South Africa: Hard Work für mehr Wertschöpfung

April 17, 2017

 

Vorletzte Woche hatte ich das Glück, am internationalen Agarjournalistenkongress der IFAJ in Südafrika teilnehmen zu dürfen (IFAJ=International Federation of Agricultural Journalists). Es waren sehr eindrückliche Tage: Ein Land, das einem auf den ersten Blick an Europa erinnert, völlig ungewohnt im Vergleich zu dem, das einem von diesem so vielgestaltigen Kontinent sonst in Erinnerung ist. Auf den zweiten Blick entdeckt man dann aber vieles, das doch nicht so anders ist, als an vielen Orten in Afrika.

Zum Beispiel, dass die Handarbeit praktisch ausschliesslich von Schwarzen ausgeübt wird, wobei die „Rainbownation“ natürlich nicht nur Schwarz und Weiss ist, sondern vielfarbig, und doch sind die Aufgaben klar verteilt, denn die „couloured“ also gemischtrassigen People sind auch nicht unbedingt diejenigen in den Bürojobs, zumindest nicht in der Landwirtschaft.

Diese Filmlis stammen aus verschiedenen Betrieben, die wir besucht haben auf unserer Blitzreise durch dieses riesige und facettenreiche Land. Das oben stammt von Laastedrif Farming, einem grossen Landwirtschaftsunternehmen mit Gemüse-Verarbeitung (zwecks höherer Wertschöpfung in einer Nation ohne Agrarsubventionen) und einer produktiven landwirtschaftlichen Nutzfläche von rund 2300 ha, auf denen vor allem Gemüse und Obst wächst sowie Schafe weiden. Der Arbeiter macht Butternut-Kürbisse zu Butternut-Spaghettis, die dann nur 2-3 Minuten in der Mikrowelle schmoren müssen, um servierbereit zu sein.

Dieser und weitere besuchten Betriebe kümmern sich intensiv um ihre Arbeiter und Arbeiterinnen, im Fall von Laastedrif sind es nicht weniger als 500, mehrheitlich fest angestellt. Sie erhalten als Teil des Lohns Wohnraum, eine Schule samt Hort und Krippe für die Kinder sowie medizinische Grundversorgung, das ist längst nicht für alle SüdafrikanerInnen selbstverständlich. Trotzdem, die Arbeit ist hart, der Boss ist weiss und das ist eine kleine Reverenz an die Leute, die sie täglich verrichten, diese Arbeit, seis in Südafrika oder sonstwo auf der Welt.

 

Dieses Video zeigt die Rollrasenernte bei Rossgro, einer weiteren grossen Landwirtschaftsgruppe, die unter anderem auch stark in der Geflügel- und Futtermittelproduktion investiert ist.

 

Hier ein Blick in die Karottenstäbchenproduktionsstrasse bei Laastedrif. Im Hingergrund ein Agrarfotograf an der Arbeit, nicht die anspruchsloseste Kundschaft…

 

Hier ein Eindruck aus der Rüeblisortierhalle bei Laastedrif.

 

Die Äpfel von Laastedrift gehen zur Sortierung zum Fruchtgrossisten und Safthersteller Ceres, der sich teilweise in den Händen der Produzenten befindet.

 

Zum Schluss noch einmal die Rollrasenernte bei Rossgro, die mich auch mechanisch recht fasziniert hat, deshalb ein zweites davon.

Der fette Kuchen zum fetten Spät-Januar

März 7, 2017

Keine Angst, das wird jetzt hier nicht der 3733. Kochblog.Aber ich bin Ihnen, geneigte Leserschaft, ja noch eine Antwort schuldig, genauer: eine Wettbewerbsantwort. Und der Gewinner ist: Thomas Rippel! Herzliche Gratulation. Aber der Reihe nach: Vielleicht erinnern Sie sich noch an den auf Februar ausgeweiteten „Fetten Januar“ und das Preisausschreiben für die „Fette Sau“ von Jürgen Schmücking? Das tolle Buch – hier rechtsliegend – winkte ja dem-/derjenigen, die/der mir das beste fette Rezept zustellen würde. Nun, ohne die Leistung von Thomas schmälern zu wollen, das Teilnehmerfeld war relativ klein, um genau zu sein umfasste es genau eine Person. Der fette Preis für den Sieger ist aber nicht minder verdient, sein Rezept sieht nämlich lecker aus, probiert habe ich es zwar noch nicht, aber schon beim mit den Augen probieren siehts verlocken aus.

Aber überlassen wir das Wort doch dem Gewinner: „Ich habe ein Rezept von einer 92-jährigen Frau aus dem Welschland welche uns regelmässig am Hof besucht bekommen nachdem ich ihr von meiner Liebe für Grieben erzählt habe – Griebenkuchen. Sie hat es auf einer Schreibmaschine getippt und mir mit einem netten handgeschriebenen Brief geschickt. Heute habe ich das Rezept ausprobiert und es wurde köstlich 🙂 Die Grieben habe ich übrigens auch selber gemacht.
Ich habe das Rezept nun noch mal ein wenig Nose-to-Tail-iger gemacht. Statt Ei und Milch habe ich Blut genommen (s. Bild unten):

-250g Mehl
-125g Grieben
-125ml Blut
-1/2 Teelöffel Salz
-1 Esslöffel Schmalz
-Hefe“

Danke, Thomas. Mir gefällt das Rezept natürlich auch weil Grieben vorkommen. Auf gut berndeutsch heissen die Gräubi, das ist ausgelassenes Schweinefett gewürfelt (s. das instruktive Bild von Thomas). Und Grossvater selig pflegte sie im Winter den Hühnern zu futtern. Das gab den Eierproduzentinnen den nötigen Schmutz, um die damals noch arktischen Temperaturen in der kalten Emmentaler Jahreszeit zu überstehen, wobei ein guter Anteil immer auch direkt im Magen des Grosssohns verschwand. Das war ein wachsiges Beifutter.

Toll übrigens auch die Wortschöpfung „Nose-to-tailiger“, das merk ich mir. Lasst uns den Fleischkonsum wieder „Nose-to-tailiger“ machen, das ist doch ein guter Vorsatz für einen Dienstagabend.

