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Ein Lob der Alpenrose im Asphaltdschungel

Mai 24, 2013

Deko in der AlpenroseIch esse unterdessen fast am liebsten daheim. Zürich ist zwar ein Gastrotop. Seit die Wirte ohne Patent am Herd stehen dürfen ist das Angebot gewachsen wie der Hopfen in der Sommersonne, sollte sie dann noch kommen. Aber im Beizendschungel wächst auch viel Unkraut. Zu oft ist die Fassade wichtiger als das was geboten wird von der Küche. Gar viele dieser Lokale sind teure Zierpflanzen, an denen man sich zwar im ersten Moment fast nicht sattsehen kann, aber nachhaltig ist das Gebotene meist nur im Portemonnaie spürbar. 

Doch es gibt auch andere Pflänzchen auf der Beizenweide. Zum Beispiel die Alpenrose an der Fabrikstrasse im Kreis 5. Seit Jahren gedeiht sie bescheiden und heimatverbunden. Sie ist keine Blufferin, bescheiden aber hartnäckig steht sie an ihrer unspektakulären Strassenecke und lässt sich von der wuchernde kulinarischen Fettwiese nicht bedrängen. 

Platz bietet sie nur etwa zwei Dutzend Leuten, aber die scheinen mir immer glücklich zu sein. So wie auch wir gestern. Das Interieur ist toll, Holz bis an die hohe Decke, schönes Dekor (siehe oben und unten), nettes Personal und eine Karte die zwar klein ist, aber es in sich hat. Die Crew setzt seit Jahren auf heimisches Schaffen, auch beim Wein, fast alles ist bis auf den Betrieb und das Label hinunter deklariert und am wichtigsten: frisch und ohne Firlefanz zubereitet.

Wir hatten gestern zum Beispiel einen Brunnenkressesalat mit Weissweindressing, ein Entenei auf Hopfenspargel und einen Malfatto (das ist ein Riesengnocco) mit fast inländischer Barba di Frate zur Vorspeise. Im Hauptgang dann ein Zürisee-Felchenfilet, ein Rindskotelett aus dem Puschlav mit selber gemachter Kräuterbutter und einen auf den Punkt geschmorten Natura-Rindsbraten aus dem Züri-Unterland an einer Rotweinsauce.

Das alles mundete von A bis Z so gut, dass man unsere Teller ohne Abwaschmaschine gleich wieder hätte auf den nächsten freien Tisch stellen können. Zum Desser ein Gläceli vom Eisvogel und ein Käfeli, stark und aromatisch. Merci, es war nicht nur recht, sondern super und der Preis auf einem Niveau, dass alle Beteiligten, vom Gast über den Wirt bis zum Produzenten, gut damit leben können, auch weil man in der Verwertungskette vermutlich nur wenig Zwischenhandel nähren muss. Wir kommen wieder und wünschen der Alpenrose auch fürderhin einen guten Wuchs.
Alpenrose mit Holzkuh  

Homepagereportage: Stadtgmües für Landei

Juni 10, 2012

Bald ist es schon wieder Montag, der Kühlschrank leer. Das erstere ist unverrückbar, sollte zweiteres bei Ihnen der Fall sein und es kommt noch der Wohnort Zürich dazu, dann habe ich etwas Schönes für Sie. Heute Abend entdeckt, dank einer frischgebackenen Facebook-Freundin (Danke Tanja!): „Stadtgmües„. Das ist eine Homepage auf der sämtliche Hofläden und andere Direktverkaufsstellen auf Stadtboden zusammengestellt sind, das sind immerhin deren 14. Das sind dann im Falle des Dunkelhölzlis (ja derart düstere Flurnämen gibts im Millionenzüri) so aus:
Hinter dem cleveren Projekt steht Georgiana Ursprung. Über sie steht folgendes auf der Homepage: „Begonnen hat alles mit ihrem Umzug an den Stadtrand. Bald waren die Hofläden der umliegenden Bauernhöfen entdeckt und den direkten Kontakt zu den Produzenten im Quartier wurde schätzen gelernt. Da es erstaunlich viele Direktverkaufsorte in Zürich gibt, aber bloss wenig Leute davon wissen, war die Idee schnell geboren, diese Orte auf einer Webseite bekannter zu machen.“ Das alles in Fronarbeit, häb Dank Georgiana!

Und wenn wir noch grad bei der Stadtlandwirtschaft sind. In Zürich gibts  noch 900 Hektaren Landwirtschaftliches Nutzland (pro Jahr werden 10 überbaut), bewirtschaftet von 27 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben sowie 10 Hobbylandwirten, darunter zum Beispiel der Riedenholzhof, welcher unter anderem Wasserbüffel hält und aus deren Milch Seife und Mozzarella herstellt bzw. herstellen lässt. Aus den Büffeln selbst gibt es zum Beispiel Salami und Landjäger. Die 10 stadteigenen Betriebe bewirtschaften zwei Drittel der Fläche. Neun davon sind verpachtet und nach Vorschrift der Stadt biologisch bewirtschaftet, was nun nicht heisst, dass dies die Pächter als Pflicht betrachten. Nur ein einziger, der Juchhof wirtschaftet konventionell, weil ums Haus mitten im Limmattal zuwenig Weiden für die Kühe zur Verfügung stehen, und überdies ist man sich nicht sicher, ob die von dort aus organisierte Bewirtschaftung der Friedhöfe Bio-kompatibel sei, sagte der Direktor von Grün Stadt Zürich kürzlich an einer Veranstaltung. (Bild unten Nicolas Y. Aebi/20Minuten online).

Frau Weibel und die Berner Rosen

Januar 10, 2012

Dienstag- und Freitagvormittag ist immer Markt am Bürkliplatz in Zürich. Er ist zwar – nicht immer ganz zu unrecht – verschrien als tuerer Goldküsten-Foodbasar. Ich gehe trotzdem gerne hin, um im Marktgewimmel bei einem Holzofenbrötli und einer Schale die Zeitung durchzublättern. Jetzt im Winter ist allerdings nicht grad viel los. Mehr als die Hälfte der Marktfahrer bleibt am Dienstag zuhause und der Kiosk ist auch zu. Interessanten Menschen kann man trotzdem begegnen. Zum Beispiel Frau Weibel, die mit ihren Äpfeln und Nüssen etwas verlassen auf dem Platz steht. Sie hat mich sofort im Sack, weil sie Berner Rosen im Angebot hat. Frisch und getrocknet. Angebaut im Heimetli hoch über Herrliberg, gelagert im Schürli. Die Preise sind sehr reell: 3.60 für das Kilo der aussterbenden Apfelsorte. 6 Franken für einen 200-Gramm-Sack getrocknete Schnitze. Wohnen tut Frau Weibel nicht mehr auf dem Hof, sie logiert jetzt im Aargauischen und hat das Land am See verpachtet. Nur die Frucht- und Nussbäume hat sie noch behalten. Das lohnt sich.