es keine Schweizer Bauern mehr gibt. Der Umkehrschluss ist deshalb richtiger: „Ohne Stadt sterben die Bauern“. Denn wenn die Schweizer Bauern und Bäuerinnen in ihrem Metier überleben wollen, sind sie zwingend auf den Goodwill der Schweizer StädterInnen angewiesen. Und ein bisschen mehr Austausch und damit Verständnis für die Probleme und Bedürfnisse des jeweils anderen schaden dabei sicher nicht, im Gegenteil.

Ehrendamen: Wie bestellt und nicht abgeholt

Januar 15, 2016

Alarm KopieDieses Wochenende ist Swiss Expo. Die Top-Viehschau in Lausanne ist das Mekka der Schweizer Züchter. Es ist das alljährliche frühe Highlight für Kuhfans, die zu Tausenden an den Lac Léman pilgern, um dort die Reines des Reines sämtlicher populärer Rassen zu bestaunen.

Heute sind die Topevents eher Cowshows als Viehschauen. Die Organisatoren bemühen sich nach Kräften um Glamour, inspiriert natürlich nicht von Gotthelfscher Tradition, sondern von amerikanischen Gebräuchen, wo sich die Inszenierung der Königinnenkürung schon länger an Hollywood anlehnt: Schwinwerfer, schmissige Musik und natürlich… sogenannte Ehrendamen.

Um diese soll es heute gehen. Sei’s in Wattwil oder Lausanne, Sargans oder Burgdorf: Wo immer heute Kühe ausgezeichnet werden, sind die leicht geschürzten und flankierend posierenden Damen auf den Siegerbildern nicht weit. Mir tun sie ehrlich gesagt ein wenig leid. Sie wirken irgendwie immer ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt. Ihre Aufgabe besteht einzig darin, gut auszusehen und die zwei- und vierbeinigen Siegerinnen optisch aufzuwerten,  ohne jemals das Wort ergreifen zu dürfen oder anderweitig für Stimmung zu sorgen.

Ich finde die Präsenz der hübschen jungen Frauen ziemlich überflüssig. Erstens weil eine schöne Kuh und ihre Besitzer ja eigentlich genügen sollten, um sie geht es hier ja. Und zweitens wiel die Ehrendamen hier nur schön zu sein und nichts zu sagen haben. Dieses überholte Frauenbild wird ansonsten praktisch nur noch von der Autobranche gepflegt, die sich an ihren Salons immer noch nicht entblödet, junge Frauen neben und auf Karosserien posieren zu lassen.

Die Landwirtschaft hat es jetzt definitiv nicht nötig, auf dem selben Karren mitzureiten, sie zementiert damit höchstens das Bild von leichter Rückständigkeit, das man ihr gerne anhängt. Dabei gibt es in der Branche heute mehr als genug tatkräftige junge Landwirtinnen wie Elvira Perreten aus Lauenen BE, die im bäuerlichen Alltag ihre Frau stellen, zum Beispiel in der Viehzucht, wie das gestrige Siegerbild mit der Swiss-Expo-Simmentaler-Siegerkuh Alarm Venus zeigt. Um ihr Ehre anzutun, müsste man Frau Perreten wenn schon – das würde mal ein emanzipiertes der Landwirtschaft abgeben – einen Ehrenmann an die Seite stellen, aber dann bitte im Chüejermutz und nicht in der Leopard-Badehose. (Bild Peter Fankhauser, Bauernzeitung (die hier bis Samstag live aus Lausanne berichtet.))

Obacht: Ganze Kuh (war) abzuholen

Dezember 24, 2015

Ganz KuhDer Jahreswechsel nähert sich im Galopp, bzw. wohl eher wir uns ihm. Höchste Zeit also, sich um datierten Wandschmuck zu kümmern. Ich empfehle für 16 den bewährten Kalender Ganz Kuh, bebildert vom fotografisch begabten Käser Martin Bienerth aus Andeer.