Zum Schluss noch zwei, drei Worte über den Gewinner, bzw. seinen Brot-, bzw. Grieben-Erwerb. Er ist laut der schmucken Website Landwirtschaftsgeselle auf dem Hof Maiezyt in Habkern im Berner Oberland. Sieht nach einem interessanten Gemeinschaftsprojekt aus. Daneben unterhält unser Gewinner eine eigene stattliche und lesenswerte Webpräsenz. Ich wünsche Glück in den Stall und weiterhin ein gutes Händchen in der Küche! Der fette Preis ist unterwegs, oder jedenfalls schon fast. (Bilder Thomas Rippel)

Der fette Januar (2): Ein hoch auf den Schmutz

Februar 4, 2017

fette-sau-1Dieser Januar ist einfach zu schnell vorbeigegangen. Drum ist das jetzt quasi der fette Spätjanuar. Heute gibt’s es das titelgebende Werk zu gewinnen, namen „A fette Sau – Mangalitza, Zucht und Geschichte, Fleisch und Gerichte“ von meinem Agrarjournalistenkollegen Jürgen Schmücking.

Für Jürgen ist Agrarjournalist eigentlich eine Untertreibung, klar, das ist er auch, aber daneben ist er auch ein Top-Fotograf und vor allem ein krasser Ernährungstyp, und das meine ich jetzt nur positiv. Er ist ein Spürhund, immer am Schnüffeln nach dem besten Geschmack, wenn Du ihm auf Facebook und Instagram folgst, darfst Du das NIE hungrig oder durstig tun, sonst grenzt es an Folter. Auch daneben ein Supertyp, lustiger österreichischer Humor, unbestechliches Urteil zwar, aber kein gestopfter Kritiker, sondern ein gmögiger Kasten, Typ progressiver Seebär.

Anyway, was ich eigentlich sagen wollte: Wenn Jürgen ein Buch rausgibt, dann kann es nichts Schlechtes sein, das wusste man schon vorher. Und es ist super geworden. Aber auch für „A fette Sau“ gilt, was ich vorhin gesagt habe, zumindest wenn man nicht vegi ist oder etwas gegen Schmutz (für nicht-Schweizer: Schweinefett hat). Ich habe zwar grad üppig gefrühstückt, aber Jürgens 200-Seiter hat mir trotzdem schon wieder Hunger gemacht.

fette-sau-2Das Buch ist eine Mischung: Im Mittelpunkt stehen das Tier, das Mangalitza-Schwein. Es ist ein Porträt dieser „Rasse mit Klasse“, die allerdings schwer in Rücklage geraten ist, seit der Durchschnittskonsument das Fett meidet, wie der Teufel das Weihwasser (Zitat Schmücking). Es ist aber auch ein Porträt des Ehepaars Wiesner, das sind Christoph und Isabell, Mangalitzazüchter irgendwo im tiefen Österreich. Die fette Sau ist zudem agronomisch und metzgerhandwerklich ergiebig, man erfährt viel über die Fütterung (zB. mit gekochten Kartoffeln) aber auch über die Schlachtung. Hier ein kleines Beispiel:

Schnell gemästete Schweine stehen immer durchgetreten, also flach und mit weichen Gelenken da. Da kann sich jeder vorstellen, dass das Tier ständig Schmerzen hat und das Produkt am Ende nicht gut sein kann, weder im Geschmack, noch in der Information, die das Fleisch weitergeben wird. Das heisst also, man sollte den Tieren am Anfang Zeit geben, sie langsam wachsen lassen, dafür sorgen, dass die Schweine frische Luft haben. Wir wollen ja auch die Lunge essen.

 Im weiteren ist es natürlich auch ein Rezeptbuch mit tollen Bildern (wie sowieso alle Fotos sehr  ansehnlich sind), aber auch ein Plädoyer für artgerechte Nutztierhaltung, für eine nähere Beziehung zwischen Bauer und Konsument sowie für den Nose-to-Tail-Ansatz. Eine interessante Passage beschreibt unter anderem, wieso es Sinn macht, möglichst grosse Stücke vom Schwein zu kaufen:

Es ist ganz einfach: Je grösser die Fleischstücke sind, desto mehr kann man darin lesen. Je näher man dem Produzenten ist, desto eher kann man auch überprüfen, ob das was er gesagt hat, auch stimmt. Bei einzelnen Koteletts ist überhaupt nicht mehr feststellbar, was damit alles passiert ist. Bei einer halben Sau ist die Sache deutlich einfacher. Man sieht die Drüsen, das Bindegewebe ist genau so sichtbar wie die Knochen. Der Schlachtkörper erzählt die komplette Geschichte des Tieres.

fette-sau-3Und so weiter. Kann ich voll empfehlen. Hier der Link zum Buch, gehen Sie doch, wenn Sie Euch auch hungrig macht, die fette Sau, zum lokalen Buchhändler und bestellen Sies, passt irgendwie besser zum Inhalt, als Einklickbestellung beim Internet-Multi… Oder machen Sie an meinem Wettbewerb mit, weil im Moment scheint das Buch (verständlicherweise) ausverkauft zu sein. Aber weil man wirklich Schmutz gerne haben muss, um es zu geniessen, ist es keine gschwind Wikipedia-Wettbewerbsfrage sondern quasi der Slow Food unter den Quizanforderungen: Wer mir in den nächsten zwei Wochen das beste Rezept in dem Schweinsschmutz oder feisses Schweinefleisch eine Rolle spielen zuschickt (adimali@gmx.ch), am besten selber gekockt, am liebsten mit Bild, kriegt die fette Sau zugestellt. Die Jury ist sehr subjektiv und aus einer schmutzliebenden Person bestehend. (Bilder aus dem besprochenen Buch)

Der fette Januar (1): Hornkalender, spät aber rar

Januar 15, 2017

hornkalenderNach übermässig langer Pause hier endlich wieder einmal ein Agroblogpost. Und um Sie für die lange Wartezeit (falls Sie überhaupt gewartet haben) zu entschädigen, werte Leserschaft, beginnen wir das neue Jahr gleich mit einem Preisausschreiben, und zwar gleich mit einem dreifachen.

