Ehrendamen: Wie bestellt und nicht abgeholt

Alarm KopieDieses Wochenende ist Swiss Expo. Die Top-Viehschau in Lausanne ist das Mekka der Schweizer Züchter. Es ist das alljährliche frühe Highlight für Kuhfans, die zu Tausenden an den Lac Léman pilgern, um dort die Reines des Reines sämtlicher populärer Rassen zu bestaunen.

Heute sind die Topevents eher Cowshows als Viehschauen. Die Organisatoren bemühen sich nach Kräften um Glamour, inspiriert natürlich nicht von Gotthelfscher Tradition, sondern von amerikanischen Gebräuchen, wo sich die Inszenierung der Königinnenkürung schon länger an Hollywood anlehnt: Schwinwerfer, schmissige Musik und natürlich… sogenannte Ehrendamen.

Um diese soll es heute gehen. Sei’s in Wattwil oder Lausanne, Sargans oder Burgdorf: Wo immer heute Kühe ausgezeichnet werden, sind die leicht geschürzten und flankierend posierenden Damen auf den Siegerbildern nicht weit. Mir tun sie ehrlich gesagt ein wenig leid. Sie wirken irgendwie immer ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt. Ihre Aufgabe besteht einzig darin, gut auszusehen und die zwei- und vierbeinigen Siegerinnen optisch aufzuwerten,  ohne jemals das Wort ergreifen zu dürfen oder anderweitig für Stimmung zu sorgen.

Ich finde die Präsenz der hübschen jungen Frauen ziemlich überflüssig. Erstens weil eine schöne Kuh und ihre Besitzer ja eigentlich genügen sollten, um sie geht es hier ja. Und zweitens wiel die Ehrendamen hier nur schön zu sein und nichts zu sagen haben. Dieses überholte Frauenbild wird ansonsten praktisch nur noch von der Autobranche gepflegt, die sich an ihren Salons immer noch nicht entblödet, junge Frauen neben und auf Karosserien posieren zu lassen.

Die Landwirtschaft hat es jetzt definitiv nicht nötig, auf dem selben Karren mitzureiten, sie zementiert damit höchstens das Bild von leichter Rückständigkeit, das man ihr gerne anhängt. Dabei gibt es in der Branche heute mehr als genug tatkräftige junge Landwirtinnen wie Elvira Perreten aus Lauenen BE, die im bäuerlichen Alltag ihre Frau stellen, zum Beispiel in der Viehzucht, wie das gestrige Siegerbild mit der Swiss-Expo-Simmentaler-Siegerkuh Alarm Venus zeigt. Um ihr Ehre anzutun, müsste man Frau Perreten wenn schon – das würde mal ein emanzipiertes der Landwirtschaft abgeben – einen Ehrenmann an die Seite stellen, aber dann bitte im Chüejermutz und nicht in der Leopard-Badehose. (Bild Peter Fankhauser, Bauernzeitung (die hier bis Samstag live aus Lausanne berichtet.))

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Eine Antwort to “Ehrendamen: Wie bestellt und nicht abgeholt”

  1. Jeanne Says:

    Die Red Holstein sind in dieser Hinsicht fortschrittlich, sie haben nämlich eine Ehrendame und einen Ehrenmann mit Rose am Revers (Ehrenherr?). Bildbeweis hier: http://www.bauernzeitung.ch/mehr/swiss-expo-2016/swiss-expo-red-holstein/

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