Posts Tagged ‘St. Gallen’

Der zweite Blick auf die Schau

Oktober 4, 2013

Hunde WCEs ist wieder soweit: Die Kärcher werden eingeheizt, die Kühe frisiert, die Trachten aus den Schränken geholt: Viehschauzeit. Monika Schlatter war an der grössten in Nesslau und hat mir ein paar schöne Bilder geschickt. Sie zeigen erstens, wie man sich täuschen kann: Nesslau liegt im Kanton St. Gallen, im schönen Toggenburg, und nicht etwa im Appenzell, wie das Deko vermuten lassen könnte.

Trachtenfrau am TelefonZweitens zeigen sie auf den zweiten Blick, dass auch hier in einer der entlegeneren Gegenden des Landes die Zeiten geändert haben. Die Agglo drückt in Form von Leinen-Hundenhaltung in die Täler und die Trachtenfrau telefoniert so lässig mobil, wie das in Downtown Switzerland niemand schöner könnte.

Swiss ClassicAuch dieser Helgen ist ein Beispiel für den Trend: Der Mann ist an einer Old-School-Viehschau, wirbt aber auf seiner Jacke für eine der modernen Cowshows, die heute eben zum Beispiel Swiss Classic heissen (wer sich ein Bild machen will: die nächste findet am 30. November in Brugg statt).

Appenzeller Meitschi

Hier eine junge Frau, die nicht Tracht, sondern das klassische Expertentenu trägt: den leichten Stoffmantel der Viehhändler, Kuhtreiber und Jurymitglieder. Ich will mich nicht zu weit auf die Äste rauslassen, aber sie wird von der althergebrachten Rollenverteilung kaum sehr viel halten.

AlpenbartWährend sich dieser schöne Alpenbartträger vermutlich fragt, wo das noch alles hinführen soll…

Bub vor Kühen… wird er es wohl eines Tages rausfinden. (Bilder Monika Schlatter)

Thermofarming: Neues Business im Untergrund?

März 25, 2013

Thermofarming St. GallenDieses Wochenende hat es mich nach St. Gallen verschlagen. Der dortige Brückenweg  ist eine hochinteressante, streckenweise spektakuläre Zeitreise und ein Muss für jeden Brückeningenieur. Aber auch landwirtschaftlich hat das Türli einiges zu bieten. Zu Beginn findet man sich unvermittelt im Appenzeller Grünland wieder, wo statt weidender Kühe ein bellender Bläss für Aufsehen sorgt.
Deutlich weniger idyllisch ist es dann im Sittertobel, wo es neben dem Festivalgelände für das alljährliche Openair neuerdings auch eine Attraktion für Geologen gibt.
Die Stadt St. Gallen macht hier eine Geothermie-Bohrung bis in 4000 Meter Tiefe, wo man heisses Wasser vermutet, dass dereinst über 20000 Haushalte versrogen könnte. Derzeit steht man bei knapp 1000 Metern.
Etwas verschupft steht neben dem grossen Areal ein Bauernhöfli, das durch die danebenstehende Abwasserreinigungsanlage zusätzlich bedrängt ist. Nicht unbedingt ein schönes Bild, und doch denke ich mir, könnte das ja eines Tages eine neue Einkommensquelle für Landwirte sein. In einer Zeit, wo Einfamilienhausbesitzer im Vorgärtli eine Bohrung machen können, um die Stube zu heizen, sollte das doch auch für Bauern in geologisch geeigneten Gegenden möglich sein: Wenn nicht Warmwasser aus dem Boden pumpen, so doch wenigstens das kühle Nass mittels Wärmepumpe erhitzen und umliegende Haushalte mit diesem versorgen und eventuell noch ein Sprudelbad für die Gäste auf dem Hof . Mit Thermofarming wäre auch schon das passende Label gefunden.  
Das kleine Hirngespinst haben offenbar auch schon andere gehabt, selbigen Abends finde ich im „Schweizer Bauer“ einen Artikel über mögliche neue Energiequellen für Landwirte im Kanton Aargau. Auch die Geothermie kommt im Eldorado der Sprudelbäder kurz zur Sprache. Der Kanton hat soeben ein Geothermie-Gesetz verabschiedet. Das Eisen, oder besser das Wasser ist also heiss, wird allerdings noch viel Anlass zu Kontroversen bieten: Einerseits hat eine grossangelegte Geothermiebohrung in Basel vor einigen Jahren zu einem Erdbeben geführt und andererseit befürchtet man eine Vermengung mit allfälligen Probebohrungen für Fracking, die SP ist jedenfalls schon mal präventiv aufgeschreckt.