Den Anfang macht der Hornkuh-Kalender 2017. Es ist zwar, ich gebe es zu, etwas spät für diesen Preis, das Januarbild werden Sie, spätereR GewinnerIn, nur noch kurz geniessen können, aber es bleiben ja noch 11. Und zudem ist er recht exklusiv, der datenmässig Orientierung spendende Wandschmuck mit  Horn ist nämlich ausverkauft, wie man auf der Website der dahinter stehende Hornkuh-Initianten erfährt.

Bevor wir nun zur Quizfrage kommen noch ein paar Worte zur Hornkuhinitiative (HKI), die derzeit nach erfolgreicher Einreichung der politischen Dinge harrt, die auf ein Volksbegehren zu warten pflegen. Anders als die kurz vor dem Rückzug stehende Ernährungssicherheitsinitiative des SBV ist der Vorstoss von Armin Capaul und seinen Mitstreiterinnen voll im Saft und wird voraussichtlich noch einigen Staub aufwirbeln.

Ehrlich gesagt, macht es wohl keinen grossen Sinn, den Hornfranken für Kühe und Ziegen in die Verfassung zu schreiben, wobei ja schon paar andere Sachen drin stehen, die dort nicht hingehörten. Am Schluss wird man sich wohl im besten Fall (aus Sicht der Initianten) mit einer Änderung der Direktzahlungsverordnung zufriedenstellen müssen. Aber der Zündstoff, den die Initiative birgt, liegt anderswo, da sie droht, die Landwirtschaft zu spalten.

Voraussehbar ist eine klare bäuerliche Mehrheit dagegen, aber geschätzte 20-30 Prozent der Bauern dürften die HKI befürworten und dies voraussichtlich mit Unterstützung eines guten Teils des Stimmvolks. Es gibt kaum etwas, was die bäuerlichen Exponenten der Agrarpolitik so sehr fürchten, wie einen öffentlichen Disput verschiedener Fraktionen innerhalb der Branche und man darf gespannt sein, wie sie dies zu verhindern versuchen werden.

Nun aber zur Quizfrage: Dieses Wochenende ging ja bereits der Höhepunkt der heurigen Spitzenschausaison über die Bühne. Auch dort gibt es schöne behornte Kühe und dies vor allem bei den Simmentalern. Wer mir als erstes in die Kommentarspalte schreibt, wie der Anlass heisst und auf welchen Namen die Reserve Championne bei den Simmentalern hört, is the Winner. Und noch zwei kleine Tipps: Auf der Website der BauernZeitung bestehen recht gute Chancen, fündig zu werden, und lustigerweise hat der Name auch gewisse Parallelen zu demjenigen dieses Blogs. Viel Glück!

PS. Zunächst herzliche Gratulation an den Sieger Christian Tüscher, der da innert Kürze souverän richtig geantwortet hat (s. Kommentarspalte). Er hat mir aus diesem Anlass verdankenswerterweise auch ein paar interessante Gedanken zur Initiative zukommen lassen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will (mit Christians Zustimmung):

Da wir auf unserem Bio-Betrieb selber behornte Simmentaler-Kühe haben (Laufstall) war das Quiz wie zugeschnitten auf unseren Betrieb, wobei mich ehrlicherweise die Showszene bei den Kühen nicht wirklich interessiert. Per Zufall las ich gerade den „Schweizer Bauer“ (keine Angst, habe auch die Bauernzeitung abonniert) als dein Tweet kam und so musste ich nur blättern und hatte die Lösung.
Deinem Kommentar zur Hornkuh-Initiative kann ich nur beipflichten. Obwohl ich bei einer Annahme der Initiative auch profitieren könnte (haben rund 35 „Horn-GVE“) habe ich die Initiative nicht unterschrieben und zwar aus folgenden Gründen, welche du z.t. schon aufgeführt hast:
1. Nicht verfassungswürdig, höchstens auf Stufe Verordnung
2. Innerlandwirtschaftlicher Disput – schadet der ganzen Branche. Thema dabei könnte dabei auch Laufstall vs. Anbindestall werden, da die meisten Hornkühe im Anbindestall gehalten werden. Auch wenn die IG-Anbindestall mangels besserem Wissen immer wieder betont, dass es Hornkühe im Anbindestall besser gehe als im Laufstall könnte für die Freunde des Anbindestalls der Bumerang zurückkommen und sie selber treffen (verstehe mich richtig, ich habe nichts gegen Anbindeställe, jedoch ist mir das missionarische und besserwisserische Getue dieser IG mehr als zuwider).
3. Wir sollten nun wirklich von der Mentalität wegkommen, immer den Staat zu rufen, um für irgendwelche Leistung Gelder zu bekommen. Stattdessen sollte Eigeninitiative entwickelt werden, um einen Mehrwert für die Hörner direkt am Markt zu erzielen. Aber eben, dies ist mit Aufwand verbunden, da ist es doch praktischer, den Staat zu rufen.

Wir lassen unseren Tieren die Hörner aus Überzeugung. Auch die Haltung im Laufstall funktioniert problemlos. Meist ist eh nicht der Stall, sondern der Mensch, resp sein Management das Problem.

So, dies ein paar Gedanken von mir zur Thematik.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

November 22, 2016

auswandererblogLiebe Leserinnen und Leser, mir ist heute schon zweimal gratuliert worden zu diesem Beitrag. Das freut mich sehr, aber es sind fremde Federn, die mich hier schmücken, nämlich diejenigen von Auswandererblogger Ruedi Baumann, dessen Beitrag ich hier lediglich rebloggt habe, da ich ihn sehr lesenswert finde, besten Dank Ruedi und Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre!

„Diese Bauprofile sind mir heute auf einem Sonntagsspaziergang in Lyss, Kanton Bern, Schweiz aufgefallen…. Langsam setzt sich auch in der schönen Schweiz die Erkenntnis durch, dass die ausufernde Zersiedlung der Landschaft begrenzt werden muss. Jahrzehnte nach dem Erlass des Raumplanungsgesetztes und diversen Ergänzungen kommt man mehrheitlich zum Schluss, dass die Bauzonen zu gross geraten sind, […]“

http://auswandererblog.ch/2016/11/20/ein-bild-sagt-mehr-als-tausend-worte/

Baysanto: ChemiEhe mit hoher Bringschuld

September 25, 2016

mariageNun ist sie also so gut wie amtlich bewilligt, die Multimultimilliarden-Hochzeit zwischen Bayern und Monsanto, beziehungsweise die Adoption des amerikanischen Schmuddelknabens durch die Leverkusener Mutti. Das ist keine Überraschung: Die Ausweitung von Marktmacht durch Konzentration gehört zu den Megatrends in der heutigen Wirtschaft, daran wird auch in diesem Fall das Hüsteln der im Gegensatz zu Braut und Bräutigam national organisierten Wettbewerbsbehörden gar nichts ändern, wie die Erfahrung zeigt.

