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US-Medikamentenmäster im Chinaschilf

August 13, 2013

CowpoolSehr interessanter Artikel im Tages-Anzeiger von heute: „Zu viele Hormone: Chinesen wollen keine Steaks aus den USA“, so der Titel. Leider ist der Bericht online nicht zugänglich. Der Inhalt kurz zusammengefasst: Die EU, China und Russland haben den Import von Rindfleisch verboten, das mit wachstumsfördernden Zusätzen produziert worden ist. Der zweitgrösste Fleischkonzern der USA, Tyson Foods, verzichtet deshalb künftig auf Rinder, die in der Ausmast mit dem seit 2007 zugelassenen Präparat Zilmax behandelt worden sind.

Dieses wurde von Merck ursprünglich gegen menschliches Asthma entwickelt, hat aber in der tierischen Ernährung den Nebeneffekt, in wenigen Wochen das Gewicht der Mastrinder um bis zu 15 Kilo zu erhöhen. So lassen sich in den Feeding Lots, wo Tausende von Tieren in grossen Corrals für die Schlacht fertig gefüttert werden, steigende Futterkosten reduzieren. Die Kehrseite sind die Nebenwirkungen von ZIlmax. Es macht gemäss Stichproben 80 bis 90 Prozent der behandelten Tiere so träg und lethargisch, dass sie sich vor dem Gnadenstoss im Schlachthaus kaum mehr auf den Beinen halten können. Zudem soll das Fleisch post Zilmax zäher sein. Leider habe ich das Video der lahmen Rinder, das für viel Aufsehen sorgte, nicht gefunden im Netz, aber seine Wirkung hat es in der Schlachtindustrie getan.

Für den Bann des Produkts bei Tyson und möglicherweise bald in anderen Konzernen brauchte es aber ausländischen Druck. Eine Ironie der Geschichte ist, dass neben der EU ausgerechnet China und Russland, selber nicht gerade Hochburgen von artgerechter Tierhaltung, führenden Rollen einnehmen, wenn es darum geht, die Amerikaner zur Räson zu bringen. Die Schweiz dagegen importiert mit Zilmax, anderen Medikamenten und Antibiotika wachstumsgefördertes Fleisch ohne mit der Wimper zu zucken. Dass das US-Importfleisch in der Kühltheke dann keinen halben Meter neben einheimischem Weidebeef liegt, das als Musterbeispiel für nachhaltige Rindfleischproduktion gilt, entbehrt nicht einer gewissen Inkonsequenz.

Derweil ist in USA selber eine Gegenbewegung entstanden. Wie es dem Wesen der Amerikaner entspricht, nutzen sie in der medikamentenfreien Rindfleischproduktion bereits Marktnischen. Ein Beispiel für diese Reaktion ist der Cowpool, eine breit abgestützte Vermarktungsinitiative eines Farmers, die den direkten Draht zwischen nachhaltigen Produzenten und Konsumenten sucht. Ihr Claim ist so simpel wie einleuchtend: „It’s not what we do, that makes our Beef so good, it’s what we don’t do“.

Iowa-Zollikofen: Die Dürre und wir

August 14, 2012

Ein Farmer aus Illinois besichtigt die Schäden in seinem Maisfeld

Der amerikanische Corn-Belt wird derzeit von einer Dürre mit geradezu biblischen Ausmassen heimgesucht. Die Ernteausfälle im weltweit grösssten Mais- und Sojaanbaugebiet hatte bereits kräftige Auswirkungen auf die Weltmarktpreise der wichtigsten Futtergetreide. Wenn nicht alles täuscht, ist die Wasserkrise im amerikanischen Heartland erst ein Vorgeschmack auf die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels. Die besten Anbaubedingungen wandern nach Norden, ohne dass dort genügend Fläche und Infrastruktur vorhanden wären, um die steigende Nachfrage für die Futterversorgung zu decken. Akzentuiert werden die Probleme durch die Konkurrenznachfrage für Ethanolproduktion – schon heute produzieren die USA mehr Mais für Biodiesel als für Futter – und durch das Mittmischeln von allerlei branchenfremden Spekulanten auf den landwirtschaftlichen Rohstoffmärkten.
Betroffen von dieser Entwicklung sind nicht nur die deutschen, sondern auch die Schweizer Bauern, namentlich die Milchproduzenten. Kurz- bis mittelfristig sind Preisaufschläge unumgänglich, die Müller werden nicht zögern, die höheren Einkaufspreise an die Bauern weiterzureichen. Damit wird die Marge der Bauern mit hohem Kraftfutteranteil weiter schrumpfen, auch weil die Verwerter dank Überproduktion, wie sie grad dieser Tage wieder unter Beweis gestellt haben, munter an der Preisschraube drehen können.
An sich sollte jetzt die Stunde derjenigen schlagen, die gerne das Wort für eine hohe Inlandproduktion führen, zum Beispiel SBV-Präsidiumskandidat Res Aebi jüngst im „Blick“ oder die versammelte SVP-Spitze an der kürzlich abgehaltenen Landgemeinde. Was läge jetzt näher, als die Milchbauern daran zu erinnern, dass die Schweiz ein Grasland ist? Dass dieser einheimische Rohstoff als einer der wenigen im Lande praktisch unbegrenzt vorhanden ist? Dass er die Abhängigkeit von den labilen Weltmärkten vermindern und die Kreisläufe schliessen hilft? Gleichzeitig würde man – ich habs hier schon öfter geschrieben – das Überproduktionsproblem und damit den Preisschwund bremsen und die Marge erhöhen.
Man wird aber vergeben warten auf solche Aufrufe. Zu sehr ist man auf die Hochleistungs-Milchkuh fixiert. Wer einen tiefer gelegten hochmotorisierten Schlitten fährt, wird auch nicht freiwillig auf einen Kleinwagen umsteigen, denn hier geht es um Emotionen und Statusdenken. Zudem ist die Futtermittelindustrie mit ihrem in Zollikofen angesiedelten Verband VSF fast so gut organisiert wie die Bauern und stark mit diesen verbandelt.
Freude machte mir da als kleine Ausnahme kürzlich die ebenfalls in Zollikofen angesiedelte IP Suisse, die im übrigens sehr interessanten NZZ-Folio über Soja(-produktion) – hier kann man alles nachlesen – ein Inserat für Wiesenmilch schaltete (siehe Bild unten). Die kriselnde Innovation konnte sich bis jetzt nicht durchsetzen, zu dicht ist der Labeldschungel und zu unterentwickelt das Bewusstsein der Konsumenten in Sachen Futtermittelhandel. Das wird sich ändern, ich bin überzeugt, dass diejenigen, die heute auf Wiesenmilch und entsprechende Genetik setzen längerfristig besser dastehen werden als ihre Kollegen, die sich mit namenloser Massenmilch im Wettbewerb mit Produzenten weltweit befinden, denen sie schon strukturell nie das Wasser werden reichen können. (Bild oben Bloomberg)
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Syngenta will die kranke Cashcow weitermelken