Natürlich habe ich ein Exemplar zu vergeben, das sobald wie möglich in die Vertikale möchte, vielleicht zu Dir?! Allerdings bräuchte es dafür noch einen kleinen Effort. Das ganze hat ja auch einen politischen Aspekt, sammeln doch rührige Hornfreunde um den Alpen-Zampano Armin Capaul seit längerem Unterschriften für die Hornkuhinitiative, wie es sich wahrscheinlich schon rumgesprochen hat.  Ein paar Tausend fehlen noch bis zu den verlangten 100’000 (aktueller Stand gemäss Website 86’557) und die Deadline Ende März ist nur noch eine Hornlänge entfernt. Mich würd’s freuen, wenn das Begehren zu Stande käme. Wenn man sieht was alles so unterstützt wird mit Bundesgeld, haben die Resthörner alleweil noch ein paar Fränkli verdient, zumal die komplette Kuh ja auch dem schwer kriselnden Tourismus sehr dienlich ist.

Item, wer mir als ersteR ein Föteli von einem möglichst vollen Unterschriftenbogen schickt (adimali@gmx.ch), kriegt den Wandschmuck gratis und franko. Bögen gibts zum Download hier. Wem das zu mühsam ist: Man kann den Kalender zum Solipreis auch bei den Initianten bestellen oder etwas günstiger beim Fona-Verlag. Viel Glück beim Sammeln!

PS. Zunächst mal ein gutes neues Jahr, liebe Leserinnen und Leser! Es hat eine Weile gedauert, bis die ganzen Kühe einen Abnehmer fanden, bzw. der Kalender abgeholt wurde. And the winner is, praktischerweise im eigenen Haushalt, Dimitri Krebs, ich gratuliere herzlich! Und der junge Mann hat noch nicht genug gesammelt, er ist grad damit beschäftigt, das geografisch weitherum beheimatete Publikum am Gymi mit Unterschriftenbögen einzudecken. Auch ein Stück Staatskunde natürlich, z.B. rauszufinden, dass es für jede Gemeinde einen anderen braucht. Was so eine Initiative nicht alles leisten kann. Es fehlen übrigens unterdessen nur noch knapp 10’000 Stück.
Dimi

Coopportunistischer Festtagsschweinebauch

Dezember 16, 2015

Fleisch CoopAn den Festtagen sitzt das Portemonnaie locker, man und frau gönnt sich namentlich was Fleisch angeht etwas Edles zur feierlichen Tafel, es ist ja nicht alle Tage Weihnacht. Interessant deshalb zu schauen, was unsere lieben Grossverteiler da so anpreisen, wie mir heute beim allwöchentlichen Hochgeschwindigkeitsdurchblättern der beiden Detailhandelspostillen aufgefallen ist.

Um es vorweg zu nehmen, Coop enttäuscht diesmal schwer. Ungeachtet der unbestrittenen Verdienste um das Tierwohl und das heimische Schaffen, welche die Basler bei jeder Gelegenheit noch so gerne ins grösstmögliche Schaufenster hängen, erhalten sie heute den Agroblog-Schwarzpeter für das schwächste Schweinebauch-Festtagsinserat 2015.

Das Schweinebauch-Inserat, sollte Ihnen, liebe LeserInnen dieser Begriff nicht geläufig sein, ist die Aktion gewordene Auswahlsendung, die Migros und Coop mal beschränkt auf eine Produktegattung, mal querbeet mit allem (deshalb Schweinebauch) sei’s in den eigenen Blättern oder in den Printmedien placieren. (Die NZZ, das nur am Rande bemerkt, kämpft bis heute umsonst um das Privileg, diese Rabattseiten an Bord zu holen, edle Positionierung hat manchmal auch ihre Schattenseiten).