Der reizende Kommentar

Von dem her nichts Neues im Westen und an sich auch nicht des Bloggens wert. Doch der Kommentar von NZZ-Wirtschaftsredaktor Sergio Aiolfi zum Baysanto-Merger hat mich nun doch zu fest gereizt, um hier nicht wieder einmal in die Tasten zu greifen. Nicht etwa, um den geschätzten Ex-Kollegen zu bashen, sondern weil sein Text exemplarisch zeigt, wie simplifizierend und letztlich naiv heute von Wirtschaftsexperten die Kritik an dieser Fusion und generell am Agieren der Chemie-Grossunternehmen vom Tisch gewischt wird, obschon es angesichts der bisherigen Erfahrungen jenseits der ausgewaschenen Schützengräben von erbitterten Befürwortern und Gegnern mehr als genug Anlass gibt, diesen gigantischen Zusammenschluss kritisch zu hinterfragen.

Aiolfis Kommentar ist typisch für eine Denkschule, die höchstens den Shareholdern, ganz sicher aber nicht den Konsumenten und den Bauern, und zu allerletzt denjenigen in der dritten Welt dient. Es sei hier wieder einmal erwähnt, dass über die Hälfte der Armen auf dieser Welt Bauern sind, denen die finanzielle und technische Basis für einen sicheren Einsatz der Hi-Tech-Chemierezepte fehlt. Aber der Reihe nach. (Den Kommentar übrigens, sollten Sie den oben eingefügten Link nicht nutzen können, habe ich untenstehend in voller Länge eingefügt.)

Tränen der Rührung?

Aiolfi erwähnt zum Auftakt den möglichen Reputationsschaden für das deutsche Unternehmen durch eine Übernahme von Monsanto. Sollen uns nun die Tränen der Rührung kommen, ob des uneigennützigen Einkaufs von Bayer? Als ob irgendjemand von einem der schärfsten Konkurrenten Monsantos eine Imagekorrektur für das rücksichtslose Geschäftsgebahren der Amerikaner (dem Vernehmen nach beschäftigt Monsanto mehr Anwälte als Agronomen) erwarten würde. Bayer ist keine gemeinnützige Gewissensstiftung, sondern ein Unternehmen, das im Bereich von pestizidresistentem GVO-Saatgut gegenüber Monsanto ein grosses Defizit hat und dieses mit dem Zukauf auszugleichen versucht. Monsanto seinerseits verzeichnet ein Vakuum in der Produkte-Pipeline, weil man sich zu lange auf ein einziges Produkt verlassen hat, dessen Patente nun auslaufen.

Dass die Reputation von Monsanto durch den Einsatz seiner Roundup-Kupplungs-Technologie (Verkauf von Herbizid und dagegen resistentem GVO-Saatgut) gelitten hat, ist nicht das Verdienst der „arroganten Bayer- und Monsanto-Kritiker“, sondern weitestgehend selbst verschuldet. Dabei ist der zuweilen schrille Widerstand von NGO und Konsumenten in Westeuropa nur ein Nebenschauplatz. Das Hauptproblem aus agronomischer und damit auch gesellschaftlicher Sicht liegt anderswo.

Mit der Verschmälerung des Saatgut-Angebots auf wenige GVO-resistente Sorten (und damit der vom Kollegen in Abrede gestellten Verminderung der Auswahl für Konsumenten und Landwirte (beim Saatguteinkauf)), förderte Monsanto vor allem im weitherum boomenden Sojaanbau geradezu die Resistenzen von Unkräutern gegen Roundup. Die Folge ist unter anderem der grossflächige Einsatz hochgiftigen Substanzen wie Atrazin oder 2,4-D, welche oft mit Flugzeugen versprüht werden, die dabei ganze Dörfer einnebeln und die Gesundheit der Anwohner permanent gefährden. Das passiert aber nicht etwa in Europa, sondern zum Beispiel in Südamerika, wo mit GVO-Saatgut richtig Geld verdient wird.

Keine Spur von Technologiefeindlichkeit

Aiolfi führt den Widerstand gegen solche Auswüchse auf Technologiefeindlichkeit „der Grünen“ zurück. Wenn er damit die Biobauern und das ihnen wohl gesonnene politische Umfeld meint, dann ist er definitiv auf dem Holzweg. Diese sind nämlich keineswegs technologiefeindlich, sondern vor allem allergisch auf die Vereinnahmung ihrer Produktionsgrundlagen durch Konzerne, welche nicht etwa die komplette Ernährung der Weltbevölkerung anstreben, sondern, wie Aiolfi richtig feststellt, die „konsequente Verfolgung der Interessen der Aktionäre“, die der Kommentator wie leider viele seiner Kollegen mit denjenigen sämtlicher Stakeholder verwechselt oder verwechseln will.

Wollten die Shareholder und damit ihre Firmen nämlich nicht kurzfristigen Profit, sondern tatsächlich eine globale Ausrottung der Unterernährung und der Armut, dann hätten sie den Tatbeweis dafür längstens liefern können. Das ist aber bisher nicht gelungen, deshalb wohl auch die nachvollziehbare Skepsis der Kritiker, dass Baysanto und Konsorten künftig anders zu agieren gedenken. Mit Arroganz hat dies nichts zu tun, eher mit pragmatischer Einschätzung der Lage. Deshalb erübrigt es sich auch, die vorliegende Fusion mit der Ernährung von mutmasslich 2,3 Milliarden Menschen mehr anno 2050 rechtfertigen zu wollen.