Juni 1, 2012

Es war nur eine kurze Nachricht in meinem Leibblatt, aber sie hat mich trotzdem schwer erstaunt: „Syngenta unterzeichnet Vergleich in den USA wegen Atrazin“. In den USA hat sich die Tochter des Schweizer Agrochemie-Multis mit über 20 privaten im Corn-Belt (der rote Fleck auf der Karte) beheimateten kommunalen Wasserversorgern auf einen Vergleich geeinigt. Dieser kostet die Firma 105 Millionen Dollar. Angeklagt war Syngenta Crop Protection Inc. wegen der erwiesenen Verschmutzung des Grundwassers mit dem Herbizid Atrazin. Es ist ein älteres Produkt, das in der Schweiz lange für die Unkrautfreiheit der Bahngeleise eingesetzt wurde. Das mussten viele Gärtner schmerzhaft erfahren. Wenn sie Mäuerchen aus alten Bahnschwellen bauten, starb nach dem ersten Regen die ganze Vegetation unterhalb dieser Stützmauern ab, wegen des ausgewaschenen Atrazins. Mittlerweile ist diese Form des Einsatzes in der Schweiz verboten, die EU hat den Atrazineinsatz 2003 gleich komplett untersagt. Grund für dieses Verbot ist die schlechte Abbaubarkeit der Substanz, sie landet gerne im Grundwasser und sorgt bei den Konsumenten je nach Dosierung zu allerlei Gesundheitsproblemen, namentlich Geburtsschäden beim Nachwuchs. Eben deshalb laufen bei den erwähnten US-Wasserversorgern hohe Zusatzkosten für die Reinigung ihrer Reservoirs und Brunnen auf, wie sie in der der Klageschrift detailiert erläutern. Syngenta blättert nun also die 105 Millionen Bucks auf den Tisch, um diese Schäden zu tilgen, will diese Zahlung aber partout nicht als Schuldeingeständnis verstanden haben. Im Gegenteil: man zahle nur, um den Weg frei zu machen, dass die Bauern im Corn Belt endlich wieder ungehindert Atrazin einsetzen können, schreibt die Firma in einer reichlich schönfärberischen Medienmitteilung. Sie versteigt sich gar zur Behauptung, dass Atrazin eine wichtige Rolle im Umweltschutz zukomme. In Tat und Wahrheit geht es hier um sehr handfeste wirtschaftliche Interessen, Atrazin ist nach wie vor das meistverkaufte Herbizid in den USA. Die Cashcow soll weiter gemolken werden, auch wenn ihr Euter schwer entzündet ist. Kurzfristig mag das rentieren, langfristig dürften dem Unternehmen mit dieser kurzsichtigen Politik höhere Kosten als Nutzen resultieren. (Grafik USGS Pesticide Maps)

Throwback (into wintertime) at Trapper Creek

März 20, 2012

One of my favourite blogs is the Matron of hunsbandry’s „Throwback at Trapper Creek“. I’ve been following these anonymous farmers on the Pacific Northwest of the US for quite a while. I like their earthy approach to animal husbandry, gardening and farming, not talking of their excellent photography and sense of humour. These days, my unknown friends from Trapper Creek suffered an unexpected throwback into wintertime. Instead of spring weather and further blossoming in the garden area, they got snow again, and not just a little bit, there were some „relentless snow storms“, as they write on the blog.
Unsurprisingly the Matron of husbandry from Trapper Creek garnishes the snow-posts with some great pictures. Besides the pictures the blog offers some very useful advice. E.g. in the „How-to“-section where you get detailed user manuals for a big variety of agricultural working techniques and processing from making butter to seed saving. Plus a selection of interesting titles from the ag-library and a treasure-like blogroll where you find plenty of new-wave-farms that try to cater the growing number of food- and environment-concious Americans. A must read and watch. (All pics by www.matronofhusbandry.wordpress.com)