Item, dieser Fleisch-Schweinebauch in der neuesten Coop-Zeitung enttäuscht schwer: Trotz heimischem Topangebot kommt das Rind aus Irland, das Kalb aus Frankreich oder vielleicht (wenn man Schwein hat) aus der Schweiz und das Lamm wie üblich aus very far Übersee. Das alles, vor allem bei Rind und Kalb zu satten um nicht zu sagen horrenden Preisen und ohne jegliche Label. Es lässt sich halt fast mit nichts so schön Marge bolzen, wie mit Importfleisch. Dass man dies mit Ausnahme des Schweines ausgerechnet zu den Festtagen so skrupellos durchzieht ist eine rechte Enttäuschung. Das, ich wiederhole mich gerne, ist Einkaufstourismus, der sich durch nichts unterscheidet von demjenigen der Tausenden von helvetischen Grenzpilgern, über die man sich bei den Grossverteilern zunehmend Sorgen macht.

Deutlich besser schneidet zumindest diesmal die Konkurrenz ab, welche mit Ausnahme des latenten Lamm- und Geflügelproblems (das auch Coop hat) durchwegs auf heimische Ware setzt. Selbst das knochengereifte Fleisch (ziemlich unnötiger Kult, scheint mir, aber offenbar trendig genug, um ihm in beiden Detailhandesblättchen je eine Seite zu widmen) stammt bei Migros aus dem TerraSuisse-Label, während bei Coop nichts deklariert ist, was erneut auf Import und Labelfreiheit schliessen lässt. Korrekturen wie immer willkommen, ein bisschen Reinwaschung könntet Ihr brauchen, werte Coopportunisten…

Fleisch Migros

PS. Hier noch eine kleine willkommene Ergänzung von Monika Schlatter, die regelmässigen Besucherinnen als talentierte Kuhfotografin bekannt sein dürfte. Sie hat mir untenstehendes Bild geschickt und dazu folgendes geschrieben: „Wenn Coop ausländisches Fleisch (wo bleibt dort wohl der Tierschutz…?) von weither „herankarrt“ und derart billig anpreist, wird der Konsument wohl nicht zum teureren Schweizer Fleisch greifen…“ Dem gibt’s nichts beizufügen, ausser vielleicht, dass es langjährigen Beratungsanstrengungen sei Dank doch einen gewissen Prozentsatz von Leuten gibt, die nichtsdestotiefpreis konsequent auf nachhaltiges einheimisches Schaffen setzen, danke Monika!
Monika

Weidetöri, 4. Quartal: Ausser Betrieb

Dezember 8, 2015

BlauFür alle die, die sie schon ein bisschen vermisst haben: Hier das (kurze) Best of Weidetöri im vierten Quartal. Ist halt nicht grad viel zu bewachen in dieser Saison. Hier obenstehend eines auf der Melchseefrutt, auf dem Weg Richtung Bonistock, drehen nicht ganz einfach, aber im Frühling wird’s bestimmt wieder.

Untenstehend ergänzend etwas früher aber auch schon ausser Dienst ein paar Exemplare aus dem Stockhorngebiet. Aussichtsmässig gabs nicht viel zu bestaunen, drum fokussierte man voll auf die naheliegenden Attraktionen.

A Weidetor1Das Drehende, kurzerhand zur Ruhe gelegt.

A Weidetor3Das Drehende, zwar noch stehend, aber doch ziemlich obsolet.

A Weidetor2Das zu Übersteigende, im Moment leicht umgehbar.

Eseli

Und zum Schluss dann doch zum Glück noch etwas Leben angetroffen, kurz vor der Züglete ins Tal, auf einer der Alpen, die wie auf einer Perlenkette rund ums Stockhorn aufgereiht sind.

ByeBye Bioaktuell, und ein kleines Best-of

November 17, 2015

Bioaktuell1Nach gut zwei Jahren habe ich Ende Oktober das FiBL verlassen und in Bern bei der BauernZeitung angeheuert. Es war eine tolle Zeit in Frick: Gute Leute, schöne Umgebung und – besonders wichtig für einen Agrarjournalisten natürlich – viele gute Geschichten in der Luft für eine Verwertung im Bioaktuell, wo man als Redaktor tätig war.