Zurück zur von Aiolfi vermuteten „fatalen Technologie-Verteufelung“ durch die „Grünen“. Ich empfehle dem Kommentator statt der x-ten Bilanzmedienkonferenz einen Besuch an einem Bioackerbautag (siehe z.B. Video unten). Dort wird er sehen, dass sich hinter jedem modernen mechanischen Unkrautbekämpfungsgerät Trauben von Bauern und Bäuerinnen (auch konventionellen) scharen, die gespannt auf neue Technologie warten, um dem Unkraut ohne Pestizide Herr zu werden. Die aus ökologischer Überzeugung, ökonomischem Kalkül (bessere Preise für Bioprodukte) oder weil sie den Resistenzen auch mit den neueren, und durchaus umweltverträglicheren synthetischen Pestiziden nicht beikommen.

Grünes Digital Farming

Diese Geräte arbeiten mit modernster Digitaltechnologie, GPS, Lasersensoren, Hi-Tech-Steuerungen etc., eben Digital Farming. Bei deren Entwicklung sind aber nicht die Chemiemultis, sondern vorwiegend KMU führend, welche mit tatkräftiger Unterstützung der Landwirte neues Gerät entwickeln. Selbiges gilt für den biologischen Pflanzenschutz, wo grosse Chemieunternehmen, darunter Bayer, den Braten gerochen haben und Start-Ups gleich reihenweise aufkaufen. Von Technologiefeindlichkeit also keine Spur.

Auch GVO werden übrigens bei den „Grünen“ keineswegs nur im gut-böse-Raster diskutiert, sondern von gewissen Leuten durchaus als Chance gesehen, zum Beispiel, um den dringend nötigen Zuchtfortschritt für krankheitsresistente zu beschleunigen. Der Grund warum diese positiven Stimmen noch in der Minderzahl sind, ist nicht Technologie-Verteufelung sondern hauptsächlich darin zu suchen, dass die Grossunternehmen die Technologie bisher vor allem dafür benutzt haben, ihre Interessen am Markt durchzusetzen.

Zum Glück ist Food ein Politikum

Zum Schluss noch ein Wort zum Thema Food. Aiolfi beklagt sich, dass sich „Slow-Food-Freunde“ und andere Grosskonzern-Kritiker der Ernährung als Politikum annehmen, statt sich widerstandslos verabreichen zu lassen, was eine zunehmend konzentrierte Nahrungsmittelindustrie innoviert („Fast Food als Segen für minderbemittelte Konsumenten“). Die Verdienste der Konzerne um Food-Standards (Hygiene, Convenience etc.) in Ehren, aber dass sich immer mehr Konsumenten und ihre Vertreter das Recht herausnehmen, Fragen zu stellen und über Nahrungsmittel engagiert zu diskutieren und via Auswahl die Produktion zu steuern, ist ein Segen. Dieser Bereich ist zu essentiell und lebensnah, als dass man ihn den Konzernen überlassen könnte. Ein liberaler Geist sollte eigentlich froh sein, wenn die Konsumenten als mündige Wirtschaftssubjekte so Qualitätsförderung betreiben.

Zum Schluss wünsche ich mir, dass mich diese Mega-ChemiEhe positiv überrascht und dass sie bessere Blüten treibt, als das Vorgängermodell. 1954 haben Bayer und Monsanto gemeinsame Firma Mobay gegründet, wie man auf Wikipedia ausführlich nachlesen kann. Das 1992 aufgelöste Unternehmen produzierte unter anderem 2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure für den Entlaubungscoktail Agent Orange, den die Amerikaner im Vietnamkrieg verwendeten. Es kann ja eigentlich nur noch besser werden, die Bringschuld ist hoch. (Bild marketwatch.com)

 

Der Kommentar von Sergio Aiolfi in der NZZ vom 17.9.2016:

Proteste gegen den Zusammenschluss von Bayer und Monsanto: Fatale Technologie-Verteufelung
«Höllische Heirat», «tödliche Vereinigung», «Errichtung eines arroganten Imperiums», das unweigerlich im «Ökozid» endet: Umweltschützer und Kritiker aus dem Lager der Nichtregierungsorganisationen lassen an der geplanten Übernahme von Monsanto durch Bayer kein gutes Haar. Mit dieser Transaktion geht das deutsche Pharmaunternehmen nicht nur betriebliche und finanzielle Risiken ein, sondern es nimmt auch einen möglichen Reputationsschaden in Kauf. Der amerikanische Saatguthersteller ist wohl der meistgehasste Multi der Welt. Als dessen neuer Eigentümer läuft der Leverkusener Konzern – seinerseits immer wieder Zielscheibe von Kritikern – Gefahr, die Gegner noch weiter gegen sich aufzubringen. In ihren wütenden Reaktionen prangern diese die angebliche Ballung von Marktmacht an, die mit der Fusion einhergeht; zudem machen sie geltend, dass sich für die Konsumenten damit die Auswahl an Nahrungsmitteln verringern werde. Dass die Wettbewerbsbehörden in den Ländern, in denen Bayer/Monsanto künftig tätig sein wird, Monopolstrukturen kaum tolerieren werden, findet bei den Kritikern keine Erwähnung. Erstaunlich an deren Stellungnahmen ist ohnehin der völlige Mangel an sachlichen Argumenten, die erklären würden, warum die geplante Übernahme denn so verwerflich wäre. Die Aktivisten brüsten sich damit, dafür gesorgt zu haben, dass der Name Monsanto zum Synonym von «Gift» geworden sei. Weitere Erläuterungen erübrigen sich. Angesichts der Tragweite dieser Transaktion ist das sehr dürftig.

Nahrungsmittel als Politikum

Viele der Vorwürfe, denen sich Monsanto ausgesetzt sieht, könnte man auch anderen Firmen machen. Der Konzern ist marktmächtig, gewinnorientiert, global tätig und verfolgt konsequent die Interessen der Aktionäre. Banken, Rohstoffkonzerne und Pharmafirmen tun dies ebenfalls und geraten auch immer wieder in den Strudel der Kritik. Agrar- und Nahrungsmittelunternehmen jedoch scheinen sich für Anprangerungen ganz besonders zu eignen. Dem war nicht immer so. Die Industrialisierung des Essens und des Kochens nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise stiess in der Gesellschaft auf Akzeptanz; sie wurde als Wohltat für die eilige Hausfrau empfunden. Fast Food galt als Segen für minderbemittelte Konsumenten.

