AP 2014-17: Ein Päckli für Stadt & Land

Dieses schöne Bild, das meine Gast-Kuhfotografin Monika Schlatter (merci!) kürzlich vor dem Europa-Hauptsitz von Kraft Foods in Glattbrugg gemacht hat, steht hier symbolisch. Nicht etwa dafür, dass Mitarbeiter eines Nahrungsmittelkonzerns ein paar Kühe vor dem Fenster brauchen, um sich daran zu erinnern, wer an der Basis ihrer Löhne steht. Sondern für die Agrarpolitik und das soeben vom Nationalrat verhältnismässig ungeschoren verabschiedete Päckli AP2014-17.
Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, obschon es eine Qual war, die Debatte auf parlament.ch live zu verfolgen. Für Nicht-Parlamentarier ist die Entscheidungsfindung ein derart kryptische Abstimmungskaskaden zerlegt, dass es kaum möglich ist, zu eruieren, um was es gerade geht. Aber das ist letztlich egal. Was zählt ist das Ergebnis und mit diesem können Stadt und Land zufrieden sein, finde ich, daher übrigens das Bild.
Die Landwirtschaft kann befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass die Zahlungsbereitschaft bei aller Kritik an der bäuerlichen hohlen Hand unverändert ist. Über den Umfang der jährlich rund 3,5 Milliarden Staatsstützung wurde schon gar nicht diskutiert. Die Steuerzahler können ebenfalls befriedigt zur Kenntnis nehmen, dass die Gelder künftig zielgerichteter verteilt werden. Das ist ein nötiger Schritt, denn die Voraussetzungen für die 1 bis 2 Prozent Bauern werden sich ändern. Während heute jedeR zweite irgendwie ein bisschen Bauer oder Landei im Herzen ist, weil ein Grossätti oder ein Onkel noch ein paar Chueli hielt, wird die Zahl dieser Heimweh-Bewirtschafter künftig abnehmen. Selbst mein Nachwuchs, den ich mit bauernfreundlicher Rhetorik beregne und bei jeder Gelegenheit auf Bauernhöfe mitnehme, lässt sich nicht so ohne weiteres faszinieren für die Scholle. Wenn man will, dass die zunehmend verstädterte Schweiz auch künftig zahlungswillig bleibt, braucht es ein System, das einleuchtet und keine flächendeckende Verteilung von Manna mit diffusen Kriterien.
Vor diesem Hintergrund ist auch zu begrüssen, dass die Wiedereinführung von Tierhalterbeiträgen durch die Hintertür gescheitert ist. Obwohl ich ein grosser Freund von Kühen und Co. im Landschaftsbild bin, lässt sich Tierhaltung die nur durch Direktzahlungen motiviert ist, heute nicht mehr rechtfertigen, zumal ja die ökologischen Probleme durch Stickstoffüberschüsse keineswegs vom Tisch beziehungsweise aus den Bächen und Seen sind.
Fazit: Gut gibt’s die Schweizer Bauern und die Schweizer Steuerzahler. Und ein Parlament mit Augenmass. (Bild Monika Schlatter)

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Eine Antwort to “AP 2014-17: Ein Päckli für Stadt & Land”

  1. elizaoakeshott Says:

    Besser eine späte Reaktion als Gleichgültigkeit ;): ich stimme der Beurteilung des Ergebnisses der Abstimmung zur „Reform“ voll und ganz zu. Aus meiner Sicht der „Zugewanderten“ aus dem europäischen Ausland hätte ich mir auch eine noch weitergehende Ausrichtung der Politik auf die in der BV festgelegten Ziele vorstellen können. Insbesondere auf die Ziele der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Pflege der Kulturlandschaft, aber auch auf die Ziele der dezentralen Besiedlung des Landes und der sicheren Versorgung der Bevölkerung, wohlgemerkt. Beim Ziel der Versorgungssicherheit erhält für mich die de facto Abhängigkeit der europäischen und eben leider auch der Schweizer Tierproduktion von Futtermittelimporten aus Übersee gar nicht genug Aufmerksamkeit. Übrigens freut es mich zu lesen, dass man sogar als gebildeter Schweizer (Voll-)Bürger Mühe haben kann, der Entscheidungsfindung in allen Einzelheiten diverser Minder- und Mehrheitsanträge folgen zu können. Ich selber bin am ersten Mittwoch der Agrardebatte sogar nach Bern gefahren, um die Debatte im Bundeshaus live mitzuverfolgen. Ich fand es sehr interessant, die Stimmung im Saal und unter den Zuschauern ausloten zu dürfen, aber muss mich ein anderes Mal wohl etwas besser mit den Abstimmungsgrundlagen und -prozeduren auseinandersetzen.

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