Längst nicht alle Geschichten konnten dann auch dingfest gemacht werden, aber ein paar Sachen kamen noch recht gut, hier zum Abschied (m)ein kleines Best-of aus der Bioaktuell-Zeit.

Zum Anfang die obenstehende Geschichte, wo es um Ausbildung ging, sie gefiel mir vor allem weil es die erste war, und weil sie schon mal zeigte, was sich da im Biolandbau für ein unterhaltsamer Menschenschlag tummelt. Hier geht es zum Artikel.  (Bild Monika Flückiger)

Bioaktuell1bAn dieser hier hatte ich vor allem Freude, weil es ein Primeur war, wenn ich mich richtig erinnere. Er hat zwar niemand anderes in der Medienwelt gross interessiert, aber in der Bioszene hats schon ein bisschen Staub aufgewirbelt, das Thema. Und schön war natürlich auch, das eigene Bild auf dem Titel zu haben, danach haben wir eigentlich fast nur noch mit Profis gearbeitet, was sich gut bewährt hat. Hier geht’s zur Geschichte und hier zum Editorial.

Bioaktuell3Diese Titelstory hat mir gefallen, weil der Umgang mit dem technologische Fortschritt eines der grossen Themen ist für den Biolandbau. Es war spannend hier ein bisschen die Nase in den Wind zu halten, das FiBL, ist hier vor allem dank Capo Urs Niggli (der glaub ich auch den Terminus Bio 3.0 kreiert hat) bis heute federführend und damit letztlich auch themengebend für die nächste Biofach in Nürenberg.

Cool fühlten wir uns mit dieser Geschichte natürlich auch, weil wir unser Coverkonzept für einmal umstürzten mit dem Bibeli auf weissem Hintergrund. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial von meinem Ex-Boss Markus (danke für die gute Zusammenarbeit und Deine Geduld bei the way:).

Bioaktuell3aDie verschmähten Kälber sind mir als Viehfreund natürlich besonders ans Herz gewachsen. Der grösste Teil der männlichen Jungtiere aus der Biomilchproduktion geht direkt in den konventionellen Kanal und damit ins Antibiotikacamp, kein guter Imagefaktor für die Knospe und Co. Optisch toll natürlich wie alles von ihr das Titelfoto von Marion Nitsch. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell4Pferdearbeit ist einfach ein tolles Thema, bildträchtig, nachhaltig, bodenschonend, ruhig, enge Zusammenarbeit von Mensch und Tier. An David Michel hat mir auch gefallen, dass er gemeinsam mit einem deutschen versucht, die old School Geräte derart weiterzuentwickeln, dass sie den technischen Standards der heutigen Zeit entsprechen. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell5Dieses Cover hier, darauf haben wir lange hingearbeitet, es war das erste Heft im neuen Layout und natürlich noch nicht alles perfekt, aber ein sehr gutes Gefühl wars schon, als das erste Exemplar zur Druckmaschine am Bodensee rauskam. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial (merci übrigens Tom für das coole Bild, you’re the best!).

Bioaktuell6Diese Story ist mir vor allem positiv in Erinnerung weil wir zum Bild einen Wettbewerb machten und die Kundschaft fragten, was wohl auf dem Blech liege. Es waren getrocknete Kiwis und innerhalb von paar Tagen schickten über 100 LeserInnen die richtige Antwort ein, obwohl das Fräglein weit hinten und nur klein placiert war. Das hat uns sehr gefreut, weil es zeigte, dass das Heft sehr genau und gut gelesen wird. Merci liebe LeserInnen! Hier geht’s zum Artikel, und hier zum Editorial.