Dass Nahrungsmittel heute ein derartiges Politikum sind, hat wohl damit zu tun, dass sie einer Vielzahl von Zeitgeist-Strömungen als Protest-Plattform dienen. Industrie-, Kapitalismus- und Globalisierungskritiker finden hier ebenso Gehör wie Umweltschützer und Slow-Food-Freunde. Im Hintergrund kochen zudem die Agrarmarkt-Protektionisten ihr Süppchen und wirken darauf hin, dass ihre Einflusssphäre von Fremdem verschont bleibt. Ein Unternehmen wie Monsanto ist die ideale Verkörperung all dessen, was diese Fortschrittsskeptiker ablehnen.

Was den Kritikern vor allem in Europa besonders in die Nase sticht, sind die gentechnisch veränderten Organismen (GVO), eine Saatgut-Spezies, zu deren Entwicklung Monsanto wesentlich beigetragen hat. Auch diese Hightech-Agrarprodukte sind zum Symbol für das Böse schlechthin geworden. Sie gelten als Machtinstrumente, um den Bauern die Industrialisierung der Landwirtschaft aufzunötigen, sie in die Abhängigkeit von Konzernen zu zwingen und die Umwelt zu zerstören. Diesem grotesken Zerrbild werden die Segnungen des Biolandbaus gegenübergestellt, welcher der Menschheit auf sanfte Art den Weg zurück zur Natur weist.

Die Gefahr besteht, dass die europäische Sichtweise und der Biolandbau zum Modell für die Lösung der globalen Ernährungsprobleme werden. Ein Fehlschluss.

Ist das tatsächlich die Alternative zur konventionellen Agrartechnologie? Nach den Schätzungen der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) dürfte die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9,7 Milliarden Menschen angewachsen sein; das sind 2,3 Milliarden mehr als heute. Damit all diese Erdbewohner ernährt werden können, wird die Nahrungsmittelproduktion gegenüber dem jetzigen Stand überproportional gesteigert werden müssen; es ist davon auszugehen, dass mit zunehmendem Wohlstand vorab in Schwellenländern der Kalorienverbrauch pro Kopf zunehmen wird. Die agrarwirtschaftlichen Nutzflächen lassen sich jedoch nicht entsprechend ausweiten, was bedeutet, dass man bestehendes Ackerland intensiver nutzen muss. Gleichzeitig wird man weniger Wasser und weniger Chemikalien einsetzen können.

Mit den Mitteln der Biolandwirtschaft werden sich diese globalen Herausforderungen kaum meistern lassen. Die FAO betont zwar die Bedeutung des organischen Landbaus. Sie hielt jedoch bereits 2007 fest, dass auf Basis dieser Methode die derzeitige Weltbevölkerung nicht ernährt werden könne, von der Zahl künftiger Erdenbürger ganz zu schweigen. Man wird auf Produktivitätsfortschritte angewiesen sein, die unter Einsatz technologischer Neuerungen zu erzielen sind. Und dazu braucht es Firmen wie Bayer, Syngenta, Dow, DuPont, BASF – und nicht zuletzt Monsanto.

Über die Gentechnik hinaus

Auch die GVO gehören, allen Anfeindungen zum Trotz, zu den Mitteln, welche die Produktivität der Landwirtschaft fördern. Trotz allen Verdächtigungen stellen sie für die Konsumenten auch keine Gefahr dar. Bis heute jedenfalls gibt es keinen Nachweis dafür, dass die Organismen zu gesundheitlichen Schäden führen könnten. GVO sind aber auch kein Wundermittel, mit dem sich die Ernährungsprobleme allesamt lösen liessen. Bei Monsanto beging man in früheren Jahren wohl den Fehler, dieser Technologie zu grosse Bedeutung beizumessen und sie als einziges Mittel für eine zukunftsträchtige Gestaltung der Landwirtschaft zu propagieren. Davon ist der Konzern längst abgekommen, was den Kritikern vermutlich entgangen ist.

Eine neuartige, von Monsanto geförderte Agrartechnologie ist beispielsweise das Digital Farming, ein computerisiertes Verfahren, das auf der Verarbeitung von grossen Datenmengen (etwa bezüglich Bodenbeschaffenheit oder Wetterbedingungen) und dem Einsatz von Algorithmen beruht. Dank diesen Informationen können einem Landwirt präzise Anweisungen über Ort und Zeit eines optimalen Saatgut-, Dünger- und Pestizid-Einsatzes gegeben werden. Und aufgrund dieser Informationen lassen sich die mit bestehenden Anbaumethoden erzielten Erträge erhöhen. Die neue Technologie fällt heute umsatzmässig noch wenig ins Gewicht, hat aber beträchtliches Potenzial. Mit deren zunehmender Bedeutung wird sich Monsanto von einem Saatguthersteller allmählich zu einem Dienstleistungsunternehmen wandeln. GVO, der ewige Stein des Anstosses, dürften konzernintern an Bedeutung verlieren – wobei kaum anzunehmen ist, dass sich der Hass auf das Unternehmen deshalb verringern wird.

Die Fundamentalopposition, die einer Firma wie Monsanto entgegenschlägt, hat die verhängnisvolle Folge, dass alle technischen Neuerungen, die von einem Multi ausgehen, generell abgelehnt werden. Im Lager der Grünen hat sich eine Maschinenstürmer-Mentalität breitgemacht, und man gibt sich der Illusion hin, dass die Herausforderungen, die in den nächsten Jahrzehnten anstehen, ohne technische Innovationen und Zusatzleistungen zu bewältigen sein werden. Mit dem Verzicht auf Hightech und GVO ist man in Europa bisher gut zurechtgekommen. Die Gefahr besteht jedoch, dass man diese europäische Sichtweise und die Vorliebe für Biolandbau zum Modell für die Lösung der globalen Ernährungsprobleme emporstilisiert. Das ist ein fataler Fehlschluss. Namentlich Drittwelt- und Schwellenländer sind auf den Einsatz moderner, ertragssteigernder Agrartechnologien angewiesen – und solche Innovationen stammen aus den Labors und Versuchsfeldern der Agrarkonzerne. Diese Bemühungen gilt es nach Kräften zu fördern und nicht zu sabotieren, wie das die arroganten Bayer- und Monsanto-Kritiker tun.

