Posts Tagged ‘Emmentaler Switzerland’

Weltmeistertitel für einen schlecht Betreuten

März 23, 2014

Weltmeisteremmentaler Kopie

Diese Woche wurde der Emmentaler Weltmeister, nicht ein Schwinger oder ein Töfffahrer, s0ndern der beste Käse, den es eigentlich gibt, so man ihn den gedeihen lässt.

Zuerst einmal herzliche Gratulation an Gérard Sinnesberger aus Gams leicht östlich des Emmentals. Er holte sich mit seinem 100-Kilo-Laib die Goldmedaille am World Championship Cheese Contest im US-amerikanischen Wisconsin.

Das ist ziemlich bemerkenswert, standen doch über 2600 Käse aus aller Welt in der Auswahl. Für den Emmentaler per se gibt es allerdings wenig zu feiern. Der Preis hat sich zwar zuletzt dank allgemeinverbindlicher Mengensteuerung stabilisiert, aber nach wie vor leidet er unter struktureller Überproduktion, Käseunion lässt grüssen.

Dafür können die heute Verantwortlichen nicht viel, aber ein sonderlich brillantes Bild geben sie trotzdem nicht ab. Fangen wir mal an mit Emmentaler Switzerland: auf der Website der Sortenorganisation sucht man vergeblich nach dem kleinsten Anzeichen einer Erfolgsmeldung. Fehlt es da an Aufmerksamkeit oder Stolz oder beidem? Ein WM-Titel ist doch der ideale Steilpass für eine Marketingoffensive, man könnte Inserate schalten, in die Medien drängen, Social Media auf Hochtouren rattern lassen und so dem Vielgeschmähten virtuell die Rinde polieren.

EmmentalerFolepiFehlanzeige auch in den Läden, die Grossverteiler müssten jetzt den Drive ausnutzen und mal ein paar Käser aufbieten, die in den Läden promoten und zeigen, dass der weltmeisterliche Emmentaler ein aufwändig aus silofreier Rohmilch hergestetlles Handwerksprodukt und nicht industrielle Massenware ist. Genauso wird er nämlich vermarktet. Gestern in der Migros wurde man auf der Suche nach Beispielen sofort fündig: Aktion Emmentaler Surchoix („erste Wahl“) für sage und schreibe 14 statt 18 Franken das Kilo, das grenzt an Verschleuderung. Derweil kostet das importierte Industrieprodukt Fol Epi 23 Franken pro Kilo. Dieses profitiert vom Marketingpotenzial des Konzerns Bongrain, inklusive TV-Spots, auch in der Schweiz. Deshalb muss man hier auch den mit Abstand grössten Käsehändler Emmi in die Pflicht nehmen, der mit seiner Marke Kaltbach aus der selber gebauten Höhle lediglich ein Mikrosegment des Marktvolumens puscht und für die Vermarktung der Dachmarke kaum einen Finger rührt.

Insgesamt scheint niemand grosse Motivation für aktive Marktbearbeitung zu haben. Ein Hauptgrund für das geringe Interesse von Seiten Handel und Detailhandel ist, dass die Margen bei anderen einheimischen Spezialitäten und Importkäsen deutlich besser sind, als beim seit Jahren mit Tiefpreisen entwerteten Flaggschiff, derweil die Sortenorganisation wieder einmal hauptsächlich mit internen Führungs- und anderen Problemen beschäftigt scheint und dort gar niemand merkt, dass es etwas potenziell publikumsträchtiges zu feiern gäbe.

SMP&Co: Organisationen im Karriereherbst

März 4, 2012


Am Freitag hat in Bern ein bescheidenes Grüppchen von geschätzten 250 Bauern auf Einladung von Uniterre unter anderem für einen fairen Milchpreis und Ernährungssouveränität demonstriert. Laut Medienberichten forderte Uniterre unter anderem eine aktivere Rolle der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Man müsse der Organisation die Steuerung der Milchmenge übertragen. Das ist ein frommer Wunsch, denn dafür ist der Zug längst abgefahren. Schon kurz nach der Abschaffung der Milchkontingentierung 2009 zeigte sich leider, dass die Idee des Milchpools unter Ägide des Dachverbands zum Scheitern verurteilt ist. Der Milchhandel läuft heute über regionale Produzentenorganisationen, die direkt mit den wenigen grossen Abnehmern verhandeln. Die Meinung der SMP interessiert nur noch beschränkt. Als sie vergangenes Jahr unter Getöse aus der Branchenorganisation Milch (BOM) austraten, krähte ihnen dort kaum ein Hahn nach. Im Gegenteil, man zeigte sich bei den Zurückgebliebenen eher erleichtert, dass man nun ungestörter Tagen könne. Das Interesse an einer Rückkehr scheint bis heute limitiert. Dieses Desinteresse am Verband ist ein Zeichen für dessen reduzierte Relevanz, nicht nur für die Marktpartner, sondern auch für die Mitglieder. Die Zeiten als der Direktor der SMP mit Vertretern von Käseunion, Käsern und Bund in der sogenannte Viererbande den Milchpreis aushandelte kommen einem heute vor wie ein Märchen aus dem Band „1001 Landwirtschaftslegenden“. Trotz Finanzstärke läuft der Verband Gefahr, zu reinen Marketingorganisation mit Rezeptheft zu mutieren. Doch die SMP sind längst nicht die einzige Branchenorganisation, die im Herbst der Verbandskarriere angekommen scheint. Nehmen wir zum Beispiel die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. Die zerstrittene Interprofession ist eine zahnlose Verwalterin der Markenrechte, die im Marktgeschehen kaum mehr eine Rolle spielt. Forsche Käser, namentlich aus der Ostschweiz haben ihr Schicksal längst selber in die Hand genommen und verhandeln direkt mit dem Handel oder haben sogar selber Firmen gegründet. Das tangiert auch die Pläne des Käserverbands Fromarte. Dessen Projekt für die Gründung einer Einheitshandelsfirma für Emmentaler bleibt, wenn micht nicht alles täuscht, ein Papiertiger. Schwach auf der Brust ist auch die Switzerland Cheese Marketing (SCM). Ihre millionenschweren, vom Bund zur Hälfte mitfinanzierten Kampagnen für die wichtigsten Käsesorten verpuffen offenbar praktisch wirkungslos, verlieren diese doch auf den Exportmärkten an Boden. Derweil legen die unbeworbenen Nischenplayer zu. Böse Zungen werfen der SCM vor, zu stark in der Käseunions-Mentalität verhaftet zu sein und empfehlen augenzwinkernd eine Direktüberweisung der Marketingmittel an die darbenden Käser und Milchbauern. Die Uniterre-Demo übrigens zeigte auch die Probleme dieser oppositionellen Bauernvereinigung auf. Mit umstrittenen Aktionen, zum Beispiel erfolglosen Stiefelwürfen auf die damalige Landwirtschaftsministerin Leuthard und der Präsentation eines toten Kalbes auf dem Bundesplatz haben sie innerhalb der Branche viel Geschirr zerschlagen. Auch dieser Organisation kann man keine grosse Zukunft prognostizieren. Schade eigentlich, denn etwas mehr kreatives Kämpfertum würde dem betulichen Landwirtschafts-Millieu überhaupt nicht schaden. (Bilder Samuel Krähenbühl/“Schweizer Bauer“)