Bioaktuell8Spermasexing, das war auch eine interessante Recherche. Letzte Woche ist der Antrag der Befürworter an der Bio Suisse-DV abgelehnt worden, gute Sache, finde ich, wäre wiederum imagemässig wohl nicht so gut gekommen. Und natürlich auch wieder ein tolles Titelbild, wenn ich mich richtig erinnere von Monika Flückiger. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell9Auch GMF sorgt für heisse Köpfe, die Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, ein neues Direktzahlungs-Bundesprogramm, das einen maximalen Kraftfutteranteil vorschreibt (Details siehe Artikel). Im Biolandbau hat man sich bisher noch nicht für ein Obligatorium entscheiden, der Mais ist schuld.

Bioaktuell10Hier haben wir wieder mal eine Innvoation gemacht, beziehungsweise unsere auch zeichnerisch sehr begabte Grafikerin Simone Bissig. Eine sehr coole Illustration für eine Standard-Geschichte: Wahlen halt. Hier geht’s zum Artikel und hier zum Editorial.

Bioaktuell7Und zum Schluss noch eins, das mir paar schlaflose Nächte gekostet hat, mein sonst immer zuverlässiger Grafikerkollege Daniel war grad in Afrika und sonst niemand da, der das InDesign hätte bedienen können. Also kam ich Ahnungsloser in die Kränze, ein rechter Murks, aber irgendwann kam dann doch noch ein Heftli raus.

Das wärs also, aber ganz zum Schluss auch noch merci vilmal an alle anderen bisher noch nicht erwähnten von unserem Bioaktuellteam: Power-Petra für supi-Verlagsleitung, Erika für Übersicht im Inseratedschungel, Steffi für stets aktuelle Agenda, Theresa für ruhige Hand und sicheres Auge, Leonore für Argumente und Fakten, Deborah für die schnellste Auffassungsgabe aller Zeiten, Carmen für coole Porträts, Frau Humm, die für Krebs viel Arbeit aufwenden musst, Manuel und Regula für traduction / traduzione und Res, Old Shatterhand der Beratung für immer zuverlässiges Online-Management!

Getarnter Grossverteiler: Das Hofsupermärktli

Oktober 21, 2015

CoopHeute morgen beim Hochgeschwindigkeits-Durchblättern der „Coopzeitung“ plötzlich gestutzt: „Machen die jetzt auf reduziertes Packungsdesign?“ fragt sich das noch etwas matte Hirn reflexartig. Ah nein, melden die langsam in Fahrt kommenden grauen Zellen, da handelt es sich um Produkte vom Juckerhof, dem Königreich der Direktvermarkter, so erfolgreich, dass in der Standortgemeinde Seegräben ZH seit Jahren über die Art der Bewältigung des lawinenartigen Verkehrsaufkommens vom und  zum „Erlebnishof“-Gelände gestritten wird.

Die Jucker-Kürbisse gibt’s ja schon länger bei Coop (übrigens fein, grad gestern aus einem Exemplar eine Suppe gebastelt), aber dass mir nun auch noch der halbe Hofladen aus der Hauspostille des Grossverteilers entgegenleuchtet, gibt doch ein wenig zu denken. Nicht dass ich den tüchtigen Jucker-Brüdern den Erfolg und den zusätzlichen Umsatz missgönnen würde. Aber wenn man sich das ein bisschen genauer überlegt, ist es schon eine ziemliche Perversion des Direktvermarktungsgedankens.

Ursprünglich war ja diese Art des Verkaufs dazu gedacht, den Zwischenhandel für einen – mikrobiell kleinen – Teil des Marktes auszuschalten und eine direkte Brücke von den Produzentinnen zu den Konsumentinnen zu schlagen. Damit kann der Primärsektor nicht nur die Marge erhöhen, sondern auch den Austausch mit den Kunden pflegen, in beiden Richtungen: Rückmeldungen zur Qualität der Produkte aus erster Hand und Schaffen von gegenseitigem Verständnis aufgrund dem Wissen um Sorgen und Bedürfnisse.