 

Durch sieben Weidetörli musst du gehen…

Juli 10, 2016

Weidetörli1Okay, der Titel ist etwas gesucht, bin nur drauf gekommen, weil ich kürzlich gezählt und gemerkt habe, dass ich jetzt im siebten festen Job bin und ein jeder verändert wieder ein wenig die Perspektive und den Alltag, ähnlich wie einem das ab und an geht, wenn man durch ein Weidetörli kommt.
Zudem habe ich von meinen bewährten Kuhbildcracks Monika Schlatter (das oberste, aus Rikon ZH) und Urs Wiskemann (vom Bockmattli SZ) tolle Weidetörli geschickt erhalten und zu guter Letzt gedacht, es wäre höchste Zeit, wieder einmal zu bloggen.

Weidetörli2

Weidetörli3

Item, zurück zum Job Nr. 7. bei der BauernZeitung. Der ist mit einer der Zeitaufwendigsten und tagaus, tagein so stark mit der Scholle und dem darauf sich tummelnden Getier befasst, dass ich kaum noch dazu komme, in dieser Spalte Content zu liefern. Deshalb hab ich mir gedacht, ich könnt mal ein bisschen verlinken, was man dieser Tage so schreibt in der BauernZeitung.

Weidetörli4Hier ein paar Analysen aus der letzten Zeit: Die erste zum Thema Zeitung und Zukunft (es möge kein Gegensatzpaar daraus werden…) zum Auftakt mit dem neuen Layout unseres Blattes. (Sie wissen nicht wies aussieht? Kommentar oder Mail an mich genügt für Probeabo:). Dann die zweite zum Thema Pestizide und den Umgang mit der Anti-Landwirtschaftskampagne von Pro Natura. Die dritte online stehende schliesslich noch ist diejenige zum Käsemarkt und seine Lebenszeichen. Viel Vergnügen bei der Lektüre und weiterhin schönen sonnigen Sonntag! (Bilder Monika Schlatter, Urs Wiskemann)

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Phosphatprobleme im holländischen Hinterland

Mai 31, 2016

Demo2Interessante Begegnung heute im holländischen Hinterland: Wir sind mit ENAJ, dem europäischen Agrarjournalistennetzwerk unterwegs, Anlass ist das informelle EU-Agrarministertreffen in Holland, das derzeit die Union präsidiert. Teil des Programms ist die Besichtigung des Milchbetriebs von Rick und Joke Lagendijk in Diessen, eine halbe Stunde südlich von Eindhoven.

Demo4Sie haben letztes Jahr einen Stall für 250 Kühe fertiggestellt, Kosten pro Kuhplatz 6000 Euro (inkl vier Lely-Roboter), hoher Kuhkomfort im Kompoststall als Ziel, täglich Weide bei anständigem Wetter und eine jährliche Milchmenge von 1,7 Mio Kilo, die zum Grossabnehmer Friesland Campina geht.

Der Besuch war ausgesprochen interessant, man erfuhr viel als Schweizer in der Milchkrise. Auch in Holland ist die Lage angespannt, der Milchpreis der Lagendijks liegt derzeit bei 25 Cent, vor Jahresfrist waren es gut 10 Cent mehr. Man spürt in der EU die gestiegene Produktionsmenge, nachdem im April 2015 die Quoten aufgehoben worden waren.

Übertrieben jammern über die Preissituation mag der Bauer allerdings nicht, man ist sich in der niederländischen Pampa den rauen Wind des Markts gewohnt. Wer hier überleben will, muss in guten Zeiten vorsorgen, das war letztes Jahr mit Produktionskosten von 31 Cent pro Kilo möglich, heuer zehrt man von den Reserven.

Was Lagendijk deutlich stärker belastet, ist ein anderes Problem. Die Niederlande haben einen notorischen Nährstoffüberschuss, nicht sehr überraschend, angesichts der Intensität mit der hier produziert wird. Lagendijks sind dafür mit potenziell 250 Kühen auf 56 Hektaren Land ein gutes Beispiel.

Die hohe Nährstoffbelastung sorgt für Druck aus der EU und aus dem eigenen politischen Überbau. Konsequenz: Holland muss das Nährstoffaufkommen und in erster Linie die Phosphatbelastung senken. Deshalb hat die Regierung dekretiert, dass die Milchbauern nicht mehr Tiere halten dürfen, als am Stichtag 2. Juni 2015. Das hat viele Milchbauern auf dem falschen Fuss erwischt, weil sie letztes Jahr angesichts der Aufhebung der Quote tief in die Tasche griffen, um ihre Bestände aufzustocken.

Lagendijks sind ein gutes Beispiel: Statt der beabsichtigten 250 Kühe können sie derzeit nur 180 Stück halten. Die Konsequenz ist, dass sie die Kosten für den schönen Neubau nicht vollumfänglich amortisieren können.

Demo1Offenbar geht es zahlreichen anderen Bauern in der Gegend gleich, als nämlich der Konvoi mit den ebenfalls auf dem Betrieb weilenden EU-Ministern seine Rückreise antreten wollte, stellten sich diesem im strömenden Regen etwa 30 protestierenden Milchbäuerinnen und -bauern in den Weg. Sie beklagen sich, dass sie mit ungleich langen Spiessen gegen die Mitbewerber in der EU antreten müssen, haben doch die Kollegen in den Nachbarländern ungleich weniger scharfe Vorschriften bezüglich Nährstoffbelastung, wenn auch in gewissen deutschen Bundesländern durchaus reguliert wird.

Nach langem Hin- und Her wird schliesslich eine Delegation zu den Ministern in den Bus vorgelassen, damit sie ihre Klage deponieren können. Ändern wird sich die Situation erst wieder, wenn die Preise etwas höher steigen, wofür gemäss dem ebenfalls anwesenden CEO von Friesland Campina, Roelof Joosten erste Anzeichen bestehen. Dann nämlich werden es sich die Bauern leisten können, die horrend teuren Phosphorproduktionsrechte zu kaufen, mit denen man die Bestände ausbauen kann. Gegenwärtig gibt es keinen festen Preis, da kaum gehandelt wird, aber man rechnet mit rund 5-6000 Euro pro Kuhplatz.

