Wie die Biosphäre konventionelle Probleme löst

Wieder einmal etwas gelernt: Dieser Tage habe ich für meinen Arbeitgeber einen Artikel zur Eierproduktion verfasst, genauer zur „Verwertung“, um dieses wüste Wort zu brauchen, der Suppenhühner. Für diese gibt es in der Schweiz seit langem ungenügende Nachfrage, weil die KonsumentInnen lieber Pouletbrüstli aus der Schnellmast aus allen Herren Ländern verzehren, anstatt ein Huhn während Stunden gar zu kochen. Im besagten Artikel kam der Direktor der Branchenorganisation Aviforum ausführlich zu Wort. Er bestätigte, dass die Branche eine neue Lösung für den Absatz der Suppenhühner gefunden hat. Statt die knapp 2 Millionen ausgedienten Legehennen wie bisher zu vier Fünfteln in Biogas-Anlagen zu entsorgen, können neu zwei Drittel der Tiere der grössten Eierproduzenten in einem süddeutschen Unternehmen – interessanterweise eine verhältnismässig kleine Bio-Geflügelmetzgerei – geschlachtet, entbeint und anschliessend im Schweizer Markt für Charcuterie verwendet werden. Diese News verbreiteten auch der Sonntags-Blick und der Tages-Anzeiger, um nur diejenigen zu nennen, die mir aufgefallen sind. Nur wenige Tage nach der Publikation des Artikels am Oster-Dienstag habe ich nun eine wichtige Zusatzinformation erhalten: Den Weg für die neue Lösung haben die konventionellen Hühnerhalter nicht etwa selber gefunden, sondern vorgespurt erhalten: Initiantin für den sinnvollen Entsorgungsweg war die im Zürcher Oberland angesiedelte Hosberg AG, die grösste Handelsfirma für Bioeier, wie mir eine Mitarbeiterin berichtet. Das sind erfreuliche Nachrichten: die Biobranche spurt vor und die Konventionellen steigen aufs Trittbrett. Das zeigt auch, dass ökologische Bewirtschaftung und Tierhaltung weit über den eigenen Sektor ausstrahlen. Für mich war es eine Lektion, denn die Recherche war ungenügend. Immerhin kann ich mir zugute halten, dass ich beim Schlachthaus vorbeischauen wollte, dort allerdings wegen hoher Auslastung des Betriebs keinen Besuchstermin erhielt, das soll aber keine Entschuldigung sein. Auch für Hosberg gibts eine Moral in der Geschicht: Mehr reden über das Gute, das man tut. Wer sich übrigens interessiert für das Unternehmen, dem empfehle ich das grosse Fest zum 15-jährigen Bestehen am kommenden 9. Juni. Ideal kombinierbar mit einem schönen Wanderausflug im Zürcher Oberland. (Bild Hosberg AG)

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5 Antworten to “Wie die Biosphäre konventionelle Probleme löst”

  1. Heidi Says:

    Das hübsche Bild erinnert mich an einen Augenschein in einem Legehennen-Käfigstall der 1980er Jahre: wenig Licht, dumpfe Geräusche, blutige Hennen; das war unerträglich! Initiantin einer besseren Haltungsform war die KAG-Gründerin Lea Hürlimann. In einem Podiumsgespräch mit Männern, soll sie Roger Schawinski mit ihren hartnäckigen Fragen so genervt haben, dass er sie als „wild gewordene Hausfrau“ titulierte. Die Konventionellen wollten die Käfighaltung nicht aufgeben, erst Migros und Coop zwangen sie in die Knie. Ausführliche Infos dazu im Jubiläums-Magazin 40 Jahre KAGfreiland, Nr. 1, 2012,
    http://www.kagfreiland.ch/kagfreiland.asp?lv1=30&lv2=114
    Wo wären wir ohne all diese Andersdenker?

  2. Matthias Rackwitz Says:

    Hosberg klingt ja nahezu traumhaft, in Deutschland geht Bio-Ei so, dass einer der großen Bio-Ei Produzent bei uns im Dorf einen vorhandenen Altstall mit 36400 Bio-Legehennen bestücken möchte, die stehen naturlich auch in max. 3000er Herden . Dieses Bio möchte niemand ,aber die Discounter-Bio Kunden interessierts recht wenig.

  3. Elisabeth Kremer Oakeshott Says:

    Nach der Lektüre des Artikels habe ich verstanden, warum in einem Bioladen in einer kleinen Stadt am Rhein, wo wir die Osterferien verbracht haben, „plötzlich“ auch Suppenhuhn im Angebot zu finden war. Ich habe keines gekauft, würde es aber ein anderes Mal auf jeden Fall tun!

  4. adriankrebs Says:

    @Heidi: Das bestätigt meine These, dass es in vielen Fällen steten Öko-Tropfen braucht, um den Stein der konventionellen Landwirtschaft zu höhlen, ohne deren Verdienste negieren zu wollen, übrigens, die gibts nämlich auch. Betriebe mit über 36000 Hennen gehören wohl nicht dazu. Allerdings, @Matthias, dass klein automatisch fein und gross umgekehrt in jedem Fall problematisch ist, würde ich nicht unterschreiben. Wenn auf dem genannten Betrieb tierfreundliche Verhältnisse herrschen und die Nährstoffkreisläufe geschlossen werden können, gibt es wenig einzuwenden. Und wer mir ein Bild von einem selber gekochten Suppenhuhn schickt, zum Beispiel Du, Elisabeth, der kriegt von mir ein Geschenk. Aktion Hühnervogel zurück auf den Tisch.

  5. genoland Says:

    es ist alles noch viel schlimmer !
    http://genoland.wordpress.com/2012/05/31/es-ist-viel-schlimmer/

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