Das wachsende Bedürfnis, nicht nur ennet der Grenze, sondern auch regional einzukaufen ist natürlich auch den Marketingstrategen der Grossverteiler nicht entgangen. Mit ihren Programmen „Aus der Region – Für die Region“ (Migros)  sowie „Miini Region“ (Coop) versuchen sie dieses seit einigen Jahren zu befriedigen. Davon profitieren wir durchaus, so habe ich etwa dank dem Migros-Programm den weltbesten Grossverteiler-Anke von der Molkerei Neff in Wald entdeckt.

Trotzdem kann ich mich nicht richtig freuen, wenn jetzt der Grossverteiler auch noch die landwirtschaftliche Direktvermarktung als Teil des Portefeuilles zu betrachten beginnt. Das Inserat verspricht eine Hofladen-Atmosphäre und Nähe zur Scholle, die ein Grossunternehmen schon strukturell bedingt nie wird einlösen können, eben gerade weil er kein Direktvermarkter sondern ein Zwischenhändler ist, und damit genau derjenige, der in diesem System für einmal zurückstehen müsste.

Coop und Migros haben durchaus Verdienste, was die Förderung einer bäuerlichen nachhaltigen Landwirtschaft angeht, aber ein Grossverteiler ist ein Grossverteiler ist ein Grossverteiler. Ich kenne die Konditionen des Deals Jucker-Coop nicht, gehe aber davon aus, dass die Seegräbner massive Einbussen bei der Marge hinnehmen müssen, was sie quersubventionieren durch die Werbewirkung der Coop-Präsenz, höhere Quantitäten und Erträge aus anderen Verkaufskanälen. Bin natürlich gerne bereit, das zu korrigieren, wenn mir jemand genaue Zahlen liefert…

Manifique: Cows with a view

Oktober 12, 2015

Greekcow3Recently on the Mani-Peninsula in Greece: A few cows and heifers with a pretty amazing view, they didn’t seem to care much about it, though.

Unfortunately, I can’t tell you much about greek or peleponnesian agriculture, the focus was on chilling out (very recommendable place for this purpose!).

Just a few notes: Lots, really lots of olive trees. The Kalamata area that includes parts of Mani is Greece’s main olive oil production zone.

There were hardly any sheep or cows around, so I assume, that the milk production is not important on Mani, not surprisingly, it’s very dry here and rather hard to feed cows. Those here were pretty much on their own. The second time we saw them, they were on the way home, unaccompanied.

Except for some bigger olive oil operations, farming is predominantly small scale. But most of the olive farmers are to small for big presence on the markets. The austrian Company Bläuel hat taken this niche and collects oil from different producers which is then exported, eg. to Migros in Switzerland.

Greekcow2

Monikas Kuhsommer

Oktober 5, 2015

Monicow1a

Meine treue Kuhbildlieferantin Monika Schlatter hat mich auch diesen Sommer nicht hängenlassen. In regelmässigen Abständen schickte sie mir Bilder von allerlei Wanderungen mit Kuhbegegnungen aller Art. Hier ein Best-of mit Originalkommentaren und ganz herzlichem Dank!

„Lassen sie uns durch oder nicht, das scheint hier die Frage zu sein… Um der Hitze zu entfliehen wanderten wir kürzlich u.a. vom Chäserrugg zur Gamsalp hinunter, wo auch diese Aufnahme entstand. Und ja, es war diesmal kein Problem, die Kühe waren friedlich, die sind an die Touristen gewöhnt! (18. Juli)

Monicow2a„Endlich wieder mal ‚richtige‘ Kühe, mit und ohne Hörner, aber allesamt Knochengestelle… Ich ging gestern von Braunwald über die Bösbächi Alp (der junge Alpkäse ist hervorragend!) zum Oberblegi-See und hinunter nach Luchsingen!“ (29. Juli)