Der Lösungsansatz ist typisch niederländisch. Im Sektor ist Intensitätsreduktion eigentlich nie ein Thema, vielmehr sucht man immer nach technischen oder wie in diesem Fall fiskalischen Lösungen, um die Landwirtschaft im Stadtstaat Holland zwischen einigermassen Nachhaltigkeits-verträglichen Leitplanken zu halten.Demo3

 

Cash für Kasisi

Mai 13, 2016

KasisiHeute einmal ein klein wenig Reklame für ein unterstützungswürdiges Projekt. Ich komme zwar ein bisschen wie die alte Fasnacht hinterhehr. Unterdessen haben so diverse Institutionen wie Zalp, BigM und Ron Orp zum Spenden aufgerufen, jetzt also auch noch hier den Appell an den Geldbeutel zugunsten eines guten Zwecks.

Es geht um eine Crowdfunding-Aktion für eine Molkerei in Kasisi in Sambia. Dort ist Markus Schär, ein Biobauer und Älpler aus Bern für eine Schweizer Entwicklungsorganisation drei Jahre lang am KATC, einem jesuitischen Training-Center für Biolandwirte tätig. Die Milch der 45 Kühe des Centers geht zur Zeit in die Industrie, neu möchte man einen Teil davon zu Joghurt, Lacto (Sauermilch) und anderen Produkten verarbeiten und direkt vermarkten.

„Um mit der Milchverarbeitung beginnen zu können, müssen wir einen Raum umbauen und mit Wasserleitungen, Abfluss und Waschtrog ausstatten. Und wir benötigen Ausrüstung und Utensilien. Unsere grössten Posten sind eine Zentrifuge (zur Rahmgewinnung), ein Pasteur, Chromstahlkannen, Kühlschränke, ein Generator, ein Wasserspeichertank und ein Boiler“, schreibt Markus in einem Brief an „Bio-Affine“ und „Nord-Süd-Solidarische“.

Dafür fehlt noch etwas Kleingeld, gemäss Stand heute sind es noch 6169 Franken, die ausstehen, um das Ziel von 15’000 Franken zu erreichen. Auf der benutzten Plattform bleiben noch 64 Tage, macht weniger als eine Hunderternötli pro Tag, das sollte eigentlich zu schaffen sein.

Hier geht es zur Crowdfunding-Plattform, wo es auch ein Video zum Projekt zu sehen gibt. Weitere Informationen über das Projekt finden sich auf dem sehr lesenswerten Sambia-Blog, den Markus Schär für uns bei der BauernZeitung schreibt. Viel Vergnügen bei der Lektüre und lassen sie sich die Fränkli aus dem Portemonnaie zentrifugieren und in den Milchtank sprudeln, es lohnt sich bestimmt. (Bild Markus Schär)

Frühlingskühe und ein Pleasure-Storm

April 23, 2016

Frühlingskühe1aDer Frühling ist mit leichtem Stottern am ankommen und auch meine Kuhfoto-KorrespondentInnen erwachen langsam aus dem Winterschlaf, das heisst, es gibt es auch wieder vermehrt Kuhbilder!

Frühlingskühe2aZum Auftakt eine kleine Serie von Monika Schlatter, die viele von Euch schon kennen dürften als begabte Kuhfotografin. Diese Woche haben wir ihr auch auf BauernZeitung online erstmals die Ehre gegeben mit einem wunderschönen Bild von zwei behornten Braunen auf der Schwägalp.

Frühlingskühe3a„Vielleicht kannst du was anfangen damit?“, schreibt mir Monika. Und ob, herzlichen Dank! Die Bilder stammen aus der Nähe von Risch ZG und das unterste vom Hinterchiemen. Etwas peinlich ist mir, dass ich keine Ahnung habe, was da für ein markanter Berg dahinter steht. Vielleicht kann ja jemand weiterhelfen?

Frühlingskühe6aDie zweite Serie stammt ebenso verdankenswerter Weise von meinem Kumpel Urs Wiskemann, seines Zeichens Motorsänger und regelmässiger Kuhbild-Lieferant. Merci Ürsu!

Frühlingskühe5a„hier noch kuhbilder von einem spaziergang am dienstag abend von männedorf nach feldbach. super wetter und eine schöne mutterkuhherde am weiden in stäfa. die kälber waren echt schnüsig am gumpen“, schreibt er mir, was mit diesem Bild geradezu prächtig dokumentiert ist.

Frühlingskühe4aAllerdings war seine Freude nicht ungetrübt: „seit mir mein lebensmittelchemiker-freund urs gesagt hat, weidemast sei mit abstand die futterintenivste mast, hab ich natütterli bitzeli weniger freude als frücher: nach dem motto, wer weniger weiss hats manchmal einfacher glücklich zu sein“. Aber zum Glück hilft mehr wissen manchmal auch, dank meiner Zeit am FiBL konnte ich diese Fehlinformation vom Lebensmittelchemiker locker parieren. Weidemast kann unter Einbezug aller Parameter mehr als nur mithalten. Man lese zum Beweis diesen FiBL-Bericht (oder zumindest die Zusammenfassung), Link ganz unten.

Pfisters VideoUnd apropos Gumpen: Zum Abschluss von der Frühlingskuhparade jetzt noch ein kleines bzw grosses Online-Phänomen. Die Familie Pfister aus Bözen AG hat mit einem 50-Sekunden Filmli auf ihrem Facebook-Account zum Thema erster Weidegang internationale Berühmtheit erlangt (leider kann ich es mangels Knowhow hier nicht teilen, aber via den Link sollte es klappen). Die tanzenden Kühe und Kälber wurden auf dem Original-Account seit dem 31. März zwei Millionen mal angeschaut, gut 30’000 mal gelikt und über 21’000 mal geteilt. Dieser Pleasure-Storm freut mich sehr weil er zeigt, wie gross das Potenzial der Landwirtschaft für gute Geschichten ist. Und wie wenig es manchmal braucht, um diese dank den neuen Medien schön zu vermarkten.

Was das Filmli punkto Haltung zeigt, ist dass ein befestigter Betonboden in einem Laufstall für die Tiere das echte Weide-Feeling nie wird ersetzen können. (Bilder Monika Schlatter (obere drei), Urs Wiskemann (untere drei))