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„Heute kann ich dich mit ‚Action‘ Bildern beliefern. Ich war gestern in den Flumserbergen unterwegs und habe sämtliche untenstehenden (bzw. obenstehenden, die Red.) Bilder unterhalb des Prodkamm aufgenommen! Um den Mutterkühen ausweichen zu können, war zum Glück genügend Platz vorhanden!! Zu welcher Rasse gehören die schwarzgrauen Kühe?? Die Alpenflora dort oben (Zigerfurgglen) ist zur Zeit ebenfalls wunderschön!“ (1. August)

„Am vergangenen Mittwoch wagte ich mich nochmals auf Wanderpfade – aber nun ist es mir definitiv zu heiss geworden….. Hier nochmals zwei Kuhbildli, aufgenommen unterhalb des Hohen Kastens – diese Herde hat anscheinend grad in eine höhere grasigere Gegend gewechselt!…“ (8. August)

Monicow8Amsoldingen

Monicow9Niederhorn mit Sigriswiler Rothorn.

Monicow11Vom Niederhorn mit Blüemlisalp.

„Unten (bzw. in dem Fall oben, die Red.) habe ich dir ein paar Bildli aus dem Berner Oberland. Wir waren Fr/Sa bei Freunden in Amsoldingen und sind am Freitag von Adelboden über Sillerenbühl und Hahnenmoos an die Lenk gewandert sowie gestern von Niederhorn nach Habkern (wunderbarer Alpkäse!!!). Vielleicht kannst Du die Föteli brauchen?“ (23. August) Aber de scho sicher!

Monicow14Monicow16Monicow17„Gestern waren wir auf dem Walenpfad wandern. Erfreulich, wie touristenfreundlich die Älpler dort oben sind, siehe untenstehende (bzw obenstehende, Red.) Bilder!“ (27. August)

„Ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich dir in letzter Zeit ein wenig oft Kuh-Fotos schicke… hier noch ein paar Dexter-Kühe von meinem Veloausflug heute morgen auf dem Schlieremer Berg (morgens um 7h ist die Welt noch in Ordnung!…)“ (30. August)

Monicow20Monicow23 Monicow19Überhapt nicht, liebe Wanderfotografin, Du darfst mir gerne noch mehr schicken! Wer übrigens die von Monika gestellte Frage als ersteR richtig beantwortet, kann im Vorbeigehen einen Preis abstauben, viel Glück! (Alle Bilder Monika Schlatter)

Mit Pünktlisammeln allein bist du noch nicht WOW

September 19, 2015

MlekoEinkaufstourismus ist tatsächlich kein Kinkerlitzchen, 9 Milliarden Franken geben Schweizer Konsumenten ennet der Grenze alljährlich für allerhand Einkäufe vom Handtäschli übers Haarshampoo via Chateaubriand bis zum Brie aus, und warum nicht noch schnell ins Reisebüro? Höchste Zeit also für Gegensteuer aus der hiesigen Branche. Die landwirtschaftlichen Verbände sind hier an vorderster Ladenfront beteiligt.

Schon seit einigen Monaten lassen uns die Schweizer Milchproduzenten (SMP) auf den Produkten klebende Punkte sammeln, um heimisches Milchschaffen zu fördern. Bei genügendem Sammelstand können diese gegen Prämien eingetauscht werden, eine Art Direktzahlung in die andere Richtung, sofern einem das SMP-Täschli dann gefällt.

Nicht weniger als „WOW!“ ist man sodann bei der von Agro Marketing Suisse (AMS), dem Absatzförderungsverein der Schweizer Landwirtschaft massgeblich mitgeprägten Kampagne; natürlich nur, wenn man innerhalb der Grenzen einkauft, „well Sorg hebsch zur Schwiiz„, das ganze garniert mit einem aufwändigen Spot, mit einem der’s vormacht, wie musterhaftes Einkaufen geht, alles mit dem Velo auf kleinem Raum.

Beides sind sicher lohnenswerte Versuche. Der SMP gebärdet sich zwar etwas altväterisch, Pünktli sammeln mussten wir schon vor 40 Jahren für Mondo-Bücher, Konsummärggeli waren ebenso Alltag wie heute die Wertzeichen fürs Sammelheftli des Volg-Publikums. Aber warum nicht? Never change a winning Team, bzw. Marketingmethode.

„WOW“, seinerseits kommt gefällig und peppig daher, für mich jetzt fast ein wenig „übermarchet“, wie der Berner Bauer wohl sugte, aber vielleicht bin ich ja auch nicht im Kernzielpublikum, als einer, der immer brav heimisch kauft, jedenfalls fast.

Mal abgesehen von der Qualität der Kampagnen, die ich nicht wirklich fachmännisch beurteilen kann, scheint mir, dass sie am Kern des Problems vorbeischrammen, zumindest aus bäuerlicher Sicht. Das Problem ist ja für die meisten Produzenten, dass der Produktepreis und, um beim Beispiel zu bleiben, der Milchpreis nicht kostendeckend ist.

Dieser schlechte Preis hat aber nur sehr bedingt mit dem Einkaufstourismus und dem Einkauf ausländischer Milchprodukte in der heimischen Molkereiabteilung zu tun. Das Grundproblem ist, dass die Bauern als reine Rohstoffproduzenten viel zu wenig, nämlich unter 50 Prozent des Ladenpreises erhalten. Dieses Problem haben sie in ganz Europa, siehe die kürzliche Grossdemonstration in Brüssel, und darüber hinaus. Auch in Ländern wo Einkaufstourismus kein Thema ist, zB. England.

Ansetzen müssten die Verbände also anderswo: Wie schaffen es die Produzenten, sich einen grösseren Anteil an der Wertschöpfung zu holen? In diesem Artikel, der heute im LID-Mediendienst erschienen ist, wird schön beschrieben, wie schwierig es für die Produzenten ist, via Mengenausdehnung den Verdienst zu erhöhen bzw. in erster Linie mal die Fixkosten zu decken und die Investitionen abzuschreiben. Das belegt auch die stattliche Zahl von Grossbetrieben, die aus der Milchproduktion aussteigen, während kleinere Fische wie der Ueli-Hof im erwähnten Artikel Nischen suchen und bewirtschaften in denen sie bestens leben, weil sie selber verarbeiten, direkt vermarkten, an echte bäuerliche Genossenschaften liefern etc.

Schon klar, dass nicht jeder geeignet ist, ohne Hilfe selber zu verkäsen oder zu metzgen weil das Knowhow fehlt oder die Verkehrslage schlecht ist. Gerade deswegen bräuchte es hier den Support der Verbände. Man müsste die Bauern ertüchtigen, eine höhere Wertschöpfung zu generieren, statt Rabattsysteme für Konsumenten zu kreieren, die ohnehin schon zu wenig zahlen für die Lebensmittel. Das Problem ist wohl, dass man sich in diesem Fall mit der eigenen Klientel anlegen müsste. Zu den mächtigsten Mitgliedern der SMP gehören etwa die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), die ihrerseits Mehrheitsaktionärin von Emmi sind, die wiederum wenig Interesse daran haben dürfte, dass sich die Bauern verstärkt um das Schicksal ihres Produktes kümmern und ihr Marge abgraben.

Kritisch betrachten muss man vor diesem Hintergrund auch das Mantra von der produzierenden Landwirtschaft, das die Verbände, an vorderster Front der Dachverband ohne Unterlass beschwören. Natürlich müssen die Bauern produzieren, aber das reicht eben nicht, vielmehr müsste man das Mantra erweitern und wenn schon eine Initiative für produzierende UND verarbeitende UND direktverkaufende Landwirtschaft lancieren.